Dann wurden die forschenden Hände kühner. Sie glitten über die Rundungen seiner breiten Schultern, glitten an seinem Rücken hinunter – und erstarrten. Er schloss die Augen und wartete, während er ihren Bewegungen anhand der Gewichtsverlagerung auf der Matratze folgte. Sie begab sich hinter ihn und schwieg. Dann folgte ein bebender Seufzer, und die Hände berührten ihn erneut, sanft auf seinem entstellten Rücken.
»Und Ihr hattet keine Angst, als ich gesagt habe, ich lasse Euch auspeitschen?« Ihre Stimme war seltsam heiser, doch er regte sich nicht und hielt die Augen geschlossen.
»Nein«, sagte er. »Ich empfinde kaum noch Angst.« Allerdings bekam er allmählich doch Angst, dass er nicht in der Lage sein würde, die Finger von ihr zu lassen oder sie mit der nötigen Sanftheit zu behandeln, wenn es so weit war. Seine Hoden schmerzten vor Verlangen, und er konnte seinen Herzschlag in den Schläfen hämmern spüren.
Sie stieg vom Bett und stellte sich vor ihn hin. Er erhob sich plötzlich, was sie so erschreckte, dass sie einen Schritt zurückwich, doch er streckte die Hände aus und legte sie auf ihre Schultern.
»Darf ich Euch berühren, Mylady?« Seine Worte waren mit leisem Spott versetzt, doch seine Berührung war es nicht. Sie nickte, zu atemlos zum Sprechen, und seine Arme legten sich um sie.
Er hielt sie an seine Brust und bewegte sich nicht, bis sie langsamer atmete. Er war sich einer außergewöhnlichen Mischung von Gefühlen bewusst. Noch nie im Leben hatte er eine Frau in die Arme genommen, ohne Liebe zu empfinden, es gab keine Liebe bei diesem Zusammentreffen, und das musste auch so sein, um ihretwillen. Zärtlichkeit angesichts ihrer Jugend und Mitleid mit ihrer Lage. Wut über die Art, wie sie ihn manipuliert hatte, und Angst angesichts der Dimension des Verbrechens, das er im Begriff war zu begehen. Doch über allem lag eine grauenvolle Lust, ein Begehren, das an seinem Inneren zerrte und ihn mit Scham über die eigene Männlichkeit erfüllte, deren Macht er doch nicht verleugnen konnte. Von Selbsthass erfüllt, senkte er den Kopf und nahm ihr Gesicht in seine Hände.
Er küsste sie, sanft, kurz, dann ein wenig länger. Sie zitterte unter seiner Berührung, als seine Hände die Schleife ihres Gewandes lösten und es ihr von den Schultern gleiten ließen. Er hob sie auf und legte sie auf das Bett.
Er legte sich neben sie und umfing sie mit einem Arm, während er mit der anderen Hand ihre Brüste liebkoste, eine und dann die andere umfasste, so dass sie das Gewicht und die Wärme so spürte wie er.
»Ein Mann sollte Eurem Körper Tribut zollen«, sagte er leise, während er mit kleinen, kreisenden Berührungen ihre Brustwarzen aufrichtete. »Denn Ihr seid eine Schönheit, und das ist Euer Recht.«
Sie atmete mit einem kleinen Keuchlaut aus, dann entspannte sie sich unter seiner Berührung. Er ließ sich Zeit, bewegte sich so langsam, wie er es über sich brachte, streichelte und küsste sie, berührte sie überall sacht. Er mochte das Mädchen nicht, wollte nicht hier sein, wollte das nicht tun, doch … es war über drei Jahre her, dass er den Körper einer Frau berührt hatte.
Er versuchte abzuschätzen, wann der Moment für sie am besten war, doch wie zum Teufel konnte er das sagen? Sie war errötet und keuchte, doch sie lag einfach nur da wie ein zur Schau gestelltes Stück Porzellan. Verflixtes Mädchen, konnte sie ihm denn keinen Hinweis geben?
Mit zitternder Hand fuhr er sich durch das Haar, während er versuchte, den Wirrwarr der Gefühle zu unterdrücken, der mit jedem Herzschlag durch ihn hindurchpulsierte. Er war wütend; er hatte Angst, und er war furchtbar erregt, und die meisten dieser Gefühle nutzten ihm im Moment herzlich wenig. Er schloss die Augen und atmete tief, um Ruhe zu bewahren und sanft zu bleiben.
Nein, natürlich konnte sie es ihm nicht zeigen. Sie hatte noch nie einen Mann berührt. Nachdem sie ihn mit Gewalt in ihr Bett geholt hatte, überließ sie ihm vertrauensvoll – verdammt, verwünscht und unverantwortlich vertrauensvoll – den ganzen Rest.
