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Doch, das wußte Malin, und sie sei gerade dorthin unterwegs. Wenn er mitgehen wolle, so würde sie ihm das Geschäft zeigen.

»Oh, darf ich dann solange auf den Hund aufpassen?« bat Pelle. Verwunschene Prinzen, das war eine Sache, aber verwunschene Prinzen, die süße kleine braune Welpen hatten, das war was anderes, das konnte man eher ertragen. Und außerdem wußte Pelle gar nicht, daß dies ein verwunschener Prinz war.

»Er denkt, er ist ein gewöhnlicher Mann«, flüsterte Tjorven Stina zu. »Wir brauchen ihm darum gar nicht zu erzählen, was wir gemacht haben.«

Trotzdem schien es ein bißchen Verrat an Pelle zu sein. Tjorven guckte ihn schuldbewußt an, aber das merkte er nicht. Gerade jetzt bemerkte er nichts anderes als den kleinen braunen Welpen.

»Wie heißt er?« fragte Pelle eifrig.

»Er heißt Jumjum«, sagte der Prinz. »Und ich heiße Petter Malm.«

Letzteres sagte er zu Malin.

»Petter – geh mir los, was ist das für'n Prinzenname!« flüsterte Tjorven, und dann nahm sie Stina bei der Hand.

»Komm, wir gehen mit und gucken zu, wie es weitergeht.«

Der Prinz gab Pelle den jungen Hund.

»Ich hoffe, du paßt gut auf Jumjum auf, während ich weg bin«, sagte er freundlich. Und bevor Pelle antworten konnte, sagte Malin:

»Das tut er, das kann ich versichern.«

Dann ging Malin mit ihrem Prinzen. Tjorven und Stina rannten kichernd hinterher zum Kaufmannsladen und hörten dort zu ihrem großen Erstaunen, daß der Prinz bei Märta ein Pfund Blutwurst kaufte. »Essen Prinzen tatsächlich Blutwurst?« flüsterte Stina erstaunt. »Nein, die holt er sicher für seine Ferkel zu Hause auf dem Schloß«, sagte Tjorven.

Sie hielten sich die ganze Zeit so dicht in Malins Nähe, wie sie nur konnten, damit ihnen kein einziges Wort von dem, was der Prinz zu ihr sagte, entging. Er konnte sich gar nicht von ihr trennen, das merkte man. Hinterher standen sie eine ganze Weile draußen vor dem Laden und unterhielten sich, er und Malin. Er erzählte, er habe bei Östermans auf Storholmen eine kleine Hütte für die Ferien gemietet und nun habe er sich ein Segelboot geliehen und wollte segeln gehen. Aber er werde bald wieder nach Saltkrokan kommen, sagte er, denn sie hätten ja hier einen guten Kaufmann.

»Einen guten Kaufmann, hahaha«, sagte Tjorven zu Stina. »Und auch eine gute Malin, was?«

Schließlich hatte Malin keine Zeit mehr, noch länger hier zu stehen, und da ging der Prinz. Rückwärts, so als wollte er sie so lange wie möglich ansehen, und er schwenkte seine Papiertüte und sagte:

»Nun geh ich mit meiner Blutwurst. Wenn sie alle ist, dann komm ich wieder, und ich esse schnell. Steh dann doch bitte auf der Brücke und sieh aus wie schönes Wetter, ja?«

»Hast du gehört?« flüsterte Tjorven. »So was nennt man Prinzengeplauder, weißt du.«

»Jetzt haben wir noch einen Frosch im Brunnen«, erzählte Pelle seiner Schwester, als er abends im Bett lag. »Ich hab einen in Petters Boot gefunden, und er hat gesagt, ich soll ihn rausnehmen, Frösche mögen nicht segeln. Das wußte er genausogut wie ich.« Er richtete sich im Bett auf und fuhr eifrig fort: »Der Petter, der hat Tiere sehr gern, genauso gern wie ich. Und er ist Wissenschaftler. Er macht ständig was mit Tieren und erforscht alles über sie. So einer will ich auch werden, wenn ich groß bin.«

Pelle, der doch gar nichts werden wollte, jetzt plötzlich hatte er gehört, daß es Berufe gab für solche, die alles erforschen, was mit Tieren zusammenhing. Und es war, als hätte man in eine große Finsternis eine Lichtflut eingelassen, denn insgeheim hatte Pelle, sieben Jahre alt, sich Sorgen um seine Zukunft gemacht. Wie würde es ihm, der gar nichts tun wollte, ergehen, wenn er groß war?

Jetzt wollte er etwas tun, und das empfand er als Erleichterung.

»Der Petter, der hat eine tolle Arbeit, das kannst du glauben«, erklärte er Malin. »Rat mal, was er zum Beispiel gemacht hat! Er hat kleine Radiosender auf ein paar Seehunden befestigt, um rauszufinden, was die Seehunde unter Wasser machen und wo sie hinschwimmen und so was alles. Prima, nicht?«

Dann schlang er plötzlich seine Arme um Malins Hals.

