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»Ich … sehe … Euch … wieder … wenn … Ihr … in … der … Hölle … brennt«, flüsterte er, und mit einem letzten Krampf, der ihm das Lächeln zu einer grauenvollen Grimasse erstarren ließ, hustete er eine verblüffende Menge hellroten blutigen Schaum aus und starb auf meinem Schoß.

Weitere Schritte kamen mit Höchstgeschwindigkeit die Treppe herauf. Jamie polterte durch die Kellertür und kam gerade noch zum Stehen, ehe er auf die erschlafften Beine des Steuereintreibers trat. Sein Blick wanderte an der Leiche entlang, bis er ebenso entgeistert wie erstaunt an meinem Gesicht haften blieb.

»Was hast du getan, Sassenach?«, wollte er wissen.

»Nicht sie – die gelbe Pest«, meldete sich Fergus zu Wort und ersparte mir die Mühe. Er steckte seine Pistole ein und hielt mir seine richtige Hand hin. »Kommt, Milady, Ihr müsst in den Keller!«

Jamie kam ihm zuvor und beugte sich über mich, während er mit dem Kopf in Richtung des Foyers ruckte.

»Ich komme hier zurecht«, sagte er. »Steh vorne Wache, Fergus. Das übliche Signal, und halt deine Pistole verborgen, wenn es irgendwie geht.«

Fergus nickte und verschwand sofort durch die Tür zum Foyer.

Es war Jamie gelungen, die Leiche umständlich in das Schultertuch zu wickeln; jetzt hob er sie auf, und ich rappelte mich hoch, sehr erleichtert, sie los zu sein, trotz des Blutes und der anderen widerwärtigen Substanzen, die die Vorderseite meines Hemds durchtränkten.

»Ooh! Ich glaube, er ist tot!«, drang eine ehrfürchtige Stimme zu uns in die Tiefe, und als ich aufblickte, sah ich ein Dutzend Prostituierte wie Barockengel auf uns hinunterblicken.

»Zurück in eure Zimmer!«, bellte Jamie. Ein Chor angstvoller Kreischlaute antwortete ihm, und sie stoben auseinander wie die aufgescheuchten Hühner.

Jamie sah sich auf dem Boden nach Spuren des Zwischenfalls um, doch glücklicherweise gab es keine – das Schultertuch und ich hatten alles aufgefangen.

»Komm mit«, sagte er.

Das Licht auf der Treppe war gedämpft, und unten im Keller war es pechschwarz. Ich blieb am Fuß der Treppe stehen, um auf Jamie zu warten. Der Steuereintreiber war kein schmaler Mensch gewesen, und Jamie atmete schwer, als er mich erreichte.

»Geradeaus«, sagte er keuchend. »Die Wand gegenüber ist nur Tarnung. Halt meinen Arm.«

Jetzt, da die Tür oben geschlossen war, konnte ich nichts mehr sehen; glücklicherweise schien Jamie per Radar navigieren zu können. Er führte mich unbeirrt an großen Gegenständen vorbei, die ich im Vorübergehen streifte, und kam schließlich zum Stehen. Ich konnte feuchte Steine riechen, und als ich die Hand ausstreckte, fühlte ich vor mir eine unverputzte Wand.

Jamie sagte laut etwas auf Gälisch. Anscheinend war es die keltische Entsprechung von »Sesam, öffne dich«, denn nach kurzer Stille knirschte es, und vor mir in der Dunkelheit erschien ein schwach leuchtender Strich. Der Strich verbreiterte sich zu einem Schlitz, und ein Stück der Wand schwang herum und gab eine kleine Tür frei, die aus einem Holzgerüst bestand, an dem man Mauersteine befestigt hatte, so dass sie aussah wie ein Teil der Wand.

Der Geheimkeller war ein großer Raum, der mindestens zehn Meter lang war. Mehrere Gestalten bewegten sich umher, und die Luft war beinahe zum Ersticken mit Brandygeruch getränkt. Jamie ließ die Leiche ohne Umschweife in eine Ecke fallen, dann wandte er sich zu mir um.

»Gott, Sassenach, geht es dir gut?« Der Keller schien mit Kerzen beleuchtet zu sein, die hier und dort im Zwielicht verteilt waren. Ich konnte mit Mühe sein Gesicht sehen, dessen Haut sich fest über seine Wangenknochen spannte.

»Ich friere ein bisschen«, sagte ich und gab mir Mühe, das Zähneklappern zu unterdrücken. »Mein Hemd ist mit Blut durchtränkt. Ansonsten fehlt mir nichts, glaube ich.«

»Jeanne!«, rief er an das andere Ende des Kellers gewandt, und eine der Gestalten kam auf uns zu, um sich als äußerst sorgenvoll dreinblickende Madame Jeanne zu entpuppen. Er erklärte ihr mit wenigen Worten die Lage, worauf sich ihre sorgenvolle Miene drastisch verstärkte.

