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»Jedenfalls nicht so infernalisch stark«, sang Tjorven, aber dann fiel ihr etwas anderes ein. »Ich backe auch gleich Pfannkuchen«, sagte sie.

»Wie macht man das?« wollte Stina wissen.

»Ganz einfach: Man rührt und rührt und rührt«, sagte Tjorven. Sie war mit dem Abwaschen fertig, und nun goß sie das Abwaschwasser rasch aus dem Fenster. Aber darunter lag Matilda, Södermans Katze, und sonnte sich. Sie fuhr mit einem erschrockenen Miauen hoch und kam in die Küche gerast, daß der Schaum um sie herumspritzte.

»Katzen darf man nicht abwaschen«, sagte Stina streng.

»Das war nur ein Unfall«, sagte Tjorven. »Aber wenn man sie abgewaschen hat, dann muß man sie auch abtrocknen.«

Sie nahm das Geschirrtuch, und gemeinsam trockneten sie Matilda ab und versuchten sie zu beruhigen. Man sah es Matilda an, daß sie sich schmählich behandelt fühlte, denn sie miaute ärgerlich von Zeit zu Zeit, und hinterher wollte sie nichts als schlafen.

»Wo habt ihr das Mehl stehen?« fragte Tjorven, als sie endlich wieder an ihre Pfannkuchen denken konnte. »Hol es mal her!« Stina kletterte gehorsam auf einen Stuhl und zog die Schublade mit dem Mehl aus dem Küchenschrank. Es war schwierig, sie mußte sich sehr recken, um heranzulangen, und schwer war es auch. Und tatsächlich, Tjorven hatte recht, Stina war nicht stark genug. »Au wei, ich lasse es fallen«, rief sie. Das Schubfach schwankte in ihren kleinen Händen, so daß der größte Teil vom Mehl herausflog. Und es flog auf Matilda hinab, die auf dem Fußboden darunter lag und gerade eingeschlummert war.

»Sieh mal, das ist eine ganz andere Katze geworden«, sagte Tjorven verdutzt.

Matilda war für gewöhnlich schwarz, aber das Tier, das jetzt mit einem Satz zur Tür hinausschoß, war weiß wie ein Gespenst und hatte wilde, weit aufgerissene Augen.

»Sie wird allen Katzen auf ganz Saltkrokan einen Todesschrecken einjagen«, sagte Tjorven. »Arme Matilda, sie hat auch einen richtigen Unglückstag.«

Kalle Hüpfanland kreischte in seinem Käfig, es hörte sich an, als lache er über Matildas Unglück. Stina öffnete den Käfig und ließ den Raben heraus.

»Ich bring ihm gerade das Sprechen bei«, erzählte sie Tjorven. »Ich will ihm beibringen zu sagen: ›Zum Kuckuck mit dir!‹«

»Wozu das?« fragte Tjorven.

»Na, weil Pelles Großvater das kann«, sagte Stina, »und sein Papagei auch.«

Da stand jemand in der Tür, und das war niemand anders als Pelle selbst. »Was macht ihr?« fragte er.

»Pfannkuchen«, sagte Tjorven. »Aber Matilda ist mit dem ganzen Mehl weggelaufen. Ich glaub, es gibt doch keine.«

Pelle kam herein. Er fühlte sich bei Söderman wohl, das taten alle Kinder. Auf der ganzen Insel gab es keine kleinere Kate: nur eine Küche und eine kleine Kammer, aber viel Trödel, eine Menge Sachen zum Ansehen. Nicht nur Kalle Hüpfanland, der allerdings für Pelle am wichtigsten war. Außerdem gab es da noch eine ausgestopfte Eidergans und zwei gebundene Jahrgänge alter Witzblätter und ein aufregendes Bild, auf dem Leute, in Schwarz gekleidet, Särge auf Schlitten übers Eis fuhren. »Die Cholera wütet«, stand darunter. Und dann besaß Söderman eine Flasche, in der ein ganz kleines Segelschiff war. Pelle wurde nicht müde, es anzusehen, und Stina wurde nicht müde, es zu zeigen.

»Wie haben sie das eigentlich gemacht, daß sie das Schiff in die Flasche kriegten?« erkundigte sich Pelle.

»Ja, du«, sagte Stina. »Das kann dein Großvater nicht.«

»Nee, das ist nämlich das allerschwerste«, sagte Tjorven. »Seht mich mal an«, sagte sie dann.

Und da vergaßen sie das Schiff in der Flasche, weil sie Tjorven ansehen mußten. Sie stand mitten in der Küche, und auf ihrem Kopf saß der Rabe. Es war ein merkwürdiger, märchenhafter Anblick, der sie verstummen ließ.

Tjorven fühlte, wie sich die Vogelkrallen in ihrem üppigen Haarschopf festklammerten, und sie lachte selig.

