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Der Widder, ein gewaltiges Pelztier namens Hughie, dem die Hoden fast bis auf den Boden hingen wie mit Wolle bezogene Footbälle, schob sich unter lautem, gebieterischem Meckern rücksichtslos in die erste Reihe vor. Fergus, der inzwischen bei mir angekommen war, nahm einen ganzen Kohlkopf und warf ihn zielsicher und mit Schwung nach Hughie.

»Tais-toi!«, sagte er gereizt.

Hughie schrak zurück und stieß ein erstauntes, schrilles Beh! aus, als der Kohlkopf von seinem gut gepolsterten Rücken abprallte. Dann schüttelte er sich, nahm wieder Haltung an und trabte mit beleidigt schwingenden Hoden davon. So wie Schafe nun einmal sind, folgte ihm seine Herde unter leisem, unzufriedenem Meckern nach.

Fergus sah ihnen mürrisch hinterher.

»Nutzlose, laute, stinkende Viecher«, sagte er. Ziemlich undankbar, dachte ich, da sein Schal und seine Strümpfe mit großer Sicherheit aus ihrer Wolle hergestellt worden waren.

»Schön, dich wiederzusehen, Fergus«, sagte ich, ohne seine Laune zu beachten. »Weiß Jamie schon, dass du zurück bist?« Ich fragte mich, wie viel Fergus von den jüngsten Ereignissen wusste, wenn er gerade erst in Lallybroch eingetroffen war.

»Nein«, sagte er lustlos. »Vermutlich sollte ich ihm sagen, dass ich hier bin.« Trotzdem machte er keine Anstalten, zum Haus zu gehen, sondern starrte weiter in den aufgewühlten Matsch des Geheges. Irgendetwas nagte offensichtlich an ihm; ich hoffe, es hatte in Edinburgh keinen Zwischenfall gegeben.

»Hast du Mr. Gage unversehrt angetroffen?«, fragte ich.

Im ersten Moment war seine Miene verständnislos, dann kehrte ein Funke von Leben in sein schmales Gesicht zurück.

»Oh, ja. Milord hatte recht; ich bin mit Gage gegangen, um die anderen Mitglieder seiner Gesellschaft zu warnen, und dann waren wir zusammen in dem Wirtshaus, wo sie sich verabredet hatten. Und natürlich wartete da ein ganzes Nest von verkleideten Zöllnern. Mögen sie so lange warten wie ihr Kollege in dem Fass, ha, ha!«

Dann erlosch die bissige Belustigung in seinen Augen wieder, und er seufzte.

»Natürlich können wir nicht damit rechnen, für die Pamphlete bezahlt zu werden. Und auch wenn die Presse gerettet ist, weiß der Himmel, wie lange es dauern wird, bis Milords Geschäft wieder eröffnet wird.«

Sein Ton war so betrübt, dass es mich überraschte.

»Du hilfst doch nicht in der Druckerei, oder?«, fragte ich.

Er zog eine Schulter hoch und ließ sie wieder fallen. »Helfen würde ich es nicht nennen, Milady. Aber Milord war so gütig, mir zu gestatten, einen Anteil des Gewinns, den ich aus dem Brandy ziehe, in die Druckerei zu stecken. Irgendwann wäre ich ein vollwertiger Partner geworden.«

»Ich verstehe«, sagte ich mitfühlend. »Brauchst du Geld? Vielleicht kann ich …«

Er warf mir einen überraschten Blick zu, gefolgt von einem Lächeln, das seine perfekten, quadratischen, weißen Zähne aufblitzen ließ.

»Danke, Milady, aber nein. Ich brauche selbst nicht viel, und ich habe genug.« Er klopfte gegen die Seitentasche seines Rocks, in der es beruhigend klirrte.

Stirnrunzelnd hielt er inne und schob seine Hand tief in seine Rocktasche.

»Nein …«, sagte er langsam. »Es ist nur – nun, das Druckergewerbe ist sehr respektabel, Milady.«

»Das kann sein«, sagte ich etwas verwundert. Er hörte meinen Ton und lächelte ausgesprochen grimmig.

»Die Schwierigkeit, Milady, ist, dass ein Schmuggler zwar im Besitz eines Einkommens sein mag, das ausreicht, um eine Frau zu ernähren, dass der Beruf des Schmugglers aber nicht geeignet ist, den Eltern einer respektablen jungen Dame zuzusagen.«

»Oho«, sagte ich, denn jetzt wurde mir alles klar. »Du möchtest heiraten? Eine respektable junge Dame?«

Er nickte ein wenig schüchtern.

»Ja, Madame. Aber ich sage ihrer Mutter nicht zu.«

Eigentlich konnte ich der Mutter der jungen Dame das nicht vorwerfen. Fergus’ romantisches Aussehen war zwar geeignet, Mädchenherzen höherschlagen zu lassen, doch es mangelte ihm an einigen Dingen, die konservativen schottischen Eltern vermutlich deutlich wichtiger waren, nämlich an Besitz, Einkommen, einer linken Hand und einem Nachnamen.

