»Das liegt zum Großteil daran, dass niemand für mich kocht«, sagte er reumütig. »Wenn du ständig in Wirtshäusern essen würdest, wärst du auch nicht fett. Zum Glück sieht es ja so aus, als würdest du regelmäßig essen.« Er tätschelte mir vertraulich den Hintern und duckte sich dann lachend, als ich nach seiner Hand schlug.
»Versuch nicht, vom Thema abzulenken«, sagte ich und gab mich wieder würdevoll. »Jedenfalls hast du diese Muskeln nicht daher, dass du dich mit einer Druckerpresse abplagst.«
»Hast du schon einmal versucht, eine zu bedienen, Sassenach?« Er zog spöttisch die Augenbraue hoch.
»Nein.« Ich zog nachdenklich die Stirn in Falten. »Eine Laufbahn als Straßenräuber hast du vermutlich auch nicht begonnen?«
»Nein«, sagte er, und das Grinsen wurde breiter. »Rate weiter.«
»Unterschlagung?«
»Nein.«
»Nun, Entführung und Erpressung wohl auch nicht«, sagte ich und begann, weitere Möglichkeiten an den Fingern abzuzählen. »Diebstahl? Nein. Piraterie? Nein, unmöglich, es sei denn, du hast die Seekrankheit überwunden. Zinswucher? Wohl kaum.« Ich ließ meine Hand sinken und starrte ihn an.
»Bei unserem Abschied warst du ein Verräter, aber damit kann man wohl kaum seinen Lebensunterhalt verdienen.«
»Oh, ein Verräter bin ich immer noch«, versicherte er mir. »Ich bin nur in letzter Zeit nicht überführt worden.«
»In letzter Zeit?«
»Ich habe mehrere Jahre wegen Hochverrats im Gefängnis verbracht, Sassenach«, sagte er grimmig. »Wegen der Rolle, die ich ’45 gespielt habe. Aber das ist schon eine Weile her.«
»Ja. Das wusste ich.«
Er bekam große Augen. »Du hast es gewusst?«
»Das und noch etwas mehr«, sagte ich. »Ich erzähle es dir später. Aber lassen wir das erst einmal und kehren zu unserem Thema zurück – womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?«
»Ich bin Drucker«, sagte er und grinste breit.
»Und Verräter?«
»Und Verräter«, bestätigte er kopfnickend. »Ich bin in den letzten zwei Jahren sechsmal wegen Aufwiegelei festgenommen worden, und meine Werkstatt wurde zweimal durchsucht, aber das Gericht konnte nichts beweisen.«
»Und was passiert, wenn sie es eines Tages beweisen können?«
»Oh«, sagte er mit einer herablassenden Handbewegung, »Pranger. Peitsche. Kerker. Deportation. Etwas in der Art. Vermutlich nicht der Galgen.«
»Wie erleichternd«, sagte ich trocken. Mir wurde etwas mulmig zumute. Ich hatte nicht einmal versucht, mir auszumalen, was für ein Leben er wohl führen würde, falls ich ihn fand. Jetzt, da ich ihn gefunden hatte, verschlug es mir ein wenig die Sprache.
»Ich habe dich gewarnt«, sagte er. Der ironische Unterton war jetzt verschwunden, und seine dunkelblauen Augen waren ernst und wachsam.
»Das stimmt«, sagte ich und holte tief Luft.
»Möchtest du jetzt gehen?« Sein Ton war völlig beiläufig, doch ich sah, wie sich seine Finger um ein Stück der Bettdecke krallten, so dass sich die Knöchel weiß unter der sonnengebräunten Haut abmalten.
»Nein«, sagte ich. Ich lächelte ihn an, so gut ich konnte. »Ich bin nicht zurückgekommen, nur um einmal mit dir zu schlafen. Ich bin gekommen, um mit dir zusammen zu sein – wenn du mich willst«, schloss ich ein wenig zögernd.
»Wenn ich dich will!« Er hatte die Luft angehalten, und jetzt atmete er aus und setzte sich im Schneidersitz so auf das Bett, dass er mich ansah. Er streckte die Hände nach den meinen aus und umfasste sie.
»Ich kann … gar nicht sagen, was ich empfunden habe, als ich dich vorhin berührt habe, Sassenach, und begriffen habe, dass du tatsächlich da bist«, sagte er. Seine Augen wanderten über mich hinweg, und ich spürte sein Sehnen, das mir wie Glut entgegenschlug und mich zerschmelzen ließ. »Dich wiederzufinden – und dich dann zu verlieren …« Er hielt inne, und seine Kehle bewegte sich, als er schluckte.
Ich berührte sein Gesicht und zeichnete die klare Kontur seines Wangenknochens und Kiefers nach.
