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»Doch, wenn Aloysius O’Shaughnessy Murphy die Schildkrötensuppe gekocht hat«, sagte er. »Dem Geruch nach hat er mindestens eine ganze Flasche Sherry hineingeschüttet. Ein sehr ungezügeltes Völkchen, die Iren.«

»Nun, ich bin trotzdem nicht betrunken.« Ich richtete mich in den Kissen auf, so gut es ging. »Du hast mir einmal gesagt, dass man nicht betrunken ist, solange man noch stehen kann.«

»Du stehst aber nicht«, argumentierte er.

»Du aber. Und ich könnte es auch, wenn ich wollte. Versuch nicht ständig, das Thema zu wechseln. Wir hatten von deiner Festigkeit gesprochen.«

»Nun, du kannst einfach aufhören, davon zu sprechen, weil …« Er brach mit einem kleinen Ausruf ab, weil es mir gelang, mit der linken Hand glücklich zu zielen.

»Ungeschickt, wie?«, sagte ich mit beträchtlicher Genugtuung. »Ach, du lieber Himmel. Du hast ein Problem, nicht wahr?«

»Könntest du mich loslassen?«, zischte er und sah sich hektisch nach der Tür um. »Es könnte jeden Moment jemand hereinkommen!«

»Ich habe dir doch gesagt, du hättest die Tür verriegeln sollen«, sagte ich, ohne loszulassen. Der Gegenstand in meiner Hand war alles andere als eine tote Barbe, sondern er legte beträchtliche Lebendigkeit an den Tag.

Er betrachtete mich mit zusammengekniffenen Augen und atmete durch die Nase.

»Ich würde nie gegenüber einer Kranken Gewalt anwenden«, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen, »aber du hast einen verdammt gesunden Griff für jemanden, der Fieber hat, Sassenach. Wenn du …«

»Ich habe dir doch gesagt, dass es mir bessergeht«, unterbrach ich ihn, »aber ich schlage dir eine Abmachung vor; du verriegelst die Tür, und ich beweise dir, dass ich nicht betrunken bin.« Mit großem Bedauern ließ ich los, um ihm mein Vertrauen zu beweisen. Einen Moment stand er da und starrte mich an, während er sich geistesabwesend die Stelle meines Angriffs auf seine Tugend rieb. Dann zog er eine Augenbraue hoch, wandte sich um und ging zur Tür, um sie zu verriegeln.

Als er sich wieder umdrehte, hatte ich es aus der Koje geschafft und stand – etwas wackelig zwar, aber aufrecht – an ihren Rahmen gelehnt. Er betrachtete mich kritisch.

»So wird das nicht gehen, Sassenach«, sagte er und schüttelte den Kopf. Seine Miene war voller Bedauern. »Bei dem Wellengang, den wir heute Abend haben, werden wir uns niemals aufrecht halten, und du weißt genau, dass ich schon alleine nicht in diese Koje passe, erst recht nicht zusammen mit dir.«

Der Wellengang war beträchtlich; die Laterne hing zwar ruhig an ihrem Schwenkarm, doch das Regal darüber wankte deutlich hin und her, während sich die Artemis hob und senkte. Ich konnte das leise Zittern der Planken unter meinen nackten Füßen spüren und wusste, dass Jamie recht hatte. Immerhin war er zu sehr abgelenkt, um seekrank zu werden.

»Wir haben immer noch den Fußboden«, schlug ich hoffnungsvoll vor. Er senkte den Blick auf den begrenzten Platz und runzelte die Stirn. »Das stimmt, aber wir müssten es wie Schlangen tun, Sassenach, und uns zwischen den Tischbeinen ineinander winden.«

»Das macht mir nichts aus.«

»Nein«, sagte er und schüttelte den Kopf, »es wäre nicht gut für deinen Arm.« Er rieb sich mit dem Fingerknöchel über die Unterlippe und überlegte. Sein Blick wanderte etwa auf Hüfthöhe zerstreut über meinen Körper hinweg, kehrte zurück, heftete sich fest und verschwamm. Das verflixte Hemd musste noch durchsichtiger sein, als mir bewusst war.

Ich beschloss, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, ließ den Rahmen der Koje los und wankte die beiden fehlenden Schritte auf ihn zu. Das Rollen des Schiffs warf mich in seine Arme, und er verlor seinerseits nur mit Mühe nicht das Gleichgewicht, während er mich fest um die Taille packte.

»Himmel«, sagte er, wankte, und dann senkte er so automatisch wie sehnsüchtig den Kopf und küsste mich.

Es war verblüffend. Ich war es gewohnt, in seiner Umarmung von Wärme eingehüllt zu sein; jetzt war ich es, die Hitze ausstrahlte, und er, der kühl war. Seiner Reaktion nach gefiel ihm diese neue Erfahrung genauso wie mir.

