Er lächelte flüchtig. »Ich habe eine Vereinbarung mit dem Superintendenten der Steueroffiziere des Distrikts, Sassenach.«
Ich starrte ihn mit offenem Mund an. »Vereinbarung?«
Er zuckte mit den Schultern. »Nun, dann eben Bestechung, wenn du es lieber korrekt ausdrücken willst.« Er klang ein wenig gereizt.
»Ich vermute, das ist völlig übliches Geschäftsgebaren?«, sagte ich um einen taktvollen Ton bemüht. Sein Mundwinkel zuckte sacht.
»Aye, das ist es. Jedenfalls könnte man sagen, es herrscht Einvernehmen zwischen Sir Percival Turner und mir, und es würde mich sehr beunruhigen, wenn ich feststellen müsste, dass er Steueroffiziere in dieses Haus schickt.«
»Also schön«, sagte ich langsam, während ich im Kopf versuchte, so mit den halb verstandenen Ereignissen des Morgens zu jonglieren, dass sie ein Muster ergaben. »Aber was hast du denn dann gemeint, als du zu Fergus gesagt hast, die Steuereintreiber wären dir auf den Fersen? Und warum sind alle herumgerannt wie die kopflosen Hühner?«
»Oh, das.« Er lächelte und nahm meinen Arm, um mich von der Leiche zu unseren Füßen abzuwenden. »Nun, wie schon gesagt, gibt es eine Vereinbarung. Und dazu gehört, dass auch Sir Percival seine Vorgesetzten in London zufriedenstellen muss, indem er hin und wieder ausreichende Mengen an Schmuggelware beschlagnahmt. Also sorgen wir dafür, dass er die Gelegenheit dazu bekommt. Wally und die Jungs haben zwei Wagenladungen von der Küste mitgebracht; eine mit bestem Brandy und die andere mit beschädigten Fässern und verdorbenem Wein, dazu ein paar Anker billigen Fusel, um dem Ganzen Würze zu verleihen. Ich habe sie heute Morgen wie verabredet vor der Stadt abgeholt, und dann haben wir es beim Hineinfahren darauf angelegt, die Aufmerksamkeit des Offiziers zu erregen, der zufällig gerade mit einem kleinen Dragonertrupp vorbeiritt. Sie sind uns gefolgt, und es gab eine muntere Jagd durch die Gassen, bis es Zeit für mich war, mich mit den guten Fässern von Wally und seinem Fusel zu trennen. Dann ist Wally von seinem Wagen gesprungen und hat sich davongemacht, und ich bin wie der Teufel hierhergefahren. Mir sind zwar zwei oder drei Dragoner gefolgt, aber nur zum Schein. Das macht sich später gut in ihrem Bericht.« Er grinste mich an und zitierte: »Die Schmuggler entkamen trotz aller Bemühungen ihrer Verfolger, doch es gelang den tapferen Soldaten Seiner Majestät, eine vollständige Wagenladung Spirituosen im Wert von sechzig Pfund und zehn Shilling zu erbeuten. Du verstehst, was ich meine?«
»Ich denke schon«, sagte ich. »Dann warst du es mit dem guten Brandy, der um zehn hier ankommen sollte? Madame Jeanne hat gesagt …«
»Aye«, sagte er und runzelte die Stirn. »Sie hätte um Punkt zehn die Kellertür offen und die Rampe in Position haben sollen – uns bleibt nie lange, um alles abzuladen. Sie war heute Morgen verdammt spät; ich musste zweimal im Kreis fahren, um die Dragoner nicht geradewegs zur Tür zu führen.«
»Sie war etwas abgelenkt«, sagte ich, denn plötzlich fiel mir die Bestie wieder ein. Ich erzählte Jamie von dem Mord im Green Owl, und er verzog das Gesicht und bekreuzigte sich.
»Armes Ding«, sagte er.
Ich erschauerte flüchtig, als ich an Brunos Beschreibung dachte, und drängte mich dichter an Jamie, der mir den Arm um die Schultern legte. Er küsste mich zerstreut auf die Stirn und warf erneut einen Blick auf die verhüllte Gestalt auf dem Boden.
»Nun, wer auch immer er war, wenn er kein Steuereintreiber war, sind vermutlich auch keine weiteren Offiziere oben. Wir sollten den Keller bald verlassen können.«
»Das ist gut.« Jamies Rock bedeckte mich zwar bis zu den Knien, doch ich spürte die verstohlenen Blicke, die sich vom anderen Ende des Kellers auf meine bloßen Waden richteten, und mir war allzu unangenehm bewusst, dass ich darunter nackt war. »Gehen wir wieder in die Druckerei?« Angesichts der Ereignisse war mir nicht danach, Madame Jeannes Gastfreundschaft länger als nötig in Anspruch zu nehmen.
