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Jamie blickte an sich hinunter und schnaubte kurz, doch er blätterte weiter, ohne den Donnerschlag im Freien mehr als flüchtig zu beachten. Er war so gefesselt, dass er die Geräusche unten im Stall zunächst kaum hörte, da der Klang der Stimmen im heftigen Rauschen und Prasseln des Regens auf den Brettern über seinem Kopf unterging.

»MacKenzie!« Schließlich drang ihm das wiederholte schallende Brüllen doch in das Bewusstsein, und er rollte sich hastig zum Stehen hoch und rückte sich die Kleider zurecht, während er auf die Leiter zuging.

»Aye?« Er schob den Kopf über die Kante des Heubodens, und sein Blick fiel auf Hughes, der gerade den Mund öffnete, um erneut zu brüllen.

»Oh, da seid Ihr ja.« Hughes schloss den Mund und winkte mit seiner knorrigen Hand. Dabei zuckte er zusammen. Bei feuchtem Wetter litt Hughes an fürchterlichem Rheuma; er hatte das Unwetter gemütlich in dem kleinen Zimmer neben der Sattelkammer verbracht, wo er ein Bett und einen Krug mit krudem Alkohol stehen hatte. Man konnte das Aroma auf dem Heuboden riechen, und es wurde deutlich kräftiger, als Jamie die Leiter hinunterstieg.

»Ihr sollt mithelfen, die Kutsche anzuspannen, um Lord Dunsany und Lady Isobel nach Ellesmere zu fahren«, trug Hughes ihm auf, sobald sein Fuß die Steinplatten des Stallbodens berührte. Der Alte, der leisen Schluckauf hatte, schwankte alarmierend.

»Jetzt? Seid Ihr verrückt, Mann? Oder nur betrunken?« Er richtete den Blick auf die offene Flügeltür hinter Hughes, die eine Wand aus fließendem Wasser zu sein schien. Im selben Moment wurde der Himmel von einem plötzlichen Blitz erhellt, der den Berg im Hintergrund als scharfen Umriss erscheinen ließ. Genauso plötzlich verschwand er wieder und hinterließ seinen Abdruck auf seiner Netzhaut. Er schüttelte den Kopf, um das Bild zu löschen, und sah Jeffries, den Kutscher, über den Hof stapfen, den Kopf gegen die Wucht von Wind und Wasser gesenkt, den Umhang fest um sich gezogen. Hughes hatte das Ganze also nicht im Suff ersonnen.

»Jeffries braucht Hilfe bei den Pferden!« Hughes war gezwungen, sich dicht zu ihm hinüberzubeugen und zu schreien, um sich im Tosen des Sturms Gehör zu verschaffen. Aus dieser Nähe warf ihn der Geruch nach rohem Alkohol beinahe um.

»Aye, aber warum? Warum muss Lord Dunsany – ach, zum Kuckuck!« Die Augen des Hauptknechts waren blutgerändert und aufgedunsen; er würde eindeutig kein vernünftiges Wort aus ihm herausbekommen. Angewidert schob sich Jamie an dem Mann vorbei und stieg die Leiter hinauf, wobei er immer zwei Sprossen auf einmal nahm.

Einen Moment, um sich in seinen abgenutzten Umhang zu hüllen, einen weiteren Moment, um das Buch, das er gelesen hatte, unter das Heu zu schieben – die Stalljungen hatten keinerlei Respekt vor dem Eigentum anderer –, und schon glitt er die Leiter wieder hinunter und schritt hinaus in den brüllenden Sturm.

Es war eine höllische Fahrt. Der Wind, der über den Pass brüllte, traf die unförmige Kutsche mit voller Wucht und drohte ständig sie umzustürzen. Er hockte oben neben Jeffries, und der Umhang, der ihn kaum vor dem peitschenden Regen schützte, erwies sich als noch weniger hilfreich, wenn er gezwungen war, vom Bock zu steigen – was alle paar Minuten der Fall zu sein schien – und die Schulter gegen das Rad zu stemmen, um das erbärmliche Konstrukt aus der Umklammerung eines Schlammlochs zu befreien.

Dennoch nahm er kaum Notiz von den körperlichen Unannehmlichkeiten der Reise, weil er in Gedanken ganz bei ihrer Ursache war. Es konnte nicht vieles geben, was so dringend war, dass es einen alten Mann wie Lord Dunsany an einem Tag wie diesem ins Freie trieb, geschweige denn auf die zerfurchte Straße nach Ellesmere. Sie hatten irgendetwas aus Ellesmere gehört, und es konnte nur Lady Geneva oder ihr Kind betreffen.

Als er die Dienstboten hatte tuscheln hören, dass Lady Geneva im Januar ein Kind erwartete, hatte er hastig zurückgerechnet, Geneva Dunsany ein weiteres Mal verflucht und dann ein hastiges Gebet für eine sichere Geburt gesprochen. Seitdem hatte er sich alle Mühe gegeben, nicht darüber nachzudenken. Er war nur drei Tage vor ihrer Hochzeit mit ihr zusammen gewesen; er konnte sich nicht sicher sein.

