»Abgemacht, Onkel Jamie.«
Im nächsten Moment öffnete sich die Tür am Ende des Flurs, und nachdem sie sich einen Blick zugeworfen hatten, machten Jenny und Ian gleichzeitig kehrt, um die verlorenen Söhne in Empfang zu nehmen.
Kapitel 33
Der vergrabene Schatz
Du siehst aus wie ein Pavian«, stellte ich fest.
»Oh, aye? Und was ist das?« Trotz der eiskalten Novemberluft, die zum Fenster hereinkam, war Jamie keinerlei Unbehagen anzumerken, als er sein Hemd auf den kleinen Kleiderberg fallen ließ.
Er räkelte sich behaglich, vollständig nackt. Seine Gelenke knackten leise, als er den Rücken wölbte und sich räkelte, bis seine Fäuste problemlos an die rauchgeschwärzten Deckenbalken reichten.
»O Gott, es ist so schön, nicht auf einem Pferd zu sitzen!«
»Mm. Ganz zu schweigen davon, ein richtiges Bett zum Schlafen zu haben statt der nassen Heide.« Ich drehte mich um, schwelgte in der Wärme der schweren Bettdecken und genoss das Gefühl, mit dem sich meine schmerzenden Muskeln entspannt in die unbeschreiblich weiche Gänsefedermatratze sinken ließen.
»Hast du noch vor, mir zu erklären, was ein Pavian ist?«, erkundigte sich Jamie. »Oder redest du nur, um den Klang deiner eigenen Stimme zu hören?« Er wandte sich ab, um einen zerfransten Weidenzweig vom Waschtisch zu nehmen, und begann, sich die Zähne zu putzen. Ich musste lächeln; wenn ich während meines früheren Aufenthalts in der Vergangenheit auch nur eines bewirkt hatte, so war es, dass so gut wie sämtliche Frasers und Murrays in Lallybroch ihre Zähne noch hatten, anders als die meisten anderen Highlander – oder auch die meisten Engländer.
»Ein Pavian«, sagte ich und weidete mich an der Bewegung seiner Rückenmuskeln, während er seine Zähne schrubbte, »ist eine ziemlich große Affenart mit einem roten Hintern.«
Er prustete vor Lachen, so dass ihm der Weidenzweig im Hals steckenblieb. »Nun«, sagte er, nachdem er ihn aus seinem Mund gezogen hatte, »ich kann nicht sagen, dass du da unrecht hast, Sassenach.« Er grinste mich mit seinen strahlend weißen Zähnen an und warf den Zweig beiseite. »Es ist dreißig Jahre her, dass mich das letzte Mal jemand mit dem Riemen traktiert hat«, fügte er hinzu und fuhr sich vorsichtig mit den Händen über die unverändert leuchtenden Oberflächen seines Hinterns. »Ich hatte ganz vergessen, wie das brennt.«
»Während der Junge noch vermutet hat, dass dein Hintern zäh ist wie Sattelleder«, sagte ich belustigt. »Meinst du, es war die Sache wert?«
»Oh, aye«, sagte er gelassen und ließ sich neben mir in das Bett gleiten. Sein Körper war hart und kalt wie Marmor, und ich quietschte auf, protestierte aber nicht, als er mich fest an seine Brust zog. »Himmel, bist du warm«, murmelte er. »Komm doch näher, hm?« Seine Beine versuchten, sich zwischen die meinen zu schieben, und er umfasste meinen Hintern, um mich an sich zu ziehen.
Er stieß einen Seufzer purer Zufriedenheit aus, und ich entspannte mich in seiner Umarmung, während ich durch das dünne Nachthemd, das mir Jenny geliehen hatte, spürte, wie sich unsere Körpertemperaturen auszugleichen begannen. Das Torffeuer im Kamin brannte zwar, doch es hatte kaum mehr als die größte Kälte vertreiben können; Körperwärme war viel effektiver.
»Oh, aye, es war die Sache wert«, sagte er. »Ich hätte den Jungen halb besinnungslos prügeln können – sein Vater hat es ja schon ein-, zweimal getan –, und es hätte doch nur seine Entschlossenheit vergrößert, bei nächster Gelegenheit wieder davonzulaufen. Aber er wird über glühende Kohlen gehen, ehe er das Risiko eingeht, so etwas noch einmal tun zu müssen.«
Sein Ton klang überzeugt, und ich ging davon aus, dass er recht hatte. Mit verwunderter Miene hatte der Junge von seinen Eltern die Absolution in Form eines Kusses seiner Mutter und einer kurzen Umarmung seines Vaters empfangen und sich dann mit einer Handvoll Plätzchen in sein Bett zurückgezogen, gewiss, um dort über die merkwürdigen Konsequenzen des Ungehorsams nachzudenken.
