»Für mich ist es von Anfang an für immer gewesen, Sassenach«, sagte er schlicht.
Einige Zeit später schliefen wir ineinander verschlungen ein, und der Regen klopfte leise an die Fensterläden, und sein Geräusch vermischte sich mit den gedämpften Klängen des Gewerbes in den Stockwerken unter uns.
Es war eine unruhige Nacht. Ich war zu müde, um einen einzigen Moment länger wach zu bleiben, und zu glücklich, um richtig einzuschlafen. Vielleicht hatte ich Angst, dass er verschwinden würde, wenn ich schlief. Vielleicht empfand er ja dasselbe. Wir lagen dicht beieinander, nicht wach, aber doch zu sehr des anderen gewahr, um fest zu schlafen. Ich spürte jedes kleine Zucken seiner Muskeln, jede Atembewegung, und wusste, dass er sich meiner genauso bewusst war.
Im Halbschlaf drehten und bewegten wir uns gemeinsam, stets in Berührung, ein verschlafenes Ballett in Zeitlupe, während wir schweigend die Sprache unserer Körper wieder erlernten. Irgendwo in den tiefen, stillen Stunden der Nacht wandte er sich mir wortlos zu, und ich mich ihm, und wir liebten uns mit einer langsamen, stummen Zärtlichkeit, an deren Ende wir still dalagen und jeder von uns die Geheimnisse des anderen besaß.
Sanft wie eine Motte, die im Dunklen fliegt, streifte meine Hand über sein Bein und fand die schmale tiefe Furche der Narbe. Meine Finger zeichneten die unsichtbare Spur nach und hielten am Ende inne mit einer kaum merklichen Berührung, die wortlos fragte: »Wie?«
»Culloden«, sagte er, und das eine geflüsterte Wort ließ die ganze Tragödie auferstehen. Den Tod. Die Vergeblichkeit. Und die grauenvolle Trennung, die mich von ihm gerissen hatte.
»Ich verlasse dich nicht«, flüsterte ich. »Nie wieder.«
Sein Kopf wandte sich auf dem Kissen; seine Züge waren im Dunklen unsichtbar, und seine Lippen streiften die meinen, sacht wie die Berührung eines Insektenflügels. Er drehte sich auf den Rücken und zog mich an seine Seite, so dass seine Hand schwer auf der Rundung meines Oberschenkels lag, mich bei ihm hielt.
Etwas später spürte ich, wie er sich noch einmal bewegte und die Bettdecke ein Stück zurückschlug. Ein kühler Luftzug hauchte über meinen Unterarm; die winzigen Härchen richteten sich auf und glätteten sich dann unter der Wärme seiner Berührung. Als ich die Augen öffnete, sah ich ihn auf der Seite liegen, vertieft in den Anblick meiner Hand. Sie lag reglos auf der Bettdecke, weiß und wie aus Stein gemeißelt, die Knochen und Sehnen grau skizziert, während das Zimmer seinen unmerklichen Wandel von der Nacht zum Tag begann.
»Zeichne sie für mich«, flüsterte er und senkte den Kopf, während er sanft den Umrissen meiner Finger folgte, lang und gespenstisch im Schatten seiner Berührung.
»Was hat sie von dir, von mir? Kannst du es mir sagen? Sind ihre Hände so wie deine, Claire, oder wie meine? Zeichne sie für mich, lass mich sie sehen.« Er legte seine Hand neben die meine. Es war seine gesunde Hand, die Finger gerade mit flachen Gelenken, die Nägel kurz geschnitten, quadratisch und sauber.
»Wie meine«, sagte ich. Meine Stimme war leise und heiser vom langen Wachen, gerade laut genug, um den trommelnden Regen im Freien zu übertönen. Das Haus unter uns war still. Zur Illustration hob ich die Finger meiner ansonsten reglosen Hand.
»Sie hat lange, schlanke Hände wie ich – aber größer als meine, mit breitem Handrücken und einer tiefen Einbuchtung an der Außenseite, vor dem Handgelenk – so wie du; ihr Puls schlägt da, wie bei dir.« Ich berührte die Stelle, wo eine Ader über seine Speiche lief, dort, wo das Handgelenk in die Hand übergeht. Er hielt so still, dass ich seinen Herzschlag unter meiner Fingerspitze spüren konnte.
»Ihre Nägel sind wie deine; quadratisch, nicht oval wie meine. Aber sie hat den krummen kleinen Finger an der rechten Hand, den ich auch habe«, sagte ich und hob den Finger. »Meine Mutter hatte ihn auch; Onkel Lambert hat es mir erzählt.« Meine Mutter war gestorben, als ich fünf war. Ich konnte mich nicht an sie erinnern, dachte aber stets an sie, wenn mein Blick unerwartet auf meine Hand fiel, in einem besonderen Moment wie diesem.
