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»Mr. Fraser?«

»Ich sagte ›danke‹!«, erwiderte Jamie und erhob die Stimme.

»Nun, dann wünsche ich Euch einen schönen Abend.«

Jamie atmete mit einem langen Schauder aus, der nicht ganz ein Stöhnen war.

»Mr. Fraser?«

»Guten Abend, Mr. Stern!«, bellte Jamie.

»Oh! Äh … guten Abend.«

Sterns Schritte entfernten sich im Gang und gingen im Lärm der Wellen unter, die jetzt laut an die Bordwand klatschten. Ich spuckte die Bettdecke wieder aus.

»O … mein … Gott!«

Seine Hände lagen groß und hart und kühl auf meiner heißen Haut.

»Du hast den rundesten Arsch, den ich je gesehen habe!«

Da ein Schlingern der Artemis seinen Bemühungen an diesem Punkt unziemlich zu Hilfe kam, kreischte ich auf.

»Schsch!« Er hielt mir eine Hand vor den Mund, beugte sich über mich, so dass er über meinem Rücken lag, das wallende Leinen seines Hemds rings um mich niederfiel und mich sein Gewicht auf das Bett drückte. Meine vom Fieber erregte Haut reagierte auf die leiseste Berührung, und ich zitterte in seinen Armen, während die Hitze aus meinem Inneren bei seiner Bewegung nach außen strömte.

Dann waren seine Hände unter mir und umklammerten meine Brüste, der einzige Anker, während sich meine Grenzen auflösten und sich jeder bewusste Gedanke im Chaos der Empfindungen verlor – der warmen Feuchtigkeit der zerwühlten Bettwäsche unter mir, dem kalten Seewind und der Gischt der rauhen Wellen, die über uns hinwegsprühte, Jamies keuchendem warmem Atem in meinem Nacken und dem plötzlichen Prickeln von heiß und kalt, als mein Fieber in der Flut des gestillten Verlangens brach.

Jamies Gewicht ruhte auf meinem Rücken, seine Oberschenkel hinter den meinen. Es war warm und schön. Nach einer langen Weile begann er, leichter zu atmen, und er erhob sich von mir. Die dünne Baumwolle meines Hemds war feucht, und ich erschauerte, als der Wind sie mir von der Haut zupfte.

Jamie schloss abrupt das Fenster, dann bückte er sich und hob mich auf wie eine Stoffpuppe. Er legte mich in die Koje und zog die Decke über mich.

»Wie geht es deinem Arm?«, fragte er.

»Welchem Arm?«, murmelte ich verschlafen. Ich fühlte mich, als wäre ich eingeschmolzen und zum Abkühlen in eine Form gegossen worden.

»Gut«, sagte er mit einem Lächeln in der Stimme. »Kannst du stehen?«

»Um nichts in der Welt.«

»Ich sage Murphy, dass dir die Suppe geschmeckt hat.« Seine Hand ruhte flüchtig auf meiner kühlen Stirn und fuhr mir liebkosend über die Wange, dann war sie fort. Ich hörte nicht, wie er ging.

Kapitel 57

Gelobtes Land

Das ist doch Verfolgung!«, sagte Jamie entgeistert. Er stand hinter mir und blickte über die Reling der Artemis hinweg. Links von uns leuchtete der Hafen von Kingston im Morgenlicht wie flüssiger Saphir, während die Stadt darüber halb im Dschungelgrün versank, kleine Würfel aus vergilbtem Elfenbein und Rosenquarz, prunkvoll eingefasst in Smaragd und Malachit. Und auf dem himmelblauen Busen des Wassers schwamm majestätisch ein großer Dreimaster, dessen gereffte Segel weiß wie Möwenflügel schimmerten, der seine Kanonendecks stolz präsentierte und dessen Messing in der Sonne glänzte. Die HMS Porpoise.

»Das verflixte Schiff verfolgt mich«, sagte er und funkelte es aufgebracht an, während wir in diskretem Abstand außerhalb der Hafenmündung vorübersegelten. »Ich kann gehen, wohin ich will, immer ist es schon da!«

Ich lachte, obwohl mich der Anblick der Porpoise in Wahrheit ebenfalls etwas nervös machte.

»Ich glaube nicht, dass es etwas Persönliches ist«, sagte ich zu ihm. »Kapitän Leonard hat gesagt, sie wären nach Jamaica unterwegs.«

»Aye, und warum konnten sie nicht einfach nach Antigua fahren, wo die Kasernen und Docks der Marine sind, erst recht angesichts der Schwierigkeiten, in denen du sie zurückgelassen hast?«

»Sie mussten zuerst hierherfahren«, erklärte ich. »Sie hatten einen neuen Gouverneur für die Kolonie an Bord.« Ich empfand ein absurdes Bedürfnis, mich hinter die Reling zu ducken, obwohl ich wusste, dass aus dieser Entfernung selbst Jamies rotes Haar nicht zu erkennen sein würde.

