Meine Nase traf knirschend gegen seine Stirn. Meine Augen tränten heftig, und ich rollte mich von ihm fort und umklammerte mein Gesicht.
»Au!«
»Himmel, habe ich dir weh getan, Claire?« Ich blinzelte mir die Tränen aus den Augen und konnte sein Gesicht besorgt über dem meinen sehen.
»Nein«, sagte ich unsinnigerweise. »Aber ich glaube, meine Nase ist gebrochen.«
»Nein, das ist sie nicht«, sagte er und betastete vorsichtig meinen Nasenrücken. »Wenn man sich die Nase bricht, knirscht es widerlich, und man blutet wie ein angestochenes Schwein. Dir fehlt nichts.«
Ich fasste mir vorsichtig an die Nasenlöcher, aber er hatte recht; ich blutete nicht. Auch der Schmerz ließ schnell wieder nach. Im selben Moment, als ich das begriff, begriff ich auch, dass er auf mir lag, meine Beine weit unter ihm gespreizt waren und mich sein Glied gerade eben berührte, nicht mehr als eine Haaresbreite vom Moment der Entscheidung entfernt.
Ich sah diese Erkenntnis auch in seinen Augen heraufdämmern. Keiner von uns bewegte sich, und wir atmeten kaum. Dann dehnte sich seine Brust, als er tief Luft holte, die Hand ausstreckte und meine Handgelenke zusammen umfasste. Er zog sie mir über den Kopf und hielt mich so, dass mein Körper hilflos unter ihm ausgestreckt lag.
»Gib mir deinen Mund, Sassenach«, sagte er leise und beugte sich über mich. Sein Kopf blendete den Kerzenschein aus, und ich sah nichts als schwaches Glühen und seine dunkle Haut, als sein Mund den meinen berührte. Sanft, leicht, dann drängend, warm, und ich öffnete mich mit einem leisen Keuchen, und seine Zunge suchte die meine.
Ich biss ihn in die Lippe, und er wich verblüfft ein wenig zurück.
»Jamie«, hauchte ich auf seine Lippen, und mein Atem war warm zwischen uns. »Jamie!« Das war alles, was ich sagen konnte, doch meine Hüften zuckten unter ihm, zuckten erneut und drängten ihn zur Heftigkeit. Ich drehte meinen Kopf und bohrte meine Zähne in die Haut seiner Schulter.
Er stieß einen kleinen, tiefen Kehllaut aus und drang mit Wucht in mich ein. Ich war eng wie eine Jungfrau und bäumte mich mit einem Aufschrei unter ihm auf.
»Nicht aufhören!«, sagte ich. »Um Gottes willen, nicht aufhören!«
Sein Körper verstand mich und antwortete in derselben Sprache. Seine Hand klammerte sich fester um meine Handgelenke, während er so fest in mich stieß, dass es mit jeder Bewegung an mein Innerstes rührte.
Dann ließ er meine Handgelenke los und sank auf mich nieder, so dass mich sein Gewicht auf das Bett drückte, während er meine Hüften fasste und mich bewegungsunfähig hielt.
Ich wand mich wimmernd unter ihm, und er biss mich in den Hals.
»Halt still«, sagte er in mein Ohr. Ich hielt still, schon, weil ich mich nicht bewegen konnte. Wir lagen dicht aneinandergepresst und erschauerten. Ich konnte das Hämmern an meinen Rippen spüren, doch ich wusste nicht, ob es mein Herz war oder das seine.
Dann bewegte er sich in mir, ganz sacht, eine Frage seines Körpers. Es war genug; meine Antwort war ein hilfloses Aufbäumen unter ihm, und ich spürte, wie die Wellen meiner Erlösung über ihn strichen, wieder und wieder, ihn packten und entließen, ihn drängten, mir zu folgen.
Er fuhr auf beide Hände hoch, den Rücken gekrümmt und den Kopf zurückgeworfen, die Augen geschlossen, keuchend. Dann beugte er ganz langsam den Kopf vor und öffnete die Augen. Er blickte mit unaussprechlicher Zärtlichkeit auf mich herunter, und der Kerzenschein glänzte flüchtig in der Feuchtigkeit seiner Wangen auf, vielleicht Schweiß, vielleicht auch Tränen.
»Oh, Claire«, flüsterte er. »O Gott, Claire.«
Und seine Erlösung begann, tief in mir, ohne, dass er sich bewegte, ein Schauer, der seinen Körper durchlief, so dass seine Arme zitterten und die roten Härchen im gedämpften Licht bebten, und er ließ den Kopf sinken, mit einem Laut, der wie ein Seufzer klang, und sein Haar verbarg sein Gesicht, als er sich ergoss, und jedes Zucken und Pulsieren zwischen meinen Beinen löste auch in meinem Körper ein Echo aus.
