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Und, die er sonst so heiß umworben,

Die Schönen reizten ihn nicht mehr:

Er war es satt, genarrt zu werden.

Auch Freundschaft schuf ihm nun Beschwerden,

Denn ewig konnte man doch nicht

Zum Beefsteak oder Nachgericht

Champagner durch die Kehle jagen,

Und auf Verlangen obendrein

Mit schwerem Kopf noch geistreich sein;

Ja, sonst bereit, sich gleich zu schlagen,

Selbst Ehrenhändel ließ er nun,

So Degen wie Pistole, ruhn.

XXXVIII

Ein Leiden, welches aufzuklären,

Obschon verwandt mit Englands Spleen,

Die Ärzte längst verpflichtet wären,

Kurz: Rußlands Trübsinn hatte ihn

Seitdem bedenklich in den Krallen.

Sich aber einfach totzuknallen,

Das, Gott sei Dank, mißfiel ihm just;

Nur schwand ihm jede Lebenslust.

Und nun erschien er auf den Festen

Gleich Ritter Harold eisig stumm

Und blieb für Tanz und Spiel ringsum,

Für holde Seufzer, zarte Gesten,

Skandalgeschichten, Spott, Bonmots

Vollkommen kalt und teilnahmslos.

XXXIX/XL/XLI

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XLII

Ihr launenhaften großen Damen!

Euch ließ er ganz zuerst im Stich.

Der »feine Ton« im steifen Rahmen

Langweilt ja heut auch fürchterlich.

Zwar wissen manche höchst Aparten

Mit Say und Bentham aufzuwarten,

Doch was man sie so plappern hört,

Ist schaudervoll und mitleidswert.

Und dabei tun sie noch so wichtig,

So arg gebildet, stolz und fein,

Sind allesamt so engelrein,

So unzugänglich, keusch und züchtig,

So ganz den Männern abgeneigt,

Daß schon ihr Anblick Spleen erzeugt.

XLIII

Auch euch, ihr Dämchen freier Liebe,

Die ihr in sinnlich toller Hast

Spätnachts durch Petersburgs Getriebe

Von Droschken euch entführen laßt,

Auch euch beschloß er kühl zu meiden.

Und gründlich satt der wilden Freuden

Spann gähnend er zu Haus sich ein

Und nahm sein Schreibzeug vor. Allein,

Entwöhnt, mit Arbeit sich zu quälen,

Und weil der Feder nichts entfloß,

Mißlang's ihm, sich als Zunftgenoß

Den kecken Leuten beizuzählen,

An denen sich nicht gerne reibt,

Wer, so wie ich, ihr Handwerk treibt.

XLIV

Aufs neu dem Nichtstun preisgegeben,

Verstimmt, sich seelisch leer zu sehn,

Verfiel er drauf als löblich Streben,

Der Weisheit andrer nachzugehn.

Nun ließ er Haufen Bücher kommen,

Las, las, doch ohne Nutz und Frommen:

Hier war nur Unsinn, Trug und Tand,

Dort weder Einsicht noch Verstand,

Kurz, lauter Schund von blöden Schreibern;

Die alten waren nichts mehr wert,

Die neuen dreist und gleich verkehrt.

Deshalb verließ er nächst den Weibern

Nun auch der Bücher staub'ges Chor

Und überwarf's mit Trauerflor.

XLV

Gleich ihm entflohn der Weltlust Plagen,

Befreit aus hohler Formen Bann,

Ward ich sein Freund in jenen Tagen.

Er zog als Mensch mich lebhaft an

Mit seinem Hang zum Phantasieren,

Den unnachahmlichen Manieren,

Dem unbeirrbar scharfen Geist.

Ich war verbittert, er vereist,

Uns beide hatte schon das Leben,

Der Leidenschaften Spiel genarrt,

Uns beiden war das Herz erstarrt;

Wir hatten Jugend hingegeben,

Und nur Fortunas blinden Hohn

Und unsrer Mitwelt Haß zum Lohn.

