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»Aber hast du schon gehört, daß der Fuchs heute nacht bei Jansson wieder ein Huhn gestohlen hat?« fragte Malin.

Vor diesem Fuchs hatte Pelle Angst. Zwei Abende hintereinander hatte er bei Jansson Hühner gestohlen, und einer, der Hühner stahl, der konnte auch Kaninchen stehlen. Das war ein entsetzlicher Gedanke. Überall schlich der Fuchs herum. Er hatte natürlich auch Tjorvens Weihnachtsgrütze aufgegessen, obwohl sie glaubte, es sei der Weihnachtsmann gewesen. Pelle fragte, was Malin wohl glaube.

»Vielleicht der Fuchs und vielleicht der Weihnachtsmann«, sagte Malin. Pelle lag an diesem Abend lange wach und hatte Angst um sein Kaninchen. Jocke hatte allerdings in einem Kälberstand seinen Platz, aber Füchse waren so schlau – wer konnte wissen, was sie alles anstellten, wenn sie hungrig waren und zu Hühnern und Kaninchen hineinwollten? Füchse sollte man totschießen, dachte Pelle. So blutrünstig war er sonst nie, aber jetzt lag er da im Bett und sah es vor sich, wie der Fuchs seinen Bau hinten im Kuhwäldchen verließ und durch den Schnee auf Janssons Stall zuschlich. Pelle geriet in Schweiß hier in seinem Bett, und er schlief die ganze Nacht unruhig.

Am nächsten Morgen begegnete er zufällig Björn, der mit einem frischgeschossenen Hasen aus dem Wald kam. Pelle machte die Augen zu, um nicht hinsehen zu müssen, der arme kleine Hase!

Weshalb schoß Björn nicht lieber diesen dummen Fuchs? Onkel Jansson würde sich bestimmt freuen, wenn er es täte. Das meinte Björn auch, als er von dem Fuchs erfuhr.

»Diesen Fuchsrüpel, den sollten wir doch schnappen können. Grüß Jansson schön und sag ihm, ich würde es heute nacht versuchen.«

»Um welche Zeit sollen wir kommen?« fragte Pelle eifrig.

»Wir?« sagte Björn. »Du kommst überhaupt nicht. Du wirst in deinem Bett liegen und schlafen.«

»Ich denke nicht daran«, sagte Pelle.

Er sagte es nicht zu Björn, sondern eine Weile später zu Jocke, denn das feine an Jocke war, daß er mit keinerlei Einwänden kam.

»Hab keine Angst, wenn du es heute nacht knallen hörst«, sagte Pelle. »Ich bin bei dir, darauf kannst du dich verlassen.«

Und das war er auch. Aber wie nah war es daran gewesen, daß er sein Versprechen an Jocke hätte brechen müssen! Er mußte daliegen und mit den Augen zwinkern, um sich wachzuhalten, bis Johann und Niklas eingeschlafen waren. Und er mußte schleichen, um durch die Küche nach draußen zu gelangen, während Papa und Malin im Wohnzimmer vor dem Kaminfeuer saßen und die Tür zur Küche offenstand. Es war ein Wunder, daß sie ihn nicht hörten.

Und dann – in die Nacht hinauszukommen und im Mondschein auf verschneiten Wegen ganz allein dahinzurennen. Zu einem finsteren Stall zu kommen, der gar nicht so gemütlich war wie sonst. Hineinzuschlüpfen und Angst zu haben, daß Björn es merken könnte, ja, ziemlich große Angst zu haben und sich bis zu Jocke hinzutasten. »Ach Jockelchen, da siehst du, ich bin doch gekommen!«

Ein Stall bei Nacht ist ein seltsamer Ort. Es ist still, die Kühe schlafen, aber man hört Geräusche. Hin und wieder klirrt eine Kette, wenn eine Kuh sich ein wenig bewegt. Hin und wieder gackert eine Henne erschrocken auf, als ob sie vom Fuchs träumte. Hin und wieder hört man Björn an seinem Gewehr herumfingern und drüben an seiner Luke leise pfeifen. Der Mond scheint durchs Fenster, auf dem Fußboden bildet sich ein Weg aus Mondlicht, und dort kommt die Stallkatze angeschlichen. Aber gleich ist sie wieder vom Dunkel verschluckt, man sieht nur ihre gelben Augen funkeln. Ihr armen Stallmäuse alle, die ihr heute nacht unterwegs seid! Und armer Jocke, wenn Pelle nicht hier wäre und ihn vor dem Fuchs beschützte. Er drückt Jocke fest an sich und fühlt mit Genuß, wie weich und warm er ist. Pelle fragt sich, wie lange es wohl noch dauert. Vielleicht verläßt der Fuchs jetzt, gerade jetzt, seinen Bau und schleicht durch den Schnee auf Janssons Stall zu?

