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»Hört auf damit!«, rief ich aus, als er Anstalten mache, es ein drittes Mal zu tun.

»Tausend Verzeihung«, erklärte er. Er richtete sich in die Hocke auf und blinzelte mich an. Er sah ein bisschen mitgenommen aus, und der dunkelrote Fleck an der Stelle, wo seine Stirn auf den Boden getroffen war, war seiner Erscheinung nicht zuträglich. Ich vermutete zwar, dass er nicht vorgehabt hatte, seinen Kopf tausendmal auf den Boden zu schlagen, war mir aber nicht sicher. Offensichtlich litt er unter einem furchtbaren Kater; es war schon beeindruckend, dass er es überhaupt versucht hatte.

»Schon gut«, sagte ich und rutschte vorsichtig rückwärts an die Wand. »Da gibt es nichts zu verzeihen.«

»Doch, Verzeihung«, beharrte er. »Tsei-mi sagen Frau. Dame ehrenwerteste Erste Ehefrau, nicht stink Hure.«

»Danke sehr«, sagte ich. »Tsei-mi? Ihr meint Jamie? Jamie Fraser?«

Der kleine Mann nickte, was seinem Kopf offenbar nicht gut bekam. Er umklammerte ihn mit beiden Händen und schloss die Augen, die prompt in den Falten seiner Wangen verschwanden.

»Tsei-mi«, bestätigte er, ohne die Augen zu öffnen. »Tsei-mi sagen Verzeihung, geehrteste Ehefrau. Yi Tien Cho ergebenster Diener.« Er verbeugte sich tief, ohne seinen Kopf loszulassen. »Yi Tien Cho«, fügte er hinzu, öffnete die Augen und tippte sich auf die Brust, um anzuzeigen, dass das sein Name war, falls ich ihn mit etwaigen anderen ergebensten Dienern in der Umgebung verwechselte.

»Schon gut, wirklich«, sagte ich. »Äh, erfreut, Euch kennenzulernen.«

Dadurch offenbar ermutigt, legte er sich gelenkig auf den Bauch und streckte sich flach vor mir aus.

»Yi Tien Cho Diener für Dame«, sagte er. »Ehefrau bitte auf ergebenem Diener gehen, wenn mag.«

»Ha«, sagte ich kalt. »Ich habe von Euch gehört. Auf Euch herumgehen, wie? Kommt nicht in Frage.«

Ein schwarzer Augenschlitz glänzte auf, und er kicherte so unbändig, dass ich selbst lachen musste. Er richtete sich wieder zum Sitzen auf und strich sich die schmutzverklebten Haarborsten glatt, die wie bei einem Stachelschwein aus seinem Schädel sprossen.

»Ich wasche Ehefrau Füße?«, bot er an und grinste breit.

»Mit Sicherheit nicht«, sagte ich. »Wenn Ihr wirklich etwas Hilfreiches tun wollt, geht und sorgt dafür, dass man mir Frühstück bringt. Nein, halt«, sagte ich und überlegte es mir anders. »Sagt mir erst, woher Ihr Jamie kennt. Wenn es Euch nichts ausmacht«, fügte ich der Höflichkeit halber hinzu.

Er hockte sich auf die Fersen und wackelte sacht mit dem Kopf. »Docks«, sagte er. »Zwei Jahr her. Ich komme China, weit weg, kein Essen. Verstecken Fass«, erklärte er und legte die Arme um sich, um mir seine Transportmethode zu demonstrieren.

»Ein blinder Passagier?«

»Handel Schiff«, nickte er. »Docks hier, Essen stehlen. Ein Abend Brandy stehlen, stink betrunken. Sehr kalt zu schlafen; sterben bald, aber Tsei-mi finden.« Noch einmal stieß er sich mit dem Daumen in die Brust. »Tsei-mi ergebener Diener. Ergebener Diener Ehefrau.« Er verbeugte sich vor mir, wobei er alarmierend schwankte, doch er richtete sich ohne Malheur wieder auf.

»Brandy scheint Euer Verderben zu sein«, stellte ich fest. »Ich bedaure, dass ich nichts habe, was ich Euch für Euren Kopf geben kann; ich habe im Moment keine Arznei dabei.«

»Oh, nicht Sorge«, beruhigte er mich. »Ich haben heil Kugeln.«

»Wie schön für Euch«, sagte ich, weil mir nicht klar war, ob diese Worte anzüglich gemeint waren. Vorsichtshalber sah ich mich nach irgendetwas um, das ich als Waffe benutzen konnte, falls er Anstalten machte, sich unter die Bettwäsche zu wühlen.

Stattdessen griff er in die Tiefen seines weiten blauen Ärmels und zog mit der Geste eines Zauberers einen kleinen weißen Seidenbeutel heraus. Diesen kippte er aus, und zwei Kugeln landeten auf seiner Handfläche. Sie waren größer als Murmeln und kleiner als Tennisbälle – eigentlich in etwa so groß wie ein durchschnittlicher Testikel. Allerdings um einiges härter, denn sie bestanden anscheinend aus poliertem, grünlichem Stein.

