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»Laoghaire hat ihn aus Kinwallis hergebeten, wo er wohnt«, unterbrach Jenny, »und hat ihm von … alldem erzählt.« Eine kleine, ungeduldige Geste wies auf mich, und Jamie und fasste die ganze unangenehme Situation zusammen.

»Sie stellt sich vor, dass Hobart herkommt und den Namen seiner Schwester reinwäscht, indem er mich auslöscht«, erklärte Jamie. Er schien die Vorstellung unterhaltsam zu finden. Ich war mir da weniger sicher, ebenso wenig wie Jenny.

»Dieser Hobart bereitet dir keine Sorgen?«, fragte ich.

»Natürlich nicht«, sagte er leicht gereizt. Er wandte sich seiner Schwester zu. »In Gottes Namen, Jenny, du kennst doch Hobart MacKenzie! Der Mann könnte nicht einmal ein Schwein abstechen, ohne sich dabei selbst den Fuß abzuschneiden!«

Sie betrachtete ihn von Kopf bis Fuß, um sich anscheinend ein Bild von seiner Fähigkeit zu machen, sich gegen einen inkompetenten Schweinestecher zu wehren, und kam widerstrebend zu dem Schluss, dass es ihm sogar einhändig wohl gelingen würde.

»Mmpfm«, sagte sie. »Schön, und was, wenn er auf dich losgeht und du ihn umbringst, aye? Was dann?«

»Dann ist er vermutlich tot«, sagte Jamie trocken.

»Und sie hängen dich als Mörder«, gab sie zurück, »oder Laoghaires ganze Verwandtschaft wird hinter dir her sein. Du willst wohl eine Blutfehde anfangen, wie?«

Jamie sah seine Schwester mit zusammengekniffenen Augen an, was die ohnehin deutliche Ähnlichkeit zwischen ihnen noch unterstrich.

»Was ich will«, sagte er betont geduldig, »ist mein Frühstück. Hast du vor, mir etwas zu essen zu geben, oder willst du warten, bis ich vor Hunger ohnmächtig werde, und mich dann im Priesterloch verstecken, bis Hobart wieder geht?«

In Jennys feinknochigem Gesicht rang der Ärger mit dem Humor, und sie funkelte ihren Bruder an. Wie bei beiden Frasers üblich, siegte der Humor.

»Keine schlechte Idee«, sagte sie und ließ ihre Zähne zu einem kurzen, widerstrebenden Lächeln aufblitzen. »Wenn ich deinen sturen Kadaver so weit schleppen könnte, würde ich dich persönlich niederknüppeln.« Sie schüttelte den Kopf und seufzte.

»Also schön, Jamie, wie du willst. Aber versuch, keine Sauerei auf meinem guten Orientteppich anzurichten, aye?«

Er blickte zu ihr auf, und sein Mundwinkel zuckte.

»Versprochen, Jenny«, sagte er. »Kein Blutvergießen in der guten Stube.«

Sie prustete. »Trottel«, sagte sie, jedoch ohne Bitterkeit. »Ich schicke dir Janet mit deinem Porridge.« Und mit wirbelnden Röcken war sie fort.

»Hat sie Donas gesagt?«, fragte ich und blickte ihr verwundert nach. »Es ist doch wohl nicht mehr das Pferd, das du aus Leoch hast?«

»Och, nein.« Jamie legte den Kopf zurück und lächelte zu mir auf. »Es ist Donas’ Enkel – zumindest einer davon. Zu seinen Ehren nennen wir die Fuchshengste so.«

Ich beugte mich über die Sofalehne und tastete von der Schulter aus sanft an seinem verletzten Arm entlang.

»Schlimm?«, fragte ich, als ich sah, wie er zusammenzuckte, als meine Berührung ein paar Zentimeter oberhalb der Wunde anlangte. Es war besser; gestern war die schmerzende Fläche noch größer gewesen.

»Nicht sehr«, sagte er. Er nahm die Schlinge ab und versuchte vorsichtig, den Arm auszustrecken. Dabei verzog er das Gesicht. »Ich glaube allerdings, dass ich vorerst keinen Radschlag machen werde.«

Ich lachte.

»Nein, vermutlich nicht.« Ich zögerte. »Jamie – dieser Hobart. Du glaubst wirklich nicht …?«

»Nein«, sagte er entschlossen. »Und selbst wenn, würde ich trotzdem erst frühstücken wollen. Ich habe nicht vor, mich mit leerem Magen umbringen zu lassen.«

Etwas beruhigt, lachte ich erneut.

»Ich gehe es dir holen«, versprach ich.

Doch als ich in den Flur trat, erspähte ich durch eins der Fenster eine Bewegung und blieb stehen, um genauer hinzusehen. Es war Jenny. Zum Schutz vor der Kälte hatte sie ihren Umhang umgelegt und die Kapuze aufgesetzt und war jetzt auf dem Hang zum Stall unterwegs. Ich folgte einem plötzlichen Impuls, nahm mir einen Umhang vom Garderobenständer und huschte ihr nach. Ich hatte Jenny Murray einiges zu sagen, und dies war möglicherweise die beste Gelegenheit, sie allein zu erwischen.

