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Sein Körper war fest und kräftig unter meinen Händen, sein Atem eine warme Liebkosung auf meinen Oberschenkeln, und ich ließ ihn schließlich nicht ohne Bedauern wieder auf das Kissen sinken und griff nach der Penizillinampulle.

»Also schön«, sagte ich. Ich schlug das Laken zurück und griff nach seinem Hemdsaum. »Ein kleiner Piks, und schon …« Meine Hand streifte die Vorderseite seines Nachthemds, und ich verstummte verblüfft.

»Jamie!«, sagte ich belustigt. »Das kann doch wohl nicht wahr sein!«

»Vermutlich nicht«, pflichtete er mir gelassen bei. Er legte sich auf die Seite, gekrümmt wie eine Krabbe, und seine Wimpern ruhten dunkel auf seinen Wangen. »Aber man kann doch träumen, oder?«

Auch in dieser Nacht ging ich zum Schlafen nicht nach oben. Wir redeten nicht viel, sondern lagen nur eng beieinander auf dem schmalen Bett und bewegten uns kaum, um seinen verletzten Arm nicht zu erschüttern. Im restlichen Haus war es still, alle lagen sicher in ihren Betten, und es war nichts zu hören als das Zischen des Feuers, das Seufzen des Windes und das Kratzen der Rose am Fenster, unbeirrbar wie das Verlangen der Liebe.

»Weißt du?«, sagte er leise irgendwann in den dunklen Stunden nach Mitternacht. »Weißt du, wie es ist, so mit jemandem zusammenzuleben? Alles zu versuchen und doch nie zu erfahren, was das Geheimnis des anderen ist?«

»Ja«, sagte ich und dachte an Frank. »Ja, ich weiß.«

»Das habe ich mir gedacht.« Er schwieg einen Moment, und dann berührte seine Hand ganz leicht mein Haar, ein verschwommener Umriss im Feuerschein.

»Und dann …«, flüsterte er. »Es dann wieder zu erleben, dieses Wissen. Die Freiheit, alles zu sagen und zu tun und zu wissen, dass es richtig ist.«

»›Ich liebe dich‹ zu sagen und es von ganzem Herzen so zu meinen«, sagte ich leise ins Dunkel hinein.

»Aye«, antwortete er kaum hörbar. »Das zu sagen.«

Seine Hand lag auf meinem Haar, und ohne recht zu wissen, wie mir geschah, fand ich mich an ihn geschmiegt wieder, so dass sich mein Kopf genau in die Mulde seiner Schulter fügte.

»So viele Jahre«, sagte er, »so lange Zeit bin ich so vieles gewesen, so viele unterschiedliche Männer.« Ich spürte, wie er schluckte, und er verlagerte vorsichtig sein Gewicht, so dass das gestärkte Leinen seines Nachthemds raschelte.

»Ich war der Onkel für Jennys Kinder, der Bruder für sie und Ian. ›Milord‹ für Fergus und ›Sir‹ für meine Pächter. ›Mac Dubh‹ für die Männer in Ardsmuir und ›MacKenzie‹ für die anderen Dienstboten in Helwater. Dann wiederum ›Malcolm, der Drucker‹ und ›Jamie Roy‹ auf den Docks.« Die Hand strich mir langsam über das Haar, und es flüsterte leise wie der Wind im Freien. »Aber hier«, sagte er so leise, dass ich ihn kaum hören konnte, »hier bei dir in der Dunkelheit … habe ich keinen Namen.«

Ich hob mein Gesicht an das seine und nahm seinen warmen Atem zwischen meine Lippen.

»Ich liebe dich«, sagte ich und brauchte ihm nicht zu sagen, wie ich es meinte.

Kapitel 38

Ich begegne einem Anwalt

Wie prophezeit hatten die Bakterien des achtzehnten Jahrhunderts gegen ein modernes Antibiotikum keine Chance. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden war Jamies Fieber so gut wie verschwunden, und im Lauf der nächsten beiden Tage begann auch die Entzündung in seinem Arm nachzulassen, bis nur noch eine leichte Rötung rings um die Wunde zu sehen war und nur auf Druck noch etwas Eiter austrat.

Nachdem ich mich am vierten Tag vergewissert hatte, dass seine Heilung gute Fortschritte machte, trug ich vorsichtig Kornblumensalbe auf die Wunde auf, verband sie wieder und begab mich in das obere Stockwerk, um mich umzuziehen und mich um meine eigene Toilette zu kümmern.