Jedenfalls kommt Melcher jetzt, gerade jetzt, herauf, um seine Jungen fest zuzudecken. Er findet in Pelles Bett keinen Pelle, sondern einen Zettel mit einer Botschaft, in großen Blockbuchstaben geschrieben:

ICH BIN WEK UND SCHIESE FÜCKSE FÜR JANSON.

Melcher nimmt den Zettel mit zu Malin hinunter.

»Was meinst du dazu? Darf Pelle mitten in der Nacht ›wek‹ sein und ›für Janson Fückse schiesen‹?«

»Nein, wahrhaftig nicht«, versichert Malin mit Nachdruck.

Man wird müde, wenn man in einem Kälberstand sitzt mit einem warmen Kaninchen im Arm. Pelle ist nahe daran einzuschlafen, aber plötzlich zuckt er zusammen. Er hört, wie Björn sein Gewehr entsichert, er sieht ihn im Mondlicht drüben am Stallfenster, sieht, wie er das Gewehr hebt und anlegt. Jetzt … jetzt kommt der Fuchs dort draußen über die Lichtung, und nun soll er sterben, sein Leben ist zu Ende, er wird nie wieder zu seinem Bau im Kuhwäldchen zurückkehren – und Pelle ist es, der das veranlaßt hat.

Mit einem Schrei läßt Pelle das Kaninchen los und stürzt auf Björn zu. »Nein, nein, nicht schießen!«

Björn wird so böse, daß er Funken zu sprühen scheint.

»Was machst du hier? Weg mit dir! Ich will schießen!«

»Nein!« schreit Pelle und umklammert Björns Beine. »Du darfst nicht! Füchse dürfen doch schließlich auch leben.«

Und kein Fuchs braucht heute nacht Pelles wegen zu sterben. Dort draußen im Mondschein gibt es keinen Fuchs mehr. Statt dessen kommt Malin auf ihren Skiern angefahren. Und Björn wird blaß. Sich vorzustellen, er hätte einen Schuß abgegeben. Sich vorzustellen, Pelle hätte ihn nicht daran gehindert!

»Ja, es war gut, daß du gekommen bist«, sagte Pelle zu Malin, als er wieder in seinem Bett lag. Er hatte ihr versprochen, niemals wieder nachts auf Fuchsjagd zu gehen, und Malin hatte ihm versichert, daß der Fuchs Jocke gar nicht holen könne, solange der in seinem kleinen Verschlag bei den Kälbern wohne.

Jetzt aber lag Pelle immer noch da und warf sich herum. Da war etwas, was ihn fast mehr beunruhigte als der Fuchs.

»Malin«, sagte er, »wirst du Björn heiraten?«

Malin gab ihm lachend einen Kuß auf die Wange.

»Nein, das werde ich nicht tun«, versicherte sie ihm. »Der Fuchs kann den Jocke nicht holen, und Björn kann die Malin nicht holen, solange wir jeder in unserem kleinen Verschlag bleiben.«

Und am nächsten Tag hatte Pelle alle Sorgen vergessen. Denn nun war das Schlittenkarussell auf dem Eis vor Grankvists Bootssteg fertig. Jedes Jahr, wenn das Eis fest war, stellte Nisse Grankvist das Schlittenkarussell auf. Das hatte sein Vater vor ihm getan, zu allen Zeiten war man auf Saltkrokan im Winter Schlittenkarussell gefahren.

»Und weshalb soll man etwas aufgeben, was so viel Freude macht«, sagte Nisse.

Melcher pflichtete ihm bei. Er fuhr mit größerer Begeisterung Schlittenkarussell als seine eigenen Kinder, und hinterher kamen sie alle zum Essen nach Hause, mit Wangen so rot wie Weihnachtsäpfel, und bekamen bei Malin Dorsch mit Senfsoße.

»Vormittags Dorsche im Eisloch angeln und nachmittags Schlittenkarussell fahren – es ist wirklich ein reiches Leben, das man führt«, sagte Melcher, als sie um den Küchentisch versammelt waren.

»Bist du allein angeln gewesen?« fragte Johann.

»Nein, ich war mit Nisse Grankvist draußen«, sagte Melcher.

»Wie viele Dorsche habt ihr gefangen?« erkundigte sich Niklas voller Interesse.