»Du wirst mich nicht verlieren«, sagte ich. »Nie wieder.« Ich lächelte und strich ihm das dichte rote Haar hinter das Ohr. »Nicht einmal, wenn ich herausfinde, dass du Bigamist bist und dich in der Öffentlichkeit betrinkst.«
Er fuhr heftig zusammen, und ich ließ verblüfft die Hand sinken.
»Was ist?«
»Nun ja …«, sagte er und verstummte. Er spitzte die Lippen und warf mir einen hastigen Blick zu. »Es ist nur …«
»Nur was? Ist da noch etwas, was du mir nicht erzählt hast?«
»Nun, der Druck rebellischer Pamphlete ist nicht besonders profitabel«, sagte er erklärend.
»Das kann ich mir vorstellen«, sagte ich, und angesichts der Möglichkeit weiterer Enthüllungen beschleunigte sich mein Herzschlag wieder. »Was machst du also sonst noch?«
»Oh, ich schmuggle nur ein kleines bisschen«, sagte er entschuldigend. »Nebenbei.«
»Ein Schmuggler?« Ich starrte ihn an. »Was schmuggelst du denn?«
»Zum Großteil Whisky, aber hin und wieder auch Rum, und einiges an französischem Wein und Baumwolle.«
»Das ist es also!«, sagte ich. Plötzlich fügte sich alles zusammen – Mr. Willoughby, die Docks von Edinburgh und das Rätsel unserer gegenwärtigen Umgebung. »Daher deine Verbindung mit diesem Haus – das hast du damit gemeint, dass Madame Jeanne deine Kundin ist?«
»So ist es.« Er nickte. »Es funktioniert bestens; wir lagern den Alkohol in einem der Keller unter dem Haus, wenn er aus Frankreich kommt. Einen Teil verkaufen wir direkt an Jeanne; einiges lagert sie für uns, bis wir es weitertransportieren können.«
»Ah. Und als Teil des Arrangements …«, sagte ich vorsichtig, »kannst du, äh …«
Er kniff die Augen zusammen und sah mich an.
»Die Antwort auf das, was du denkst, Sassenach, ist nein«, sagte er sehr entschieden.
»Ach ja?«, sagte ich, doch ich fühlte mich hocherfreut. »Du kannst wohl Gedanken lesen? Und was denke ich?«
»Du hast dich gefragt, ob ich mich manchmal in Naturalien bezahlen lasse, aye?« Er zog die Augenbraue hoch.
»Ja, das habe ich«, gab ich zu. »Nicht, dass es mich etwas angehen würde.«
»Ach nein?« Jetzt zog er beide Augenbrauen hoch, nahm mich bei beiden Schultern und beugte mich zu mir herüber.
»Und?«, sagte er kurz darauf. Er klang ein wenig atemlos.
»Es geht mich etwas an«, sagte ich nicht minder atemlos. »Und du lässt dich nicht …«
»Nein. Komm her.«
Er legte die Arme um mich und zog mich an sich. Der Körper hat ein anderes Gedächtnis als der Verstand. Solange ich nachdachte, fragte und mir Sorgen machte, bewegte ich mich unbeholfen und gehemmt. Ohne die Einmischung bewussten Denkens jedoch erkannte mein Körper ihn auf Anhieb und antwortete ihm in perfektem Einklang, als sei seine letzte Berührung nur Augenblicke her, nicht Jahre.
»Ich hatte diesmal viel mehr Angst als in unserer Hochzeitsnacht«, murmelte ich und heftete den Blick auf den langsamen, kräftigen Pulsschlag an seinem Hals.
»Ist das so?« Sein Arm bewegte sich und legte sich fester um mich. »Mache ich dir Angst, Sassenach?«
»Nein.« Ich legte meine Finger auf die pulsierende Stelle und atmete den Geruch seiner Anstrengung ein. »Es ist nur … beim ersten Mal … dachte ich ja nicht, dass es für immer sein würde. Ich wollte schließlich wieder gehen.«
Er prustete leise, und der Schweiß glänzte schwach in der kleinen Mulde auf seiner Brust.
»Und du bist gegangen, und du bist zurückgekommen«, sagte er. »Du bist hier; das ist das Einzige, was zählt.«
Ich richtete mich ein wenig auf, um ihn anzusehen. Seine Augen waren geschlossen, schräg wie die einer Katze, seine Wimpern von dieser auffälligen Färbung, an die ich mich so gut erinnerte, weil ich sie so oft gesehen hatte – tiefrotbraun an den Spitzen, wurden sie schließlich so hell, dass sie an den Wurzeln beinahe blond waren.
»Was hast du gedacht, als wir das erste Mal zusammen waren?«, fragte ich. Die dunkelblauen Augen öffneten sich langsam und ruhten auf mir.