»Meine Liebe«, sagte er beinahe flüsternd. »Gott, du siehst so schön aus mit deinen Augen aus Gold und den Locken rings um dein Gesicht.« Er fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. »Ich wusste, dass du mir verzeihen musstest, Sassenach, sobald du davon wusstest.«
Sobald ich davon wusste? Meine Augenbrauen fuhren in die Höhe, doch ich sagte nichts; er war noch nicht fertig.
»Ich hatte solche Angst, dich wieder zu verlieren, mo chridhe«, murmelte er. »Solche Angst. Ich habe immer nur dich geliebt, Sassenach, seit dem Tag, an dem ich dir begegnet bin – aber ich konnte nicht … konnte es nicht ertragen …« Seine Stimme verlor sich in unverständlichem Gemurmel, und seine Augen schlossen sich wieder, so dass seine Wimpern dunkel auf seiner gewölbten Wange lagen.
Ich saß still und fragte mich, was ich tun sollte. Plötzlich öffneten sich seine Augen wieder. Bleiern und schläfrig vom Fieber, suchten sie mein Gesicht.
»Es dauert nicht mehr lange, Sassenach«, sagte er, als wollte er mich beruhigen. Sein Mundwinkel zuckte, als er zu lächeln versuchte. »Nicht mehr lange. Dann werde ich dich wieder berühren. Ich sehne mich so danach.«
»Oh, Jamie«, sagte ich. Bewegt streckte ich die Hand aus und legte sie ihm auf die brennende Wange.
Erschrocken riss er die Augen auf. Er fuhr kerzengerade im Bett hoch und stieß einen markerschütternden Schmerzensschrei aus, als die Bewegung seinen verletzten Arm erschütterte.
»O Gott, oh, Himmel, o Allmächtiger!«, sagte er halb atemlos vornübergebeugt und umklammerte seinen linken Arm. »Du bist hier! Tod, Teufel und Schweinemist! Oh, Himmel!«
»Geht es dir gut?«, sagte ich ziemlich stupide. In der Etage über uns konnte ich gedämpfte Rufe hören, die durch die dicken Bodendielen gedämpft wurden, und Fußgetrappel, als ein Bewohner Lallybrochs nach dem anderen aus dem Bett sprang, um dem Getöse nachzugehen.
Jennys Kopf lugte mit noch größeren Augen als vorhin zur Tür herein. Jamie sah sie und brachte irgendwie genügend Luftreserven auf, um »Hinaus!« zu brüllen, ehe er unter gequältem Stöhnen zusammenbrach.
»Him-mel«, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. »Was in Gottes heiligem Namen machst du hier, Sassenach?«
»Wie meinst du das, was mache ich hier?«, sagte ich. »Du hast mich doch holen lassen. Und was soll das heißen, ich bin hier?«
Er löste die Zähne voneinander und löste zögernd die Hand von seinem linken Arm. Da sich das anscheinend nicht zufriedenstellend anfühlte, fasste er prompt erneut zu und sagte auf Französisch eine Reihe von Dingen, die mit den Fortpflanzungsorganen diverser Heiliger und Tiere zu tun hatten.
»Leg dich um Gottes willen hin!«, sagte ich. Ich nahm ihn bei den Schultern und ließ ihn auf die Kissen zurücksinken, wobei ich alarmiert zur Kenntnis nahm, wie dicht seine Knochen unter der Oberfläche seiner erhitzten Haut lagen.
»Ich dachte, du wärst ein Fiebertraum, bis du mich angefasst hast«, sagte er keuchend. »Was zum Teufel denkst du dir dabei, hier an meinem Bett aufzutauchen und mich zu Tode zu erschrecken?« Sein Gesicht verzog sich schmerzerfüllt. »Himmel, es fühlt sich an, als wäre mir der verdammte Arm an der Schulter abgerissen. Och, verdammt!«, rief er aus, als ich entschlossen die Finger seiner rechten Hand von seinem linken Arm löste.
»Hast du mir nicht den Jungen geschickt, um mir zu sagen, dass du im Sterben liegst?«, fragte ich, während ich energisch den Ärmel seines Nachthemds aufrollte. Der Arm war oberhalb des Ellbogens in einen dicken Verband gewickelt, und ich tastete nach dem Ende des Stoffstreifens.
»Ich? Nein! Au, das tut weh!«
»Es wird noch schlimmer weh tun, ehe ich mit dir fertig bin«, sagte ich und wickelte die Bandage vorsichtig ab. »Du meinst, der kleine Schuft ist mir aus eigenem Antrieb gefolgt? Du wolltest gar nicht, dass ich zurückkomme?«
»Dich zurückwollen? Nein! Mir wünschen, dass du zurückkommst, obwohl du nichts als Mitleid für mich empfindest, so wie du es jedem Hund am Straßenrand entgegenbringen würdest? Gottverdammt! Nein! Ich habe dem kleinen Mistkerl verboten, dir nachzureiten!« Er sah mich finster an, die roten Augenbrauen fest zusammengezogen.
