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»Arm ist in der Geisterwelt«, erklärte er. »Körper nicht; hier in Oberwelt. Arm versucht zurückzukommen, möchte nicht getrennt sein. Dies – An-mo – pressen-pressen – lindert Schmerzen. Aber wir auch sagen Arm, er kommt nicht zurück.«

»Und wie macht Ihr das?« Innes begann, sich für die Prozedur zu interessieren. Die meisten Seeleute duldeten es nicht, dass Mr. Willoughby sie berührte, weil sie ihn als unreinen Heiden und noch dazu als Perversen betrachteten, doch Innes kannte den Chinesen ja schon durch ihre zweijährige Zusammenarbeit.

Mr. Willoughby schüttelte den Kopf, weil ihm die Worte fehlten, und grub in meiner Arzneikiste umher. Er brachte das Fläschchen mit den getrockneten Pfefferschoten zum Vorschein, schüttete vorsichtig einige heraus und legte sie in eine kleine Schale.

»Feuer?«, erkundigte er sich. Ich hatte Feuerstein und Stahl, und damit gelang es ihm, einen Funken zu erzeugen und die getrockneten Schoten anzuzünden. Ihr durchdringender Geruch erfüllte die Kajüte, und wir sahen alle drei zu, wie sich eine kleine weiße Wolke erhob und über der Schale in der Luft schwebte.

»Fan jiao Rauch Bote in Geisterwelt, sprechen mit Arm«, erklärte Mr. Willoughby. Er sog sich die Lungen voll und plusterte die Wangen auf wie ein Kugelfisch, um dann kräftig in die Wolke zu pusten und sie zu zerstreuen. Dann drehte er sich im selben Atemzug um und spuckte Innes herzhaft auf den Armstumpf.

»Oh, du gottloser Schurke!«, rief Innes, dem vor Wut die Augen aus dem Kopf quollen. »Du wagst es, mich anzuspucken?«

»Spucke auf Geist«, erklärte Mr. Willoughby und wich hastig drei Schritte zur Tür zurück. »Geist Angst Spucke. Kommt nicht bald wieder.«

Ich legte Innes die Hand auf den Arm, um ihn zurückzuhalten.

»Schmerzt Euch der fehlende Arm jetzt?«, fragte ich.

Die Wut begann aus seinem Gesicht zu weichen, während er darüber nachdachte.

»Nun … nein«, räumte er ein. Dann warf er einen finsteren Blick auf Mr. Willoughby. »Das heißt aber nicht, dass Ihr mich anspucken dürft, wann immer Ihr Lust dazu habt. Wurm!«

»Oh, nein«, sagte Mr. Willoughby ganz kühl. »Ich nicht. Ihr jetzt spucken. Geist selbst erschrecken.«

Innes kratzte sich am Kopf, unsicher, ob er wütend oder belustigt sein sollte.

»Da hol mich doch der Teufel«, sagte er schließlich. Er schüttelte den Kopf, hob sein Hemd auf und zog es an. »Dennoch«, sagte er, »ich glaube, nächstes Mal versuche ich es vielleicht mit Eurem Tee, Mistress Fraser.«

Kapitel 44

Naturgewalten

Ich«, sagte Jamie brütend, »bin ein Narr.« Er beobachtete Fergus und Marsali, die auf der anderen Seite des Schiffs an der Reling in ein Gespräch vertieft waren.

»Wie kommst du denn darauf?«, fragte ich, obwohl es mir natürlich schwante. Die Tatsache, dass sämtliche verheirateten Personen an Bord im mehr oder minder freiwilligen Zölibat lebten, hatte dazu geführt, dass sich leise Belustigung unter den Mitgliedern der Besatzung breitmachte, die schließlich zur Enthaltsamkeit gezwungen waren.

»Ich habe mich zwanzig Jahre lang danach gesehnt, dich in meinem Bett zu haben«, sagte er und bestätigte meine Vermutung, »und kaum habe ich dich einen Monat wieder, da habe ich es selbst so eingerichtet, dass ich dich nicht einmal küssen kann, ohne mich dazu hinter einer Luke zu verstecken, und selbst dann stelle ich beim Umdrehen meistens fest, dass mich Fergus von oben herab angrinst, der kleine Schuft! Und es ist einzig meiner eigenen Torheit zuzuschreiben. Was habe ich mir nur dabei gedacht?«, fragte er rhetorisch und warf dabei einen finsteren Blick auf das Paar uns gegenüber, das voll unverhohlener Zuneigung miteinander schnäbelte.

