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Jamie fing den Blick auf und hob sein Glas in meine Richtung.

»Auf Mrs. Malcolm«, sagte er leise, und die Kurzatmigkeit kehrte zurück.

Er stellte das Glas hin und nahm meine Hand; die seine war so groß und so warm, dass mir ein Gefühl glühender Hitze rapide durch die Finger strömte. Ich konnte den Silberring auf meiner Haut spüren, das Metall durch seine Berührung erhitzt.

»Zu lieben und zu ehren«, sagte er lächelnd.

»Von heute an«, sagte ich, ohne mich daran zu stören, dass wir die neugierigen Blicke anderer Speisender auf uns zogen.

Jamie senkte den Kopf und drückte mir die Lippen auf den Handrücken, womit er die neugierigen Blicke in unverblümtes Starren verwandelte. Am anderen Ende des Zimmers saß ein Kirchenmann; er funkelte uns an und sagte etwas zu seinen Begleitern, die sich umdrehten und uns ebenfalls anstarrten. Einer war ein kleiner, älterer Mann; der andere war, wie ich überrascht feststellte, Mr. Wallace, mein Reisebegleiter aus der Kutsche von Inverness nach Edinburgh.

»Oben gibt es Privatzimmer«, murmelte Jamie. Seine blauen Augen tanzten über meine Fingerknöchel hinweg, und ich verlor das Interesse an Mr. Wallace.

»Wie faszinierend«, sagte ich. »Du hast doch deine Suppe gar nicht aufgegessen.«

»Zur Hölle mit der Suppe.«

»Da kommt die Dienstmagd mit dem Ale.«

»Der Teufel soll sie holen.« Scharfe weiße Zähne schlossen sich sanft um meinen Fingerknöchel, und ich fuhr sacht zusammen.

»Die Leute beobachten dich.«

»Ich wünsche ihnen viel Vergnügen dabei.«

Seine Zunge huschte mir sanft zwischen die Finger.

»Ein Mann mit einem grünen Rock ist in unsere Richtung unterwegs.«

»Der Teu–«, begann Jamie, als auch schon der Schatten des Besuchers auf den Tisch fiel.

»Guten Tag, Mr. Malcolm«, sagte der Besucher und verbeugte sich höflich. »Ich störe Euch doch nicht?«

»Doch«, sagte Jamie. Er richtete sich auf, ließ meine Hand jedoch nicht los. Er betrachtete den Neuankömmling kühl. »Ich glaube, ich kenne Euch nicht, Sir?«

Der Mann, ein Engländer von vielleicht fünfunddreißig, der unauffällig gekleidet war, verbeugte sich erneut, ohne sich von diesem Mangel an Gastfreundschaft beeindrucken zu lassen.

»Ich hatte noch nicht das Vergnügen, Eure Bekanntschaft zu machen, Sir«, sagte er ehrerbietig. »Mein Herr hingegen hat mich gebeten, Euch zu grüßen und mich zu erkundigen, ob Ihr – und Eure Begleiterin – die Freundlichkeit besitzen würdet, ein Glas Wein mit ihm zu trinken.«

Die winzige Pause vor dem Wort »Begleiterin« war kaum wahrnehmbar, doch sie entging Jamie nicht. Seine Augen verengten sich.

»Meine Frau und ich«, sagte er mit exakt der gleichen Pause vor »Frau«, »sind im Moment anderweitig beschäftigt. Sollte Euer Herr mich zu sprechen wünschen …«

»Es ist Sir Percival Turner, der mich schickt, Euch zu fragen, Sir«, unterbrach ihn der Sekretär – denn das musste er sein – hastig. Da er aus gutem Hause stammte, konnte er es nicht lassen, leicht mit der Augenbraue zu zucken, während er den Namen wie eine Beschwörungsformel benutzte.

»Ist das so«, sagte Jamie trocken. »Nun, bei allem Respekt gegenüber Sir Percival, ich bin gerade beschäftigt. Falls Ihr ihm mein Bedauern übermitteln würdet?« Er verbeugte sich mit derart pointierter Höflichkeit, dass es an Bosheit grenzte, und drehte dem Sekretär den Rücken zu. Der Mann blieb noch einen Augenblick mit offenem Mund stehen, dann machte er auf dem Absatz kehrt und begab sich zwischen den im ganzen Raum verteilten Tischen hindurch zu einer Tür am anderen Ende des Speiseraums.

»Wo war ich?«, fragte Jamie. »Oh, aye, zum Teufel mit feinen Herren in grünen Röcken. Nun, was diese privaten Zimmer betrifft …«

»Wie wirst du mich den Leuten erklären?«, fragte ich.

Er zog eine Augenbraue hoch.