»Stellt euch vor, wenn der Eier in meinem Haar legt.«

Doch diese Hoffnung nahm ihr Pelle.

»Das kann er gar nicht. Dafür braucht man ein Weibchen, weißt du.«

»O doch«, sagte Tjorven, »wenn er ›Zum Kuckuck mit dir‹ sagen lernt, dann kann er auch Eier legen lernen.«

Pelle schaute den Raben sehnsuchtsvoll an und sagte mit einem Seufzer: »Ich möchte so gern ein Tier haben. Ich hab bloß ein paar Wespen.«

»Wo hast du die denn?« fragte Stina.

»Bei uns im Schreinerhaus. Gleich unterm Dach ist ein Wespennest. Papa ist schon gestochen worden.«

Stina lächelte ein zufriedenes zahnloses Lächeln.

»Ich, ich hab viele Tiere. Einen Raben und eine Katze und zwei Lämmer.«

»Ach was, das sind ja gar nicht deine«, sagte Tjorven. »Die gehören deinem Großvater.«

»Ich darf aber trotzdem so tun, als ob es meine wären, wenn ich bei ihm bin«, sagte Stina. »So!«

Da umdüsterte sich Tjorvens Gesicht, und sie sagte finster: »Aber ich, ich habe einen Hund. Wenn diese Schufte bloß endlich mit ihm nach Hause kommen wollten.«

Ihr Hund, ja, ihr Bootsmann! Der unternahm gerade einen kleinen Spaziergang auf eigene Faust um die ganze Schäre herum, und diese sogenannten Schufte merkten nicht einmal, daß er fort war.

Sie hatten einen herrlichen Morgen gehabt, ach, wie herrlich! »Zuerst baden wir«, hatte Teddy gesagt, und das taten sie dann. Das Wasser war wie immer im Juni. Nur junge Toren von zwölf, dreizehn Jahren stürzen sich freiwillig in ein so bitterkaltes Naß. Aber genau solche jungen Toren waren sie ja, und sie starben nicht daran, im Gegenteil, sie lebten, und sie glühten. Und sie stürzten sich jubelnd von den Felsen und tauchten und schwammen und spielten und platschten im Wasser herum, bis sie vor Kälte blau waren. Da zündeten sie sich auf einem geschützten Felshang ihr Lagerfeuer an und setzten sich drum herum, und in ihrem Blut spürten sie sämtliche Indianer und Neusiedler und Pelztierjäger und Steinzeitmenschen, die um Lagerfeuer gesessen haben, seit das Menschengeschlecht auf dieser Erde lebt. Sie waren jetzt Fischer und Jäger und Fänger, sie führten das freie Leben der Wildnis und grillten ihre Beute über der Glut, während Seeschwalben und Mantelmöwen und Silbermöwen kreischend über ihnen kreisten und versuchten, ihnen zu sagen, daß aller gegrillte Dorsch auf dieser Insel eigentlich ihnen gehöre. Aber die Eindringlinge blieben unbekümmert sitzen und aßen und aßen ihren vorzüglichen Dorsch und machten den widerwärtigsten Lärm. »Kra, kra, kra«, schrien sie und hörten sich an wie Krähen, ja, denn sie hatten gerade einen geheimen Klub gegründet, dem sie den geheimen Namen »Die Vier Salzkrähen« geben wollten und der für ewig geheim bleiben sollte. Ihr Kampfruf war nicht geheim, alle Seeschwalben und Mantelmöwen und Silbermöwen hörten ihn und mochten ihn gar nicht. »Kra, kra, kra«, tönte es über Felsinseln und Schären und Fjorde, aber mehr erfuhr keiner, denn alles übrige war ganz geheim, ganz geheim, ganz geheim.

Die Glut ihres Feuers wurde zu Asche, sie aber blieben auf dem sonnenheißen Felsen liegen und unterhielten sich über all das Geheime, das sie miteinander unternehmen wollten, sobald sie Zeit dafür hatten. Und die Stunden vergingen, die Junisonne ließ weiterhin verschwenderisch ihre Strahlen über sie hinfluten, und sie lagen dort und spürten den Sommer im ganzen Körper als etwas wunderbar Schönes und Unbeschreibliches, zum Faulenzen geschaffen.

Bis Freddy draußen auf dem Fjord einen treibenden Kahn entdeckte. Er war so weit entfernt, daß sie ihn kaum noch erkennen konnten, aber daß er leer war, das sahen sie.

»Wie vertäuen eigentlich die Leute ihre Boote?« fragte Johann.

Da fuhr Teddy hoch, als ob ihr ein entsetzlicher Gedanke gekommen wäre. »Ja, das möchte ich auch mal wissen«, sagte sie, als sie nachgeguckt hatte. In der Felsspalte, in die sie den Kahn hineingezogen hatten, lag kein Kahn mehr. Teddy sah Johann streng an.