Er hatte es zwar im Scherz gesagt, doch sobald die Worte heraus waren, verlor sein Gesicht jeden Ausdruck. Er blickte hastig zur Backbordseite, wo sich die Besatzung um die Überreste des Hais stritt, während Fergus und Marsali vorsichtig den abgetrennten Kopf betrachteten, der mit klaffenden Kiefern auf dem Deck lag. Dann traf sein Blick den meinen, und wir verstanden uns perfekt.
Dreißig Sekunden später waren wir unten in seiner Kajüte. Aus seinem nassen Haar regneten mir kalte Tropfen auf die Schultern und glitten mir in den Ausschnitt, doch sein Mund war heiß und drängend. Die harten Wölbungen seines Rückens glühten warm durch den durchnässten Stoff des Hemds, das an ihnen festklebte.
»Ifrinn!«, sagte er atemlos und löste sich von mir, um an seiner Kniehose zu zerren. »Himmel, sie klebt an mir fest. Ich bekomme sie nicht ausgezogen.«
Prustend vor Lachen riss er an den Schnüren, doch das Wasser hatte sie zu einem hoffnungslosen Knoten durchnässt.
»Ein Messer!«, sagte ich. »Wo ist ein Messer?« Ich prustete meinerseits über den Anblick, den er bot, während er hektisch versuchte, sich den nassen Hemdschoß aus der Hose zu ziehen, und begann, in den Schubladen des Schreibtischs zu kramen und kleine Zettel, ein Tintenfläschchen, eine Schnupftabakdose hervorzuholen – alles, nur kein Messer. Das Nächstbeste war ein Brieföffner aus Elfenbein, der die Form einer Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger hatte.
Ich griff danach und packte Jamie am Hosenbund, um die verknoteten Schnüre durchzusägen.
Er schrie alarmiert auf und wich zurück.
»Himmel, sei vorsichtig, Sassenach! Es wird dir nicht viel nützen, wenn du mir die Hose ausziehst und mich dabei kastrierst!«
Wir waren so verrückt vor Lust, dass wir uns beide vor Lachen krümmten.
»Hier!« Er kramte im Chaos seiner Koje umher, packte seinen Dolch und schwang ihn triumphierend. Im nächsten Moment waren die Schnüre zerschnitten, und die nasse Hose lag in einem Häuflein auf dem Boden.
Er packte mich, hob mich hoch und legte mich auf den Tisch, ohne sich um die zerknitterten Papiere und verstreuten Federkiele zu scheren. Er warf mir die Röcke über die Taille, fasste meine Hüften und legte sich halb über mich, während seine harten Oberschenkel meine Beine auseinanderdrängten.
Es war, als fasste man einen Salamander an, eine Feuersbrunst in einer kühlen Hülle. Ich keuchte auf, als sein nasser Hemdschoß meinen nackten Bauch berührte, dann keuchte ich erneut, weil ich Schritte im Gang hörte.
»Halt!«, zischte ich ihm ins Ohr. »Es kommt jemand!«
»Zu spät«, sagte er mit atemloser Gewissheit. »Ich muss dich haben, sonst sterbe ich.«
Er nahm mich mit einem schnellen, gnadenlosen Stoß, und ich biss ihn fest in die Schulter und schmeckte Salz und nasses Leinen, doch er gab kein Geräusch von sich. Zwei Stöße, drei, und ich hatte die Beine fest um sein Gesäß geklammert, und mein Ausruf wurde durch sein Hemd erstickt, obwohl auch mir jetzt gleichgültig war, wer da kommen mochte.
Er nahm mich schnell und gründlich und stieß zu, noch einmal und noch einmal, bis er mit einem tiefen Triumphlaut in meinen Armen erschauerte.
Zwei Minuten später schwang die Kajütentür auf. Innes ließ den Blick langsam durch das verwüstete Zimmer schweifen. Sein sanfter brauner Blick wanderte von dem zerwühlten Schreibtisch hinüber zu mir, die ich feucht und zerzaust, aber anständig bekleidet auf der Koje saß, bis er sich schließlich auf Jamie heftete. Dieser hockte zusammengesunken auf einem Schemel, immer noch in seinem nassen Hemd, und atmete schwer, während ihm die dunkelrote Farbe langsam aus dem Gesicht wich.
Innes weitete geziert die Nasenlöcher, doch er sagte nichts. Er kam in die Kajüte, nickte mir zu und langte unter Fergus’ Koje, wo er eine Flasche Brandy hervorzog.
»Für den Chinesen«, sagte er zu mir. »Damit er sich nicht erkältet.« Er wandte sich zur Tür und hielt inne, um einen nachdenklichen Blick auf Jamie zu werfen.
