Выбрать главу

Und sie holte die alten Preiselbeerkrüge der fröhlichen Schreinersfrau aus dem Schuppen, staubte sie ab und füllte sie mit Flieder und blühenden Holzapfelzweigen, und schließlich wanderte sie in Janssons Kuhwäldchen hinaus, wo Maiglöckchen in verschwenderischem Überfluß wuchsen, und pflückte einen ganzen Arm voll.

Auf dem Heimweg begegnete sie Tjorven und Stina, die unter lebhaftem Geschnatter zwischen den Birken angetrottet kamen. Sie verstummten, als sie Malin entdeckten, und sahen sie liebevoll und bewundernd an. Sie war ja ihre Malin, und sie war hübsch mit den Maiglöckchen im Arm. »Du siehst aus wie eine Braut«, sagte Tjorven.

Sofort blitzte es in Stinas Augen auf, und ein lieber alter Gedanke erwachte in ihr.

»Willst du dir denn nie einen Bräutikamm anschaffen, Malin?«

Tjorven lachte aus vollem Hals. »Bräutikamm, was ist das denn?«

»Das ist etwas, was man zur Hochzeit braucht«, sagte Stina unsicher.

Malin versicherte, daß sie mit der Zeit gern einen Bräutikamm haben wolle, aber vorläufig sei sie noch ein bißchen zu jung, sagte sie. Tjorven starrte sie an, als traute sie ihren Ohren nicht.

»Zu jung! Du! Du bist ja so alt, wie man gar nicht glauben kann!«

Malin lachte. »Man muß doch zuerst einen finden, den man so richtig gern mag. Das versteht ihr wohl?«

Tjorven und Stina mußten zugeben, daß passende Bräutikamme auf Saltkrokan knapp waren.

»Aber du könntest einen verwunschenen Prinzen kriegen«, sagte Stina eifrig.

»Gibt's denn so etwas?« fragte Malin.

»Klar, die ganzen Gräben voll«, sagte Stina. »Alle Frösche sind verwunschene Prinzen, sagt Tjorven.«

Tjorven nickte. »Du küßt einfach einen, und – peng – dann steht da ein Prinz!«

»Was, so einfach ist das?« sagte Malin. »Dann werde ich wohl versuchen, mir einen anzuschaffen.«

Tjorven nickte wieder.

»Jaaa – ehe es zu spät ist.« Und sie fuhr fort: »Ich jedenfalls, ich will heiraten, bevor ich steinalt bin.«

»Einen verwunschenen Prinzen?« fragte Malin.

»Nee, ich will einen Rohrleger haben«, sagte Tjorven. »Die verdienen nämlich heutzutage so unanständig viel Geld, sagt Papa.«

Stina wollte auch einen Rohrleger haben, und sie beeilte sich, das zu erzählen. »Denn ich will genau dasselbe haben wie Tjorven.«

»Ja, dann wird es mindestens zwei Rohrleger geben, die ihren Spaß haben werden«, sagte Malin, und dann ging sie.

»Seht ihr irgendwo einen verwunschenen Prinzen«, rief sie, »dann sagt ihm, ich wäre auf meinen alten Beinen nach Hause gewankt.«

Worauf Tjorven Stina bei der Hand nahm und mit ihr zwischen den Birken davonhüpfte und aus vollem Halse sang:

Ich hätt' so gern 'nen Bräutigam,

brauch Schuh ich an den Füßen dran.

Die gibt mir erst mein Mütterlein,

bleib ich des Nachts zu Hause fein.

Sie wollten Maiglöckchen pflücken, genau wie Malin. Bevor sie aber noch angefangen hatten, geschah etwas Merkwürdiges: Sie fanden einen verwunschenen Prinzen für Malin! Man stelle sich das vor, sie fanden einen Frosch! Er saß am Rande des Tümpels und schaute nachdenklich drein.

»Der hat hier sicher die ganze Zeit gesessen und auf Malin gelauert«, sagte Tjorven und betrachtete mit Entzücken den kleinen Frosch, der in ihren hohlen Händen japste. »Komm, wir müssen hinter Malin her, sie soll ihn küssen!«

Aber Malin war verschwunden. Ganz bis zum Schreinerhaus liefen sie mit dem Frosch, und als sie dort ankamen, sagte Melcher, Malin sei gerade zu Söderman gegangen, um Strömlinge zu kaufen.

»Dann gehen wir zu uns nach Hause«, sagte Stina. Aber dort war auch keine Malin. Sie hatte ihre Strömlinge gekauft und war wieder gegangen. »Wir setzen uns auf den Bootssteg und warten«, sagte Tjorven. »Wenn sie aber nicht bald kommt, muß sie ohne Prinz bleiben. Ich hab jetzt bald genug von diesem Frosch.«

Es stellte sich heraus, daß der Frosch mindestens ebenso genug von Tjorven hatte, denn als sie vorsichtig die Hand öffnete, um Stina ein bißchen gucken zu lassen, machte der Frosch einen langen Satz auf den Steg und wäre über die Stegkante gefallen, wenn Stina ihn nicht im allerletzten Augenblick wieder eingefangen hätte.

