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»Überlichtschnelle Funkverbindungen benötigen keine Außenantennen.«

»Überlichtschnell?«

»Sie sagen es«, antwortete der Morcone. »Erstaunt Sie das?«

»Überhaupt nicht«, log Marsh. »Wir wissen natürlich nicht, wie sich die Erde technisch weiterentwickelt hat – aber vielleicht könnten wir einen Funkspruch nach Hause absetzen.«

»Völlig überflüssig!« erwiderte Gambral heiter. »Wir Morconen funken bereits seit etlichen Jahrhunderten auf Ultra-Frequenzen im Weltall herum – bislang ohne jede Antwort.«

»Vielleicht ist die Sendeenergie nicht ausreichend«, vermutete Marsh.

»Bereits mit dem Bordgerät eines dieser Schiffe könnten Sie einen störungsfreien Sprechkontakt zur Erde bekommen – und unsere Sendeanlage ist ein Stück größer! Sie kennen sie bereits.«

»Die Pyramide!« rief Arvid aus.

»Richtig«, bestätigte der Morcone. »Die gesamte Pyramide ist nichts weiter als ein riesiger Hypersender.«

»Wo sind eigentlich diese famosen Schulungsgeräte?« wollte Marsh wissen.

»Kommen Sie bitte mit!« sagte der Morcone.

Wieder durchschritten die Menschen und ihr morconischer Führer ein verwirrendes System von Gängen, Fluren und Sälen. Inzwischen war ein neuer Abschnitt des unterirdischen Bunkers in Stadtgröße erreicht; die Tatsache, daß sich die Menschen den Schulen näherten, war schon an der wachsenden Zahl von Leuten mittleren und noch geringeren Alters zu erkennen.

Schließlich blieb Moltion Gambral vor einer Tür mit unleserlichen Schriftzeichen stehen; wortlos stieß er sie auf. »Wir sind am Ziel«, verkündete er.

Marsh erkannte einen langgestreckten Korridor, in dessen Wänden in geringen Abständen Dutzende von Nischen eingelassen waren. Als Gambral den Vorhang vor einer Nische zurückschlug, erkannte Marsh einen anscheinend schlafenden Morconen, an dessen kahlem Schädel mehrere Sensoren befestigt waren. Neben der Pritsche, auf dem der Mann lag, stand ein wuchtiger Metallkasten mit zahlreichen Instrumenten und Schaltern. Ein kaum hörbares Summen und sich verändernde morconische Ziffern zeigten an, daß das Gerät aktiviert war.

»Dies hier ist eine Schulungsmaschine«, erklärte Gambral. »Die Sensoren erzeugen im Innern des Schädels mikroskopisch kleine Felder, die die Informationen auf die Zellen übertragen. Wenn Sie das Funktionsprinzip genau erklärt haben wollen, kann ich Ihnen nur raten, sich die entsprechenden Datenspulen geben zu lassen und damit eine dieser Anlagen zu füttern.«

Der Morcone ging ein paar Schritte weiter und schlug den Vorhang zurück; diese Kabine war nicht besetzt. Gambral wandte sich an den Navigator und sagte: »Legen Sie sich hin, Arvid.«

Arvid zuckte fatalistisch mit den Schultern und folgte der Anweisung; sobald sein Rücken das Lager berührte, schnallte Gambral den Mann mit breiten Gurten an.

Auf die Tastatur einer schreibmaschinenähnlichen Anlage tippte er dann einige Daten; wenig später fiel mit leisem Poltern eine achtzig Zentimeter durchmessende und etwa acht Zentimeter hohe Bandspule in einen Auffangkorb.

»Sind darauf die Daten?« wollte Arvid wissen; mühsam hatte er den Kopf auf die Seite gedreht, um die Vorgänge um ihn herum möglichst genau beobachten zu können.

»Völlig richtig geschätzt«, bestätigte der Morcone, während er das Ende der Spule in die Schulungsmaschine einsetzte. Er hatte einige Mühe, die feinen Sensoren der Anlage an Arvids Kopf zu befestigen. Der Navigator weigerte sich entschieden, zur Erleichterung des Verfahrens seine Haarpracht zu opfern.

»Wir schicken zunächst ein paar schwache Stromstöße ins Gehirn«, erklärte der Morcone. »Sie werden einschlafen, und dann kann die Schulung beginnen.«

Nachdem er einen faustgroßen, giftgrünen Knopf in seine Fassung gepreßt hatte, begann die Maschine zu summen; nach wenigen Sekunden hatte Arvid die Augen geschlossen und reagierte auf keinen Anruf mehr.

»Und jetzt Sie!« sagte Gambral fröhlich und deutete auf Marsh.