Weil mir das Schwindelgefühl alle Hemmungen raubte, biss ich ihn in den Hals und spürte, wie die Wellen der Hitze aus meinem Gesicht an seiner Kehle pulsierten. Er spürte es auch.

»Gott, das ist ja, als hätte man eine heiße Kohle in der Hand!« Seine Hände sanken tiefer und pressten mich an ihn.

»Fest, ja?«, sagte ich, und mein Mund ließ kurz los. »Zieh diesen Sack aus.« Ich ließ mich an seinem Körper hinuntergleiten und kniete mich vor ihn hin, um benommen mit dem Verschluss seiner Hose zu kämpfen. Er löste die Schnüre mit einem Ruck, und die Pluderhose flatterte mit einem Windhauch zu Boden.

Ich wartete nicht ab, bis er sein Hemd auszog; ich hob es einfach hoch und nahm ihn mir. Er stieß einen erstickten Laut aus, und seine Hände senkten sich auf meinen Kopf, als wollte er mich zügeln, hätte aber die Kraft nicht.

»O Gott!«, sagte er. Seine Hände griffen fester in mein Haar, aber nicht, um mich von sich zu schieben. »So muss die Liebe in der Hölle sein«, flüsterte er. »Mit einer brennenden Teufelin.«

Ich lachte, was unter den Umständen extrem schwierig war. Ich bekam keine Luft und wich einen Moment zurück.

»Meinst du, das ist es, was ein Sukkubus macht?«

»Ich würde es keine Sekunde bezweifeln«, versicherte er mir. Seine Hände lagen immer noch in meinem Haar und drängten mich wieder zu sich.

An der Tür ertönte ein Klopfen, und er erstarrte. Ich nicht, denn ich war mir ja sicher, dass die Tür verriegelt war.

»Aye? Was ist denn?«, sagte er bemerkenswert ruhig für einen Mann in seiner Lage.

»Fraser?«, kam Lawrence Sterns Stimme durch die Tür. »Der Franzose sagt, der Schwarze schläft, ob er jetzt zu Bett gehen darf?«

»Nein«, sagte Jamie knapp. »Sagt ihm, er soll bleiben, wo er ist; ich komme gleich und löse ihn ab.«

»Oh.« Sterns Stimme klang etwas zögerlich. »Gewiss doch. Seine … ähm, seine Frau scheint … darauf zu drängen, dass er jetzt kommt.«

Jamie atmete scharf ein.

»Sagt ihr«, sagte er mit einem kleinen Unterton der Anstrengung, »er kommt … sofort.«

»Ich richte es aus.« Stern klang skeptisch, wie Marsali diese Neuigkeit wohl aufnehmen würde, doch dann erhellte sich sein Ton. »Äh … geht es Mrs. Fraser etwas besser?«

»Viel besser«, sagte Jamie mit Nachdruck.

»Hat ihr die Schildkrötensuppe geschmeckt?«

»Sehr. Ich danke Euch.« Seine Hände zitterten auf meinem Kopf.

»Habt Ihr ihr erzählt, dass ich den Panzer für sie aufbewahrt habe? Es war eine schöne Karettschildkröte; ein Prachtexemplar.«

»Aye. Aye, das habe ich.« Mit einem lauten Keuchen wich Jamie zurück und zog mich zum Stehen hoch.

»Gute Nacht, Mr. Stern!«, rief er. Er zog mich auf die Koje zu; wir bemühten uns mit vier Beinen, nicht gegen das Mobiliar zu stoßen, während sich der Boden unter uns hob und senkte.

»Oh.« Lawrence klang leise enttäuscht. »Dann schläft Mrs. Fraser wohl schon?«

»Wenn du lachst, erwürge ich dich«, zischte Jamie mir ins Ohr. »Ja, Mr. Stern«, rief er durch die Tür. »Ich grüße sie morgen früh von Euch, aye?«

»Ich hoffe, sie schläft gut. Die See scheint heute Abend etwas rauh zu sein.«

»Es … ist mir aufgefallen, Mr. Stern.« Er drückte mich vor der Koje auf die Knie, kniete sich hinter mich und tastete nach meinem Hemdsaum. Ein kühler Windhauch wehte mir aus dem offenen Fenster über die nackten Gesäßbacken, und mir lief ein Schauder über die Rückseiten der Oberschenkel.

»Solltet Ihr oder Mrs. Fraser unter dem Auf und Ab leiden, habe ich ein großartiges Heilmittel zur Hand – eine Mischung aus Beifuß, Fledermausdung und der Frucht der Mangrove. Ihr braucht wirklich nur zu fragen.«

Im ersten Moment antwortete Jamie nicht.

»O Himmel!«, flüsterte er. Ich biss kräftig in die Bettwäsche.