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»Fergus scheint ja geradezu Besitzstolz in Bezug auf diese Fracht zu empfinden«, stellte ich fest.

»Aye, nun ja, er ist Teilhaber«, sagte Jamie. »Ich habe ihm gesagt, wenn er eine Frau zu ernähren hat, muss er sich überlegen, wie er das anfangen will. Und da es gut möglich ist, dass es noch eine Weile dauert, bis wir wieder in das Druckereigewerbe einsteigen, muss er nehmen, was kommt. Er und Marsali bekommen die Hälfte des Profits, den wir mit dieser Ladung erzielen – als Anzahlung auf die Mitgift, die ich ihr versprochen habe«, fügte er trocken hinzu, und ich lachte.

»Weißt du«, sagte ich, »ich würde wirklich gern diesen Brief lesen, den Marsali ihrer Mutter schickt. Erst Fergus, meine ich, dann Vater Fogden und Mamacita und jetzt eine Mitgift von zehn Tonnen Fledermausscheiße.«

»Wenn Laoghaire ihn gelesen hat, werde ich nie wieder einen Fuß auf schottischen Boden setzen können«, sagte Jamie, aber er lächelte dennoch. »Hast du dir schon überlegt, was du mit deiner neuen Errungenschaft anfangen willst?«

»Erinnere mich nicht daran«, sagte ich etwas grimmig. »Wo ist er?«

»Irgendwo unten«, sagte Jamie, der jetzt durch einen Mann abgelenkt wurde, der über den Kai auf uns zukam. »Murphy hat ihm zu essen gegeben, und Innes wird ihm einen Schlafplatz suchen. Entschuldige, Sassenach, ich glaube, da ist jemand, der mich sucht.« Er schwang sich von der Reling und ging die Landebrücke hinunter. Dabei hüpfte er sicheren Schrittes um einen Sklaven herum, der mit einer Schubkarre von Guano auf ihn zukam.

Ich beobachtete interessiert, wie er den Mann begrüßte, einen hochgewachsenen Kolonialherrn mit der Kleidung eines wohlhabenden Pflanzers und einem verwitterten roten Gesicht, das davon kündete, dass er schon seit vielen Jahren hier lebte. Er streckte Jamie die Hand entgegen, und dieser griff fest danach. Jamie sagte etwas, und als der Mann antwortete, verwandelte sich der Argwohn in seiner Miene augenblicklich in Herzlichkeit.

Dies musste das Resultat des Besuchs sein, den Jamie tags zuvor unmittelbar nach unserer Landung der Freimaurerloge abgestattet hatte. Er war Jareds Rat gefolgt und hatte sich als Mitglied der Bruderschaft zu erkennen gegeben und mit dem Meister der Loge gesprochen, dem er Ian beschrieben und den er nach möglichen Neuigkeiten über den Jungen oder das Schiff Bruja gefragt hatte. Der Meister hatte versprochen, die Nachricht unter jenen Freimaurern zu verbreiten, die regelmäßig den Sklavenmarkt oder den Hafen aufsuchten. Mit etwas Glück war dies bereits die Frucht dieses Versprechens.

Ich sah begierig zu, wie der Pflanzer in seinen Rock fasste und ein Stück Papier herauszog, das er auseinanderfaltete und Jamie zeigte, während er ihm anscheinend etwas erklärte. Jamie runzelte konzentriert die Stirn, doch seine Miene drückte weder Freude noch Enttäuschung aus. Vielleicht war es am Ende gar keine Nachricht von Ian. Nach unserem Besuch auf dem Sklavenmarkt tags zuvor hoffte ich halb, dass es nicht so war.

Lawrence, Fergus, Marsali und ich waren unter Murphys mürrischer Aufsicht zum Sklavenmarkt gegangen, während Jamie die Freimaurerloge aufsuchte. Der Sklavenmarkt befand sich in Hafennähe am Ende einer staubigen Straße, die mit Ständen gesäumt war – hier wurden Obst und Kaffee verkauft, getrocknete Fische und Kokosnüsse, Yamswurzeln und rote Cochenillekäfer, die in kleinen, verkorkten Glasflaschen zum Färben feilgeboten wurden.

Mit seiner üblichen Leidenschaft für Ordnung und Anstand hatte Murphy darauf bestanden, dass Marsali und ich Sonnenschirme tragen müssten, und er hatte Fergus gezwungen, zwei solcher Schirme bei einem Straßenhändler zu kaufen.

»Alle weißen Frauen in Bridgetown tragen Sonnenschirme«, sagte er entschlossen, während er versuchte, mir das eine Exemplar in die Hand zu drücken.