»Wir sind bereit!« gab Margalo über Funk durch. In seinen Kopfhörern konnte Marsh den Sprechfunkkontakt mit der morconischen Leitstelle einwandfrei mithören.

»Startluke wird in einer halben Minute geöffnet«, versprach der Tower.

Ein gewaltiger Lift hatte vor einer halben Stunde das große Raumschiff aus den völlig sicheren Hangars in zweieinhalbtausend Meter Tiefe bis auf zwanzig Meter Tiefe angehoben. Jetzt waren andere Maschinen damit beschäftigt, den zwanzig Meter dicken Deckel aus Stahl und Fels über dem Raumschiff zu entfernen.

»Luke ist offen!« verkündete Margalo.

Mit fragendem Gesichtsausdruck sah er auf den kleinen Monitor vor sich, der die Gesichter von Hayden Bellows und Curry Cobb zeigte; die beiden Männer kümmerten sich um die Antriebsmaschinen.

»Alle Systeme sind klar«, verkündete Curry.

»Dann los!« sagte Marsh. Er sah zu Moltion Gambral, der ihm zunickte. Während er den großen, pechschwarzen Hebel mit der ungewöhnlichen Griffmulde langsam nach vorne drückte, spannte er unwillkürlich die Muskulatur an, um den Andruck der Beschleunigung abzufangen.

Doch nichts dergleichen geschah. Mit einer Beschleunigung von mehr als 30 g jagte das Schiff senkrecht in die flirrheiße Luft von Morcos; die Auswirkungen im Innern des Schiffes waren gleich Null – die Absorber arbeiteten perfekt.

»Orbit erreicht!« meldete sich die Navigation; Arvids Stimme hatte ihre alte Kühle und Bestimmtheit wiedergewonnen. »System Escape Injection in acht Minuten.«

Die Ionentriebwerke des Schiffes rissen das Fahrzeug aus seinem Orbit um Morcos und trieben den Kegelstumpf auf eine neue Bahn, die gradlinig aus dem Morcoy-System hinausführte.

Etwas sorgenvoll betrachtete Marsh den Computermonitor, auf dem die Planetenbahnen in einer perspektivischen Darstellung zu sehen waren; ein heller Strich deutete die projektierte Flugbahn an.

»In sechs Minuten sind wir klar für Trans Solar Injection!« meldete sich der Chefingenieur knapp.

Mit einer gleichmäßigen Bewegung schob Marsh den Fahrthebel für das Haupttriebwerk nach vorne; das Aufflackern einer roten Lampe zeigte an, daß das Triebwerk einwandfrei arbeitete. Marsh arretierte den Hebel im Anschlag, dann drehte er sich mitsamt seinem Sessel um.

»Der technische Teil unserer Heimreise ist einstweilen beendet«, stellte er ruhig fest. »Wir haben jetzt ziemlich genau vier Stunden Zeit, uns zu überlegen, was wir bei unserer Ankunft auf der Erde sagen werden.«

»Wie wird man uns empfangen?« fragte Margalo. »Als die verlorenen Söhne, die endlich heimkehren? Oder vielleicht mit der Waffe in der Hand?«

»Wahrscheinlich letzteres«, vermutete Arvid. »Schon als Überträger gefährlicher Krankheiten sind wir gefährlich.«

»Ihr vergeßt eines«, bemerkte Viveca kühl. »Wir sollten bei planmäßigem Flug nach zwanzig Jahren wieder auf der Erde landen. Wir aber sind bereits nach weniger als elf Jahren wieder da – und zudem mit einem völlig unbekannten Schiff. Was glaubt ihr, wird das für ein Chaos auf der Erde auslösen?«

»Nun ja«, meinte Elissa heiter. »Man wird uns schließlich nicht gleich umbringen.«

»Ich wäre da nicht ganz so sicher«, bemerkte Marsh. »Versetzt euch einmal in die Lage eines irdischen Militärs. Man erwartet nach zwanzig Jahren einen zerlumpten Haufen in einem halbwracken Schiff zurückkehren zu sehen – wie es sich für Entdeckungsreisende gehört. Aber nichts dergleichen. Statt dessen sind die Forscher von prachtvoller Gesundheit. Ihr Schiff ist völlig neuartig, sieht fabrikneu aus – und hat obendrein die Reisezeit um neun Jahre verkürzt. Was für Schlüsse kann man aus dem letzten Satz ziehen?«

»Das Schiff ist überlichtschnell!« rief Margalo.

»Richtig«, führte Marsh das Spiel fort. »Die losgeschickten Raumfahrer aber hatten nicht annähernd die Kenntnisse oder auch nur die technischen Möglichkeiten, solch ein Schiff zu bauen.«

»Sie haben es gefunden«, folgerte Margalo, langsam unruhig werdend.