»Aus diesem Grund solltest du Murphy bitten, dir eine Suppe zu kochen, Mac Dubh. Man sagt schließlich, es ist gefährlich, wenn man nach harter Arbeit friert, aye? Du willst doch nicht krank werden.« In den traurigen braunen Tiefen glitzerte es schwach.
Jamie strich sich das salzige Gewirr seines Haars aus der Stirn, und ein Lächeln breitete sich langsam über sein Gesicht.
»Aye, nun ja, und falls es doch geschieht, Innes, sterbe ich wenigstens als glücklicher Mensch.«
Wir fanden am nächsten Tag heraus, was Mr. Willoughby mit dem Pelikan wollte. Ich begegnete ihm auf dem hinteren Deck; der Vogel saß neben ihm auf einer Segeltruhe und hatte die Flügel mit Stoffstreifen am Körper festgebunden. Seine runden gelben Augen funkelten mich an, und er klapperte warnend mit dem Schnabel.
Mr. Willoughby holte eine Angelschnur ein, an deren Ende sich ein kleiner roter Tintenfisch wand. Er löste ihn von der Schnur, hielt ihn vor dem Pelikan hoch und sagte etwas auf Chinesisch. Der Vogel betrachtete ihn mit tiefem Argwohn, bewegte sich aber nicht. Blitzschnell packte der Chinese die obere Schnabelhälfte mit der Hand, zog sie hoch und warf dem Vogel den Tintenfisch in die Beutetasche. Der Pelikan, der einen überraschten Eindruck machte, schluckte krampfhaft und verschlang ihn.
»Hao-liao«, sagte Mr. Willoughby beifällig und streichelte den Kopf des Vogels. Er sah, dass ich ihn beobachtete, und winkte mich näher heran. Ich folgte seiner Einladung, ohne den gefährlichen Schnabel aus dem Auge zu lassen.
»Ping an«, sagte er und zeigte auf den Pelikan. »Der Friedliche.« Der Vogel richtete einen kleinen Kamm aus Federn auf, als spitzte er beim Klang seines Namens tatsächlich die Ohren, und ich lachte.
»Ach ja? Was werdet Ihr mit ihm tun?«
»Lehre für mich jagen«, sagte der kleine Chinese wie selbstverständlich. »Zusehen.«
Das tat ich. Nachdem er mehrere weitere Tintenfische und ein paar kleine Fische gefangen und an den Pelikan verfüttert hatte, holte Mr. Willoughby einen weiteren weichen Stoffstreifen aus den Tiefen seiner Bekleidung und band ihn dem Vogel eng um den Hals.
»Nicht zu erwürgen«, erklärte er. »Fisch nicht schlucken.« Dann befestigte er einen dünnen Strick an diesem Halsband, winkte mir zurückzutreten und löste dem Vogel mit einem raschen Ruck die Flügelfesseln.
Überrascht über die plötzliche Freiheit, watschelte der Pelikan auf der Truhe hin und her, schlug ein- oder zweimal mit seinen riesigen, knochigen Flügeln und schoss dann in einer Explosion aus Federn himmelwärts.
Ein Pelikan am Boden ist eine komische Angelegenheit mit seinen tolpatschigen Bewegungen, seinen Platschfüßen und seinem überdimensionierten Schnabel. Ein fliegender Pelikan, der über dem Wasser kreist, ist ein Wunder, elegant und primitiv, verblüffend wie ein Pterodaktyl inmitten der schlankeren Umrisse der Möwen und Sturmtaucher.
Ping An, der Friedliche, stieg empor, so weit seine Leine reichte, versuchte, höher zu steigen, dann begann er zu kreisen, als hätte er sich in sein Schicksal ergeben. Mr. Willoughby, der die Augen zum Schutz vor der Sonne fast vollständig zusammengekniffen hatte, drehte sich langsam auf dem Deck unter ihm im Kreis und ließ den Pelikan wie einen Drachen fliegen. Sämtliche Matrosen an Deck und in der Takelage stellten die Arbeit ein, um fasziniert zuzusehen.
Plötzlich wie der Bolzen einer Armbrust legte der Pelikan die Flügel an und tauchte beinahe geräuschlos ins Wasser ein. Als er mit etwas überraschter Miene an die Oberfläche kam, begann Mr. Willoughby, ihn einzuholen. Wieder an Bord, ließ sich der Pelikan etwas widerwillig überreden, seinen Fang preiszugeben, doch schließlich ließ er zu, dass sein Herr ihm vorsichtig in die ledrige Schnabeltasche griff und eine schöne, fette Seebrasse hervorzog.
Mr. Willoughby lächelte den glotzenden Picard freundlich an, holte ein kleines Messer hervor und schnitt den noch lebenden Fisch am Rücken entlang auf. Er klemmte sich den Vogel unter den sehnigen Arm, löste mit der anderen Hand das Halsband und bot ihm ein zuckendes Stück Brasse an, das ihm Ping An gierig aus den Fingern riss und verschlang.