»Eine Weile vielleicht. Ich muss darüber nachdenken.« Jamies Ton war abwesend, und ich konnte sehen, dass er die Stirn erneut nachdenklich gerunzelt hatte. Er drückte mich kurz, ließ mich los und begann, im Keller umherzugehen, den Blick konzentriert auf die Steine unter seinen Füßen gerichtet.
»Äh … was hast du eigentlich mit Ian gemacht?«
Er hob mit ausdrucksloser Miene den Kopf, dann klarte sein Gesicht auf.
»Oh, Ian. Ich habe ihn zurückgelassen, damit er sich in den Wirtshäusern am Market Cross durchfragt. Ich darf nicht vergessen, ihn später abzuholen«, murmelte er, als müsste er es sich einprägen.
»Ich bin übrigens seinem Sohn begegnet«, sagte ich beiläufig.
Jamies Miene war verblüfft. »Er ist hier gewesen?«
»Ja. Er hat nach dir gesucht – sogar kaum mehr als eine Viertelstunde, nachdem du gegangen warst.«
»Dem Himmel sei Dank!« Er raufte sich die Haare und schien gleichzeitig belustigt und besorgt. »Ich weiß gar nicht, wie ich Ian hätte erklären sollen, was sein Sohn hier macht.«
»Du weißt, was er hier gemacht hat?«, fragte ich neugierig.
»Nein! Eigentlich hätte er – ach, lassen wir das. Ich kann mich jetzt nicht damit befassen.« Er verfiel wieder in seine Gedanken, um dann noch einmal aufzutauchen und zu fragen: »Hat Ian gesagt, wohin er geht, als er sich von dir verabschiedet hat?«
Ich schüttelte den Kopf und zog den Rock dichter um mich, und er nickte, seufzte und setzte seinen langsamen Weg durch den Keller fort.
Ich setzte mich auf ein umgedrehtes Fass und beobachtete ihn. Trotz der eigentlich unangenehmen, bedrohlichen Lage empfand ich ein absurdes Glücksgefühl darüber, in seiner Nähe zu sein. Da ich nicht das Gefühl hatte, ihm im Augenblick helfen zu können, machte ich es mir bequem und überließ mich vorerst dem Vergnügen, ihm zuzusehen – etwas, wozu ich im Tumult der Ereignisse noch keine Gelegenheit gehabt hatte.
Obwohl er mit seinen Gedanken anderswo war, bewegte er sich mit der trittsicheren Anmut eines Schwertkämpfers, eines Mannes, der sich seines Körpers so bewusst war, dass er in der Lage war, ihn vollständig zu vergessen. Die Männer füllten die Fässer im Licht von Fackeln um; ihr Schein ließ sein Haar aufglänzen, wenn er sich umdrehte, und tauchte es wie einen Tigerpelz in Streifen aus Gold und Schwärze.
Ich sah das schwache Zucken, mit dem zwei Finger seiner rechten Hand flüchtig auf den Stoff seiner Hose tippten, und spürte einen seltsamen kleinen Stoß des Wiedererkennens bei dieser Geste. Tausendmal hatte ich gesehen, wie er das tat, wenn er nachdachte, und es jetzt erneut zu sehen, gab mir das Gefühl, als sei die Zeitspanne unserer Trennung nicht mehr gewesen als ein einziger Sonnenaufgang und -untergang.
Als hätte er meinen Gedanken erraten, hielt er auf seinem Weg kurz inne und lächelte mich an.
»Ist dir warm genug, Sassenach?«, fragte er.
»Nein, aber das spielt keine Rolle.« Ich stieg von meinem Fass, schob meine Hand unter seinen Arm und schloss mich seinem Spaziergang an. »Machst du Fortschritte beim Nachdenken?«
Er lachte reumütig. »Nein. Ich denke an ein gutes halbes Dutzend Dinge gleichzeitig, und auf die Hälfte davon habe ich keinen Einfluss. Zum Beispiel die Frage, ob der kleine Ian jetzt da ist, wo er sein sollte.«
Ich blickte zu ihm auf. »Wo er sein sollte? Was glaubst du denn, wo er sein sollte?«
»Er sollte in der Druckerei sein«, sagte Jamie mit einigem Nachdruck. »Aber er hätte heute Morgen auch bei Wally sein sollen, und das war er nicht.«
»Bei Wally? Du meinst, du wusstest schon, dass er fortgelaufen war, als sein Vater heute Morgen gekommen ist und nach ihm gefragt hat?«
Er rieb sich die Nase, und seine Miene war gereizt und belustigt zugleich. »Oh, aye. Aber ich hatte dem Jungen versprochen, dass ich seinem Vater nichts verraten würde, ehe er Gelegenheit hatte, es ihm selbst zu erklären. Nicht, dass es irgendeine Erklärung gibt, die ihm den Hintern retten könnte, denke ich«, fügte er hinzu.