»Aye? Ich frage mich, wer das wohl ist?«, sagte Jamie geistesabwesend; es fehlte keine Stunde mehr bis zu unserer Ankunft auf Jareds Plantage in der Sugar Bay, und ich wusste, dass er mit Plänen für die Suche nach Ian beschäftigt war.

»Ein Mann namens Grey«, sagte ich und wandte mich von der Reling ab. »Netter Kerl; ich bin ihm ganz kurz auf dem Schiff begegnet.«

»Grey?« Jamie sah mich verblüfft an. »Doch nicht zufällig Lord John Grey?«

»Ja, das war sein Name. Warum?« Ich sah neugierig zu ihm auf. Sein Blick war mit ganz neuem Interesse auf die Porpoise gerichtet.

»Warum?« Er hörte mich erst, als ich die Frage zum zweiten Mal wiederholte, und lächelte mich an. »Oh. Es ist nur, dass ich Lord John kenne; er ist ein Freund von mir.«

»Tatsächlich?« Ich war eigentlich kaum überrascht. Jamies Freundeskreis hatte schon den französischen Finanzminister und Charles Stuart genauso umfasst wie schottische Bettler und französische Taschendiebe. Vermutlich war es kaum erwähnenswert, dass er jetzt auch englische Aristokraten ebenso zu seinen Bekannten zählte wie Highlandschmuggler und irische Schiffsköche.

»Was für ein Glück«, sagte ich. »Zumindest gehe ich davon aus. Woher kennst du denn Lord John?«

»Er war Gefängnisverwalter in Ardsmuir«, erwiderte er, und damit überraschte er mich doch noch. Seine zusammengekniffenen Augen waren immer noch nachdenklich auf die Porpoise gerichtet.

»Und er ist dein Freund?« Ich schüttelte den Kopf. »Ich werde die Männer nie verstehen.«

Endlich wandte er sich von dem englischen Schiff ab und lächelte mich an.

»Nun, Freunde sind da, wo man sie findet, Sassenach«, sagte er. Er blinzelte zum Ufer hinüber und hielt sich schützend die Hand über die Augen. »Hoffen wir, dass sich diese Mrs. Abernathy ebenfalls als Freundin entpuppt.«

Als wir die Spitze der Landzunge umrundeten, tauchte eine schlanke schwarze Gestalt an der Reling auf. In Seemannskleidern, die seine Narben verbargen, sah Ishmael weniger wie ein Sklave und sehr viel mehr wie ein Pirat aus. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich, wie viel von dem, was er uns erzählt hatte, tatsächlich die Wahrheit war.

»Ich gehe jetzt«, verkündete er abrupt.

Mit hochgezogener Augenbraue blickte Jamie über die Reling in die sanften blauen Tiefen hinunter.

»Lasst Euch von mir nicht aufhalten«, sagte er höflich. »Aber hättet Ihr nicht lieber ein Boot?«

Etwas, das Humor hätte sein können, glitzerte flüchtig in den Augen des Schwarzen auf, ohne jedoch an seine strenge Miene zu rühren.

»Ihr sagt, setzt mich an Land, wo ich will, ich erzähle Euch von Jungen«, sagte er. Er wies kopfnickend auf die Insel, wo sich der Wildwuchs des Dschungels über einen Hügel ergoss, bis er im flachen Wasser auf sein eigenes grünes Spiegelbild traf. »Da will ich hin.«

Jamie ließ den Blick nachdenklich von dem unbewohnten Ufer zu Ishmael schweifen, dann nickte er.

»Ich werde anordnen, dass man ein Boot zu Wasser lässt.« Er setzte sich Richtung Kajüte in Bewegung. »Außerdem habe ich Euch Gold versprochen, nicht wahr?«

»Will das Gold nicht, Mann.« Es war Ishmaels Ton genauso sehr wie seine Worte, der Jamie abrupt innehalten ließ. Er sah den Schwarzen voll Neugier an, jedoch vermischt mit einer gewissen Reserviertheit.

»Ihr denkt an etwas anderes?«

Ishmael nickte ruckartig mit dem Kopf. Er machte zwar äußerlich keinen nervösen Eindruck, doch ich bemerkte den Schweiß, der trotz des milden Mittagswinds auf seinen Schläfen glänzte.

»Den einarmigen Neger will ich haben.« Er starrte Jamie trotzig an, als er das sagte, doch unter der selbstbewussten Fassade lauerte etwas Zurückhaltendes.