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»Oh, gewiss. Gewiss«, wiederholte Vater Fogden und schwankte sacht. »Gewiss, gewiss.« Es folgte eine lange Pause, während der Priester Marsali anblinzelte.

»Name«, sagte er abrupt. »Ich brauche einen Namen. Ohne Namen kann man nicht heiraten. Und ohne Schwanz. Keine Hochzeit ohne Namen; keine Hochzeit ohne Schw–«

»Marsali Jane MacKimmie Joyce!«, sagte Marsali so laut, dass sie ihn übertönte.

»Ja, ja«, sagte er hastig. »Natürlich. Marsali. Nun denn, nimmst du, Marsali, diesen Mann – obwohl ihm eine Hand fehlt und womöglich auch noch andere Körperteile, die jetzt nicht sichtbar sind – zu deinem rechtmäßigen Ehemann? Ihn zu lieben und zu ehren von diesem Tag an und …« An diesem Punkt verstummte er und heftete sein Augenmerk auf eins der Schafe, das ins Licht gewandert war und auf einem gestreiften Wollstrumpf kaute.

»Ja!«

Vater Fogden blinzelte und konzentrierte sich wieder. Er versuchte erfolglos, einen weiteren Rülpser zu unterdrücken, und richtete seinen hellblauen Blick auf Fergus.

»Habt Ihr auch einen Namen? Und einen Schwanz?«

»Ja«, sagte Fergus und verzichtete klugerweise darauf, konkreter zu werden. »Fergus.«

Der Priester runzelte ein wenig die Stirn. »Fergus?«, sagte er. »Fergus. Fergus. Ja, Fergus, verstehe. Das ist alles? Sonst kein Name? Ich brauche doch weitere Namen.«

»Fergus«, wiederholte Fergus mit einem angespannten Unterton. Einen anderen Namen hatte er nie gehabt – abgesehen von seinem französischen Taufnamen Claudel. Jamie hatte ihm den Namen Fergus in Paris gegeben, wo sie sich vor zwanzig Jahren begegnet waren. Doch ein Bastard, der im Bordell zur Welt gekommen war, hatte natürlich keinen Nachnamen, den er einer Frau geben konnte.

»Fraser«, sagte eine tiefe, selbstsichere Stimme neben mir. Fergus und Marsali blickten beide überrascht auf, und Jamie nickte. Sein Blick traf Fergus, und er lächelte schwach.

»Fergus Claudel Fraser«, sagte er langsam und deutlich. Er sah Fergus mit hochgezogener Augenbraue an.

Fergus selbst sah aus wie gelähmt. Sein Mund stand offen, und seine Augen waren große schwarze Löcher im gedämpften Licht. Dann nickte er kaum merklich, und sein Gesicht begann zu leuchten, als hätte man eine Kerze in seinem Inneren entzündet.

»Fraser«, sagte er zu dem Priester. Seine Stimme klang heiser, und er räusperte sich. »Fergus Claudel Fraser.«

Vater Fogden hatte den Kopf zurückgelegt und beobachtete den Himmel, wo eine Sichel aus Licht über den Bäumen schwebte und das schwarze Rund des Mondes wiegte. Er senkte den Kopf und blickte Fergus verträumt an.

»Nun, das ist doch gut«, sagte er. »Oder?«

Maitland versetzte ihm einen kleinen Stoß in die Rippen, um ihn an seine Aufgabe zu erinnern.

»Oh! Ähm. Nun ja. Mann und Frau. Ja, hiermit erkläre ich Euch zu Mann … nein, das ist nicht richtig; Ihr habt noch nicht gesagt, ob Ihr sie nehmt. Sie hat zwei Hände«, fügte er hilfsbereit hinzu.

»Ja«, sagte Fergus. Er hatte Marsalis Hand gehalten; jetzt ließ er sie los und grub hastig in seiner Tasche, aus der er einen kleinen Goldring hervorholte. Ich begriff, dass er ihn in Schottland gekauft und seitdem aufbewahrt haben musste, weil er nicht offiziell als verheiratet auftreten wollte, solange sie nicht den Segen hatten. Und zwar nicht den Segen eines Priesters – Jamies Segen.

Am ganzen Strand war es still, als er ihr den Ring an den Finger schob, und alle Augen hefteten sich auf den kleinen goldenen Metallkreis und die beiden Köpfe, die sich dicht darüber beugten, der eine hell, der andere dunkel.

Sie hatte es also getan. Ein fünfzehnjähriges Mädchen, dessen einzige Waffe seine Hartnäckigkeit war. »Ich will ihn«, hatte sie gesagt. Und es immer wieder gesagt, den Einwänden ihrer Mutter und Jamies Argumenten zum Trotz, Fergus’ Skrupeln und ihren eigenen Ängsten zum Trotz, dreitausend Meilen voller Heimweh und Strapazen zum Trotz, dem Unwetter und dem Schiffbruch zum Trotz.

Sie hob ihr leuchtendes Gesicht und fand ihren Spiegel in Fergus’ Augen. Ich sah den Blick, den sie sich zuwarfen, und spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen.