Eine Woche zuvor hatte sich Lady Dunsany nach Ellesmere begeben, um bei ihrer Tochter zu sein. Seitdem hatte sie täglich jemanden nach Hause geschickt, um die Dutzende von Dingen zu holen, die sie vergessen hatte und unbedingt brauchte, und jeder ihrer Boten hatte bei seiner Ankunft in Helwater berichtet, dass es noch keine Neuigkeiten gab. Jetzt gab es Neuigkeiten, und sie waren eindeutig schlecht.

Als er nach seinem jüngsten Kampf mit dem Schlamm wieder nach vorn ging, sah er Lady Isobels Gesicht unter der Mikascheibe hervorblinzeln, die das Fenster verschloss.

»Oh, MacKenzie«, sagte sie, und ihr Gesicht war vor Angst und Bestürzung verzerrt. »Bitte, ist es noch sehr weit?«

Er beugte sich dicht zu ihr hinüber, um ihr ins Ohr zu rufen – so laut war das Gurgeln und Rauschen der Rinnsale auf beiden Seiten der Straße.

»Jeffries sagt, es sind noch vier Meilen. Mylady! Zwei Stunden vielleicht.« Wenn das verdammte Höllengefährt nicht einschließlich seiner arglosen Passagiere von der Brücke von Ashness in den Watendlath Tarn kippte, fügte er im Stillen an sich selbst gerichtet hinzu.

Isobel bedankte sich mit einem Kopfnicken und schloss das Fenster, jedoch nicht, ehe er gesehen hatte, dass die Feuchtigkeit auf ihren Wangen genauso von Tränen wie vom Regen herrührte. Die Schlange aus unguten Gefühlen, die sich um sein Herz gewunden hatte, glitt in die Tiefe, um sich durch seine Eingeweide zu wühlen.

Es war eher drei Stunden später, als die Kutsche schließlich auf den Innenhof von Ellesmere rollte. Ohne zu zögern, sprang Lord Dunsany hinunter. Er hielt flüchtig inne, um seiner jüngeren Tochter den Arm zu reichen, dann eilte er ins Haus.

Es dauerte fast eine weitere Stunde, die Kutsche abzuspannen, die Pferde trocken zu reiben, die Räder von der Schlammkruste zu befreien und alles in Ellesmeres Stallungen zu verstauen. Taub vor Kälte, Erschöpfung und Hunger, suchten er und Jeffries Zuflucht und eine Stärkung in Ellesmeres Küche.

»Ihr Armen, Ihr seid ja ganz blau vor Kälte«, stellte die Köchin fest. »Setzt Euch hierhin, Ihr bekommt gleich einen warmen Bissen.« Sie war eine spindeldürre Frau mit einem spitzen Gesicht, doch ihre Erscheinung strafte ihr Können Lügen, denn innerhalb von Minuten wurde ihnen ein riesiges, herzhaftes Omelett aufgetischt, dazu reichlich Brot und Butter und ein Töpfchen Marmelade.

»Großartig, einfach großartig«, stellte Jeffries mit einem beifälligen Blick auf die Tafel fest. »Nicht, dass es nicht mit einem anständigen Tropfen besser hinunterginge, wie? Ihr seht aus, als könntet Ihr Erbarmen mit ein paar halb erfrorenen Kerlen haben, oder, meine Beste?«

Ob es seine irische Überzeugungskraft war oder der Anblick ihrer triefenden, dampfenden Kleider, seine Ansprache zeigte Wirkung, und neben der Pfeffermühle tauchte eine Flasche Kochbrandy auf. Jeffries schenkte sich einen großen Schluck ein und trank ihn ohne Zögern. Er schmatzte mit den Lippen.

»Ah, das ist besser! Hier, Kumpel.« Er schob Jamie die Flasche hinüber, dann machte er sich in aller Seelenruhe daran, seine warme Mahlzeit zu verspeisen und mit den weiblichen Dienstboten zu plaudern. »Also, was ist denn hier los? Ist das Baby schon geboren?«

»Oh ja, letzte Nacht!«, erzählte die Küchenmagd bereitwillig. »Wir sind die ganze Nacht auf gewesen, weil der Arzt ständig frische Laken und Handtücher wollte, und das ganze Haus war in Aufruhr. Aber das Baby ist das kleinste Problem!«

»Also«, warf die Köchin ein und runzelte tadelnd die Stirn. »Es gibt viel zu viel zu tun, um hier herumzustehen und zu tratschen. Ab mit dir, Mary Ann – hinauf ins Studierzimmer; sieh nach, ob Seine Lordschaft noch etwas braucht.«

Jamie, der gerade seinen Teller mit einer Brotscheibe abwischte, bemerkte, dass die Magd von diesem Tadel alles andere als getroffen war, sondern sich mit Feuereifer auf den Weg machte – woraus er schloss, dass im Studierzimmer irgendetwas von großem Interesse vor sich gehen musste.