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Fergus hatte Verspätung. Das Warten schien niemanden zu stören außer Jamie und Jareds Kapitän. Kapitän Raines, ein kleiner, untersetzter, älterer Herr, verbrachte den Großteil seiner Zeit auf dem Deck seines Schiffs, wo er das eine sturmerprobte Auge auf den bedeckten Himmel und das andere auf sein Barometer gerichtet hielt.

»Das riecht aber kräftig, Sassenach«, stellte Jamie auf einem seiner kurzen Abstecher in den Schankraum fest. »Was ist das?«

»Frischer Ingwer«, antwortete ich und hielt ihm den Rest der Wurzel entgegen, die ich gerade auf einer Reibe zerkleinerte. »Es ist das, wovon die meisten meiner Bücher sagen, dass es am besten gegen Übelkeit hilft.«

»Oh, aye?« Er griff nach der Schüssel, roch an ihrem Inhalt und nieste heftig, was allgemeine Belustigung auslöste. Ich entriss ihm die Schüssel, ehe er sie verschütten konnte.

»Man schnupft ihn nicht durch die Nase«, sagte ich. »Man trinkt ihn als Tee. Und ich hoffe bei Gott, dass er wirkt, denn sonst werden wir dich aus dem Kielraum kratzen.«

»Oh, keine Sorge, Missus«, beruhigte mich einer der älteren Seemänner, der das hörte. »Den Neuen wird die ersten ein, zwei Tage öfter schlecht. Aber es hört meistens schnell auf, und am dritten Tag haben sie sich an das Auf und Ab gewöhnt und klettern munter in den Wanten herum.«

Ich warf einen Blick auf Jamie, der im Moment alles andere als munter war. Dennoch schien ihm diese Bemerkung Hoffnung zu schenken, denn seine Miene erhellte sich ein wenig, und er winkte dem gehetzten Serviermädchen, ihm ein Glas Ale zu bringen.

»Vielleicht stimmt es ja«, sagte er. »Jared hat das auch gesagt; dass die Seekrankheit normalerweise höchstens ein paar Tage dauert, wenn die See nicht zu schwer ist.« Er trank einen kleinen Schluck Bier, dann wuchs seine Zuversicht, und er trank aus vollen Zügen. »Drei Tage werde ich wohl aushalten, denke ich.«

Am späten Nachmittag des zweiten Tages tauchten sechs Männer auf, die sich auf zotteligen Highlandponys ihren Weg über das steinige Ufer bahnten.

»Da an der Spitze reitet Raeburn«, sagte Jamie, der sich eine Hand über die Augen hielt und in die Ferne blinzelte, um die sechs kleinen Punkte zu identifizieren. »Dahinter Kennedy, dann Innes – ihm fehlt der linke Arm, siehst du? – und Meldrum, und sein Nebenmann dürfte dann MacLeod sein; sie reiten immer so zusammen. Aber ist der letzte Reiter Gordon oder Fergus?«

»Es muss Gordon sein«, sagte ich und warf über seine Schulter hinweg einen Blick auf die nahenden Männer. »Er ist viel zu fett, um Fergus zu sein.«

»Aber wo zum Teufel ist Fergus?«, fragte Jamie Raeburn, sobald man die Schmuggler begrüßt und ihren neuen Schiffskameraden vorgestellt hatte, um ihnen dann eine warme Mahlzeit und ein aufmunterndes Glas aufzutischen.

Raeburn nickte statt einer Antwort und schluckte hastig den Rest seiner Pastete hinunter.

»Nun, er hat zu mir gesagt, er hätte noch etwas zu erledigen, ob ich es übernehmen könnte, Pferde zu mieten und Meldrum und MacLeod zu fragen, ob sie mitkommen, weil sie gerade mit dem Boot draußen waren und erst in ein, zwei Tagen zurückerwartet wurden, und …«

»Was denn zu erledigen?«, sagte Jamie scharf, doch er bekam nur ein Achselzucken zur Antwort. Jamie murmelte etwas auf Gälisch vor sich hin, widmete sich jedoch ohne weitere Anmerkungen ebenfalls wieder seinem Abendessen.

Da die Besatzung nun vollständig war – bis auf Fergus –, begannen am Morgen die Vorbereitungen für die Abfahrt. Auf dem Deck herrschte organisierte Konfusion; überall huschten Männer hin und her, tauchten aus Luken auf und stürzten plötzlich aus der Takelage wie tote Fliegen. Jamie stand am Ruder und hielt sich abseits, packte aber mit an, wann immer reine Muskelkraft statt eines bestimmten Könnens gefragt war. Meistens jedoch stand er nur da, den Blick auf die Uferstraße geheftet.

