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»Aye, ich weiß«, sagte er zu ihr und zupfte sacht an der Leine. »Aber sie bezahlen mich dafür, dass ich das sage.«

Dann waren sie in der neuen Furche unterwegs, und es gab nichts mehr zu tun, bis sie den Wagen am Fuß des Feldes erreichten, der mit Mist zum Nachfüllen der Walze beladen war. Jetzt kam die Sonne von vorn; er schloss die Augen und genoss das Gefühl der Wärme auf seiner bloßen Brust und seinen Schultern.

Eine Viertelstunde später riss ihn das schrille Wiehern eines Pferdes aus seiner Schläfrigkeit. Als er die Augen öffnete, konnte er den Reiter, der von der Koppel weiter unten kam, fein säuberlich eingerahmt zwischen Blossoms Ohren sehen. Hastig fuhr er auf und zog sich das Hemd wieder über den Kopf.

»Nur keine Scham um meinetwillen, MacKenzie.« Geneva klang schrill und etwas atemlos, als sie ihre Stute neben der rollenden Walze zum Schritt parierte.

»Mmpfm.« Er sah, dass sie ihr bestes Reitkostüm trug und eine Cairngormbrosche angesteckt hatte, und die Röte in ihrem Gesicht war nicht allein dem warmen Wetter geschuldet.

»Was macht Ihr hier?«, fragte sie, nachdem sie einige Meter weitergerollt und -geritten waren.

»Ich verteile Scheiße, Mylady«, antwortete er wahrheitsgemäß, ohne sie anzusehen.

»Oh.« Sie ritt eine halbe Furche weiter, ehe sie einen weiteren Versuch unternahm, ein Gespräch zu beginnen.

»Wusstet Ihr, dass ich verheiratet werden soll?«

Er wusste es; sämtliche Dienstboten wussten es seit einem Monat, da Richards, der Butler, in der Bibliothek Erfrischungen gereicht hatte, als der Anwalt aus Derwentwater kam, um den Ehekontrakt aufzusetzen. Lady Geneva war vor zwei Tagen davon unterrichtet worden. Ihrer Zofe Betty zufolge war die Nachricht nicht gut aufgenommen worden.

Er beschränkte sich auf einen unverbindlichen Grunzlaut.

»Mit Ellesmere«, sagte sie. Die Röte ihrer Wangen nahm zu, und ihre Lippen pressten sich zusammen.

»Ich wünsche Euch alles Glück der Welt, Mylady.« Jamie zog kurz an den Leinen, als sie das Ende des Feldes erreichten. Er war von seinem Sitz gestiegen, noch ehe Bess richtig stand; er hegte nicht den Wunsch, sich länger mit Lady Geneva zu unterhalten, deren Laune ihm sehr gefährlich vorkam.

»Glück!«, rief sie aus. Ihre großen grauen Augen blitzten, und sie schlug sich auf den Oberschenkel ihres Kostüms. »Glück! Eine Ehe mit einem Mann, der so alt ist, dass er mein Großvater sein könnte?«

Jamie verzichtete darauf zu sagen, dass Graf Ellesmeres Aussichten auf Glück um einiges beschränkter waren als die ihren. »Verzeihung, Mylady«, murmelte er stattdessen und trat hinter das Fahrgestell, um die Walze zu lösen.

Sie stieg ab und folgte ihm. »Es ist ein schmutziger Handel zwischen meinem Vater und Ellesmere! Er verkauft mich, das ist es. Meinem Vater liegt nicht das Geringste an mir, sonst hätte er mich niemals so verkuppelt! Glaubt Ihr nicht auch, dass man mich nur benutzt?«

Im Gegenteil, Jamie glaubte, dass Lord Dunsany, ein äußerst hingebungsvoller Vater, vermutlich den bestmöglichen Ehemann für seine verwöhnte älteste Tochter gefunden hatte. Der Graf von Ellesmere war ein alter Mann. Man konnte davon ausgehen, dass Geneva in wenigen Jahren als extrem wohlhabende junge Witwe dastehen würde, noch dazu mit dem Titel einer Gräfin. Andererseits war es natürlich denkbar, dass solche Überlegungen für eine willensstarke junge Frau von siebzehn Jahren – ein stures, verwöhntes Aas, verbesserte er sich angesichts ihrer bockigen Miene – keine Rolle spielten.

»Ich bin sicher, dass Euer Vater stets in Eurem Interesse handelt, Mylady«, antwortete er hölzern. Konnte das kleine Biest denn nicht verschwinden?

Nein. Nachdem sie eine gewinnendere Miene aufgesetzt hatte, kam sie näher und blieb so dicht neben ihm stehen, dass sie ihm beim Öffnen der Walze im Weg war.

