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„Das stand im Regensburger Reichstagsabschied?“

„Jawohl, und daher dämmten die Philosophen ihre Bücher mit allerlei wunderlichen Redensarten ein, so daß, wenn ein ungelehrter Bürger in ein solches Opus hineinschaute, ihm die Worte vor den Augen herumtanzten, ihm die überschwenglichen Gedanken wie ein Mühlrad im Kopfe herumgingen und er in Gefahr war, darüber ein Narr zu werden. Es war dies auch ganz nett. Sie wissen, die Deutschen sind eine Nation, die gar zu schnell Feuer fängt wie nasser Zunder. Daher war dies Mittel ganz gut. Denken Sie nur an jene Zeit, wo eine Regierung dies Interdikt aufhob und ein Gelehrter Reden an die deutsche Nation in natürlicher Sprache hielt, was entstand daraus für ein Spektakel! Man hat daher das Interdikt aufs neue geschärft. Ja, die Philosophen müssen jetzt sogar mystisch sprechen; selbst wenn einer z. B. über Deutschland und die Revolution schreiben wollte, müßte er seiner Rede kurzen Sinn in diese Wortspezereien einbalsamieren.“

„Ha! jetzt erst ist mir das große Geheimnis unserer Literatur klar und deutlich! Also daher kommt es, daß wir so weit zurück sind. Da bleibt also für das Volk nichts übrig als Genoveva und Eulenspiegel?“

„Das möchte ich doch nicht behaupten“, sagte Salbe. „Unsere mittlern und untern Stände lesen sehr viel, nur natürlich nichts, was auf den gesunden Menschenverstand Anspruch machen könnte. Sie haben ihren Spies, ihren Cramer, ihren Lafontaine, in neuerer Zeit hauptsächlich ihren Clauren. Alles liest, aber unschädliches Zeug, das ihren Verstand ganz gelinde affiziert, Gespenstergeschichten, Mordtaten, Räuberhistorien, Heiratsaffären mit vielem Geld usw.“

„O Gott! Weiter nichts? So kommen also unsere größten Geister, ein Schiller, ein Goethe, ein Tieck nicht unter das Publikum?“ - „Behüte! Schiller kennen sie zur Not vom Theater her; aber er ist meist zu hoch für sie, eigentlich zu gut. Von Goethe, Tieck, Jean Paul weiß man nichts. Sie haben für die Ewigkeit geschrieben, aber nicht für unser Volk.“