Als es vorüber war, verharrte er aufgestützt über mir, sekundenlang reglos wie ein Stein. Dann ließ er sich mit großer Sanftheit niedersinken, drückte seinen Kopf an den meinen und lag da wie tot.
Irgendwann rührte ich mich aus meiner tiefen, zufriedenen Benommenheit, um die Hand zu heben und sie auf die Stelle am Ansatz seines Brustbeins zu legen, wo sein Puls langsam und kräftig schlug.
»Vermutlich ist es wie Fahrradfahren«, sagte ich. Mein Kopf ruhte friedlich in der Rundung seiner Schulter, und meine Hand spielte zerstreut mit den rotgoldenen Locken, die reichlich auf seiner Brust sprossen. »Wusstest du, dass du viel mehr Haare auf der Brust hast als früher?«
»Nein«, sagte er schläfrig, »normalerweise zähle ich sie nicht. Braucht man denn zum Fahrradfahren Haare?«
Ich war überrascht und lachte.
»Nein«, sagte ich. »Ich habe nur gemeint, dass wir anscheinend noch ganz gut wussten, wie es geht.«
Jamie öffnete ein Auge und betrachtete mich herablassend. »Man muss schon ein Dummkopf sein, um das zu vergessen, Sassenach«, sagte er. »Es mag mir ja an Übung mangeln, aber ich bin noch Herr meiner selbst.«
Lange schwiegen wir, und jeder war sich der Atmung des anderen bewusst und spürte jedes kleine Zucken und jede winzige Bewegung. Wir passten gut zusammen; während sich mein Kopf an seine Schulter schmiegte, lag das Territorium seines Körpers warm unter meiner Hand und wartete fremd und vertraut zugleich auf seine Wiederentdeckung.
Das Haus war solide gebaut, und das Tosen des Unwetters im Freien übertönte zwar den Großteil der Geräusche aus dem Inneren, doch hin und wieder hörten wir unter uns gedämpfte Schritte oder Stimmen; ein tiefes Männerlachen oder die höhere Stimme einer Frau, die sich in professioneller Koketterie erhob.
Bei diesem Klang bewegte sich Jamie ein wenig beklommen.
»Vielleicht hätte ich dich in ein Wirtshaus bringen sollen«, sagte er. »Es ist nur …«
»Schon gut«, beruhigte ich ihn. »Obwohl ich sagen muss, dass mir unter allen Orten, an denen ich mir ein Wiedersehen mit dir ausgemalt hätte, ein Bordell irgendwie nie in den Sinn gekommen ist.« Ich zögerte, weil ich ihn nicht bedrängen wollte, doch meine Neugier siegte. »Du … das Haus gehört dir doch nicht etwa, oder, Jamie?«
»Mir? Gott im Himmel, Sassenach, wofür hältst du mich?«
»Nun, woher soll ich das wissen?«, sagte ich etwas scharf. »Ich finde dich, und als Erstes fällst du in Ohnmacht, und sobald ich dich wieder auf den Beinen habe, verwickelst du mich in ein Handgemenge in einer Kneipe, so dass ich in Gesellschaft eines Chinesen mit seltsamen Neigungen durch Edinburgh gejagt werde, bis ich in einem Bordell lande – dessen Betreiberin einen extrem vertrauten Umgang mit dir zu pflegen scheint, wenn ich das hinzufügen darf.« Seine Ohren waren rot geworden, und er schien zwischen Gelächter und Entrüstung zu schwanken.
»Dann ziehst du dich aus, verkündest, dass du ein furchtbarer Mensch mit einer lasterhaften Vergangenheit bist, und gehst mit mir ins Bett. Was hast du denn erwartet, was ich denke?«
Das Lachen gewann die Oberhand.
»Nun, ich bin kein Heiliger, Sassenach«, sagte er. »Aber ein Zuhälter bin ich auch nicht.«
»Freut mich, das zu hören«, sagte ich. Es entstand eine kurze Pause, dann sagte ich: »Hast du vor, mir zu sagen, was du bist, oder soll ich mit meiner Aufzählung unrühmlicher Möglichkeiten fortfahren, bis ich der Sache näherkomme?«
»Oh, aye«, sagte er, von diesem Vorschlag amüsiert. »Was glaubst du denn am ehesten?«
Ich betrachtete ihn sorgfältig. Er lag entspannt zwischen den zerwühlten Laken, einen Arm hinter dem Kopf, und grinste mich an.
»Nun, ich würde mein Hemd darauf verwetten, dass du kein Drucker bist«, sagte ich.
Das Grinsen wurde breiter.
»Warum denn nicht?«
Ich stieß ihn unsanft in die Rippen. »Du bist viel zu gut in Form. Die meisten Männer Mitte vierzig werden allmählich rund um die Hüften, und du hast kein Gramm zu viel an deinem Körper.«