»Ach, Malin, wenn ich doch einen Hund kriegen könnte! Es macht so viel Spaß mit Jocke, aber der muß ja dauernd in seinem Stall stillsitzen. Stell dir vor, wenn man solch einen jungen Hund hätte wie Jumjum, der hinter einem herläuft, wo man hingeht!«

»Ich möchte ja auch, daß du einen Hund kriegst«, sagte Malin. »Aber vorläufig mußt du mit Jocke zufrieden sein.«

»Und mit Bootsmann und Totti und Moses«, sagte Pelle.

Für Pelle war Bootsmann immer noch der feinste Hund der Welt, und als Pelle diesmal nach Saltkrokan herausgekommen war, hatte Bootsmann ihn mit lautem Gebell begrüßt. Er wußte wohl auch, wer der feinste Pelle der Welt war, und jetzt lief er überall hinter ihm her. Manchmal tat Moses das ebenfalls und manchmal sogar Totti. Pelle zog herum wie ein Tierbändiger ohnegleichen, und wenn Tjorven das sah, bekam sie heftige Anwandlungen von Eifersucht, nicht weil Moses hinter Pelle herlief, sondern weil Bootsmann es tat.

Dann warf sie sich ihrem Hund an den Hals und kullerte mit ihm herum und sagte: »Bootsmann, du bist mein liebster Nödelhund, daß du es weißt!«

Und Bootsmann schaute Tjorven an, als ob er lächelte: »Hummelchen, nichts wäre mir lieber.«

Und er verließ Pelle oder wer immer es war sofort, um Tjorven wieder auf den Fersen zu folgen. So lange, bis dieser Moses angewackelt kam und sich zwischen sie drängelte.

Moses war mit der Zeit viel zu sehr verwöhnt worden. Manchmal schien er selbst Tjorven lästig zu werden. Eines Abends hatte sie ihn dummerweise mit in ihr Bett genommen, und von da an wollte er nicht mehr in seiner Schlafkiste liegen, sondern auf Tjorvens Füßen. Es nützte nichts, daß sie ihn hinauswarf, er krabbelte eigensinnig wieder ins Bett hinauf, und ebenso eigensinnig puffte Tjorven ihn wieder hinunter.

»Wir puffen uns die ganze Nacht«, sagte sie, und ihre Mutter schüttelte unwillig den Kopf.

»Dieser Seehund hätte nie in unser Haus kommen dürfen!«

Aber jetzt gefiel es Moses, in seinem Teich herumzuschwimmen, und nachdem Johann und Niklas und Teddy und Freddy einen Zaun drum herum gemacht hatten, konnte Tjorven ihn dort einsperren, wenn sie aus irgendeinem Grund in Ruhe gelassen werden und sich frei bewegen wollte, ohne daß ständig ein Seehundjunges hinter ihr herkrabbelte.

Doch immer noch nahm Moses viel von ihrer Zeit und ihrem Interesse und ihrer Liebe in Anspruch, und wenn Tjorven mit dem Seehund spielte und tollte, trottete Bootsmann davon und legte sich neben die Treppe zum Laden. Besonders, wenn Pelle nicht in der Nähe war. Besonders, wenn Pelle unten auf dem Anlegesteg saß und mit Jumjum spielte – und das tat er häufig.

Wenn man auf Storholmen wohnt und sehr gern Blutwurst ißt, muß man unbedingt nach Saltkrokan hinüberfahren. Andauernd muß man hin, denn dort ist der Kaufmann. Und wenn man jedesmal einen kleinen braunen Hundewelpen mitbringt, dann braucht man nur am Steg anzulegen, und schon kommt Pelle Melcherson angerannt, um mit ihm zu spielen. Und wenn Pelle Melcherson mit einem jungen Hund spielt, dann antwortet er brav auf alle Fragen und merkt nicht einmal, was er selbst sagt.

»Wo hast du denn heute Malin gelassen?« kann man zum Beispiel fragen.

»Die sitzt zu Haus auf der Treppe und macht Strömlinge sauber«, sagt Pelle Melcherson.

Oder: »Sie ist an der Landzunge und badet mit Teddy und Freddy.«

Oder: »Ich glaube, sie ist beim Kaufmann.«

Und wenn man erfahren hat, was man wissen will, dann läßt man seinen Welpen in Pelle Melchersons Obhut und flitzt los und stößt ganz zufällig auf Malin und wird jedesmal ein wenig näher mit ihr bekannt. Und ein wenig verliebter. Noch verliebter? Als ob das möglich wäre! Als ob es nicht schon gleich beim ersten Mal gefunkt hätte, als man sie dort auf dem Anlegesteg stehen sah. Die oder keine!

An einem Mittwoch im Juni, einem ewig denkwürdigen Mittwoch, fand Petter Malin beim Kaufmann. Und nicht nur sie. Er fand dort auch einen Seehund. Tatsächlich, dort watschelte ein junger Seehund im Laden herum und spielte mit zwei kleinen Mädchen. Es war also keine Aufschneiderei gewesen, als Pelle Melcherson behauptet hatte, es gäbe einen zahmen Seehund auf der Insel. Der Laden war voller Menschen, und Moses hatte seinen Spaß. Er biß in sämtliche Hosenbeine, an die er herankonnte, vor allem in Tjorvens, und sie wehrte ihn lachend ab: