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Ehe ich etwas sagen konnte, war Jamie an mir vorbei und schritt auf das Paar zu.

»Was in Gottes Namen hat das zu bedeuten, ihr kleinen Dummköpfe?«, fragte er gerade, als ich auf meinem Hindernislauf zwischen den Tauen und Seeleuten hindurch in Hörweite kam. Er baute sich bedrohlich vor den beiden auf, die er um mehr als einen Kopf überragte.

»Wir sind verheiratet«, sagte Fergus und baute sich tapfer vor Marsali auf. Er sah mindestens so angsterfüllt wie aufgeregt aus, und das Gesicht unter seiner schwarzen Mähne war bleich.

»Verheiratet!« Jamie ballte die Hände an den Seiten zu Fäusten, und Fergus trat unwillkürlich einen Schritt zurück, so dass er Marsali um ein Haar auf die Zehen getreten wäre. »Was soll das heißen, ›verheiratet‹?«

Ich ging davon aus, dass dies eine rhetorische Frage war, doch das stimmte nicht; wie üblich war mir Jamie bei der Einschätzung der Lage um Längen voraus, und er konzentrierte sich sofort auf das Wesentliche.

»Hast du mit ihr geschlafen?«, wollte er unverblümt wissen. Da ich hinter ihm stand, konnte ich sein Gesicht nicht sehen, doch ich wusste, wie es aussehen musste, schon deshalb, weil ich sehen konnte, wie es auf Fergus wirkte. Der Franzose wurde noch ein paar Schattierungen bleicher und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.

»Äh … nein, Milord«, sagte er im selben Moment, als Marsali flammenden Blickes das Kinn hob und trotzig sagte: »Ja, das hat er.«

Jamie blickte flüchtig zwischen den beiden hin und her, schnaubte verächtlich und wandte sich ab.

»Mr. Warren!«, rief er dem Steuermann über das Deck hinweg zu. »Bitte kehrt zum Ufer zurück!«

Mr. Warren hielt mit offenem Mund inmitten des Befehls inne, den er gerade in die Takelage hinaufrief, und richtete den Blick zunächst auf Jamie, dann – ausgesprochen vielsagend – auf das schwindende Ufer. In den wenigen Augenblicken seit dem Auftauchen der angeblichen frisch Verheirateten hatte sich die Artemis über einen Kilometer vom Ufer entfernt, und die Klippen glitten mit zunehmender Geschwindigkeit an uns vorüber.

»Ich glaube nicht, dass er das kann«, sagte ich. »Ich glaube, die Gezeitenströmung hat uns ergriffen.«

Auch wenn er kein Seemann war, hatte Jamie doch genügend Zeit in der Gesellschaft von Seefahrern verbracht, um zu begreifen, dass Zeit und Gezeiten auf niemanden warteten. Er atmete einen Moment durch die Zähne, dann wies er mit einem Ruck seines Kopfes auf die Leiter, die unter Deck führte.

»Dann kommt mit nach unten, alle beide.«

Fergus und Marsali setzten sich dicht nebeneinander auf eine Koje in der winzigen Kajüte und hielten sich fest an den Händen. Jamie winkte mir, mich auf die andere Koje zu setzen, dann stemmte er die Hände in die Hüften und wandte sich dem Pärchen zu.

»Also«, sagte er. »Was ist das für ein Unsinn über eine Heirat?«

»Es ist wahr, Milord«, sagte Fergus. Er war leichenblass, doch seine Augen leuchteten vor Erregung. Er legte die Hand fester um Marsalis Finger; sein Haken ruhte auf seinem Oberschenkel.

»Aye?«, sagte Jamie mit der größtmöglichen Skepsis. »Und wer hat euch getraut?«

Die beiden blickten einander an, und wieder leckte sich Fergus kurz die Lippen, ehe er antwortete.

»Es … es war Handfasting

»Unter Zeugen«, meldete sich Marsali zu Wort. Im Kontrast zu Fergus’ Blässe leuchteten ihre Wangen. Sie hatte die Rosenblütenhaut ihrer Mutter, doch der sture Ausdruck ihres Kinns hatte vermutlich einen anderen Ursprung. Sie hob die Hand an ihre Brust, wo etwas unter dem Stoff knisterte. »Ich habe den Kontrakt und die Unterschriften hier.«

Jamie stieß ein leises Knurren aus. Nach schottischem Gesetz konnten zwei Menschen tatsächlich eine gültige Ehe eingehen, indem sie sich vor Zeugen an den Händen fassten – das sogenannte Handfasting – und sich selbst zu Mann und Frau erklärten.

»Aye, schön und gut«, sagte er. »Aber du hast noch nicht mit ihr geschlafen, und in den Augen der Kirche reicht ein Kontrakt nicht aus.« Er blickte aus dem Heckfenster auf die Klippen, die gerade noch durch die Nebelfetzen schimmerten, dann nickte er entschlossen.

»Wir legen auf Lewis an, um die letzten Vorräte an Bord zu nehmen. Dort wird Marsali an Land gehen; ich gebe ihr zwei Seemänner mit, die sie heim zu ihrer Mutter bringen.«

»Du wirst nichts dergleichen tun!«, rief Marsali. Sie richtete sich im Sitzen auf und funkelte ihren Stiefvater an. »Ich gehe mit Fergus!«

»Oh nein, das tust du nicht, meine Kleine!«, fuhr Jamie sie an. »Denkst du denn gar nicht an deine Mutter? Ohne ein Wort davonzulaufen und sie mit ihren Sorgen allein zu lassen …«

»Ich habe ihr eine Nachricht geschrieben.« Marsali hielt das Kinn hoch erhoben. »Ich habe ihr einen Brief aus Inverness geschickt und ihr gesagt, dass ich Fergus geheiratet habe und wir mit dir fahren.«

»Ach, du lieber Himmel! Sie wird glauben, dass ich davon gewusst habe!« Jamie sah aus wie vom Blitz getroffen.

»Wir … ich … habe bei Madame Laoghaire um die Hand ihrer Tochter angehalten, Milord«, meldete sich Fergus zu Wort. »Letzten Monat, als ich nach Lallybroch gekommen bin.«

»Aye. Nun, du brauchst mir nicht zu erzählen, was sie gesagt hat«, erwiderte Jamie trocken, als er die plötzliche Röte auf Fergus’ Wangen sah. »Da ich vermute, dass die Antwort grundsätzlich nein lautete.«

»Sie hat gesagt, er ist ein Bastard!«, platzte Marsali entrüstet heraus. »Und ein Verbrecher und … und …«

»Er ist ja auch ein Bastard und ein Verbrecher«, gab Jamie zurück. »Und ein besitzloser Krüppel, was deiner Mutter gewiss auch nicht entgangen ist.«

»Es ist mir egal!« Marsali umklammerte Fergus’ Hand und sah ihn voll leidenschaftlicher Zuneigung an. »Ich will ihn.«

Etwas überrascht rieb sich Jamie mit dem Finger über die Lippen. Dann holte er tief Luft und setzte erneut zum Angriff an.

»Sei’s drum«, sagte er, »du bist viel zu jung zum Heiraten.«

»Ich bin fünfzehn; das ist alt genug!«

»Aye, und er ist dreißig!«, fuhr Jamie sie an. Er schüttelte den Kopf. »Nein, Kleine, es tut mir leid, aber ich kann das nicht zulassen. Außerdem ist die Reise viel zu gefährlich …«

»Du nimmst sie doch auch mit!« Marsalis Kinn zuckte verächtlich in meine Richtung.

»Halt Claire da heraus«, sagte Jamie beherrscht. »Sie geht dich nichts an, und …«

»Ach nein? Du verlässt meine Mutter um dieser englischen Hure willen und machst sie zum Gespött der ganzen Gegend, und es geht mich nichts an, ja?« Marsali fuhr hoch und stampfte mit dem Fuß auf. »Und du willst mir tatsächlich vorschreiben, was ich tun soll?«

»Ja«, sagte Jamie, der sich nur mit Mühe beherrschte. »Meine Privatangelegenheiten gehen dich nichts an …«

»Und meine gehen dich nichts an!«

Fergus, dessen Miene jetzt einen alarmierten Ausdruck angenommen hatte, war aufgestanden und versuchte, das Mädchen zu beruhigten.

»Marsali, ma chère, so darfst du nicht mit Milord sprechen. Er will doch nur …«

»Ich spreche mit ihm, wie ich will!«

»Nein, das tust du nicht!« Marsali blinzelte, überrascht über die plötzliche Schärfe in Fergus’ Ton. Der Franzose war zwar höchstens fünf Zentimeter größer als seine frisch Vermählte, doch er besaß eine gewisse drahtige Autorität, die ihn viel größer erscheinen ließ, als er eigentlich war.

»Nein«, wiederholte er sanfter. »Setz dich, ma p’tite.« Er drückte sie wieder auf die Koje hinunter und stellte sich vor sie.

»Milord ist mehr als ein Vater für mich gewesen«, sagte er sanft zu dem Mädchen. »Ich schulde ihm tausendmal das Leben. Außerdem ist er dein Stiefvater. Ganz gleich, was deine Mutter von ihm hält, es steht außer Zweifel, dass er seine Hand über sie und dich und deine Schwester gehalten hat. Das mindeste, was du ihm schuldest, ist Respekt.«

Marsali biss sich auf die Unterlippe, und ihre Augen leuchteten. Schließlich drehte sie den Kopf verlegen in Jamies Richtung.