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»Du erinnerst dich vielleicht an mich?«, hatte sie gesagt und gezögert, weil sie nicht ohne Einladung in das Zimmer kommen wollte.

»Aye«, sagte er nach einer Pause. »Aye, natürlich erinnere ich mich.«

»Sie fangen an, Musik zu machen«, sagte sie. So war es; aus der Stube konnte er das Wimmern der Geige und das Stampfen von Füßen hören, dazu gelegentliche Freudenschreie. Allem Anschein nach war das Fest bereits in vollem Gange; wenn es Morgen wurde, würden die meisten Gäste schlafend auf dem Boden liegen.

»Deine Schwester sagt, du bist ein guter Tänzer«, sagte sie, immer noch schüchtern, aber hartnäckig.

»Es ist eine Weile her, seit ich es das letzte Mal versucht habe«, sagte er und fühlte sich jetzt selber schüchtern und furchtbar unbeholfen, obwohl die Geigenmusik ein Sehnen in seinem Körper weckte und seine Füße zucken ließ.

»Es ist ›Tha mo Leabaidh ’san Fhraoch‹ – ›Mein Bett ist in der Heide‹ –, das kennst du doch sicher. Kommst du mit und versuchst es mit mir?« Sie hatte ihm die Hand hingehalten, klein und anmutig im Halbdunkel. Und er hatte sich erhoben, ihre ausgestreckte Hand in die seine genommen und die ersten Schritte in sein neues Leben getan.

»Es war hier«, sagte er und wies mit der gesunden Hand auf das Zimmer, in dem wir saßen. »Jenny hatte die Möbel beiseiteräumen lassen, alles bis auf einen Tisch mit dem Essen und dem Whisky, und dort drüben am Fenster stand der Geigenspieler, und der Sichelmond blickte ihm über die Schulter.« Er wies kopfnickend zum Fenster, wo der Rosenstrauch zitterte. Das Licht jenes Hogmanayfestes leuchtete auch jetzt noch in seinem Gesicht, und der Anblick versetzte mir einen kleinen Stich.

»Wir haben die ganze Nacht hindurch getanzt, manchmal mit anderen, meistens aber miteinander. Und als es Tag wurde und die, die noch wach waren, zur Haustür gegangen sind, um zu sehen, was für Omen das neue Jahr bereithielt, sind wir beide mitgegangen. Die unverheirateten Frauen haben sich eine nach der anderen um sich selbst gedreht, sind mit geschlossenen Augen durch die Tür gegangen, haben sich noch einmal gedreht und dann die Augen geöffnet, um zu sehen, worauf ihr Blick wohl als Erstes fiel – denn das sagt ihnen etwas über den Mann, den sie heiraten werden.«

Es war viel gelacht worden, als sich die Gäste, von Tanz und Whisky erhitzt, an der Tür drängten. Laoghaire hatte sich etwas abseits gehalten, errötet und lachend, und gesagt, das sei ein Spiel für junge Mädchen, nicht für eine ältere Dame von vierunddreißig, doch die anderen hatten nicht lockergelassen, also hatte sie es versucht. Sich dreimal im Uhrzeigersinn gedreht und die Tür geöffnet, dann hinaus in das kalte Morgengrauen und sich noch einmal gedreht. Und als sie die Augen öffnete, war ihr Blick erwartungsvoll auf Jamies Gesicht gefallen.

»Da war sie also … eine Witwe mit zwei Kindern. Sie brauchte einen Mann, das stand fest. Ich brauchte … irgendetwas.« Er blickte in das Feuer, wo die kleine Flamme durch die roten Torfmassen hindurchleuchtete; Hitze, aber nicht viel Licht. »Ich habe wohl gedacht, wir könnten einander helfen.«

Sie hatten in aller Stille in Balriggan geheiratet, und er hatte seine wenigen Habseligkeiten dorthin geschafft. Nicht einmal ein Jahr später war er wieder gegangen und nach Edinburgh gezogen.

»Was in aller Welt ist denn passiert?«, fragte ich mehr als neugierig.

Er blickte hilflos zu mir auf.

»Ich kann es nicht sagen. Es war eigentlich nicht so, dass irgendetwas falsch war – nur, dass auch nichts richtig war.« Müde rieb er sich die Stirn. »Ich glaube, es lag an mir; es war meine Schuld. Ich habe sie immer irgendwie enttäuscht. Oft hatten wir uns kaum zum Essen hingesetzt, als ihr plötzlich die Tränen in die Augen stiegen und sie schluchzend vom Tisch aufstand und ich dasaß und keine Ahnung hatte, was ich falsch gemacht oder gesagt hatte.«

Seine Hand ballte sich auf der Bettdecke zur Faust, dann entspannte sie sich wieder. »Gott, ich wusste nie, was ich für sie tun konnte oder was ich sagen sollte! Ich konnte sagen, was ich wollte, es machte alles nur schlimmer, und sie hat dann oft tage-, nein, wochenlang nicht mit mir geredet und sich nur abgewandt, wenn ich in ihre Nähe kam, und aus dem Fenster gestarrt, bis ich wieder gegangen bin.«

Seine Finger berührten die parallelen Kratzer an seinem Hals. Sie waren inzwischen fast verheilt, doch die Spuren meiner Nägel waren auf seiner hellen Haut noch zu sehen. Er sah mich ironisch an.

