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»Oh, viele Menschen. Meine Familie in den Highlands – meine Schwester und ihre Familie. Freunde. Meine Frau.« Und manchmal brannte die Kerze im Gedenken an eine junge, übermütige Frau namens Geneva, aber das sagte er nicht.

Willie runzelte die Stirn. »Ihr habt doch gar keine Frau.«

»Nein. Jetzt nicht mehr. Aber ich denke immer an sie.«

Willie streckte seinen stumpfen Zeigefinger aus und berührte die kleine Statue vorsichtig. Die Hände der Frau waren einladend ausgebreitet, und ihr hübsches Gesicht strahlte sanfte Mütterlichkeit aus.

»Ich möchte auch ein stinkender Papist werden«, sagte Willie entschlossen.

»Das geht aber nicht!«, rief Jamie aus, halb belustigt, halb berührt. »Deine Großmutter und deine Tante würden verrückt werden.«

»Hätten sie Schaum vor dem Mund wie der verrückte Fuchs, den Ihr getötet habt?« Willies Gesicht erhellte sich.

»Es würde mich nicht wundern«, sagte Jamie trocken.

»Ich will es tun!« Das kleine, klare Gesicht trug jetzt eine entschiedene Miene. »Ich werde es Großmutter oder Tante Isobel nicht erzählen. Bitte, Mac! Bitte lasst mich doch! Ich möchte so sein wie Ihr!«

Jamie zögerte, gerührt vom Ernst des Jungen und plötzlich von dem Wunsch erfüllt, seinen Sohn mit mehr zurückzulassen als dem Holzpferd, das er ihm als Abschiedsgeschenk geschnitzt hatte. Er versuchte, sich zu erinnern, was Vater McMurtry ihnen in der Schule über die Taufe erzählt hatte. Er glaubte, dass ein Laie sie ausführen konnte, wenn ein Notfall vorlag und kein Priester in der Nähe war.

Es mochte zwar etwas übertrieben sein, die gegenwärtige Situation als Notfall zu bezeichnen, aber … ein plötzlicher Impuls ließ ihn nach dem Krug mit Wasser greifen, den er auf der Fensterbank stehen hatte.

Die Augen, die wie die seinen waren, sahen ernst und weit geöffnet zu, während er vorsichtig das weiche braune Haar aus der hohen Stirn zurückstrich. Er tauchte drei Finger in das Wasser und zeichnete dem Jungen sorgsam ein Kreuz auf die Stirn.

»Ich taufe dich William James«, sagte er leise, »im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.«

William blinzelte und schielte einem Wassertropfen nach, der ihm über die Nase lief. Er streckte die Zunge heraus, um ihn aufzufangen, und Jamie lachte unwillkürlich.

»Warum habt Ihr mich William James genannt?«, fragte Willie neugierig. »Meine anderen Namen sind Clarence Henry George.« Er verzog das Gesicht; Clarence war wohl nicht das, was er sich unter einem guten Namen vorstellte.

Jamie lächelte verstohlen. »Man bekommt bei der Taufe einen neuen Namen; James ist dein spezieller Papistenname. Es ist auch mein Name.«

»Ja?« William war begeistert. »Ich bin jetzt ein stinkender Papist, so wie Ihr?«

»Aye, zumindest soweit ich das bewerkstelligen kann.« Er lächelte auf Willie hinunter, dann folgte er einem weiteren Impuls und griff in den Halsausschnitt seines Hemds.

»Hier. Behalte ihn, zur Erinnerung an mich.« Sanft legte er Willie den Rosenkranz aus Buchenholz über den Kopf. »Aber du darfst ihn niemandem zeigen«, sagte er warnend. »Und sag um Gottes willen niemandem, dass du ein Papist bist.«

»Das tue ich nicht«, versprach Willie. »Keiner Menschenseele.« Er steckte sich den Rosenkranz in das Hemd und betastete ihn vorsichtig, um sicherzugehen, dass man ihn nicht sah.

»Gut.« Jamie streckte die Hand aus und zauste Willie zum Abschied das Haar. »Es ist fast Zeit für deinen Tee, am besten gehst du jetzt nach Hause.«

Willie setzte sich in Bewegung, blieb aber auf halbem Weg zur Tür stehen, plötzlich wieder bestürzt, eine Hand flach auf seine Brust gedrückt.

»Ihr habt gesagt, ich soll das behalten, zur Erinnerung an Euch. Aber ich habe gar nichts für Euch, zur Erinnerung an mich!«

Jamie lächelte schwach. Sein Herz war so fest zusammengepresst, dass er glaubte, keine Luft zum Sprechen zu bekommen, doch er zwängte die Worte hervor.

»Mach dir keine Sorgen«, sagte er. »Ich vergesse dich nicht.«

Kapitel 17

Ungeheuer tauchen auf

Loch Ness, August 1968

Brianna blinzelte und strich sich das leuchtende Gespinst aus Haaren zurück, die der Wind erhascht hatte. »Ich hatte schon fast vergessen, wie die Sonne aussieht«, sagte sie und blickte mit zusammengekniffenen Augen auf das fragliche Gestirn, das mit ungewohnter Heftigkeit auf die dunklen Wasser von Loch Ness hinunterschien.