Sanft berührte er das Mädchen und streichelte sie zwischen den Oberschenkeln. Sie öffnete sie zwar nicht für ihn, doch sie leistete auch keinen Widerstand. Sie war ein kleines bisschen feucht. Vielleicht würde es jetzt gehen?
»Also schön«, murmelte er ihr zu. »Still jetzt, mo chridhe.« Mit gemurmelten Worten, die hoffentlich beruhigend klangen, senkte er sich auf sie und benutzte sein Knie, um ihr die Beine zu spreizen. Er spürte sie sacht zusammenfahren, als sich seine Körperwärme über sie legte und sein Glied sie berührte, und er schlang seine Hände in ihr Haar, um sie festzuhalten, während er weiter gälische Liebkosungen murmelte.
Er dachte dumpf, dass es gut war, dass er Gälisch sprach, da er längst nicht mehr darauf achtete, was er sagte. Ihre kleinen festen Brüste drückten gegen seine Brust.
»Mo nighean«, murmelte er.
»Einen Moment«, sagte Geneva. »Ich glaube, vielleicht …«
Ihm wurde schwindelig vor Anstrengung, sich zu beherrschen, doch er zwang sich zur Langsamkeit und drang nur zentimeterweise vorsichtig in sie ein.
»Ooh!«, sagte Geneva. Ihre Augen wurden groß.
»Ah«, sagte er und schob sich etwas weiter.
»Halt! Er ist zu groß! Nehmt ihn heraus!« In Panik schlug Geneva unter ihm um sich. Ihre Brüste, die unter seiner Brust festgedrückt waren, bewegten sich und rieben sich an ihm, so dass sich seine Brustwarzen abrupt und überwältigt aufrichteten wie Stecknadelköpfe.
Ihre Gegenwehr vollendete mit Gewalt, was er mit Sanftheit versucht hatte. Halb benommen kämpfte er darum, sie unter sich zu halten, während er verzweifelt nach Worten suchte, um sie zu beruhigen.
»Aber …«, sagte er.
»Aufhören!«
»Ich …«
»Nehmt ihn heraus!«, schrie sie.
Er legte ihr eine Hand auf den Mund und sagte das einzig Vernünftige, was ihm einfiel.
»Nein«, sagte er entschlossen und stieß zu.
Was ein Schrei hätte sein können, drang als ersticktes »Iep!« durch seine Finger. Genevas Augen waren riesig und rund, aber trocken.
Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. Völlig absurderweise driftete ihm dieses Sprichwort durch den Kopf, dann folgte nur noch ein Wirrwarr zusammenhangloser Alarmsignale, gepaart mit einem grauenvollen Drängen. Es gab exakt eines, was er an diesem Punkt zu tun imstande war, und das tat er. Sein Körper übernahm rücksichtslos die Kontrolle und verfiel in den Rhythmus seiner unaufhaltsamen gottlosen Freude.
Mehr als ein paar Stöße waren nicht nötig, ehe ihn die Woge überkam, die an seinem Rückgrat entlangrollte und sich dann brach wie die Brandung auf den Felsen und die letzten Fetzen bewussten Denkens mitriss, die sich noch wie Seepocken an die Überbleibsel seines Verstandes klammerten.
Als er einen Moment später zu sich kam, lag er auf der Seite, und das Herz schlug ihm laut und langsam in den Ohren. Er öffnete ein Lid und sah rosige Haut im Lampenschein aufschimmern. Er musste nachsehen, ob er ihr sehr weh getan hatte, aber Gott, nicht in diesem Moment. Er schloss das Auge wieder und atmete nur.
»Was … was denkt Ihr gerade?« Die Stimme klang zögernd und ein wenig mitgenommen, aber nicht hysterisch.
Da er selbst zu mitgenommen war, um die Absurdität dieser Frage zu bemerken, beantwortete er sie mit der Wahrheit.
»Ich habe mich gefragt, warum in Gottes Namen Männer mit Jungfrauen schlafen wollen.«
Es folgte kurzes Schweigen und dann ein bebendes Luftholen.
»Es tut mir leid«, sagte sie kleinlaut. »Ich wusste nicht, dass es Euch auch schmerzen würde.«
Erstaunt riss er die Augen auf, und als er sich auf seinen Ellbogen stützte, sah er, dass sie ihn anblickte wie ein aufgeschrecktes Rehkitz. Ihr Gesicht war blass, und sie leckte sich die trockenen Lippen.
»Mich?«, sagte er in blankem Erstaunen. »Ich hatte doch keine Schmerzen.«
»Aber«, sagte sie stirnrunzelnd und ließ den Blick der Länge nach über seinen Körper wandern, »es ist mir so vorgekommen. Ihr habt grauenvoll das Gesicht verzogen, als ob Ihr große Schmerzen hättet, und Ihr … habt gestöhnt wie ein …«