»Das hast du nie mit mir gemacht, Sassenach.«

»Nicht meine Art«, pflichtete ich ihm bei und lächelte schwach. »Wenn ich wütend auf dich bin, weißt du zumindest immer, warum.«

Er prustete und legte sich wieder auf die Kissen zurück. Eine Weile sprach keiner von uns. Dann sagte er, den Blick zur Decke gerichtet: »Ich dachte eigentlich, ich möchte lieber nicht hören, wie es gewesen ist – mit Frank, meine ich. Es könnte sein, dass ich mich da geirrt habe.«

»Ich erzähle dir alles, was du wissen willst«, sagte ich. »Nur nicht jetzt. Noch bist du an der Reihe.«

Er seufzte und schloss die Augen.

»Sie hatte Angst vor mir«, sagte er eine Minute später. »Ich habe mich bemüht, sanft zu ihr zu sein – Gott, ich habe es immer wieder versucht, alles, was ich darüber wusste, wie man einer Frau Lust bereitet. Aber es hat nichts genützt.«

Sein Kopf drehte sich unruhig hin und her und grub eine Vertiefung in das Federkissen.

»Vielleicht war es Hugh, vielleicht auch Simon. Ich kannte sie beide, und sie waren gute Männer, aber niemand kann schließlich sagen, was in einem Ehebett vorgeht. Vielleicht waren es die Geburten; nicht jede Frau kann das ertragen. Aber irgendetwas hat ihr manchmal Schmerzen bereitet, und ich konnte es nicht heilen, sosehr ich mich auch bemüht habe. Sie ist zurückgewichen, wenn ich sie berührt habe, und ich konnte den Ekel und die Angst in ihren Augen sehen.« Seine Augen wiederum waren geschlossen und von Traurigkeit gezeichnet, und ich griff impulsiv nach seiner Hand.

Er drückte sie sanft und öffnete die Augen. »Das war der Grund, warum ich schließlich gegangen bin«, sagte er leise. »Ich konnte es nicht mehr ertragen.«

Ich sagte nichts und hielt nur weiter seine Hand. Mit einem Finger fühlte ich seinen Puls. Sein Herzschlag war beruhigend langsam und regelmäßig.

Er verrutschte ein kleines Stück im Bett und verzog das Gesicht, als sich seine Schultern bewegten.

»Tut der Arm sehr weh?«, fragte ich.

»Ein bisschen.«

Ich beugte mich über ihn und legte ihm die Hand auf die Stirn. Sie war zwar sehr warm, aber nicht fiebrig. Er hatte eine Falte zwischen den dichten roten Augenbrauen, und ich strich sie mit dem Fingerknöchel glatt.

»Kopfschmerzen?«

»Ja.«

»Ich gehe in die Küche und koche dir Weidenrindentee.« Ich machte Anstalten, mich zu erheben, doch seine Hand auf meinem Arm hielt mich zurück.

»Ich brauche keinen Tee«, sagte er. »Aber es würde mir helfen, wenn ich vielleicht den Kopf auf deinen Schoß legen könnte und du mir ein bisschen die Schläfen massieren würdest?« Blaue Augen blickten zu mir auf, klar wie der Himmel im Frühling.

»Mich führst du nicht an der Nase herum, Jamie Fraser«, sagte ich. »Ich werde deine nächste Injektion nicht vergessen.« Dennoch war ich schon dabei, den Stuhl beiseitezuschieben, um mich neben ihm auf das Bett zu setzen.

Er stöhnte leise und zufrieden auf, als ich mir seinen Kopf auf den Schoß legte und anfing, ihn zu streicheln, ihm die Schläfen zu massieren und ihm das dichte, wellige Haar glatt zu streichen. Sein Nacken war feucht; ich hob seine Haare an und blies sacht, so dass er eine Gänsehaut bekam.

»Oh, das fühlt sich gut an«, murmelte er. Obwohl ich entschlossen war, ihn nicht mehr zu berühren, als es die Krankenpflege erforderte, solange zwischen uns nicht alles im Reinen war, ertappte ich mich dabei, wie sich meine Hände um die klaren, kühnen Konturen seines Halses und seiner Schultern schmiegten und nach den Wölbungen seiner Rückenwirbel und den breiten Flächen seiner Schulterblätter suchten.