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»Es ist so gut«, sagte ich verträumt. »So gut, den Körper eines Mannes berühren zu können.«

»Dann gefällt er dir also noch?« Er klang halb schüchtern, halb erfreut, als ich ihn liebkoste. Er legte mir den Arm um die Schulter und streichelte mein Haar.

»Mm-hm.« Es war zwar nichts, was mir bewusst gefehlt hatte, doch es jetzt wiederzuhaben, erinnerte mich daran, wie herrlich es war; diese schläfrige Intimität, wenn der Körper eines Mannes den Händen so nah ist wie der eigene und seine Formen und Oberflächen plötzlich zu einer Fortsetzung der eigenen Gliedmaßen werden.

Ich fuhr mit der Hand über seinen flachen Bauch, über den glatten Vorsprung des Hüftknochens und die Wölbung des muskulösen Oberschenkels. Der letzte Feuerschein fing sich in dem rotgoldenen Flaum auf seinen Armen und Beinen und glühte in dem kastanienbraunen Dickicht, das zwischen seinen Oberschenkeln nistete.

»Gott, was für ein wunderbar haariges Wesen du bist«, sagte ich. »Sogar da.« Ich glitt mit der Hand über die glatte Mulde auf seinem Oberschenkel, und er spreizte bereitwillig die Beine, so dass ich die dichten, drahtigen Locken zwischen seinen Gesäßbacken berühren konnte.

»Aye, meines Pelzes wegen hat jedenfalls noch niemand Jagd auf mich gemacht«, sagte er behaglich. Er legte mir seinerseits die Hand um das Gesäß, und sein großer Daumen fuhr sanft über die gerundete Oberfläche. Er schob einen Arm in seinen Nacken und blickte träge an meinem Körper hinunter.

»Bei dir lohnt sich das Abhäuten noch weniger als bei mir, Sassenach.«

»Das hoffe ich doch.« Ich rutschte ein Stück beiseite, um seiner Hand Platz zu machen, die jetzt ihre Erkundungen ausweitete und mir wunderbar warm über den nackten Rücken fuhr.

»Hast du je einen glatten Ast gesehen, der schon länger in einem stehenden Gewässer liegt?«, fragte er. Sein Finger fuhr sacht an meiner Wirbelsäule empor und zog eine Gänsehaut nach sich. »Er ist mit winzigen Bläschen übersät, Hunderten, Tausenden, Millionen davon, so dass es aussieht, als sei er mit silbernem Rauhreif überzogen.« Seine Finger streiften meine Rippen, meine Arme, meinen Rücken, und überall richteten sich in der Folge seiner Berührung die feinen Daunenhärchen auf und kribbelten.

»Genauso siehst du aus, Sassenach«, sagte er beinahe flüsternd. »So glatt und nackt, in Silber getaucht.«

Dann lagen wir eine Weile still und lauschten dem Tröpfeln des Regens, der draußen heraufgezogen war. Kalte Herbstluft strich durch das Zimmer und mischte sich unter die verqualmte Wärme des Feuers. Er drehte sich von mir abgewandt auf die Seite, und wir zogen die Bettdecken über uns.

Ich schmiegte mich an seinen Rücken und legte die Knie hinter die seinen. Der dumpfe Schein des Feuers leuchtete jetzt hinter mir; er ließ die Rundung seiner Schulter aufglänzen und tauchte seinen Rücken in Zwielicht. Ich konnte die schwachen Linien der Narben sehen, die seine Schultern überzogen wie ein Netz, dünne Silberstreifen auf seiner Haut. Einst waren mir diese Narben so intim vertraut gewesen, dass ich sie mit verbundenen Augen hätte zeichnen können. Jetzt war da ein schmaler Halbmond, der mir neu war; ein Schrägstrich, der zuvor nicht da gewesen war, Hinterlassenschaften einer brutalen Vergangenheit, die ich nicht mit ihm geteilt hatte.

Ich berührte den Halbmond und zeichnete ihn vom einen zum anderen Ende nach.

»Vielleicht hat niemand deines Pelzes wegen Jagd auf dich gemacht«, sagte ich leise, »aber man hat Jagd auf dich gemacht, nicht wahr?«

Seine Schulter bewegte sich sacht. »Hin und wieder«, sagte er.

»Jetzt auch?«, fragte ich.

Er atmete einige Momente langsam ein und aus, ehe er antwortete.

»Aye«, sagte er. »Ich glaube, ja.«

Meine Finger bewegten sich zu dem Schrägstrich hinunter. Es war eine tiefe Verletzung gewesen; sie war zwar alt und gut verheilt, doch ich spürte die Narbe scharf und deutlich unter meinen Fingerspitzen.