»Ich bin Chirurgin«, sagte ich kalt, »keine Tierärztin. Und wenn du mich nicht zurückwolltest, was war dann all das, was du gesagt hast, ehe du begriffen hast, dass ich tatsächlich hier bin, hm? Beiß auf die Decke oder so; das Ende klebt fest, und ich muss es abreißen.«
Stattdessen biss er sich auf die Unterlippe. Er gab kein Geräusch von sich, sondern atmete nur abrupt durch die Nase ein. Seine Gesichtsfarbe war im Schein des Feuers unmöglich einzuschätzen, doch seine Augen schlossen sich kurz, und auf seiner Stirn brachen kleine Schweißperlen aus.
Ich wandte mich kurz ab und tastete in Jennys Schreibtischschublade umher, wo sie die Kerzen aufbewahrte. Ich brauchte mehr Licht, ehe ich etwas unternahm.
»Dann hat Ian mir wohl nur deshalb erzählt, dass du im Sterben liegst, weil er mich zur Rückkehr bewegen wollte. Er muss gedacht haben, dass ich sonst nicht komme.« Da waren die Kerzen ja, feines Bienenwachs aus den eigenen Bienenstöcken.
»Ich liege tatsächlich im Sterben«, sagte seine Stimme hinter mir, trocken und unverblümt, obwohl er kaum Luft bekam.
Ich drehte mich überrascht zu ihm um. Jetzt, da der Schmerz in seinem Arm wieder etwas nachgelassen hatte, waren seine Augen zwar vollkommen ruhig auf mein Gesicht gerichtet, doch er atmete nach wie vor stockend, und in seinen Augen lag der bleierne Schimmer des Fiebers. Ich antwortete nicht sofort, sondern zündete die Kerzen an, die ich gefunden hatte, und steckte sie in den großen Kandelaber, der normalerweise zur Dekoration auf der Anrichte stand, unbenutzt außer bei besonderen Anlässen. Fünf zusätzliche Kerzen erhellten das Zimmer, als stünde eine Festivität bevor. Ich beugte mich in bester Ärztemanier über das Bett.
»Dann wollen wir es uns doch einmal ansehen.«
Die Wunde selbst war ein zerklüftetes dunkles Loch, das an den Rändern verkrustet und bläulich verfärbt war. Ich drückte auf beiden Seiten der Wunde auf die Haut; sie sah rot und entzündet aus, und es trat reichlich Eiter aus. Jamie bewegte sich gequält, als ich mit den Fingerspitzen sanft, aber unbeirrbar der Länge nach über den Muskel fuhr.
»Das sieht nach einer wunderbaren kleinen Infektion aus, mein lieber Junge«, sagte ich. »Ian sagt; die Kugel ist dir auch in den Körper gedrungen; war das ein zweiter Schuss, oder hat sie deinen Arm durchschlagen?«
»Sie hat den Arm durchschlagen. Jenny hat mir die Kugel aus der Seite geholt. Aber das war nicht so schlimm. Sie hat nur zwei oder drei Zentimeter tief gesessen.« Er sprach in kurzen Absätzen und presste nach jedem Satz unwillkürlich die Lippen aufeinander.
»Lass mich sehen, wo sie herausgekommen ist.«
Ganz langsam drehte er die Hand nach außen und löste den Arm von seiner Seite. Ich konnte sehen, dass ihm selbst diese kleine Bewegung große Schmerzen verursachte. Die Austrittswunde befand sich knapp oberhalb des Ellbogengelenks an der Innenseite des Oberarms, jedoch nicht direkt gegenüber der Eintrittswunde; die Kugel war auf ihrem Weg durch den Arm umgelenkt worden.
»Sie hat den Knochen getroffen«, sagte ich und gab mir Mühe, mir nicht auszumalen, wie sich das angefühlt haben musste. »Weißt du, ob der Knochen gebrochen ist? Ich möchte dich nicht mehr betasten, als ich muss.«
»Danke für jede kleine Gnade«, sagte er und versuchte zu lächeln. Doch seine Gesichtsmuskeln zitterten und erschlafften dann vor Erschöpfung.
»Nein, ich glaube, er ist nicht gebrochen«, sagte er. »Ich habe schon das Schlüsselbein und die Hand gebrochen gehabt, und es fühlt sich nicht so an, obwohl der Knochen ein bisschen schmerzt.«
»Das kann ich mir vorstellen.« Ich tastete mich vorsichtig an seinem Bizeps entlang, um nach empfindlichen Stellen zu suchen. »Wie weit reicht der Schmerz hinauf?«
Er richtete den Blick beinahe beiläufig auf seinen verletzten Arm. »Es fühlt sich an, als hätte ich ein heißes Schüreisen in meinem Arm, keinen Knochen. Aber es ist nicht nur der Arm, der schmerzt; die ganze Seite ist steif und wund.« Er schluckte und leckte sich erneut über die Lippen. »Würdest du mir einen Schluck Brandy geben?«, fragte er. »Es schmerzt, wenn ich meinen Herzschlag spüre«, fügte er entschuldigend hinzu.