»Ich will ihn.« Ich hatte das bei unserer Hochzeit nicht zu Jamie gesagt; ich hatte ihn damals nicht gewollt. Doch seitdem hatte auch ich es dreimal gesagt; zweimal, als ich auf dem Craigh na Dun meine Wahl traf und noch einmal in Lallybroch.

»Ich will ihn.« Ich wollte ihn noch, und nichts auf der Welt konnte sich zwischen uns stellen.

Er sah auf mich hinunter; ich konnte das Gewicht seines Blickes spüren, dunkelblau und sanft wie das Meer im Morgengrauen.

»Was denkst du gerade, mo chridhe?«, fragte er leise.

Ich blinzelte die Tränen zurück und lächelte ihn an. Seine Hände ruhten groß und warm auf den meinen.

»Was ich dir dreimal sage, ist wahr«, sagte ich. Und ich stellte mich auf die Zehenspitzen und küsste ihn, als sich der Jubel der Seemänner erhob.

Neunter Teil

Unbekannte Welten

Kapitel 53

Fledermausguano

Frischer Fledermausguano ist schwarzgrün und schleimig; getrocknet ist er ein hellbraunes Pulver. In beiden Zuständen treibt einem der gammelige Ammoniakgestank das Wasser in die Augen.

»Wie viel von diesem Zeug, sagst du, nehmen wir an Bord?«, fragte ich durch das Tuch, das ich mir um die untere Gesichtshälfte gewickelt hatte.

»Zehn Tonnen«, erwiderte Jamie ähnlich gedämpft. Wir standen auf dem Oberdeck und sahen zu, wie die Sklaven die stinkende Substanz schubkarrenweise über die Landebrücke zur Luke des Heckfrachtraums beförderten. Winzige Partikel getrockneten Guanos wurden von den Karren aufgeweht und erfüllten die Luft mit einer trügerisch schönen Wolke aus Gold, die in der späten Nachmittagssonne funkelte und glitzerte. Die Körper der Männer waren ebenfalls damit überzogen; Schweißrinnsale schnitten dunkle Kanäle in den Staub auf ihren nackten Oberkörpern und ließen sie wie schwarz-gold gestreifte, exotische Zebras wirken.

Jamie betupfte sich die ebenfalls tränenden Augen, als sich der Wind in unsere Richtung drehte. »Weißt du, wie man jemanden kielholt, Sassenach?«

»Nein, aber wenn es Fergus ist, der dir als Kandidat vorschwebt, bin ich dabei. Wie weit ist es bis Jamaica?« Es war Fergus, der sich auf dem Marktplatz an der King’s Street in Bridgetown umgehört und der Artemis ihre erste Kommission als Handels- und Frachtschiff besorgt hatte; den Transport von zehn Tonnen Fledermausguano von Barbados nach Jamaica, wo er auf der Zuckerplantage eines gewissen Mr. Grey als Dünger dienen sollte.

Fergus selbst beaufsichtigte ziemlich verlegen die Verladung der großen Guanoblöcke, die von den Karren gekippt und einzeln in den Frachtraum hinuntergereicht wurden. Marsali, die ihm nie weit von der Seite wich, hatte in diesem Fall doch das Vordeck aufgesucht, wo sie auf einem Fass mit Orangen saß, das Gesicht mit dem hübschen neuen Schal verhüllt, den ihr Fergus gekauft hatte.

»Wir wollen doch als Handelsschiff auftreten, oder?«, hatte Fergus argumentiert. »Wir haben einen leeren Frachtraum zu füllen. Außerdem«, hatte er in aller Logik hinzugefügt und damit die Diskussion beendet, »wird uns Monsieur Grey mehr als angemessen bezahlen.«

»Wie weit, Sassenach?« Jamie blinzelte zum Horizont, als hoffte er, Land aus den glitzernden Wellen aufsteigen zu sehen. Dank Mr. Willoughbys Zaubernadeln war er zwar seetüchtig, doch große Begeisterung legte er für die Seefahrt nicht an den Tag. »Drei oder vier Tage auf See, sagt Warren«, räumte er mit einem Seufzer ein, »wenn das Wetter gut bleibt.«

»Vielleicht lässt der Gestank auf See nach«, sagte ich.

»Oh ja, Milady«, versicherte mir Fergus, der das im Vorübergehen hörte. »Der Eigentümer sagte mir, dass der Gestank weitgehend verfliegt, nachdem man das Material aus den Höhlen entfernt hat, wo es sich sammelt.« Er sprang in die Takelage und kletterte trotz seines Hakens hinauf wie ein Äffchen. Oben angelangt, band Fergus das rote Tuch fest, das der Besatzung an Land signalisierte, an Bord zu kommen. Dann ließ er sich wieder hinuntergleiten. Unterwegs hielt er inne, um Ping An zu beschimpfen, der auf dem unteren Quermast hockte und die Vorgänge unten mit leuchtend gelben Augen beobachtete.