Der Pflanzer bückte sich und reichte der Alten eine Münze. Sie drehte sich um und hob mehrere kurze Messingstäbe vom Boden auf, die sie dem Mann zeigte. Er betrachtete sie einen Moment, suchte zwei heraus und richtete sich auf. Er gab die Brandeisen einem seiner Diener, der sie mit dem Ende in das Kohlebecken steckte.
Der andere Bedienstete trat hinter das Mädchen und hielt es an den Armen fest. Der erste Mann zog die Eisen aus dem Feuer und drückte sie ihr beide zusammen auf die Oberseite der rechten Brust. Sie kreischte so laut, dass einige der Umstehenden die Köpfe wandten. Die Eisen wurden fortgezogen und hinterließen die Buchstaben HB in ihrem rohen Fleisch.
Ich war bei diesem Anblick erstarrt. Die anderen hatten gar nicht bemerkt, dass ich nicht mehr bei ihnen war, und waren weitergegangen. Ich drehte mich mehrmals um mich selbst und blickte mich vergeblich nach einer Spur von Lawrence oder Fergus um. Jamie in einer Menschenmenge auszumachen, war nie schwierig; sein leuchtendes Haar war immer über allen anderen Köpfen zu sehen. Doch Fergus war klein, Murphy auch nicht größer; auch Lawrence war höchstens von mittlerer Statur, und Marsalis gelber Sonnenschirm verlor sich unter den vielen anderen auf dem Marktplatz.
Ich wandte mich schaudernd von dem Kohlebecken ab. Hinter mir hörte ich zwar Schreie und Jammerlaute, doch ich wollte mich nicht noch einmal umsehen. Ich hastete an mehreren Auktionsblöcken vorbei, ohne den Blick darauf zu richten, doch dann verlangsamte das zunehmende Gedränge meine Schritte, bis ich schließlich stehen bleiben musste.
Die Männer und Frauen, die mir den Weg verstellten, hörten zu, wie ein Auktionator die Tugenden eines einarmigen Sklaven anpries, der nackt zur Betrachtung auf dem Block stand. Der Mann war nicht groß, aber breit gebaut, mit massigen Oberschenkeln und einer kräftigen Brust. Der fehlende Arm war wenig kunstfertig oberhalb des Ellbogens amputiert worden; vom Ende des Stumpfes tropfte Schweiß.
»Nicht gut für die Feldarbeit, das ist wahr«, räumte der Auktionator gerade ein. »Aber eine gute Investition für die Zucht. Seht Euch diese Beine an!« Er hatte einen langen Rattanstock dabei, den er dem Mann gegen die Unterschenkel hieb, dann grinste er breit in die Menge.
»Könnt Ihr seine Zeugungsfähigkeit garantieren?«, sagte der Mann, der hinter mir stand, unüberhörbar skeptisch. »Ich hatte vor drei Jahren so einen Hengst, kräftig wie ein Maultier, aber er hat kein einziges Fohlen gebracht; hat es nicht hinbekommen, haben die Mädchen gesagt.«
Ein Kichern lief durch die Menge, und der Auktionator spielte den Beleidigten.
»Garantieren?«, sagte er. Er wischte sich theatralisch über die fette Wange, um den öligen Schweiß auf seiner Handfläche zu sammeln. »Seht her, ihr Kleingläubigen!« Er beugte sich ein wenig vor, nahm den Penis des Sklaven und begann, ihn kräftig zu massieren.
Der Mann grunzte überrascht und versuchte zurückzuweichen, wurde aber durch den Helfer des Auktionators daran gehindert, der sich fest an seinen Arm klammerte. Die Menge brach in Gelächter aus, und es erschollen einzelne Beifallsrufe, als sich die weiche schwarze Haut zu verhärten und anzuschwellen begann.
Irgendetwas barst plötzlich in meinem Inneren; ich hörte es deutlich. Außer mir über den Markt, das Brennen, die Nacktheit, das anzügliche Gerede und die beiläufigen Entwürdigungen, außer mir vor allem über meine eigene Anwesenheit an diesem Ort, war ich nicht imstande, über mein Tun nachzudenken, doch ich tat es trotzdem. Ich fühlte mich seltsam losgelöst, als stünde ich außerhalb meiner selbst und sähe mir zu.
»Hört auf damit!«, sagte ich sehr laut, und ich erkannte meine eigene Stimme kaum. Der Auktionator hob verblüfft den Blick und lächelte mich aufdringlich an. Mit einem anzüglichen Grinsen sah er mir direkt in die Augen.
»Bestes Zuchtmaterial, Ma’am«, sagte er. »Garantiert, wie Ihr seht.«
Ich klappte meinen Schirm zusammen, senkte ihn und stieß ihm das Ende in die Wampe, so fest ich konnte. Er fuhr zurück, und vor Überraschung quollen ihm fast die Augen aus dem Kopf. Ich riss den Sonnenschirm zurück und ließ ihn auf seinen Kopf niedersausen, dann ließ ich ihn los und trat nach dem Mann.