»Wir müssen heute Nachmittag los, sonst versäumen wir die Ebbe«, sagte Kapitän Raines freundlich, aber entschlossen. »In vierundzwanzig Stunden schlägt das Wetter um; das Glas sinkt, und ich spüre es im Nacken.« Der Kapitän massierte sich vorsichtig die erwähnte Körperstelle und nickte zum Himmel, der sich seit heute Morgen um mehrere Grautöne verdunkelt hatte. »Ich möchte nicht in einem Sturm die Segel setzen, wenn ich es vermeiden kann, und wenn wir die Karibik so schnell wie möglich erreichen möchten …«

»Aye, ich verstehe, Kapitän«, unterbrach ihn Jamie. »Ihr müsst natürlich tun, was Ihr für das Beste haltet.« Er trat zurück, um einen geschäftigen Seemann vorüberzulassen, und der Kapitän verschwand, um im Gehen weitere Befehle zu erteilen.

Im weiteren Verlauf des Tages gab sich Jamie zwar so gefasst wie üblich, doch mir fiel auf, dass seine steifen Finger immer öfter gegen seinen Oberschenkel flatterten, das einzige äußerliche Zeichen seiner Sorge. Und er war besorgt. Fergus gehörte zu ihm, seit ihn Jamie vor zwanzig Jahren in einem Pariser Bordell gefunden und ihn angeheuert hatte, um Charles Stuarts Post zu stehlen.

Mehr noch; Fergus hatte schon in Lallybroch gelebt, als Ian noch nicht geboren war. Der Junge war für Fergus wie ein jüngerer Bruder und Jamie das, was einem Vater am nächsten kam. Ich konnte mir nichts vorstellen, was so dringend war, dass er Jamie dafür alleinließ. Auch Jamie war ratlos, und seine Finger tanzten ihren lautlosen Trommelwirbel auf der hölzernen Reling.

Dann war es Zeit, und Jamie wandte sich widerstrebend um und riss den Blick vom leeren Ufer los. Die Luken wurden geschlossen, die Taue aufgewickelt, und mehrere Seemänner sprangen ans Ufer, um die Ankertrossen zu lösen; es waren sechs Stück, jede ein Tau von der Dicke meines Handgelenks.

Ich legte Jamie mitfühlend die Hand auf den Arm.

»Am besten kommst du jetzt nach unten«, sagte ich. »Ich habe eine Spirituslampe. Ich koche dir einen heißen Ingwertee, und dann kannst du …«

Am Ufer war ein galoppierendes Pferd zu hören; das Knirschen der Hufe auf dem Kies hallte von den Klippen wider, lange ehe es zu sehen war.

»Da ist er ja, der kleine Dummkopf«, sagte Jamie, dem die Erleichterung anzuhören und anzusehen war. Er wandte sich Kapitän Raines zu und zog fragend die Augenbraue hoch. »Haben wir noch genug von der Ebbe übrig? Aye, also los.«

»Leinen los!«, brüllte der Kapitän, und die wartenden Matrosen setzten sich in Bewegung. Das letzte der Taue, die uns am Ufer festhielten, wurde gelöst und ordentlich aufgerollt; überall ringsum spannten sich die Leinen an, über uns klatschten die Segel, und der Bootsmann rannte an Deck auf und ab und bellte seine Befehle mit einer Stimme, die wie rostiges Eisen klang.

»Es regt sich! Es lebt! Als ob es fühlt/das Zittern des Seins unter seinem Kiel!«, deklamierte ich, entzückt, das Beben des Decks unter meinen Füßen zu spüren, als das Schiff zum Leben erwachte, die ganze Energie der Besatzung in seine träge Masse aufnahm, verwandelt von der Macht des Windes in den Segeln.

»Oh, Gott«, sagte Jamie von Grauen erfüllt, als er es ebenfalls spürte. Er packte die Reling, schloss die Augen und schluckte.

»Mr. Willoughby sagt, er hat ein Mittel gegen die Seekrankheit«, sagte ich, während ich ihn mitfühlend beobachtete.

»Ha«, sagte er und öffnete die Augen. »Ich weiß, was er meint, und wenn er glaubt, ich lasse ihn … was, zum Teufel!«

Ich fuhr herum und sah, warum er verstummt war. Fergus stand auf dem Deck und hatte den Arm ausgestreckt, um einer jungen Frau zu helfen, die ungeschickt über ihm auf der Reling hockte, das blonde Haar vom Wind verweht. Laoghaires Tochter – Marsali MacKimmie.