»Heil Kugeln«, erklärte Mr. Willoughby und ließ sie über seine Handfläche rollen. Sie klickerten angenehm. »Streifen Jade aus Kanton«, sagte er. »Beste Sorte heil Kugeln.«

»Tatsächlich?«, sagte ich fasziniert. »Und sie sind medizinisch – sie tun gut, das wollt Ihr sagen?«

Er nickte heftig, dann hielt er mit einem leisen Stöhnen abrupt inne. Nach kurzer Pause breitete er die Hand aus und rollte die Kugeln hin und her, indem er sie mit geschickt kreisenden Fingern in Bewegung hielt.

»Ganzer Körper ein Teil; Hand alle Teile«, sagte er. Er stieß mit dem Finger auf seine offene Handfläche und berührte sie hier und da zielsicher zwischen den grünen Kugeln. »Kopf da, Magen da, Leber da«, sagte er. »Kugeln machen alles gut.«

»Nun, zumindest kann man sie genauso gut in die Handtasche stecken wie Alka-Seltzer«, sagte ich. Vermutlich war es die Tatsache, dass er den Magen erwähnt hatte, die meinen eigenen Magen an diesem Punkt laut knurren ließ.

»Ehefrau will Essen«, stellte Mr. Willoughby scharfsinnig fest.

»Sehr gut beobachtet«, sagte ich. »Ja, ich würde gern etwas essen. Meint Ihr, Ihr könntet es jemandem sagen?«

Sofort ließ er die Heilkugeln wieder in ihren Beutel fallen, sprang auf und verbeugte sich tief.

»Ergebener Diener gehen jetzt«, sagte er und ging, nicht ohne auf dem Weg in den Flur heftig gegen den Türpfosten zu prallen.

Langsam wurde es lächerlich, dachte ich. Ich zweifelte sehr daran, dass Mr. Willoughbys Besuch in etwas Essbarem resultieren würde; wenn ich seinen Zustand richtig einschätzte, konnte er von Glück sagen, wenn er es die Treppe hinunterschaffte, ohne auf den Kopf zu fallen.

Statt weiter nackt hier herumzusitzen und zufällige Gesandtschaften aus der Außenwelt zu empfangen, fand ich es nun an der Zeit, selbst zur Tat zu schreiten. Ich erhob mich, wickelte mich sorgfältig in eine Bettdecke und trat in den Flur.

Die obere Etage schien verlassen zu sein. Abgesehen von dem Zimmer, aus dem ich kam, gab es hier oben nur zwei weitere Türen. Als ich den Kopf hob, konnte ich die unverkleideten Dachbalken über mir sehen. Wir befanden uns also auf dem Dachboden; wahrscheinlich wurden die anderen Zimmer von Dienstboten bewohnt, die vermutlich jetzt unten zu tun hatten.

Ich konnte leise Geräusche durch das Treppenhaus driften hören. Außerdem driftete noch etwas herauf – der Duft gebratener Würstchen. Lautes Knurren teilte mir mit, dass dies auch meinem Magen nicht entgangen war und dass dieser ein Erdnussbutterbrot und einen Teller Suppe in vierundzwanzig Stunden als absolut unzureichende Ernährung betrachtete.

Ich steckte die Enden der Bettdecke über meinen Brüsten fest wie einen Sarong, raffte die Enden, die über den Boden schleiften, und folgte dem Essensgeruch nach unten.

Der Geruch – und das Klirren, Klappern und Plätschern mehrerer essender Menschen – drang durch eine geschlossene Tür in der ersten Etage. Ich drückte sie auf und fand mich am Ende eines langen Zimmers wieder, das als Speisesaal eingerichtet war.

Der Tisch war von etwa zwanzig Frauen umringt, von denen einige für den Tag herausgeputzt waren, doch die meisten befanden sich in einem halbbekleideten Zustand, der meine Bettdecke vergleichsweise sittsam erscheinen ließ. Eine Frau am Ende des Tischs sah mich in der Tür stehen und winkte mir, während sie kameradschaftlich zur Seite rückte, um mir auf der langen Bank Platz zu machen.

»Du bist wohl die Neue, aye?«, sagte sie und betrachtete mich neugierig. »Du bist ein bisschen älter, als Madame es normalerweise gernhat – sie mag sie am liebsten nicht älter als fünfundzwanzig. Aber du bist gar nicht so übel«, beruhigte sie mich hastig. »Du wirst deine Sache sicher gut machen.«

»Gute Haut und ein hübsches Gesicht«, stellte die dunkelhaarige Dame uns gegenüber fest und betrachtete mich mit der neutralen Miene eines Interessenten auf dem Pferdemarkt. »Und ein hübscher Busen, soweit ich das sehen kann.« Sie hob das Kinn ein wenig, um über den Tisch auf das zu blicken, was von meinem Ausschnitt zu sehen war.