»Ich brauche keinen Sonnenschirm«, sagte ich, zu ungeduldig, um über etwas derart Unwichtiges wie meine Gesichtsfarbe zu sprechen, wo es doch möglich war, dass wir kurz davorstanden, Ian zu finden. »So heiß brennt die Sonne gar nicht. Gehen wir.«

Murphy funkelte mich entgeistert an.

»Die Leute werden glauben, dass Ihr nicht respektabel seid, weil Ihr nicht auf Eure Haut achtet!«

»Ich hatte auch nicht vor, mich hier niederzulassen«, sagte ich schnippisch. »Es ist mir egal, was sie denken.« Ich blieb nicht länger stehen, um weiter zu diskutieren, sondern setzte mich in Bewegung. Ich ging über die Straße auf eine Geräuschkulisse in einiger Entfernung zu, von der ich vermutete, dass es der Sklavenmarkt war.

»Ihr … werdet … rot im … Gesicht!«, sagte Murphy, der aufgebracht neben mir herschnaufte und im Humpeln versuchte, den Schirm zu öffnen.

»Oh, ein Schicksal schlimmer als der Tod, gewiss!«, fuhr ich ihn an. Meine Nerven waren erwartungsvoll gespannt wie Drahtseile. »Also schön, her mit dem verflixten Ding!« Ich riss ihm den Schirm aus den Händen, ließ ihn aufschnappen und legte ihn mir mit einer gereizten Drehung auf die Schulter.

Schließlich jedoch war ich innerhalb weniger Minuten froh über Murphys Beharrlichkeit. Auf der Straße spendeten große Palmen und Ameisenbäume Schatten, doch der Markt wurde auf einem großen, gepflasterten Platz abgehalten, auf dem es nur in den baufälligen, mit Blech oder Palmwedeln gedeckten Ständen schattig war, in denen die Sklavenhändler und Auktionatoren hin und wieder Zuflucht vor der Sonne suchten. Die Sklaven selbst wurden zum Großteil in großen Pferchen am Rand des Marktplatzes gehalten und waren den Elementen ausgeliefert.

Im Freien brannte die Sonne heftig, und nach dem grünen Schatten auf der Straße blendete das Licht, das von den hellen Pflastersteinen reflektiert wurde. Ich blinzelte, weil mir die Augen tränten, und hob mir hastig den Schirm über den Kopf.

In seinem Schatten konnte ich nun eine überwältigende Ansammlung menschlicher Körper sehen, die – nackt oder beinahe nackt – in jedem Farbton von hellem Milchkaffee bis hin zu tiefem Blauschwarz glänzten. Vor den Auktionsblöcken leuchtete es zwischen dem strengen Schwarz und Weiß in bunten Farben auf, weil sich dort die Plantagenbesitzer und ihre Bediensteten sammelten, um die Ware in Augenschein zu nehmen.

Der Gestank war überwältigend, selbst für jemanden, der an die üblen Gerüche in Edinburgh oder den Zwischendecks der Porpoise gewöhnt war. In den Ecken der Pferche lagen Berge menschlicher Exkremente, auf denen es von Fliegen wimmelte, und die Luft war von einem öligen Geruch erfüllt, doch die Hauptzutat war der unangenehm intime Geruch von quadratmeterweise nackter, heißer Haut, die in der Sonne gebacken wurde.

»Jesu«, murmelte Fergus neben mir. Seine dunklen Augen huschten schockiert und missbilligend von rechts nach links. »Das ist ja schlimmer als die Armenviertel am Montmartre.« Marsali sagte kein Wort, sondern rümpfte die Nase und drängte sich dichter an seine Seite.

Lawrence blieb ungerührt; ich vermute, dass er während seiner Erkundungsreisen auf den Westindischen Inseln schon öfter Sklavenmärkte gesehen haben musste.

»Die Weißen sind dort drüben«, sagte er und zeigte zum anderen Ende des Marktplatzes. »Kommt, wir erkundigen uns nach den jungen weißen Männern, die in jüngster Zeit verkauft worden sind.« Er legte mir seine große, quadratische Hand in den Rücken und schob mich sanft durch die Menge.

Am Rand des Marktes hockte eine alte schwarze Frau auf dem Boden und legte Kohlen in ein kleines Kohlebecken. Bei unserem Näherkommen trat eine kleine Gruppe von Menschen auf sie zu: ein Pflanzer, der von zwei Schwarzen in groben Baumwollhemden und -hosen begleitet wurde, offenbar seine Bediensteten. Einer von ihnen hielt eine neu gekaufte Sklavin am Arm; zwei weitere Mädchen, die bis auf schmale Stoffstreifen an den Lenden nackt waren, wurden an Stricken um den Hals geführt.