Auch Jamie hatte die Absolution in Form von Küssen erhalten, und ich vermutete, dass ihm das noch wichtiger war als die möglichen Auswirkungen seines Handelns auf den Jungen.
»Immerhin sind dir Jenny und Ian nicht mehr böse«, sagte ich.
»Nein. Ich glaube, so böse sind sie mir eigentlich gar nicht gewesen; sie wissen nur einfach nicht, was sie mit dem Jungen anfangen sollen«, erklärte er. »Sie haben schon zwei Söhne großgezogen, und Jamie und Michael sind beide sympathische junge Männer; aber sind beide eher so wie der erwachsene Ian – freundlich und umgänglich. Der Junge ist zwar still, aber er kommt viel mehr auf seine Mutter – und auf mich.«
»Frasers sind stur, wie?«, sagte ich lächelnd. Dieses Stückchen Clanfolklore war eins der ersten Dinge, die man mir beigebracht hatte, als ich Jamie kennenlernte, und im Lauf meiner folgenden Erfahrungen hatte nichts darauf hingedeutet, dass es nicht stimmen könnte.
Er gluckste leise, tief in seiner Brust.
»Aye, das stimmt. Der Junge mag zwar aussehen wie ein Murray, aber er ist ein Fraser durch und durch. Und es ist sinnlos, einen sturen Menschen anzuschreien oder ihn zu schlagen; es bestärkt ihn nur in seiner Entschlossenheit.«
»Ich werde es mir merken«, sagte ich trocken. Er streichelte mit meiner Hand meinen Oberschenkel und schob das Baumwollnachthemd Stück für Stück nach oben. Jamies eingebauter Heizofen hatte den Betrieb wieder aufgenommen, und seine nackten Beine lagen warm und hart an den meinen. Sein Knie stieß mich sanft an, um Einlass zwischen meine Oberschenkel zu finden. Ich umfasste seine Gesäßbacken und drückte sacht zu.
»Dorcas hat mir erzählt, dass eine ganze Reihe von Herren viel Geld für das Privileg bezahlen, im Bordell Prügel zu beziehen. Sie sagt, sie finden es … erregend.«
Jamie prustete leise und spannte das Gesäß an, dann entspannte er es wieder, als ich leicht darüber strich.
»Ist das so? Nun, wenn Dorcas es sagt, stimmt es vermutlich, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Es gibt so viele schönere Arten, einen Ständer zu bekommen, wenn du mich fragst. Andererseits«, fügte er aufrichtig hinzu, »ist es vielleicht etwas anderes, wenn ein hübsches Mädchen im Hemd den Riemen schwingt, nicht dein Vater – oder auch dein Neffe.«
»Vielleicht. Soll ich es demnächst einmal versuchen?« Die Mulde seiner Kehle lag unmittelbar neben meinem Gesicht, sonnenverbrannt und empfindsam mit dem schwachen weißen Dreieck einer Narbe just oberhalb des Schlüsselbeins. Ich drückte meine Lippen auf den Puls, der dort schlug, und er erschauerte, obwohl wir beide nicht mehr froren.
»Nein«, sagte er ein wenig atemlos. Seine Hand machte sich am Halsausschnitt meines Hemds zu schaffen und löste die Schleife. Dann drehte er sich auf den Rücken und hob mich plötzlich auf sich, als sei ich gewichtslos. Ein Schnippen seines Fingers ließ mir das geöffnete Hemd über die Schultern fallen, und meine Brustwarzen richteten sich auf, sobald sie von der kalten Luft getroffen wurden.
Seine Augen standen noch schräger als sonst, als er mit halb gesenkten Lidern wie eine schläfrige Katze zu mir aufblinzelte und die Handflächen warm um meine Brüste legte.
»Ich habe doch gesagt, ich kann mir schönere Arten vorstellen, aye?«
Die Kerze war flackernd erloschen, das Kaminfeuer heruntergebrannt, und durch das beschlagene Fenster schimmerten die hellen Novembersterne. Meine Augen waren so an die Dunkelheit gewöhnt, dass ich sämtliche Einzelheiten des Zimmers erkennen konnte; den dicken weißen Porzellankrug und die Schüssel, deren blauer Streifen im Sternenschein schwarz erschien, das kleine Stickmustertuch an der Wand und Jamies ungeordneten Kleiderberg auf dem Hocker neben dem Bett.
Auch Jamie war gut zu erkennen; er hatte die Bettdecke zurückgeworfen, und seine Brust glänzte schwach nach der körperlichen Anstrengung. Ich bewunderte die langgezogene Fläche seines Bauchs, über deren helle, frische Haut sich kleine dunkelbraune Haarbüschel kringelten. Ich konnte meine Finger nicht davon abhalten, ihn zu berühren und die kraftvollen Bögen seiner Rippen nachzuzeichnen, die seinem Oberkörper die Form verliehen.