»Du hast also Kinder bekommen, und dadurch hat sich nichts für dich geändert? Mmpfm. Aber es ist ja schon lange her – warst du mit anderen Männern zusammen, während du in Frankreich gelebt hast?« Sie schob ihre Unterlippe vor die Oberlippe, was ihr das Aussehen einer kleinen, sturen Bulldogge verlieh.
»Das«, sagte ich entschlossen und stellte den Becher hin, »geht dich definitiv nichts an. Was die Frage betrifft, ob eine Geburt etwas ändert – möglich, dass es bei manchen Frauen so ist, aber nicht bei allen. Doch es gibt davon ganz unabhängig gute Gründe für dich, vielleicht nicht sofort ein Kind zu bekommen.«
Sie zog die vorgeschobene Unterlippe ein und richtete sich neugierig auf.
»Also gibt es eine Methode?«
»Es gibt viele Methoden, aber die meisten davon funktionieren unglücklicherweise nicht«, sagte ich zu ihr und sehnte mich mit einem Stich des Bedauerns nach meinem Rezeptblock und der Verlässlichkeit der Anti-Baby-Pille. Dennoch erinnerte ich mich gut an das, was die Maîtresses sage-femme rieten, die erfahrenen Hebammen im Hôpital des Anges, wo ich zwanzig Jahre zuvor in Paris gearbeitet hatte.
»Bitte reiche mir die kleine Kiste aus dem Schrankfach«, sagte ich und zeigte auf die Türen über ihrem Kopf. »Ja, genau die. Einige französische Hebammen mischen einen Tee aus Pimentbeeren und Baldrian«, sagte ich und kramte in meiner Arzneikiste. »Aber das ist sehr gefährlich und, glaube ich, nicht sehr verlässlich.«
»Fehlt sie dir?«, fragte Marsali abrupt. Ich blickte verblüfft auf. »Deine Tochter?« Ihr Gesicht war abnorm ausdruckslos, und ich vermutete, dass es bei der Frage eher um Laoghaire ging als um mich.
»Ja«, sagte ich schlicht. »Aber sie ist erwachsen; sie hat ihr eigenes Leben.« Der Kloß in meinem Hals war wieder da, und ich beugte den Kopf über die Arzneitruhe und verbarg mein Gesicht. Die Chancen, dass Laoghaire Marsali je wiedersah, standen in etwa so wie die, dass ich Brianna wiedersehen würde – ein Gedanke, den ich lieber nicht vertiefen wollte.
»Hier«, sagte ich und holte ein großes Stück eines gereinigten Schwamms hervor. Ich zog eins der dünnen Chirurgenmesser aus den Einschüben im Deckel der Truhe und schnitt vorsichtig mehrere kleine Stücke von vielleicht acht Zentimetern Durchmesser ab. Wieder durchsuchte ich die Kiste, bis ich das Fläschchen mit Rainfarnöl fand. Unter Marsalis faszinierten Blicken tränkte ich eins der Schwämmchen damit.
»Gut«, sagte ich. »So viel Öl musst du in etwa benutzen. Wenn du keins hast, kannst du den Schwamm auch in Essig tränken – im Notfall geht sogar Wein. Schieb das Schwämmchen tief in dich hinein, ehe du mit einem Mann ins Bett gehst – auch beim ersten Mal; du kannst von einem einzigen Mal schwanger werden.«
Marsali nickte mit großen Augen und berührte das Schwämmchen sanft mit dem Zeigefinger. »Aye? Und … und hinterher? Hole ich es wieder heraus, oder …«
Ein drängender Ausruf von oben, gepaart mit einem plötzlichen Wanken der Artemis, die ihre Rahsegel backbrasste, setzte der Unterhaltung ein abruptes Ende. Irgendetwas war oben im Gange.
»Das erzähle ich dir später«, sagte ich. Ich schob ihr den Schwamm und die Flasche hin und hastete in den Gang.
Jamie stand mit dem Kapitän auf dem Achterdeck und beobachtete das Herannahen eines großen Schiffs, das von hinten kam. Es war ein Dreimaster, vielleicht dreimal so groß wie die Artemis mit einem wahren Wald von Segeln und Wanten, in denen kleine Gestalten umherhüpften wie Flöhe auf einem Bettlaken. Ein weißes Rauchwölkchen schwebte ihr nach, ein Zeichen, dass das Schiff unlängst eine Kanone abgefeuert hatte.
»Feuern sie auf uns?«, fragte ich erstaunt.
»Nein«, sagte Jamie grimmig. »Nur ein Warnschuss. Sie haben vor, uns zu entern.«
»Können sie das?« Ich richtete meine Frage an Kapitän Raines, dessen Miene noch verdrossener war als üblich, so dass seine hängenden Mundwinkel in seinem Bart versanken.
