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Er biss mir unsanft in die Unterlippe, und als ich keuchend die Lippen öffnete, stieß er mir die Zunge in den Mund und raubte mir den Atem und die Worte zugleich.

Er warf mich auf das Bett, wo wir noch vor einer Stunde lachend zusammengelegen hatten, und hielt mich mit dem Gewicht seines Körpers dort fest.

Er war mächtig erregt.

Genau wie ich.

Mein, sagte er, ohne ein Wort von sich zu geben. Mein!

Ich wehrte mich mit grenzenloser Rage und großem Geschick, und mein Körper erwiderte, Dein! Dein, und dafür sollst du in der Hölle schmoren!

Ich spürte nicht, wie er mir das Kleid zerriss, doch ich spürte die Hitze seines Körpers auf meinen blanken Brüsten, durch sein dünnes Leinenhemd, spürte die Anspannung seines langen, harten Oberschenkelmuskels an meinem Bein. Er löste seine Hand von meinem Arm, um an seiner Hose zu zerren, und ich zog ihm die Krallen vom Ohr bis zur Brust über die Haut, auf der sich rote Streifen bildeten.

Wir versuchten nach allen Regeln der Kunst, uns gegenseitig umzubringen, angestachelt durch die Rage der Jahre unserer Trennung – ich, weil er mich fortgeschickt hatte, er, weil ich gegangen war, ich wegen Laoghaire, er wegen Frank.

»Aas!«, keuchte er. »Hure!«

»Mistkerl!« Jetzt bekam ich sein langes Haar zu fassen und riss daran, um sein Gesicht wieder zu mir zu ziehen. Wir rollten vom Bett und landeten ineinander verschlungen auf dem Boden, wo wir in einer Woge aus erstickten Flüchen und Wortbruchstücken umherrollten.

Ich hörte nicht, wie sich die Tür öffnete. Ich hörte gar nichts, obwohl sie uns gerufen haben muss, und das mehr als einmal. Ich war blind und taub und sah und hörte nur Jamie, bis uns das kalte Wasser traf, plötzlich wie ein elektrischer Schlag. Jamie erstarrte, und sein Gesicht verlor jede Farbe, so dass sich seine Knochen streng unter der Haut abmalten.

Ich lag benommen da, und von seinen Haarspitzen tropfte mir Wasser auf die Brüste. Dicht hinter ihm konnte ich Jenny sehen, das Gesicht so weiß wie das seine, einen leeren Topf in den Händen.

»Aufhören!«, sagte sie. Ihre Augen waren schmal vor Wut und Entsetzen. »Wie konntest du nur, Jamie? Es hier zu treiben wie ein wildes Tier, ohne dich darum zu kümmern, dass das ganze Haus dich hören kann!«

Er erhob sich von mir, langsam, unbeholfen wie ein Bär. Jenny riss eine Decke vom Bett und warf sie über mich.

Auf allen vieren schüttelte er den Kopf wie ein Hund, und die Wassertropfen flogen in alle Richtungen. Ganz langsam erhob er sich dann und zog sich die zerrissene Hose zurecht.

»Schämst du dich denn gar nicht?«, rief sie entgeistert.

Jamie stand da und blickte auf sie hinunter, als hätte er noch nie ein Geschöpf wie sie gesehen und als überlegte er, was es wohl sein könnte. Von seinen nassen Haarspitzen tropfte es auf seine nackte Brust.

»Doch«, sagte er schließlich völlig ruhig. »Das tue ich.«

Wie benommen schloss er die Augen, und ein kurzer, tiefer Schauder überlief seinen Körper. Ohne ein Wort machte er kehrt und ging.

Kapitel 35

Flucht aus Eden

Jenny half mir zum Bett und schnalzte leise; ob vor Schreck oder aus Sorge, konnte ich nicht sagen. Vage war ich mir der Gestalten bewusst, die sich in der Tür herumdrückten – Dienstboten vermutlich –, doch mir war auch nicht besonders danach, sie zu beachten.

»Ich suche dir etwas zum Anziehen« murmelte sie, während sie ein Kissen aufschlug und mich wieder hineindrückte. »Und vielleicht einen Schluck zu trinken. Dir fehlt doch nichts?«

»Wo ist Jamie?«

Sie warf mir einen raschen Blick zu, in dem sich Mitgefühl mit einer Spur von Neugier mischte.