Am Bootssteg lag ein fremdes Segelboot. Aber es war kein Mensch zu sehen, weder an Bord noch sonstwo. Die Sonne glühte, es war heiß und langweilig, hier zu sitzen und zu warten, fand Tjorven. Sie hatte nie viel Geduld, und sie war es gewohnt, Auswege zu finden.

»Ich weiß was«, sagte sie, »wir können den Frosch ja genausogut küssen, ist doch klar. Es kommt wohl auf jeden Fall ein Prinz, verstehst du, und den hetzen wir auf Malin. Dann muß er wohl selber auch ein bißchen tun.«

Stina fand, das klinge vernünftig. Es war allerdings unangenehm, Frösche zu küssen, aber für Malin tat sie alles. Der Frosch fand diese Küsserei offenbar auch nicht angenehm. Er zappelte wie wild, um freizukommen, aber Tjorven hielt ihn ganz fest, und Stina holte Luft und machte die Augen zu.

»Tu's«, sagte Tjorven.

Und da tat Stina es. Sie küßte den Frosch. Aber das alberne Vieh dachte nicht daran, sich in einen Prinzen zu verwandeln.

»Bah, jetzt ich«, sagte Tjorven. Sie verlieh ihrem Kuß etwas mehr Kraft, aber es gelang trotzdem nicht. Noch immer saß derselbe japsende Frosch in ihrer Hand.

»Der dumme Prinz, er will nicht«, sagte Tjorven. »Dann hau ab!«

Sie setzte den Frosch auf den Steg, und er machte, froh über seine unverhoffte Freiheit, einen Satz. Geradewegs über die Stegkante, und geradewegs in das Segelboot hinunter.

Und jetzt komme mir einer und sage, Frösche seien keine verwunschenen Prinzen! Peng, schon stand er da! Genau wie im Märchen! Er kam aus der Kajüte des Segelbootes geschossen und sprang auf den Steg und stand dicht vor Tjorven und Stina mit einem kleinen braunen jungen Hund im Arm.

Nicht möglich! Tatsächlich ein Prinz! Tjorven und Stina starrten ihn an mit Augen, die immer runder wurden. Er war keineswegs so angezogen, wie es sein mußte, dieser Prinz, er trug ein gewöhnliches Hemd und einen gewöhnlichen Pullover und gewöhnliche blaue Leinenhosen, sonst aber sah er wirklich ganz prinzlich aus mit blauen Augen und weißen Zähnen und blonden Haaren, die wie ein goldener Helm um seinen Kopf lagen. Doch, der sollte wohl zu Malin passen.

»Ich dachte, er würde wenigstens eine Krone auf dem Kopf haben«, flüsterte Stina.

Ohne die Augen vom Prinzen zu wenden, erklärte Tjorven ihr mit leiser Stimme: »Die hat er wohl bloß sonntags auf. Oh, da wird Malin sich aber freuen!«

Erst jetzt dachte Tjorven an Pelle. Er würde sich wohl weniger darüber freuen. Wütend würde er werden, weil sie Malin einen Prinzen verschafft hatten.

Und, o Schreck, da kam Pelle wahrhaftig den Hang zum Steg hinabgelaufen, und hinter ihm her kam Malin! Tjorven merkte, wie ihr eine Gänsehaut über den Rücken lief, und sie flüsterte Stina zu: »Jetzt wird's spannend!«

Und sie sperrten die Augen noch weiter auf. Es kam nicht alle Tage vor, daß man zusehen durfte, wie Malin einem Prinzen begegnete. Dem Prinzen gefiel Malin, das sah man deutlich. Er schaute sie an, als hätte er noch nie etwas so Unvergleichliches gesehen, und Tjorven und Stina wechselten einen zufriedenen Blick, doch, doch, jetzt staunte er wohl! Sie empfanden es so, als wäre es ihr Verdienst, daß Malin so hübsch war und so sanft und daß ihr Haar und ihr Kleid so anmutig im Wind wehten.

Und nun schien es, als wollte der Prinz etwas zu ihr sagen.

»Jetzt, du, jetzt hält er um ihre Hand an, jetzt sagt er ihr, daß er sie haben möchte!« flüsterte Tjorven.

Aber ganz so eilig hatte der Prinz es nun doch nicht.

»Ich hab gehört, daß es hier auf Saltkrokan einen Kaufmann gibt«, sagte er. »Weißt du vielleicht …«