Ian Vater und Sohn, Janet und die Dienstboten hatten im Lauf der letzten Tage immer wieder die Köpfe in das Zimmer gesteckt, um zu sehen, wie es Jamie ging. Jenny hatte dabei auffallend durch Abwesenheit geglänzt, doch ich wusste, dass ihr dennoch nichts entging, was in ihrem Haus vorging. Ich hatte nichts von meiner Absicht gesagt, mich frisch zu machen, doch als ich die Tür zu unserem Zimmer öffnete, stand neben der Waschschüssel ein großer Krug mit heißem Wasser, das sanft vor sich hin dampfte, und daneben lag ein frisches Stück Seife.

Ich ergriff es und roch daran. Es war feinste französische Seife, mit Maiglöckchen parfümiert – und ein subtiler Kommentar, was meine Position im Haushalt betraf – Ehrengast, gewiss, aber kein Familienmitglied, denn diese mussten sich alle mit der üblichen groben Kernseife begnügen.

»Schön«, murmelte ich. »Das werden wir ja sehen, nicht wahr?« Und ich schäumte den Waschlappen ein.

Als ich mir eine halbe Stunde später vor dem Spiegel das Haar frisierte, hörte ich, wie unten jemand auf den Hof kam. Mehrere Jemande sogar, dem Klang nach. Als ich die Treppe hinunterkam, traf ich eine kleine Kinderschar an, die in Küche und Wohnstube ein und aus ging. Hier und dort war in ihrer Mitte ein unbekannter Erwachsener zu sehen, der mich neugierig betrachtete.

Als ich in die Stube kam, sah ich, dass man das Feldbett fortgeräumt hatte und dass Jamie glatt rasiert in einem frischen Nachthemd zugedeckt auf dem Sofa saß, den linken Arm in einer Schlinge, von vier oder fünf Kindern umringt. Sie wurden von Janet, ihrem Bruder Ian und einem lächelnden jungen Mann gehütet, der zwar der Form seiner Nase nach ein Fraser sein musste, ansonsten jedoch nur sehr ansatzweise Ähnlichkeit mit dem kleinen Jungen hatte, den ich zuletzt vor zwanzig Jahren in Lallybroch gesehen hatte.

»Da ist sie ja!«, rief Jamie bei meinem Auftauchen freudig aus, und das ganze Zimmer voller Leute wandte mir die Gesichter zu, deren Mienen von der freundlichen Begrüßung bis hin zu ehrfürchtig offenen Mündern reichten.

»Du erinnerst dich doch noch an Jamie?«, sagte dessen älterer Namensvetter und wies kopfnickend auf den hochgewachsenen, breitschultrigen jungen Mann mit den schwarzen Locken, der ein strampelndes Bündel in den Armen hielt.

»An die Locken erinnere ich mich«, sagte ich lächelnd. »Der Rest hat sich etwas verändert.«

Jamie junior grinste auf mich hinunter. »Ich erinnere mich noch gut an dich, Tante Claire«, sagte er mit einer Stimme, die an den dunkelbraunen Ton gut gereiften Ales erinnerte. »Du hast mich auf dem Knie sitzen gehabt und zehn kleine Zappelmänner mit meinen Zehen gespielt.«

»Das kann gar nicht sein«, sagte ich und blickte etwas erschrocken zu ihm auf. Es mochte ja stimmen, dass sich das Aussehen der Leute zwischen Mitte zwanzig und Mitte vierzig nicht sehr veränderte, doch der Unterschied zwischen vier und vierundzwanzig war beträchtlich.

»Vielleicht kannst du es ja mit unserem kleinen Benjamin versuchen«, schlug der junge Mann mit einem Lächeln vor. »Vielleicht fällt dir dann wieder ein, wie es geht.« Er bückte sich und legte mir sein Bündel vorsichtig in die Arme.

Ein kugelrundes Gesicht blickte mit dieser verwunderten Miene zu mir auf, die bei Neugeborenen so häufig ist. Benjamin schien zwar etwas verwirrt darüber zu sein, dass ich plötzlich an die Stelle seines Vaters getreten war, protestierte aber nicht. Stattdessen öffnete er sein rosa Mündchen, steckte die Faust hinein und begann, nachdenklich darauf herumzukauen.

Ein kleiner blonder Junge mit einer Kniehose aus Leinen stützte sich auf Jamies Knie und blickte staunend zu mir auf. »Wer ist das, Nonkie?«, fragte er laut flüsternd.

»Das ist deine Großtante Claire«, sagte Jamie würdevoll. »Du hast doch sicher schon von ihr gehört?«

»Oh, aye«, sagte der kleine Junge heftig nickend. »Ist sie so alt wie Oma?«

»Sogar älter«, sagte Jamie und nickte seinerseits feierlich. Der Junge gaffte einen Moment zu mir auf, dann wandte er sich wieder an Jamie und verzog verächtlich das Gesicht.

»Ach komm, Nonkie! Sie sieht überhaupt nicht so alt aus wie Oma! Sie hat ja fast kein Silber in den Haaren!«