»Hab keine Angst; ich lasse ihn nicht noch einmal in deine Nähe«, sagte sie entschlossen, dann presste sie die Lippen fest zusammen und deckte mich stirnrunzelnd zu. »Wie konnte er dir so etwas antun?«

»Es war nicht seine Schuld – nicht das hier.« Ich fuhr mir mit der Hand durch das wirre Haar und zeigte auf meinen allgemeinen Zustand der Auflösung. »Ich meine – ich war genauso daran beteiligt wie er. Wir haben es beide getan. Er … ich …« Ich ließ meine Hand sinken; mir fehlten die Worte, um es zu erklären. Ich war wund und erschüttert, und meine Lippen waren geschwollen.

»Ich verstehe«, war alles, was Jenny sagte, doch sie warf mir einen langen, abschätzenden Blick zu, und ich hielt es absolut für möglich, dass sie tatsächlich verstand.

Ich wollte nicht über das reden, was gerade geschehen war, und sie schien das zu spüren, denn sie schwieg eine Weile, trug jemandem im Flur mit leiser Stimme etwas auf, dann ging sie durch das Zimmer, rückte die Möbel gerade und räumte auf. Ich sah sie einen Moment innehalten, als sie die Löcher im Schrank sah, dann bückte sie sich, um die größeren Scherben des zerbrochenen Krugs aufzuheben.

Als sie sie in die Schüssel warf, hörten wir unten im Haus einen dumpfen Knall; die große Haustür wurde zugeworfen. Sie trat ans Fenster und zog den Vorhang zur Seite.

»Es ist Jamie«, sagte sie. Sie sah mich an und ließ den Vorhang sinken. »Er geht sicher auf den Hügel; dort geht er hin, wenn er Kummer hat. Entweder das, oder er betrinkt sich mit Ian. Der Hügel ist besser.«

Ich prustete leise.

»Ja, Kummer hat er wohl.«

Im Flur erklangen leise Schritte, und die jüngere Janet brachte ein Tablett mit Plätzchen, Whisky und Wasser. Sie sah blass und verängstigt aus.

»Geht es dir … gut, Tante Claire?«, fragte sie zögernd und stellte das Tablett ab.

»Ja«, versicherte ich ihr. Ich schob mich zum Sitzen hoch und griff nach der Whiskykaraffe.

Nachdem sich Jenny mit einem scharfen Blick vergewissert hatte, dass das stimmte, tätschelte sie ihrer Tochter den Arm und wandte sich zur Tür.

»Bleib bei deiner Tante«, ordnete sie an. »Ich suche ihr ein Kleid.« Janet nickte gehorsam. Sie setzte sich auf den Schemel neben dem Bett und beobachtete mich, während ich aß und trank.

Körperlich fühlte ich mich gleich viel stärker, sobald ich etwas im Magen hatte. Innerlich fühlte ich mich völlig betäubt; die Ereignisse des Morgens erschienen mir wie ein Traum und standen mir zugleich doch glasklar vor dem inneren Auge. Ich konnte mich an die kleinsten Einzelheiten erinnern; die blauen Kalikoschleifen auf dem Kleid von Laoghaires Tochter, die geplatzten Äderchen auf Laoghaires Wangen, den gerissenen Fingernagel an Jamies Ringfinger.

»Weißt du, wo Laoghaire ist?«, fragte ich Janet. Das Mädchen hatte den Kopf gesenkt, und sie schien ihre Hände zu betrachten. Bei meiner Frage fuhr sie blinzelnd auf.

»Oh!«, sagte sie. »Oh. Aye, sie und Marsali und Joan sind nach Balriggan zurückgeritten, wo sie wohnen. Onkel Jamie hat sie fortgeschickt.«

»Hat er das«, sagte ich ausdruckslos.

Janet biss sich auf die Unterlippe und rang die Hände in ihrer Schürze. Plötzlich blickte sie zu mir auf.

»Tante Claire – es tut mir so furchtbar leid!« Ihre Augen waren warm und braun wie die ihres Vaters, doch jetzt stiegen die Tränen darin auf.

»Es ist schon gut«, versuchte ich, sie zu beruhigen, obwohl ich keine Ahnung hatte, was sie meinte.

»Aber ich war es doch!«, entfuhr es ihr. Sie sah furchtbar elend aus, schien aber zu einem Geständnis entschlossen. »Ich … ich habe Laoghaire erzählt, dass du hier bist. Deshalb ist sie hergekommen.«

»Oh.« Nun, damit war das also erklärt, dachte ich. Ich trank den Whisky aus und stellte das Glas vorsichtig wieder auf das Tablett.

»Ich dachte ja nicht … ich meine, ich wollte doch keinen Aufruhr verursachen, wirklich nicht. Ich wusste ja nicht, dass du … dass sie …«

»Es ist schon gut«, wiederholte ich. »Eine von uns hätte es früher oder später sowieso herausgefunden.« Es änderte zwar nichts, doch ich warf ihr einen neugierigen Blick zu. »Warum hast du es ihr denn erzählt?«