Kurz vor dem Stall holte ich sie ein; sie hörte meine Schritte hinter sich und drehte sich überrascht um. Sie blickte sich hastig um, sah aber, dass wir allein waren. Da sie begriff, dass sich die Konfrontation nicht länger hinauszögern ließ, richtete sie sich unter ihrer Wollkapuze auf und hob den Kopf, um mich direkt anzusehen.

»Ich dachte, ich sage Ian besser, dass er das Pferd absatteln soll«, sagte sie. »Dann muss ich im Kartoffelkeller Zwiebeln für einen Kuchen holen. Möchtest du mitkommen?«

»Ja.« Ich zog den Umhang fest um mich und folgte ihr in die Scheune.

Innen war es warm, zumindest im Vergleich mit der Kälte im Freien; es war dunkel und duftete angenehm nach Pferden, Heu und Mist. Ich blieb einen Moment stehen, um mich an das Zwielicht zu gewöhnen, doch Jenny ging mit leisen Schritten unverzüglich durch den steinernen Mittelgang.

Der Junge lag der Länge nach auf einem Haufen frischen Strohs; er setzte sich blinzelnd auf, als er sie hörte.

Jenny blickte von ihrem Sohn zu der Box hinüber, wo ein Fuchs mit sanften Augen friedlich Heu aus seiner Krippe fraß, frei von Sattel oder Zaumzeug.

»Habe ich dir nicht gesagt, du sollst Donas fertig machen?«, fragte sie den Jungen in scharfem Ton.

Der Junge kratzte sich etwas verlegen am Kopf und stand auf.

»Aye, Mama, das hast du«, sagte er. »Aber ich fand, es lohnte sich nicht, ihn zu satteln, nur um ihn dann wieder absatteln zu müssen.«

Jenny starrte zu ihm auf.

»Oh, aye?«, sagte sie. »Und warum warst du dir so sicher, dass er nicht gebraucht würde?«

Der Junge zuckte mit den Schultern und lächelte auf sie hinunter.

»Mama, du weißt doch genauso gut wie ich, dass Onkel Jamie nie davonlaufen würde, schon gar nicht vor Onkel Hobart. Oder?«, fügte er sanft hinzu.

Jenny blickte zu ihrem Sohn auf und seufzte. Dann erhellte ein zögerliches Lächeln ihr Gesicht, und sie streckte die Hand aus, um ihm das dichte, wirre Haar aus dem Gesicht zu streichen.

»Aye, Ian. Ich weiß.« Ihre Hand verharrte kurz auf seiner roten Wange, dann ließ sie sie sinken.

»Dann geh ins Haus und iss dein zweites Frühstück mit deinem Onkel«, sagte sie. »Deine Tante und ich gehen in den Kartoffelkeller. Du kommst aber sofort und holst mich, wenn Hobart MacKenzie kommen sollte, aye?«

»Sofort, Mama«, versprach er und setzte sich in Bewegung, angetrieben durch den Gedanken an Nahrung.

Jenny blickte ihm nach, während er sich mit der unbeholfenen Grazie eines jungen Kranichs entfernte, und schüttelte, immer noch lächelnd, den Kopf.

»Guter Junge«, murmelte sie. Dann besann sie sich auf die Situation und wandte sich entschlossen an mich.

»Dann komm«, sagte sie. »Ich nehme an, du möchtest mit mir sprechen, aye?«

Keine von uns sagte etwas, bis wir die stille Zuflucht des Kartoffelkellers erreichten. Es war eine kleine Kammer unter dem Haus, die durchdringend nach den langen Flechtzöpfen aus Zwiebeln und Knoblauch roch, die an der Decke hingen, nach dem süßen, würzigen Aroma getrockneter Äpfel und dem feuchten Erdgeruch der Kartoffeln, die in klumpigen braunen Teppichen auf den Regalen an den Wänden lagen.

»Weißt du noch, wie du mir gesagt hast, wir sollen Kartoffeln anbauen?«, fragte Jenny und fuhr sacht mit der Hand über die dichtgedrängten Knollen. »Das war großes Glück für uns; es waren die Kartoffeln, die uns in der Zeit nach Culloden mehr als einen Winter lang am Leben gehalten haben.«

Natürlich erinnerte ich mich daran. Ich hatte es ihr gesagt, als wir in einer kalten Herbstnacht zusammenstanden, um uns zu verabschieden – sie, um zu einem neugeborenen Baby zurückzukehren, ich, um Jamie aufzuspüren, dem als Gesetzlosem die Todesstrafe drohte. Ich hatte ihn gefunden und ihn gerettet – und Lallybroch offenbar auch. Und sie hatte versucht, beides an Laoghaire zu verschenken.