»Diese Kontur hat sie von dir«, sagte ich leise und folgte dem kühnen Verlauf seines Gesichts von der Schläfe zur Wange. »Genau deine Augen und die Wimpern und Brauen. Eine Frasernase. Ihr Mund ist eher wie meiner mit einer vollen Unterlippe, aber er ist breit wie deiner. Ein spitzes Kinn wie bei mir, aber kräftiger. Sie ist groß – fast einen Meter achtzig groß.« Ich spürte, wie er erstaunt zusammenzuckte, und stieß ihn sacht an, Knie an Knie. »Sie hat lange Beine wie du, aber sehr fraulich.«
»Und hat sie diese kleine blaue Ader hier?« Seine Hand berührte mein Gesicht, und sein Daumen drückte sich sacht in die Mulde meiner Schläfe. »Und Ohren wie kleine Flügel, Sassenach?«
»Über ihre Ohren hat sie sich immer beschwert – sie meinte, sie stehen ab«, sagte ich und spürte, wie mir die Tränen in den Augen brannten, als Brianna plötzlich zwischen uns zum Leben erwachte.
»Sie hat Ohrlöcher. Das stört dich doch nicht, oder?«, sagte ich und redete wie ein Wasserfall, um die Tränen im Griff zu behalten. »Frank hat es gestört; er meinte, es sieht billig aus, und sie sollte es nicht tun, aber sie wollte es gern, und ich habe es ihr mit sechzehn erlaubt. Ich habe ja auch Ohrlöcher; es schien mir nicht richtig, es ihr zu verbieten, obwohl ich Löcher hatte und all ihre Freundinnen, und ich wollte … wollte nicht …«
»Du hattest recht«, sagte er und unterbrach den Strom meiner halb hysterischen Worte. »Du hast es gut gemacht«, wiederholte er leise, aber bestimmt, und hielt mich fest. »Du bist eine wunderbare Mutter gewesen, das weiß ich.«
Ich weinte jetzt wieder, völlig lautlos, und schüttelte mich in seinen Armen. Er hielt mich sanft in den Armen, streichelte meinen Rücken und murmelte auf mich ein. »Gut gemacht«, sagte er immer wieder. »Du hast es richtig gemacht.« Und nach einer kleinen Weile hörte ich auf zu weinen.
»Du hast mir ein Kind geschenkt, mo nighean donn«, sagte er leise in die Wolke meiner Haare hinein. »Wir sind jetzt für immer zusammen. Sie ist in Sicherheit, und wir leben in ihr fort, du und ich.« Er küsste mich ganz sacht und legte den Kopf neben mir auf das Kissen. »Brianna«, flüsterte er auf diese seltsame Highlandart, mit der er sich ihren Namen zu eigen machte. Er seufzte tief, und im nächsten Moment war er eingeschlafen. Dann schlief ich selber ein, und das Letzte, was ich sah, war sein breiter, schöner Mund, der sich im Schlaf zu einem halben Lächeln entspannte.
Kapitel 26
Frühstück unter Huren
In den Jahren, in denen ich auf die vereinten Rufe von Muttersein und Medizin reagieren musste, hatte ich die Fähigkeit entwickelt, selbst aus dem tiefsten Schlaf sofort hellwach zu werden. Auch jetzt erwachte ich so und nahm augenblicklich die abgenutzten Leinentücher um mich herum wahr, die tropfenden Dachrinnen im Freien und Jamies warmen Duft, der sich mit der kalten, herrlichen Luft vermischte, die über mir durch einen Spalt in den Fensterläden eindrang.
Jamie selbst war nicht im Bett; ohne nach ihm zu tasten oder die Augen zu öffnen, wusste ich, dass der Platz an meiner Seite leer war. Doch er war in meiner Nähe. Ich hörte verstohlene Bewegungen, und irgendetwas kratzte leise über den Boden. Ich drehte den Kopf auf dem Kissen um und öffnete die Augen.
Das Zimmer war von einem grauen Licht erfüllt, das jede Farbe fortspülte, während es die hellen Umrisse seines Körpers deutlich im Zwielicht erscheinen ließ. Er hob sich aus der Dunkelheit des Zimmers heraus, massiv wie Elfenbein, plastisch, als sei er in die Luft hineinradiert. Er war nackt und stand mit dem Rücken zu mir vor dem Nachttopf, den er gerade unter dem Waschtisch hervorgezogen hatte.
Ich bewunderte die abgerundeten Rechtecke seiner Gesäßbacken, die kleinen, muskulösen Mulden in ihrer Mitte und ihre hellhäutige Verletzlichkeit. Die Furche seines Rückgrats, die sich in einer tiefen, glatten S-Kurve von seinen Hüften bis zu den Schultern zog. Er bewegte sich sacht, und das Licht fing sich im schwachen Silberschimmer der Narben auf seinem Rücken. Mir stockte der Atem.