Выбрать главу

Ich stieß ein Geräusch aus, und Dr. Abernathy sah mich über seine Zeitschrift hinweg scharf an. Hastig setzte ich meine Miene würdevoller Konzentration wieder auf und blätterte um.

Valdez’ dichte schwarze Locken fielen ihr auf die Brust, als er seine heißen Lippen auf Tessas rosige Brustwarzen legte, so dass das bange Verlangen sie in Wellen durchspülte. Geschwächt durch die ungewohnten Gefühle, die seine Leidenschaft in ihr erregten, war sie nicht imstande, sich zu bewegen, als seine Hand verstohlen nach dem Saum ihres Kleides suchte, und seine flammende Berührung sandte ihr die Empfindungen in langsamen Windungen über den Oberschenkel.

»Ah, mi amor«, stöhnte er. »So herrlich, so rein. Du treibst mich in den Wahnsinn vor Verlangen, mi amor. Ich habe dich begehrt, seit ich dich das erste Mal erblickte, so stolz und kalt auf dem Deck des Schiffs deines Vaters. Jetzt bist du gar nicht so kalt, meine Teure, wie?«

Tatsächlich stürzten seine Küsse Tessa in einen Aufruhr der Gefühle. Wie nur, wie konnte sie so etwas für einen Mann empfinden, der kaltblütig das Schiff ihres Vaters versenkt und hundert Männer mit eigener Hand ermordet hatte? Voll Grauen sollte sie vor ihm zurückweichen, doch stattdessen rang sie nach Atem, öffnete den Mund, um seine brennenden Küsse zu empfangen, bäumte sich unwillkürlich auf, selbstvergessen unter dem fordernden Drängen seiner schwellenden Männlichkeit.

»Ah, mi amor«, keuchte er. »Ich kann nicht warten. Aber … ich möchte dir nicht weh tun. Gemach, mi amor, gemach.«

Tessa keuchte auf, als sie den zunehmenden Druck seines Verlangens zwischen ihren Beinen spürte.

»Oh«, sagte sie. »Oh, bitte! Das könnt Ihr nicht tun! Ich will es nicht!«

Ein guter Zeitpunkt, um mit dem Protestieren anzufangen, dachte ich.

»Keine Sorge, mi amor. Vertrau mir.«

Ganz allmählich entspannte sie sich unter der Berührung seiner hypnotischen Liebkosungen und spürte, wie die Wärme in ihrem Inneren zunahm und sich ausbreitete. Seine Lippen streiften ihre Brust, und sein heißer Atem, der beruhigende Worte murmelte, ließ all ihren Widerstand versiegen. Je mehr sie nachgab, desto weiter öffneten sich ihre Beine ohne ihr Zutun. Mit unendlich langsamen Bewegungen kitzelte sein geschwollenes Glied die Membran ihrer Unschuld beiseite …

Ich stieß einen Aufschrei aus, und das Buch fiel mir aus den Händen. Es rutschte mir vom Schoß und landete klatschend zu Dr. Abernathys Füßen.

»Entschuldigung«, murmelte ich und bückte mich mit flammendem Gesicht, um es aufzuheben. Doch als ich mich mit dem Stürmischen Piraten in den verschwitzten Fingern wieder aufrichtete, sah ich, dass Dr. Abernathy mitnichten seine übliche strenge Miene trug, sondern breit grinste.

»Lassen Sie mich raten«, sagte er. »Valdez hat gerade die Membran ihrer Unschuld beiseitegekitzelt?«

»Ja«, sagte ich und brach erneut in hilfloses Gekicher aus. »Woher wissen Sie das?«

»Na ja, Sie waren ja noch nicht weit«, sagte er und nahm mir das Buch aus der Hand. »Es musste entweder diese Stelle sein oder vielleicht die auf Seite 73, wo er ihre rosigen Hügel mit seiner hungrigen Zunge badet.«

»Er hat was?«

»Sehen Sie selbst.« Er drückte mir das Buch wieder in die Hände und zeigte auf eine Stelle in der Mitte der Seite.

Tatsächlich, »… er schob die Decke beiseite, senkte den kohlrabenschwarzen Kopf und badete ihre rosigen Hügel mit seiner hungrigen Zunge. Tessa stöhnte laut, und …« Ich kreischte hemmungslos auf.

»Sie haben das tatsächlich gelesen?«, wollte ich wissen und riss den Blick von Tessa und Valdez los.

»Na klar«, sagte er, und sein Grinsen wurde breiter. Er hatte einen Goldzahn weit hinten auf der rechten Seite. »Zwei- oder dreimal. Es ist nicht das Beste, aber es ist auch nicht schlecht.«

»Das Beste? Es gibt noch mehr davon?«

»Sicher. Also …« Er erhob sich und begann, den Stapel zerfledderter Taschenbücher auf dem Tisch durchzusehen. »Sie müssen nach den Büchern ohne Umschlag suchen«, erklärte er. »Das sind die besten.«

»Und ich habe gedacht, Sie lesen nie etwas anderes als Lancet und das Journal des Medizinerverbandes«, sagte ich.

»Was, ich soll sechsunddreißig Stunden fremden Menschen in den Eingeweiden herumwühlen und dann hier oben am liebsten über Fortschritte auf dem Gebiet der Gallenblasenresektion lesen? Teufel, nein – da segle ich doch lieber mit Valdez durch die Karibik.« Er betrachtete mich neugierig, und das Grinsen war immer noch nicht ganz verschwunden. »Von Ihnen hätte ich aber auch nicht gedacht, dass Sie etwas anderes als das New England Journal of Medicine lesen, Lady Jane«, sagte er. »Der Schein trügt, wie?«

»Vermutlich«, sagte ich trocken. »Warum denn ›Lady Jane‹?«

»Oh, Hoechstein hat damit angefangen«, sagte er und lehnte sich zurück, die Finger um sein Knie verschränkt. »Es liegt an Ihrer Stimme, diesem Akzent, der sich so anhört, als hätten Sie neulich noch mit der Queen Tee getrunken. Das ist es doch, womit Sie die Jungs in Schach halten. Sie klingen wie Winston Churchill – also, wenn Winston Churchill eine Dame wäre –, und das macht ihnen ein bisschen Angst. Aber Sie haben auch noch etwas.« Er betrachtete mich nachdenklich und lehnte sich weiter zurück. »Sie haben eine Art zu reden, als würden Sie davon ausgehen, dass Sie Ihren Willen bekommen, und wenn nicht, dann wissen Sie auch, warum. Wo haben Sie das gelernt?«

»Im Krieg«, sagte ich und lächelte über seine Beschreibung.

Seine Augenbrauen fuhren in die Höhe. »Korea?«

»Nein, ich war im Zweiten Weltkrieg Krankenschwester in einem Feldlazarett, in Frankreich. Ich habe eine Menge Oberschwestern erlebt, die die Assistenzärzte und Hilfskräfte mit einem Blick in Wackelpudding verwandeln konnten.« Und später hatte ich reichlich Übung in Situationen bekommen, in denen mir diese unantastbare Autorität – auch wenn sie nur gespielt sein mochte – gute Dienste gegenüber Menschen geleistet hatte, die deutlich größeren Einfluss besaßen als das Pflegepersonal und die Ärzte im Boston General Hospital.

Er nickte, ganz in meine Erklärung vertieft. »Ja, das kann ich nachvollziehen. Mein Vorbild war Walter Cronkite.«

»Walter Cronkite?« Ich sah ihn ungläubig an.

Wieder grinste er und stellte seinen Goldzahn zur Schau. »Fällt Ihnen jemand Besseres ein? Außerdem konnte ich ihn jeden Abend umsonst im Radio oder Fernsehen hören. Ich habe es meiner Mama vorgeführt – sie wollte, dass ich Prediger werde.« Er lächelte etwas reumütig. »Wenn ich in der Gegend, wo wir damals gewohnt haben, wie Walter Cronkite geredet hätte, hätte ich gar nicht lange genug gelebt, um meine Ausbildung anzufangen.«

Dr. Abernathy wurde mir mit jeder Sekunde sympathischer. »Ich hoffe, Ihre Mutter war nicht enttäuscht, dass Sie Arzt geworden sind statt Prediger.«

»Ganz ehrlich – ich bin da nicht sicher«, sagte er immer noch grinsend. »Als ich es ihr erzählt habe, hat sie mich eine Minute angestarrt, dann hat sie tief geseufzt und gesagt, na ja, dann kommst du ja wenigstens billig an mein Rheumamittel.«

Ich lachte ironisch. »So begeistert hat mein Mann nicht reagiert, als ich ihm erzählt habe, dass ich Ärztin werde. Er hat mich angesehen, und schließlich hat er gefragt, warum ich nicht ehrenamtlich Briefe an die Leute im Altersheim schreibe, wenn ich Langeweile habe.«

Joe hatte sanfte goldbraune Augen wie Toffeedrops. Als er sie jetzt auf mich richtete, glitzerte Humor darin.

»Ja, die Leute glauben immer noch, sie können uns ins Gesicht sagen, dass es unmöglich ist, was wir machen. ›Warum sind Sie hier, Fräulein, und kümmern sich nicht zu Hause um Ihren Mann und Ihr Kind?‹«, äffte er die Neinsager nach.