»Aber eine Ehe mit so einem vertrockneten alten Mann?«, sagte sie. »Es ist doch wohl herzlos von Vater, mich einer solchen Kreatur zu überlassen.« Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um zu Jamie aufzublicken. »Wie alt seid Ihr, MacKenzie?«

Im ersten Moment setzte sein Herzschlag aus.

»Einiges älter als Ihr, Mylady«, sagte er entschlossen. »Verzeihung, Milady.« Er schlüpfte an ihr vorbei, so gut es ging, ohne sie zu berühren, und sprang auf den Mistwagen auf, weil er sich hinreichend sicher war, dass sie ihm dorthin nicht folgen würde.

»Aber noch nicht reif für den Abdecker, oder, MacKenzie?« Jetzt stand sie vor ihm und hielt sich die Hand über die Augen, um zu ihm hinaufzublinzeln. Leichter Wind war aufgekommen, und das Kastanienhaar wehte ihr in Strähnen um das Gesicht. »Seid Ihr je verheiratet gewesen, MacKenzie?«

Er biss die Zähne zusammen, überwältigt von dem Drang, ihr eine Schaufel voll Mist über den rotbraunen Kopf zu kippen, doch er beherrschte sich und stieß die Schaufel in den Haufen. »Ja«, sagte er nur, in einem Ton, der sich jede weitere Frage verbat.

Lady Geneva interessierte sich nicht für die Gefühle anderer Menschen. »Gut«, sagte sie zufrieden. »Dann wisst Ihr ja, was zu tun ist.«

»Zu tun?« Er hielt beim Graben inne, einen Fuß auf die Schaufel gestützt.

»Im Bett«, sagte sie ruhig. »Ich will, dass Ihr mit mir ins Bett geht.«

Er war so erschrocken, dass er an nichts anderes denken konnte als an das lächerliche Bild der eleganten Geneva, die mit den Röcken über dem Gesicht breitbeinig in den streng riechenden Krümeln des Mistwagens lag.

Er ließ die Schaufel los. »Hier?«, krächzte er.

»Nein, Dummkopf«, sagte sie ungeduldig. »Im Bett, in einem richtigen Bett. In meinem Schlafzimmer.«

»Ihr habt den Verstand verloren«, sagte Jamie kalt, und sein Schreck ließ ein wenig nach. »Zumindest würde ich das denken, wenn Ihr einen Verstand hättet, den Ihr verlieren könntet.«

Ihr Gesicht brannte, und ihre Augen wurden schmal. »Wie könnt Ihr es wagen, so mit mir zu sprechen?«

»Wie könnt Ihr es wagen, so mit mir zu sprechen?«, erwiderte Jamie hitzig. »Ein Mädchen von siebzehn, das einem Mann, der doppelt so alt ist wie sie, unsittliche Angebote macht. Noch dazu einem Stallknecht im Haus ihres Vaters?«, fügte er hinzu, weil er sich jetzt darauf besann, wer er war. Er schluckte jede weitere Bemerkung hinunter, weil er sich gleichzeitig darauf besann, dass dieses fürchterliche Mädchen Lady Geneva war und er der Stallknecht ihres Vaters.

»Ich bitte um Verzeihung, Mylady«, sagte er und unterdrückte mühsam seine Wut. »Die Sonne brennt heute sehr heiß, und sie hat gewiss Eure Gedanken ein wenig durcheinandergebracht. Ich denke, Ihr solltet nach Hause gehen und Eure Zofe bitten, Euch kalte Tücher auf die Stirn zu legen.«

Lady Geneva stampfte mit dem in feines Leder gekleideten Fuß auf. »Meine Gedanken sind nicht im Geringsten durcheinander!«

Sie funkelte zu ihm auf und schob das Kinn vor. Ihr Kinn war klein und spitz, genau wie ihre Zähne, und mit dieser entschlossenen Miene wirkte sie ganz wie der sturköpfige Drache, der sie seiner Meinung nach war.

»Hört mir zu«, sagte sie. »Ich kann diese abscheuliche Ehe nicht verhindern. Aber«, sie zögerte, dann fuhr sie entschlossen fort, »der Teufel soll mich holen, wenn ich es zulasse, dass ich meine Jungfräulichkeit an ein ekelhaftes, perverses altes Ungeheuer wie Ellesmere verliere!«

Jamie rieb sich den Mund. Er empfand unwillkürlich ein gewisses Mitgefühl mit ihr. Doch der Teufel sollte ihn holen, wenn er zuließ, dass ihn diese Irre in ihre Probleme hineinzog.

»Ich bin mir der Ehre zutiefst bewusst, Mylady«, sagte er schließlich voll Ironie, »aber ich kann wirklich nicht …«

»Doch, das könnt Ihr.« Ihr Blick ruhte unverblümt auf der Vorderseite seiner verdreckten Hose. »Zumindest sagt Betty das.«