Da sich die Köchin nun der ungeteilten Aufmerksamkeit ihrer Zuhörerschaft sicher war, ließ sie sich ohne großes Zaudern überreden, die Neuigkeiten zu berichten.
»Nun, es hat vor ein paar Monaten angefangen, als man es Lady Geneva anzusehen begann, der Armen. Seine Lordschaft war immer ganz reizend zu ihr gewesen und konnte nach der Hochzeit gar nicht genug für sie tun. Alles aus London bestellt, was sie wollte; ständig gefragt, ob ihr auch warm genug ist und ob ihr das Essen schmeckt – regelrecht vernarrt ist Seine Lordschaft gewesen. Aber dann, als er herausgefunden hat, dass sie schwanger war!« Die Köchin hielt inne, um eine vielsagende Miene zu ziehen.
Jamie hätte furchtbar gern gewusst, was mit dem Kind war; was war es, und wie ging es ihm? Doch es schien unmöglich zu sein, die Frau zur Eile zu treiben, also setzte er seine interessierteste Miene auf und beugte sich ermunternd vor.
»Oh, das Geschrei und die Streiterei!«, sagte die Köchin und warf theatralisch die Hände in die Luft. »Er hat herumgebrüllt, sie hat geweint, und beide sind hin und her gestampft und haben Türen geknallt, und er hat sie mit Worten beschimpft, die man nicht einmal im Stall wiederholen würde – also habe ich zu Mary Ann gesagt, als sie es mir erzählt hat …«
»Hat sich Seine Lordschaft denn nicht über das Kind gefreut?«, unterbrach Jamie. Unter seinem Brustbein verwandelte sich das Omelett in einen festen Klumpen. Er trank noch einen Schluck Brandy, um ihn aufzulösen.
Die Köchin sah ihn mit glänzenden Vogelaugen an und zog anerkennend die Augenbrauen hoch, weil er so schnell von Begriff war. »Nun, man hätte gedacht, dass er das wäre, nicht wahr? Aber nicht doch! Weit gefehlt«, fügte sie betont hinzu.
»Warum denn nicht?«, fragte Jeffries nicht mehr als vage interessiert.
»Er hat gesagt«, sagte die Köchin beinahe im Flüsterton angesichts der skandalösen Natur der Nachricht, »das Kind wäre nicht von ihm!«
Jeffries, der schon einiges von seinem zweiten Glas getrunken hatte, prustete ebenso verächtlich wie amüsiert. »Alter Bock und junges Mädchen? Kann schon sein, aber wie in aller Welt wollte Seine Lordschaft denn mit Sicherheit wissen, wessen Brut es war? Konnte doch genauso gut seins wie das jedes anderen sein, das kann doch nur die Lady sagen, oder?«
Die dünnen Lippen der Köchin dehnten sich zu einem boshaften Lächeln. »Oh, ich würde nicht sagen, dass er wusste, von wem es war – aber dass es nicht von ihm ist, könnte er schließlich mit Sicherheit sagen, oder?«
Jeffries starrte die Köchin an und lehnte sich zurück. »Was?«, sagte er. »Ihr wollt sagen, Seine Lordschaft … kann nicht?« Bei diesem köstlichen Gedanken zog sich ein breites Grinsen über sein wettergegerbtes Gesicht. Jamie spürte, wie ihm das Omelett hochkam, und trank hastig noch einen Schluck Brandy.
»Nun, ich kann das natürlich nicht sagen.« Der Mund der Köchin schloss sich sittsam, dann öffnete er sich breit, um hinzuzufügen, »aber die Kammerzofe hat gesagt, die Laken, die sie vom Hochzeitsbett abgezogen hat, waren noch so weiß wie vorher.«
Es war zu viel. Jamie unterbrach Jeffries’ entzücktes Kichern, indem er lautstark sein Glas abstellte und geradeheraus fragte: »Lebt das Kind noch?«
Die Köchin und Jeffries starrten ihn erstaunt an, doch nach der ersten Verblüffung antwortete die Köchin mit einem Nicken.
»Oh, ja, natürlich. Ein gesunder Prachtkerl, wie ich höre. Ich dachte, Ihr wüsstet es schon. Es ist seine Mutter, die tot ist.«
Dieser unverblümte Satz tauchte die Küche in Schweigen. Selbst Jeffries ließ sich vom Tod ernüchtern und war einen Augenblick still. Dann bekreuzigte er sich hastig, murmelte »Gott schenke ihrer Seele Frieden« und schluckte den Rest seines Brandys.