Gleichermaßen hatten Schmuggelei, Viehdiebstahl und andere Formen des angewandten Kommunismus’ in den Highlands zwar Tradition, Männer aus Frankreich aber nicht. Und ganz gleich, wie lange Fergus schon in Lallybroch lebte, er war und blieb so französisch wie Notre-Dame. Genau wie ich würde er hier immer fremd sein.

»Ihr seht also, wäre ich ein Geschäftspartner in einer einträglichen Druckerei, würde sich die Dame vielleicht überreden lassen, meine Brautwerbung in Betracht zu ziehen«, erklärte er. »So jedoch …« Er schüttelte trostlos den Kopf.

Ich tätschelte ihm mitfühlend den Arm. »Mach dir keine Sorgen«, sagte ich. »Uns fällt schon etwas ein. Weiß Jamie von diesem Mädchen? Er wäre doch sicher bereit, sich bei ihrer Mutter für dich zu verwenden.«

Zu meiner Überraschung sah er sehr erschrocken aus.

»Oh nein, Milady! Bitte sagt nichts zu ihm – er hat im Moment so vieles im Kopf, das wichtiger ist.«

Im Prinzip war ich zwar durchaus der Meinung, dass er da recht hatte, doch seine Heftigkeit überraschte mich. Dennoch war ich einverstanden, Jamie nichts zu sagen. Ich bekam allmählich kalte Füße vom langen Stehen im kalten Matsch und schlug vor, ins Haus zu gehen.

»Später vielleicht, Milady«, sagte er. »Im Moment gebe ich, glaube ich, noch nicht einmal für Schafe eine gute Gesellschaft ab.« Mit einem tiefen Seufzer wandte er sich ab und schlurfte mit hängenden Schultern auf den Taubenschlag zu.

Zu meiner Überraschung saß Jenny bei Jamie in der Wohnstube. Sie kam aus dem Freien; ihre Wangen und die Spitze ihrer langen, geraden Nase waren vor Kälte gerötet, und ihren Kleidern haftete der Duft des Winternebels an.

»Ich habe Ian in den Stall geschickt, damit er Donas sattelt«, sagte sie. Sie sah ihren Bruder stirnrunzelnd an. »Schaffst du es, bis zum Stall zu laufen, oder soll der Junge dir das Pferd lieber bringen?«

Jamie blickte mit hochgezogener Augenbraue zu ihr auf.

»Ich kann gehen, wenn ich muss, aber im Moment gehe ich nirgendwohin.«

»Habe ich dir nicht gesagt, dass er unterwegs ist?«, sagte Jenny ungeduldig. »Amyas Kettrick ist gestern Abend hier gewesen und hat gesagt, er wäre gerade aus Kinwallis zurück. Hobart hat vor, heute zu kommen, hat er gesagt.« Sie blickte auf die hübsche Emailleuhr auf der Anrichte. »Wenn er nach dem Frühstück aufgebrochen ist, ist er im Lauf der nächsten Stunde hier.«

Jamie lehnte den Kopf gegen das Sofa und sah seine Schwester stirnrunzelnd an.

»Ich habe dir doch gesagt, Jenny, ich habe keine Angst vor Hobart MacKenzie«, sagte er knapp. »Der Teufel soll mich holen, wenn ich vor ihm davonlaufe!«

Jenny zog die Augenbrauen hoch und warf einen kalten Blick auf ihren Bruder.

»Oh, aye?«, sagte sie. »Vor Laoghaire hattest du auch keine Angst, und sieh dich jetzt an!« Sie wies mit einem Ruck ihres Kopfes auf die Schlinge an seinem Arm.

Jamie verzog unwillkürlich den Mund zu einem Lächeln.

»Aye, nun ja, das ist ein Argument«, sagte er. »Andererseits, Jenny, weißt du auch, wie wenige Schusswaffen es in den Highlands gibt. Ich glaube nicht, dass Hobart herkommt und mich um meine eigene Pistole bittet, um damit auf mich zu schießen.«

»Die Mühe macht er sich vermutlich gar nicht; er kommt einfach herein und spießt dich auf wie einen dummen Ganter. Geschähe dir recht!«, fuhr sie ihn an.

Jamie lachte, und sie funkelte ihn an. Ich nutzte den Moment, um beide zu unterbrechen.

»Wer«, erkundigte ich mich, »ist Hobart MacKenzie, und warum will er dich aufspießen wie einen Ganter?«

Jamie wandte mir den Kopf zu, und die Belustigung leuchtete ihm aus den Augen.

»Hobart ist Laoghaires Bruder, Sassenach«, erklärte er. »Und warum er mich aufspießt oder sonst wie …«