»Das können sie«, sagte er. »Bei einer derart steifen Brise entkommen wir ihnen auf dem offenen Meer niemals.«
»Was ist das für ein Schiff?« Auf dem Masttopp flatterte zwar eine Flagge, doch aus dieser Entfernung sah sie im Gegenlicht beinahe vollständig schwarz aus.
Jamie blickte ausdruckslos auf mich hinunter. »Ein britisches Kriegsschiff, Sassenach. Vierundsiebzig Kanonen. Vielleicht gehst du besser unter Deck.«
Das waren schlechte Neuigkeiten. Großbritannien befand sich zwar nicht mehr im Krieg mit Frankreich, doch die Beziehungen zwischen den beiden Ländern waren alles andere als herzlich. Und die Artemis war zwar bewaffnet, jedoch nur mit vier Zwölfpfündern; hinreichend zur Abschreckung kleiner Piratenschiffe, einem Kriegsschiff aber nicht gewachsen.
»Was können sie von uns wollen?«, fragte Jamie den Kapitän. Raines schüttelte den Kopf, und sein aufgedunsenes, rundes Gesicht blickte grimmig drein.
»Männer vermutlich«, antwortete er. »Das Schiff ist unterbesetzt; man sieht es an der Takelage und der Unordnung an Deck«, stellte er missbilligend fest, ohne den Blick von dem Kriegsschiff abzuwenden, das jetzt beilegte und über uns aufragte. Dann sah er Jamie an. »Sie können jeden unserer Seeleute in ihren Dienst pressen, der wie ein Brite aussieht – also ungefähr die halbe Besatzung. Und Euch, Mr. Fraser – es sei denn, Ihr möchtet Euch als Franzose ausgeben?«
»Verdammt«, sagte Jamie leise. Er sah mich an und runzelte die Stirn. »Habe ich dir nicht gesagt, du sollst unter Deck gehen?«
»Doch«, sagte ich, ohne zu gehen. Ich trat näher an ihn heran, den Blick auf das Kriegsschiff geheftet, von dem jetzt ein Boot abgefiert wurde. Ein Offizier mit einem goldverzierten Rock und einem spitzenbesetzten Hut kletterte über Bord.
»Wenn sie die britischen Seeleute in ihren Dienst pressen«, fragte ich Kapitän Raines, »was wird dann aus ihnen?«
»Sie leisten Dienst an Bord der Porpoise – das ist das Schiff«, sagte er und wies kopfnickend auf das Kriegsschiff, dessen Galionsfigur ein Delphin mit dicken Lippen war, »als Mitglieder der Königlichen Marine. Diese kann die in den Dienst Gepressten entlassen, wenn das Schiff den Hafen erreicht – oder sie kann es lassen.«
»Was? Ihr meint, sie können einfach so Männer entführen und sie zwingen, als Seeleute zu dienen, solange es ihnen gefällt?« Angst durchfuhr mich bei dem Gedanken, Jamie könnte plötzlich von meiner Seite gerissen werden.
»Das können sie«, sagte der Kapitän knapp. »Und wenn sie es tun, wird es mit halber Besatzung schwierig für uns werden, nach Jamaica zu kommen.« Er wandte sich abrupt ab und trat vor, um das eintreffende Boot zu begrüßen.
Jamie packte meinen Ellbogen und drückte zu.
»Innes oder Fergus nehmen sie nicht«, sagte er. »Die beiden werden dir bei der Suche nach Ian helfen. Wenn sie uns mitnehmen«, das Wort »uns« versetzte mir einen Stich, »begibst du dich zu Jareds Haus an der Sugar Bay und suchst von dort aus.« Er sah mich an und lächelte mir flüchtig zu. »Ich komme dorthin«, sagte er und drückte mir noch einmal beruhigend den Ellbogen. »Ich kann nicht sagen, wie lange es dauern wird, aber ich komme dort zu dir.«
»Aber du könntest dich doch als Franzosen ausgeben!«, protestierte ich. »Das weißt du genau!«
Einen Moment sah er mich an, dann schüttelte er den Kopf und lächelte schwach.
»Nein«, sagte er leise. »Ich kann nicht zulassen, dass sie meine Männer mitnehmen, und selbst zurückbleiben und mich unter dem Namen eines Franzosen verstecken.«
»Aber …« Ich setzte an einzuwenden, dass die schottischen Schmuggler nicht seine Männer waren, dass sie keinen Anspruch darauf hatten, dass er ihnen zur Seite stand, und hielt dann inne, weil ich begriff, dass es zwecklos war. Die Schotten mochten nicht seine Pächter oder Verwandten sein, und es war gut möglich, dass einer von ihnen ein Verräter war. Doch er hatte sie hierhergebracht, und wenn sie gehen mussten, würde er mit ihnen gehen.