»Was gibt es da zu erklären?« Er ließ den Blick an mir auf und ab wandern. »Warum muss ich Entschuldigungen für dich erfinden? Dir fehlen keine Gliedmaßen; du bist nicht pockennarbig, buckelig, zahnlos oder verkrüppelt …«

»Du weißt, was ich meine«, sagte ich und versetzte ihm unter dem Tisch einen kleinen Tritt. Eine Dame, die an der Wand saß, stieß ihren Begleiter an und wies mit missbilligend geweiteten Augen in unsere Richtung. Ich lächelte sie gelassen an.

»Aye, das tue ich«, sagte er und grinste. »Allerdings habe ich angesichts von Mr. Willoughbys Umtrieben am heutigen Morgen und überhaupt noch nicht viel Gelegenheit gehabt, darüber nachzudenken. Vielleicht sage ich einfach …«

»Mein lieber Freund, Ihr seid also verheiratet! Großartige Neuigkeiten! Einfach großartig! Meine herzlichsten Glückwünsche, und darf ich – ich hoffe doch? – der Erste sein, der Eurer Gemahlin alles Gute wünscht?«

Ein kleiner, älterer Herr mit einer adretten Perücke, der sich schwer auf den Goldknauf eines Stocks stützte, strahlte uns beide herzlich an. Es war der kleine Mann, der mit Mr. Wallace und dem Kirchenmann am Tisch gesessen hatte.

»Ihr werdet mir gewiss die kleine Unhöflichkeit verzeihen, dass ich zunächst Johnson zu Euch geschickt habe, um Euch zu holen«, sagte er bescheiden. »Es ist einfach so, dass diese dumme Schwäche mich an jeder schnellen Bewegung hindert.«

Jamie hatte sich beim Erscheinen des Besuchers erhoben und zog nun mit einer höflichen Geste einen Stuhl hervor.

»Setzt Ihr Euch zu uns, Sir Percival?«

»Oh, nein, wirklich nicht! Es würde mir im Traum nicht einfallen, mich Eurem jungen Glück aufzudrängen, mein werter Sir. Wahrlich, ich hatte ja keine Ahnung …« Während er noch höflich protestierte, ließ er sich auf den angebotenen Stuhl sinken. Er zuckte zusammen, als er den Fuß unter dem Tisch hervorstreckte.

»Ich bin ein Märtyrer der Gicht, meine Teure«, vertraute er mir an und lehnte sich so dicht zu mir herüber, dass ich seinen faulen Greisenatem unter dem Wintergrün riechen konnte, mit dem sein Leinen parfümiert war.

Er sah gar nicht korrupt aus, dachte ich – Atem hin oder her –, doch der Schein konnte natürlich trügen; ich war ja selbst erst vor vier Stunden für eine Prostituierte gehalten worden.

Jamie, der das Beste aus der Situation machte, bestellte Wein und nahm Sir Percivals fortgesetzte Ergüsse mit Großmut entgegen.

»Es ist ein großes Glück, dass ich Euch hier begegnet bin, mein guter Freund«, sagte der alte Herr schließlich und beendete seine blumenreichen Komplimente. Er legte Jamie eine kleine, gepflegte Hand auf den Ärmel. »Ich hatte Euch nämlich etwas Bestimmtes zu sagen. Ich hatte sogar schon eine Nachricht in die Druckerei übersandt, doch mein Bote hat Euch dort nicht angetroffen.«

»Ah?« Jamie zog fragend die Augenbraue hoch.

»Ja«, fuhr Sir Percival fort. »Ich glaube, Ihr hattet mir gegenüber erwähnt – vor ein paar Wochen, ich erinnere mich kaum an den Anlass –, dass Ihr die Absicht hegt, geschäftlich nach Norden zu reisen. Es ging um eine neue Presse oder etwas Ähnliches?« Sir Percival hatte ein echtes Patriziergesicht, dachte ich, liebenswürdig und gutaussehend trotz seiner fortgeschrittenen Jahre, mit großen, arglosen blauen Augen.

»Aye, so ist es«, pflichtete ihm Jamie höflich bei. »Ich wurde von Mr. McLeod in Perth eingeladen, mir eine neuartige Druckerpresse anzusehen, die er seit kurzem benutzt.«

»Gewiss.« Sir Percival hielt inne, um eine Schnupftabakdose aus seiner Tasche zu ziehen, ein hübsches, grün und golden emailliertes Stück mit kleinen Putten auf dem Deckel.

»Ich würde Euch derzeit wirklich von einer Reise nach Norden abraten«, sagte er. Dabei öffnete er das Döschen und konzentrierte sich auf den Inhalt. »Wirklich, Mr. Malcolm. Das Wetter ist um diese Jahreszeit mit großer Wahrscheinlichkeit widrig; ich bin mir sicher, dass es Mrs. Malcolm nicht entgegenkäme.« Er lächelte mich an wie ein betagter Engel, atmete eine anständige Portion Tabak ein und wartete, sein Taschentuch in Habtachtstellung.