Ihre Mutter räkelte sich genießerisch und genoss den leichten Wind. »Ganz zu schweigen davon, wie sich frische Luft anfühlt. Ich komme mir vor wie ein Pilz, der wochenlang im Dunklen vor sich hingewachsen ist – farblos und matschig.«

»Ihr beide würdet wirklich großartige Wissenschaftler abgeben«, sagte Roger, doch er grinste. Sie waren alle drei in Hochstimmung. Nach der mühsamen Suche in den Gefängnisregistern, die sie schließlich auf Ardsmuir gebracht hatte, hatten sie eine Glückssträhne erwischt. Die Bücher aus Ardsmuir waren vollständig, befanden sich alle an einem Ort und waren – verglichen mit den meisten anderen – bemerkenswert gut zu entziffern. Ardsmuir hatte nur fünfzehn Jahre als Gefängnis gedient; nach der Renovierung durch jakobitische Arbeitssträflinge war es in eine kleine Garnison umfunktioniert worden, und man hatte die Gefängnisinsassen verteilt – und die meisten in die amerikanischen Kolonien deportiert.

»Ich kann mir immer noch nicht denken, warum Fraser nicht mit dem Rest nach Amerika geschickt worden ist«, sagte Roger. Im ersten Moment war er in Panik geraten, nachdem er die Liste der deportierten Sträflinge aus Ardsmuir zum wiederholten Male durchgegangen war, die Namen einzeln abgesucht hatte, beinahe buchstabenweise, ohne irgendeinen Fraser zu finden. Er hatte sich schon damit abgefunden, dass Fraser im Gefängnis umgekommen war, und der Gedanke, es den Randalls sagen zu müssen, hatte ihm den kalten Angstschweiß auf die Stirn getrieben – bis er beim nächsten Umblättern gesehen hatte, dass Fraser an einen Ort namens Helwater gebracht worden war.

»Ich weiß es nicht«, sagte Claire, »aber es ist ein verdammtes Glück, dass er nicht deportiert worden ist. Er ist – er war –«, fing sie sich schnell, aber nicht so schnell, dass Roger den Ausrutscher überhört hätte, »furchtbar, furchtbar seekrank.« Sie zeigte auf die Oberfläche des Sees vor ihnen, auf der kleine Wellen tanzten. »So etwas hätte schon gereicht, um ihn innerhalb von Minuten grün werden zu lassen.«

Roger warf einen neugierigen Blick auf Brianna. »Bist du seekrank?«

Sie schüttelte den Kopf, und ihr leuchtendes Haar hob sich im Wind. »Nicht doch.« Sie klopfte sich selbstzufrieden auf den nackten Bauchnabel. »Unerschütterlich.«

Roger lachte. »Möchtest du eine Bootsfahrt machen? Du machst hier schließlich Urlaub.«

»Wirklich? Geht das? Kann man da angeln?« Brianna hielt sich schützend die Hand über die Augen und blickte begehrlich auf das dunkle Wasser hinaus.

»Natürlich. Ich habe schon oft Lachse und Aale im Loch Ness gefangen«, versicherte Roger ihr. »Dann kommt, wir mieten uns am Landesteg in Drumnadrochit ein Boot.«

Die Fahrt nach Drumnadrochit war herrlich. Es war einer dieser klaren hellen Sommertage, die die Touristen aus dem Süden im August und September in Scharen nach Schottland locken. Mit Fionas reichhaltigem Frühstück im Bauch, einem ihrer Lunchkörbe im Boot und Brianna Randall mit windzerzaustem Haar neben sich auf der Bank, tendierte Roger sehr zu der Auffassung, dass mit der Welt alles in Ordnung war.

Er gestattete es sich, voll Genugtuung auf die Ergebnisse ihrer Recherchen zurückzublicken. Er hatte sich zwar für das Sommersemester zusätzlich von der Universität beurlauben lassen müssen, doch die Sache war es wert gewesen.

Nachdem sie das Dokument gefunden hatten, das Jamie Frasers Verlegung auf Ehrenwort bezeugte, waren zwei weitere lange Wochen mühsamen Suchens und Nachfragens nötig gewesen – Roger und Brianna hatten sogar einen raschen Wochenendausflug in den Lake District gemacht, alle drei einen weiteren nach London –, dann kam der Anblick, der Brianna mitten im heiligen Lesesaal des Britischen Museums laut aufjubeln ließ, woraufhin sie sich unter Wogen eisiger Missbilligung hastig zurückgezogen hatten. Der Anblick der Königlichen Begnadigungsurkunde, versehen mit dem Siegel von George II, Rex Angleterre, datiert 1764, darauf der Name »James Alexdr M’Kensie Frazier«.