Entsetztes Aufkeuchen war die Reaktion auf diese Worte, gefolgt von einem Wirrwarr erregter Kommentare, aus dem man mehrfach die Formulierungen »Verdammte Heiden!« und »Gelbe Schufte!« heraushören konnte.
»Was ist ein Eunuch?«, fragte Marsali mit verwirrter Miene.
»Nichts, womit du dich je befassen musst, chérie«, beruhigte Fergus sie und ließ ihr den Arm um die Schultern gleiten. »Also seid Ihr davongelaufen, mon ami?«, wendete er sich im Tonfall tiefsten Mitgefühls an Mr. Willoughby. »Ich würde gewiss dasselbe tun!«
Ein tiefes Murmeln herzlicher Zustimmung unterstrich diesen Satz. Mr. Willoughby schien sich durch den offensichtlichen Beifall ermutigt zu fühlen; er nickte seinen Zuhörern ein- oder zweimal zu, ehe er mit seiner Geschichte fortfuhr.
»Es war äußerst unehrenhaft von mir, das Geschenk des Kaisers zurückzuweisen. Und doch – es ist eine bedauernswerte Schwäche – hatte mich die Liebe zu einer Frau ergriffen.«
Bei diesen Worten stieg ein mitfühlender Seufzer auf, da die meisten Seeleute ausgesprochen romantische Seelen waren, doch Mr. Willoughby hielt inne, zupfte Jamie am Ärmel und sagte etwas zu ihm.
»Oh, ich habe einen Fehler gemacht«, verbesserte sich Jamie. »Er sagt, es war nicht ›eine Frau‹, sondern nur ›die Frau‹ – er meint alle Frauen oder die Idee alles Weiblichen. So?«, fragte er und blickte auf Mr. Willoughby hinunter.
Der Chinese nickte zufrieden und lehnte sich wieder zurück. Inzwischen war der Dreiviertelmond aufgegangen und spendete so viel Licht, dass das Gesicht des kleinen Mandarins zu sehen war, während er erzählte.
»Ja«, sagte er durch Jamie. »Ich habe viel über Frauen nachgedacht; ihre Anmut und Schönheit, wenn sie erblühen wie Lotosblüten, mit dem Wind dahintreiben wie Seidenpflanzen. Und die Myriaden Laute, die sie erklingen lassen, manchmal wie Spatzengeplapper oder Nachtigallengesang, manchmal wie das Krächzen der Krähen«, fügte er mit einem Lächeln hinzu, das seine Augen zu Schlitzen verengte und seine Zuhörer zum Lachen brachte, »doch selbst dann habe ich sie geliebt. All meine Gedichte waren Oden an die Frau – manchmal an eine bestimmte Dame, meistens jedoch die Frau an sich. An den Geschmack von Brüsten wie Aprikosen, den warmen Duft des Nabels einer Frau, wenn sie im Winter erwacht, die Wärme ihres Hügels, der die Hand füllt wie ein reifer, geplatzter Pfirsich.«
Fergus hielt Marsali entsetzt die Ohren zu, doch der Rest der Zuhörer war höchst empfänglich.
»Kein Wunder, dass der kleine Kerl ein geschätzter Poet war«, sagte Raeburn beifällig. »Es ist zwar gottlos, aber mir gefällt’s.«
»Ist die rote Kugel an Eurem Hut wert«, pflichtete ihm Maitland bei.
»Fast könnte man dafür ein bisschen Chinesisch lernen«, meldete sich der Steuermannsmaat zu Wort und betrachtete Mr. Willoughby mit neu erwachtem Interesse. »Hat er viele von diesen Gedichten?«
Jamie gebot der Zuhörerschaft – der sich inzwischen fast alle nicht diensthabenden Seeleute angeschlossen hatten – mit einer Geste zu schweigen und sagte zu Mr. Willoughby: »Erzählt weiter.«
»Ich bin in der Nacht der Laternen geflohen«, sagte der Chinese. »Ein großes Fest, bei dem die Straßen voller Menschen sind; es bestand keine Gefahr, von den Wachen bemerkt zu werden. Als sich kurz nach Einbruch der Dunkelheit in der ganzen Stadt die Prozessionen sammelten, habe ich die Kleidung eines Reisenden angelegt – das ist wie ein Pilger«, fügte Jamie ein, »sie besuchen die Gräber ihrer Ahnen in weiter Ferne und tragen weiße Gewänder, die Trauer symbolisieren –, und ich habe mein Haus verlassen. Ich passierte die Menge ohne Schwierigkeiten und trug eine kleine anonyme Laterne, die ich mir gekauft hatte – die nicht mit meinem Namen und meinem Wohnort beschriftet war. Die Wachen hämmerten auf ihre Bambustrommeln, die Bediensteten der großen Haushalte ließen Gongs ertönen, und auf dem Dach des Palastes wurde ein gewaltiges Feuerwerk abgebrannt.«
Bei diesen Erinnerungen stand ihm Wehmut in das kleine runde Gesicht geschrieben.