Jamie spürte, wie seine Kehle brannte, und konnte nicht sagen, ob es der Brandy war oder Tränen. Schreck und Schmerz schnürten ihm die Luft ab, als hätte er ein Garnknäuel verschluckt; es gelang ihm kaum zu krächzen: »Wann?«
»Heute Morgen«, sagte die Köchin und schüttelte traurig den Kopf. »Kurz vor der Mittagszeit, die Arme. Erst dachten sie, alles wäre gut, als das Baby geboren war. Mary Ann sagt, sie hat im Bett gesessen und den Kleinen im Arm gehalten und gelacht.« Sie seufzte schwer bei dem Gedanken. »Aber dann hat sie bei Tagesanbruch wieder angefangen zu bluten. Sie haben den Arzt zurückgeholt, und er ist gekommen, so schnell er konnte, aber …«
Sie wurde unterbrochen, weil die Tür krachend aufflog. Es war Mary Ann, die mit großen Augen dastand und vor Aufregung und Anstrengung keuchte.
»Euer Herr ruft nach Euch!«, platzte sie heraus und ließ die Augen zwischen Jamie und dem Kutscher hin- und herhuschen. »Beide, auf der Stelle, und, oh, Sir«, sie schluckte und nickte Jeffries zu, »er sagt, bringt um Gottes willen Eure Pistolen mit!«
Der Kutscher wechselte einen bestürzten Blick mit Jamie, dann sprang er auf und lief in Richtung der Stallungen los. Wie die meisten Kutscher hatte auch er ein Paar geladene Pistolen unter seinem Sitz liegen, um gegen Straßenräuber gewappnet zu sein.
Jeffries würde einige Minuten brauchen, um die Waffen zu holen, länger noch, wenn er sich erst vergewisserte, dass das nasse Wetter die Ladung nicht beeinträchtigt hatte. Jamie erhob sich und packte die zaudernde Dienstmagd am Arm.
»Führt mich zum Studierzimmer«, sagte er. »Auf der Stelle!«
Der Lärm erhobener Stimmen hätte ihn auch so zu dem Zimmer geführt, sobald er oben an der Treppe angelangt war. Er schob sich ohne Umschweife an Mary Ann vorbei, blieb aber einen Moment vor der Tür stehen, unsicher, ob er sofort eintreten oder auf Jeffries warten sollte.
»Dass Ihr die schiere, herzlose Unverfrorenheit besitzen könnt, solche Anschuldigungen zu äußern!«, sagte Dunsany, und die Stimme des alten Mannes zitterte vor Kummer und Wut. »Dabei ist mein armes Lamm in seinem Bett noch nicht einmal kalt! Rüpel, ungehobelter Klotz! Ich lasse es nicht zu, dass das Kind auch nur eine Nacht unter Eurem Dach verbringt!«
»Der kleine Bastard bleibt hier!«, rasselte Ellesmeres Stimme heiser. Auch einem deutlich weniger kundigen Beobachter wäre nicht entgangen, dass er ziemlich betrunken war. »Bastard oder nicht, er ist mein Erbe, und er bleibt bei mir! Ich habe ihn gekauft und bezahlt, und seine Mutter mag ja eine Hure gewesen sein, aber sie hat mir wenigstens einen Jungen geschenkt.«
»Fahrt zur Hölle!« Dunsanys Stimme hatte eine derart schrille Tonlage erreicht, dass sie kaum mehr als ein Quietschen war, doch seine Entrüstung war nicht zu überhören. »Gekauft? Ihr … Ihr … Ihr wagt es anzudeuten …«
»Ich deute gar nichts an.« Ellesmeres Stimme war zwar immer noch heiser, doch er hatte sie jetzt besser unter Kontrolle. »Ihr habt mir Eure Tochter verkauft – und zwar unter Vortäuschung falscher Tatsachen, wenn ich das anfügen darf«, krächzte er sarkastisch. »Ich habe dreißigtausend Pfund für eine Jungfrau aus gutem Hause bezahlt. Die erste Bedingung wurde nicht erfüllt, und ich möchte auch die zweite anzweifeln.« Das Geräusch einer Flüssigkeit drang durch die Tür, dann das eines Glases, das über eine hölzerne Tischplatte schabte.
»Ich möchte anmerken, dass Ihr bereits exzessiv getrunken habt, Sir«, sagte Dunsany. Seine Stimme bebte, so sehr versuchte er, seine Gefühle zu beherrschen. »Ich kann die widerlichen Verleumdungen, die Ihr über die Unberührtheit meiner Tochter äußert, nur Eurem unübersehbaren Rausch zuschreiben. Da dem so ist, werde ich meinen Enkelsohn an mich nehmen und gehen.«
»Oh, Euer Enkelsohn, ja?«, lallte Ellesmere verächtlich. »Ihr scheint Euch ja der ›Unberührtheit‹ Eurer Tochter verdammt sicher zu sein. Sicher, dass der Balg nicht von Euch ist? Sie hat gesagt …«
Er brach seinen Satz mit einem Ausruf des Erstaunens ab, der von einem Knall begleitet wurde. Weil er es nicht wagte, noch länger zu warten, stürzte sich Jamie durch die Tür und fand Ellesmere und Lord Dunsany auf dem Kaminläufer vor, wo sie ineinander verschlungen in einem Knäuel aus Kleidern und Gliedmaßen hin- und herrollten, ohne die Nähe des Feuers zu beachten.