XLVI

Wer lebt und urteilt, lernt beizeiten,

Wie tief verächtlich Menschen sind;

Wer fühlt, dem muß es Schmerz bereiten,

Wie schnell des Lebens Wahn zerrinnt.

Er kann nun all den Zauber missen,

Verzehrt sich in Gewissensbissen

Und spürt der Reue dumpfe Pein ...

Dergleichen spendet insgeheim

Der Unterhaltung reiche Würze.

Erst quälte mich Onegins Ton;

Doch ich gewöhnte bald mich schon

An seine blendend scharfe Kürze,

Den spöttisch überlegnen Stil,

Das fein geschliffne Redespiel.

XLVII

Wie oft – wenn in der sommerhellen,

Durchsicht'gen Nacht, des Mondes bar,

Sich in der heitern Newa Wellen

Spiegelten leuchtend, weiß und klar

Die endlos hohen Himmelsräume –

Ging unser Flug ins Reich der Träume,

Gedachten wir der Jugendzeit,

Der ersten Liebe Lust und Leid,

Und schwelgten in Erinnerungen,

Vom tiefen Zauber stumm berauscht!

Wie ein Gefangner träumend lauscht,

Zum grünen Wald sich wähnt entsprungen,

So trug uns lockend Schwärmersinn

Zum Frühling unsres Lebens hin.

XLVIII

Dann stand Eugen, sich heimlich sehnend,

Gedankenvoll, elegisch trüb

Und schweigsam am Granitbord lehnend,

Wie ein Poet sich einst beschrieb.

Ganz still war's; nur vereinzelt schollen

Der Schildwach' Rufe; fernes Rollen

Von spätem Fuhrwerk hallte matt

Aus der in Schlaf versunknen Stadt.

Im Strom, der schlummernd ausgebreitet

Dahinfloß, sich ein Kahn verlor,

Und fernher glitt zu unserm Ohr

Ein heitrer Sang, vom Horn begleitet ...

Oh, um wie voller man genießt,

Wo Tassos Lied die Nacht versüßt!

XLIX

O Adrias kristallne Wogen!

O Brenta! Doch – ich schaue euch,

Geschwellten Herzens hingezogen

Zu eurer Klänge Zauberreich!

Sie sind Apollos Enkeln teuer

Und mir durch Albions stolze Leier

Längst innig kund in tiefster Brust.

Ich will in sel'ger Nächte Lust

Italiens goldne Wonnen schlürfen,

In stiller Gondel zärtlich warm,

Venedigs holde Maid im Arm,

Bald stumm, bald plaudernd schwelgen dürfen,

Bis meinen Lippen süß vertraut

Petrarcas und der Liebe Laut!

L

Wird meiner Freiheit Stunde schlagen?

O schnell, schon treibt's mich ohne Ruh'

Zum Ufer hin, den Wind zu fragen,

Schon wink' ich Segeln Grüße zu.

Wann endlich gönnt mir Schicksalswille,

Durch Sturmwind oder Meeresstille

Frei hinzuziehn ins Sonnenland?

Bloß fort von diesem öden Strand

Mir feind gewordner Elemente,

Auf daß ich froh des Südens, nah

Dem Himmel meines Afrika,

Vom Düster Rußlands träumen könnte,

Wo Liebe mich und Leid bedrängt,

Wo ich mein Herz ins Grab gesenkt ...

LI

Zum Plan, uns reisend aufzufrischen,

War auch Onegin schon bereit;

Allein das Schicksal trat dazwischen

Und trennte uns für lange Zeit:

Sein Vater starb. Mit harten Blicken

Begannen Gläub'ger ihn zu drücken.

Ein jeder tut, was ihm gefällt:

Onegin, vor die Wahl gestellt,

Entschloß sich, um von Schachernöten

Nicht weiter drangsaliert zu sein,