»Weißt du, wer?«

»Nein.« Er schwieg einen Moment, dann schloss sich seine Hand um die meine, die auf seinem Bauch lag. »Aber ich weiß vielleicht, warum.«

Im Haus war es sehr still. Da die meisten Kinder und Enkel nicht da waren, schliefen hier nur die Bediensteten in ihren Quartieren hinter der Küche, Ian und Jenny in ihrem Zimmer am anderen Ende des Flurs und der Junge irgendwo oben. Wir hätten allein am Ende der Welt sein können; sowohl Edinburgh als auch die Schmugglerbucht schienen weit fort zu sein.

»Weißt du noch, wie kurz nach dem Fall von Stirling und nicht lange vor Culloden plötzlich überall das Gerücht die Runde machte, Frankreich hätte Gold geschickt?«

»Louis? Ja – aber er hat doch nie etwas geschickt.« Jamies Worte beschworen jene kurzen, hektischen Tage von Charles Stuarts tollkühnem Aufstieg und tiefem Fall herauf, in denen Gerüchte die gängige Währung jeder Konversation gewesen war. »Es gab ständig Gerüchte – über Gold aus Frankreich, Schiffe aus Spanien, Waffen aus Holland –, aber das meiste ist doch nie zustande gekommen.«

»Oh, es ist etwas gekommen – wenn auch nicht von Louis –, aber niemand wusste damals etwas davon.«

Dann erzählte er mir von seiner Begegnung mit dem sterbenden Duncan Kerr und den geflüsterten Worten des Wanderers, denen er auf dem Dachboden des Wirtshauses unter den wachsamen Augen eines englischen Offiziers zugehört hatte.

»Er lag im Fieber, Duncan, aber er war noch bei Verstand. Er wusste, dass er sterben würde, und er kannte mich. Es war seine einzige Chance, es jemandem zu erzählen, von dem er glaubte, er könnte ihm vertrauen – also hat er es mir erzählt.«

»Weiße Hexen und Seehunde?«, wiederholte ich. »Ich muss sagen, es klingt wie irres Gerede. Aber du hast es verstanden?«

»Nun, nicht alles«, gab Jamie zu. Er drehte sich um, so dass er mich ansah, und seine Stirn war leicht gerunzelt. »Ich habe keine Ahnung, wer die weiße Hexe sein könnte. Erst dachte ich, er meinte dich, Sassenach, und mir ist fast das Herz stehengeblieben, als er es gesagt hat.« Er lächelte reumütig, und seine Hand legte sich fester um die meine, die er zwischen uns umfasst hielt.

»Ich dachte plötzlich, irgendetwas wäre schiefgegangen – dass es dir vielleicht nicht gelungen wäre, zu Frank zurückzukehren, an den Ort, von dem du kamst – dass es dich vielleicht irgendwie nach Frankreich verschlagen hätte, dass du vielleicht genau in diesem Moment dort wärst – mir sind alle möglichen verrückten Ideen durch den Kopf gegangen.«

»Ich wünschte, es wäre so gewesen«, flüsterte ich.

Er lächelte mich schief an, schüttelte aber den Kopf.

»Und ich im Gefängnis? Und Brianna wäre wie alt gewesen – erst zehn oder so? Nein, verschwende deine Zeit nicht mit Bedauern, Sassenach. Du bist jetzt hier, und du wirst mich nie mehr verlassen.« Er küsste mich sanft auf die Stirn, dann setzte er seine Erzählung fort.

»Ich hatte keine Ahnung, woher das Gold gekommen war, aber mir war klar, dass er mir sagte, wo es war und warum es dort war. Es war Prinz Tearlach übersandt worden. Und die Sache mit den Seehunden …« Er hob den Kopf ein wenig und wies nickend zum Fenster, wo der Rosenstock seinen Schatten auf das Glas warf.

»Als meine Mutter aus Leoch davongelaufen ist, haben sich die Leute erzählt, sie würde jetzt bei den Silkies leben, weil die Dienstmagd, die meinen Vater gesehen hat, als er sie entführt hat, sagte, er hätte ausgesehen wie ein Silkie, der seinen Pelz abgeworfen hätte und auf dem Land wandelte wie ein Mensch. Und so war es auch.« Jamie lächelte bei der Erinnerung und fuhr sich selbst durch das dichte Haar. »Sein Haar war so dicht wie das meine, aber es war so schwarz wie Gagat. Manchmal hat es im Licht geglänzt, als wäre es nass, und er hat sich immer schnell und fließend bewegt wie ein Seehund im Wasser.« Er zuckte plötzlich mit den Schultern, um die Erinnerung an seinen Vater zu vertreiben.