»Horreur!«, sagte sie. »Umgebracht? Auf meinem Grund und Boden? Unter Zeugen?«

»Aye, ich fürchte, ja.« Jamie klang ruhig. »Ich kümmere mich darum. Aber Ihr müsst unterdessen nach oben gehen. Möglich, dass er nicht allein gewesen ist. Ihr wisst, was zu tun ist.«

Sein Ton war beschwichtigend, und er drückte ihr den Arm. Die Berührung schien sie zu beruhigen – ich hoffte, das war auch der Grund, warum er es getan hatte –, und sie wandte sich zum Gehen.

»Oh, und Jeanne«, rief Jamie ihr nach. »Wenn Ihr zurückkommt, könnt Ihr meiner Frau etwas zum Anziehen mitbringen? Wenn ihr Kleid noch nicht fertig ist, hat Daphne, glaube ich, die richtige Größe.«

»Kleid?« Madame Jeanne blickte in den Schatten hinüber, wo ich stand. Ich trat hilfsbereit ins Licht, so dass die Folgen meiner Begegnung mit dem Steuereintreiber sichtbar wurden.

Madame Jeanne blinzelte ein- oder zweimal, dann bekreuzigte sie sich und wandte sich wortlos ab, um durch die Geheimtür zu verschwinden, die sich dumpf hinter ihr schloss.

Ich begann jetzt zu zittern, vor Kälte wie auch als Reaktion auf die Ereignisse. Ich war zwar an Notfälle, Blut und selbst an den plötzlichen Tod gewöhnt, doch dieser Morgen war mehr als nur ein wenig erschütternd gewesen. Es war wie eine schlimme Samstagnacht in der Notaufnahme.

»Komm mit, Sassenach«, sagte Jamie und legte mir sanft die Hand ins Kreuz. »Sehen wir zu, dass du dich waschen kannst.« Bei mir verfehlte seine Berührung ihre Wirkung genauso wenig wie bei Madame Jeanne; ich fühlte mich sofort besser, auch wenn ich nervös blieb.

»Waschen? Womit denn? Brandy?«

Er lachte flüchtig auf. »Nein, Wasser. Ich kann dir eine Badewanne anbieten, sie ist nur leider kalt.«

Sie war extrem kalt.

»W-W-Woher kommt denn dieses Wasser?«, fragte ich zitternd. »Aus einem Gletscher?« Das Wasser lief aus einem Rohr in der Wand, das normalerweise mit einem unhygienisch aussehenden Lumpenbündel verstopft war, welches als Dichtung um einen hölzernen Stopfen gewickelt war.

Ich zog meine Hand aus dem eisigen Wasserstrom und trocknete sie an meinem Hemd ab. Es war zu sehr ruiniert, als dass ich es noch weiter hätte beschädigen können. Jamie schüttelte den Kopf und schob die große Holzwanne näher an den Wasserspeier heran.

»Vom Dach«, antwortete er. »Wir haben da oben eine Regenwasserzisterne. Das Regenrohr läuft an der Hauswand entlang, und das Rohr der Zisterne ist darin versteckt.« Seine Miene drückte eine geradezu absurde Selbstzufriedenheit aus, und ich lachte.

»Schlau gelöst«, sagte ich. »Wozu braucht ihr das Wasser denn?«

»Um den Alkohol zu verdünnen«, erklärte er. Er zeigte zum anderen Ende des Kellerraums, wo die schattenhaften Gestalten geschäftig mit einer großen Ansammlung von Fässern und Wannen zugange waren. »Er kommt neunzigprozentig hier an. Wir mischen ihn mit Regenwasser und füllen ihn wieder in Fässer, um ihn an die Wirtshäuser zu verkaufen.«

Er schob den Stopfen in das Rohr zurück und bückte sich, um die große Wanne über den Steinboden zu ziehen. »Räumen wir sie lieber aus dem Weg; das Wasser wird gebraucht.« Tatsächlich stand einer der Männer mit einem kleinen Fass in den Armen da; er hatte für mich nur einen neugierigen Blick übrig, nickte Jamie zu und hielt das Fass unter das fließende Wasser.

Hinter einer hastig errichteten Wand aus leeren Fässern blickte ich skeptisch in die Tiefen meiner improvisierten Badewanne. Neben mir brannte eine einzelne Kerze, die sich in der Oberfläche des Wassers spiegelte und es schwarz und bodenlos erscheinen ließ. Während ich mich heftig zitternd auszog, dachte ich, dass der Verzicht auf die Annehmlichkeit fließend warmen Wassers deutlich einfacher gewesen war, als ich es noch greifbar in der Nähe hatte.

Jamie fasste in seinen Ärmel und zog ein großes Taschentuch hervor, das er skeptisch anblinzelte.