»Auf gewisse Art war es ein sehr passender Abschied für einen Poeten«, sagte er. »Namenlos unter tosendem Applaus zu flüchten. Als ich an der Garnison am Stadttor vorüberkam, habe ich mich umgesehen, und die vielen Dächer des Palastes erschienen als Umrisse vor den explodierenden Blumen aus Rot und Gold. Es sah aus wie ein Zaubergarten – der für mich verboten war.«
Während der Nacht war Yi Tien Cho ohne Zwischenfälle vorangekommen, doch am nächsten Tag wäre er fast erwischt worden.
»Ich hatte meine Fingernägel vergessen«, sagte er. Er breitete eine Hand aus, klein, mit kurzen Fingern, die Nägel völlig abgekaut. »Denn ein Mandarin hat lange Nägel als Symbol dafür, dass er nicht mit den Händen arbeiten muss, und die meinen waren fast so lang wie eins meiner Fingerglieder.«
Ein Bediensteter des Hauses, in dem er am nächsten Tag Rast machte, um sich zu stärken, erblickte sie und rannte los, um es der Wache zu sagen. Auch Yi Tien Cho rannte davon, und schließlich gelang es ihm, seinen Verfolgern zu entwischen, indem er in einen Wassergraben glitt und sich im Gebüsch versteckte.
»Während ich dort wartete, habe ich natürlich meine Nägel vernichtet«, sagte er. Er wackelte mit dem kleinen Finger seiner rechten Hand. »Diesen Nagel musste ich sogar herausreißen, weil er mit einem kleinen goldenen Schriftzeichen versehen war, eine Einlegearbeit, die ich nicht herauslösen konnte.«
Er hatte die Kleider eines Bauern gestohlen, die zum Trocknen über einem Busch hingen, und den Nagel mit dem goldenen Symbol als Bezahlung zurückgelassen. Dann hatte er sich langsam zur Küste vorgearbeitet. Zunächst hatte er sein Essen mit dem kleinen Geldvorrat bezahlt, den er mitgenommen hatte, doch in der Nähe von Lulong war er mit einer Räuberbande zusammengestoßen, die ihm sein Geld gestohlen, aber das Leben gelassen hatte.
»Ab dann«, sagte er schlicht, »habe ich Essen gestohlen, wenn es ging, und gehungert, wenn nicht. Schließlich habe ich eine kleine Glückssträhne erwischt und bin einer Gruppe reisender Apotheker begegnet, die auf dem Weg zum Markt der Heiler an der Küste waren. Als Bezahlung für die Kunstfertigkeit, mit der ich ihnen die Banner für ihr Zelt gemalt und Etiketten geschrieben habe, die die Vorzüge ihrer Arzneien priesen, haben sie mich mitgenommen.«
An der Küste hatte er versucht, sich als Seemann auszugeben, was ihm jedoch kläglich misslungen war, da seine Finger, die so kunstfertig mit Pinsel und Tinte umgehen konnten, nichts von der Kunst der Knoten und Vertäuungen verstanden. Es lagen mehrere ausländische Schiffe im Hafen; er hatte dasjenige ausgewählt, dessen Seemänner am barbarischsten aussahen, da es ihn am weitesten forttragen würde, und hatte einen günstigen Moment genutzt, um an der Wache vorbeizuschlüpfen und sich im Frachtraum der Serafina zu verstecken, die nach Edinburgh steuerte.
»Ihr hattet von Anfang an vor, das Land ganz zu verlassen?«, fragte Fergus neugierig. »Es scheint so eine verzweifelte Entscheidung zu sein.«
»Kaiser langer Arm«, sagte Mr. Willoughby leise auf Englisch, ohne auf die Übersetzung zu warten. »Ich Exil, oder ich bin tot.«
Seine Zuhörer stießen einen vereinten Seufzer aus, als sie sich eine derart blutrünstige Macht vorstellten, und es folgte ein Moment der Stille, in dem nur das leise Pfeifen der Takelage über unseren Köpfen zu hören war, während Mr. Willoughby nach seinem lange vernachlässigten Becher griff und die letzten Tropfen seines Grogs trank.
Er stellte den Becher hin, leckte sich über die Lippen und legte Jamie noch einmal die Hand auf den Arm.
»Es ist seltsam«, sagte Mr. Willoughby, und Jamies Stimme ahmte seinen sinnierenden Tonfall perfekt nach, »doch es war meine Freude an der Weiblichkeit, die die Zweitfrau in meinen Worten gesehen und geliebt hat. Und doch hätte sie mit ihrem Verlangen, mich – und meine Gedichte – zu besitzen, doch genau das für immer vernichtet, was sie bewunderte.«