Irgendwo tief in meinem Inneren wusste ich, dass es nichts ändern würde, dass es nicht helfen würde, dass es nur Schaden anrichten würde. Und doch konnte ich nicht dastehen und schweigend zustimmen. Ich tat es nicht für die gebrandmarkten Mädchen, für den Mann auf dem Block oder für irgendeinen von ihnen; ich tat es für mich selbst.
Rings um mich wurde es laut, und Hände fassten nach mir, um mich von dem Auktionator fortzureißen. Nachdem sich der Amtsträger einigermaßen von seinem ersten Schreck erholt hatte, grinste er mich böse an, holte aus und schlug den Sklaven fest in das Gesicht.
Ich sah mich nach Verstärkung um, und mein Blick fiel flüchtig auf Fergus, der mit wutverzerrtem Gesicht durch die Menge pflügte und auf den Auktionator zuhielt. Ein Schrei erscholl, und mehrere Männer drehten sich in seine Richtung. Die Leute begannen zu drängeln. Jemand stellte mir ein Bein, und ich landete im Sitzen auf den Steinen.
Durch eine Staubwolke sah ich Murphy knapp zwei Meter vor mir. Mit einer resignierten Miene in seinem breiten, roten Gesicht bückte er sich, zog sich das Holzbein ab und richtete sich auf, um dann elegant loszuhumpeln und es dem Auktionator mit großer Wucht auf den Kopf sausen zu lassen. Der Mann stolperte und fiel, und die Menge wich hastig zurück, um ihm aus dem Weg zu gehen.
Seiner Beute beraubt, kam Fergus rutschend neben dem Liegenden zum Halten und sah sich wütend um. Lawrence kam finster und grimmig von der anderen Seite durch die Menge, eine Hand an dem Zuckerrohrmesser an seinem Gürtel.
Ich saß erschüttert am Boden. Ich fühlte mich nicht mehr losgelöst. Mir war schlecht vor Angst, denn ich begriff, dass ich gerade eine Torheit begangen hatte, die vermutlich darin resultieren würde, dass man Fergus, Lawrence und Murphy übel zurichten würde, wenn nicht Schlimmeres.
Und dann war Jamie da.
»Steh auf, Sassenach«, sagte er leise. Er beugte sich über mich und gab mir die Hände. Ich schaffte es mit zitternden Knien. An seiner Seite sah ich Raeburns Schnurrbart zucken; MacLeod stand hinter ihm, und ich begriff, dass seine Schotten bei ihm waren. Dann versagten mir die Knie, doch Jamies Arme hielten mich aufrecht.
»Tu etwas«, sagte ich mit erstickter Stimme an seine Brust gewandt. »Bitte. Tu etwas.«
Und er hatte etwas getan. Mit seiner üblichen Geistesgegenwart hatte er das Einzige getan, was den Aufruhr beenden und Schaden verhindern konnte. Er hatte den einarmigen Mann gekauft. Und als ironisches Ergebnis meines kleinen Empfindsamkeitsausbruchs war ich jetzt die entgeisterte Besitzerin eines echten männlichen Guineasklaven, einarmig, aber bei strahlender Gesundheit und von garantierter Zeugungsfähigkeit.
Seufzend gab ich mir alle Mühe, nicht an den Mann zu denken, der sich vermutlich jetzt irgendwo unter mir befand, satt und – so hoffte ich – bekleidet. Die Eigentumspapiere, die auch nur zu berühren ich mich geweigert hatte, besagten, dass er ein reinblütiger Goldküstenneger war, ein Yoruba, verkauft durch einen französischen Pflanzer aus Barbuda, einarmig und mit einem Brand auf der linken Schulter, der eine Lilie und den Buchstaben »A« darstellte, und dass er unter dem Namen Temeraire bekannt war. Der Kühne. Die Papiere enthielten keine Vorschläge, was in Gottes Namen ich mit ihm anfangen sollte.
Jamie hatte jetzt die Papiere durchgesehen, die sein Bekannter aus der Loge ihm gebracht hatte – soweit ich das von der Reling aus sehen konnte, ähnelten sie den Papieren, die ich für Temeraire bekommen hatte. Er reichte sie zurück und verbeugte sich dankend, ein kleines Stirnrunzeln im Gesicht. Die Männer wechselten noch einige Worte und verabschiedeten sich erneut mit einem Handschlag.
»Sind alle an Bord?«, fragte Jamie, als er von der Landebrücke stieg. Die leise Brise ließ das dunkelblaue Band flattern, das seinen dicken Pferdeschwanz zusammenhielt.