»Nun, Marsali ist erst fünfzehn«, sagte ich mit Bedacht. »Ich vermute, du wolltest ein guter Vater sein – oder Stiefvater.«

»Aye, das stimmt.« Er blickte mit einem etwas grollenden Lächeln auf mich hinunter. »Und zur Belohnung für meine Fürsorge ist es mir nicht möglich, meine eigene Frau anzurühren!«

»Oh, anrühren kannst du mich«, sagte ich. Ich nahm eine seiner Hände und streichelte die Handfläche sanft mit dem Daumen. »Du kannst nur nicht ungehemmt der Fleischeslust frönen.«

Wir hatten einige vergebliche Versuche unternommen, die entweder durch das ungelegene Eintreffen eines Besatzungsmitglieds oder durch die Tatsache vereitelt worden waren, dass jeder Winkel der Artemis, der hinreichend zurückgezogen war, vor Ungemütlichkeit strotzte. Ein mitternächtlicher Ausflug in den Heckfrachtraum hatte ein abruptes Ende gefunden, als eine große Ratte von einem Stapel Häute auf Jamies nackte Schulter gesprungen war, worauf ich einen hysterischen Anfall bekommen und Jamie jede Lust verloren hatte, sein Tun fortzusetzen.

Er senkte den Blick auf unsere Hände, wo sich mein Daumen weiterhin verführerisch mit seiner Handfläche beschäftigte, und sah mich mit zusammengekniffenen Augen an, doch er ließ mich gewähren. Er schloss die Finger sanft um meine Hand und legte seinerseits den Daumen federleicht auf meinen Puls. Es war nun einmal so, dass wir die Finger nicht voneinander lassen konnten – genauso wenig, wie es Fergus und Marsali konnten –, obwohl wir wussten, dass ein solches Verhalten nur noch größere Frustration nach sich ziehen konnte.

»Aye, nun ja, zu meiner Verteidigung: Es war gut gemeint«, sagte er reumütig und blickte mir lächelnd in die Augen.

»Nun, du weißt ja, was man über gute Vorsätze sagt.«

»Was denn?« Sein Daumen strich sacht an meinem Handgelenk auf und ab und löste leises Flattern in meiner Magengrube aus. Ich dachte, dass es wahr sein musste, was Mr. Willoughby sagte, dass die Empfindungen eines Körperteils einen anderen beeinflussen konnten.

»Der Weg zur Hölle ist damit gepflastert.« Ich drückte seine Hand und versuchte, die meine fortzuziehen, doch er ließ sie nicht los.

»Mmpfm.« Sein Blick war auf Fergus gerichtet, der Marsali mit einer Albatrosfeder neckte. Er hielt sie am Arm fest und kitzelte sie unter dem Kinn, während sie vergeblich zu entkommen versuchte.

»Wohl wahr«, sagte er. »Ich wollte nur dafür sorgen, dass die Kleine die Möglichkeit bekommt, über ihr Vorhaben nachzudenken, ehe die Sache nicht mehr rückgängig zu machen war. Und als Ergebnis meiner Einmischung liege ich jetzt die halbe Nacht wach und versuche, nicht an dich zu denken, während ich auf der anderen Seite der Kajüte höre, wie es Fergus gelüstet, und ich morgens an Deck komme, um festzustellen, dass sich die Männer in die Bärte grinsen, wann immer sie mich sehen.« Er richtete einen bösen Blick auf Maitland, der gerade vorüberkam. Der bartlose Kajütenjunge sah ihn erschrocken an und stahl sich vorsichtig davon, nicht, ohne sich nervös umzusehen.

»Wie hört man denn, wie es jemanden gelüstet?«, fragte ich fasziniert.

Er blickte etwas verlegen auf mich hinunter.

»Oh. Nun ja … es ist nur …«

Er hielt einen Moment inne, dann rieb er sich den Nasenrücken, der sich in der scharfen Brise zu röten begann.

»Hast du eine Vorstellung, was Männer im Gefängnis tun, Sassenach, wenn sie sehr lange keine Frauen haben?«

»Ich könnte raten«, sagte ich und dachte, dass ich es vielleicht tatsächlich lieber nicht aus erster Hand hören wollte. Es war das erste Mal, dass er mir von seiner Zeit in Ardsmuir erzählte.

»Das könntest du wohl«, sagte er trocken. »Und du hättest recht. Man hat drei Möglichkeiten; sich gegenseitig zu benutzen, ein bisschen verrückt zu werden oder die Sache selbst in die Hand zu nehmen, aye?«

Er wandte sich ab, um auf das Meer hinauszublicken, dann senkte er den Blick mit einem kleinen Lächeln auf mich. »Glaubst du, ich bin verrückt, Sassenach?«

»Meistens nicht«, erwiderte ich aufrichtig und drehte mich ebenfalls dem Meer zu. Er lachte und schüttelte reumütig den Kopf.

»Nein, ich scheine nicht dazu gemacht zu sein. Ich habe mir zwar hin und wieder gewünscht, ich könnte verrückt werden«, sagte er nachdenklich, »weil es mir um einiges leichter vorkam, als ständig darüber nachzudenken, was ich als Nächstes tun soll – aber es scheint nicht meine Natur zu sein. Genauso wenig wie die Unzucht«, fügte er hinzu und verzog ironisch den Mund.