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Frank ächzte, als ich das Licht ausschaltete und wieder ins Bett schlüpfte, doch im nächsten Moment drehte er sich zu mir um und legte mir den Arm um die Taille. Ich legte mich auf die Seite und schmiegte mich an ihn. Allmählich entspannte ich mich, und meine kalten Zehen tauten auf.

In meinem Kopf spielte ich die Einzelheiten der Operation noch einmal durch und spürte die Kälte der Klimaanlage im OP-Saal an meinen Füßen und das anfängliche, unangenehme Gefühl der Wärme im Bauch des Patienten, als meine Finger in ihren Handschuhen hineinglitten. Dann der betroffene Darm, verschlungen wie eine Viper, von der Ekchymose dunkelrot gefleckt, und das helle Blut, das aus winzigen Rissen sickerte.

»Ich habe nachgedacht«, kam Franks Stimme übertrieben beiläufig hinter mir aus der Dunkelheit.

»Mm?« Ich war immer noch in mein Bild von der Operation vertieft, kämpfte mich aber in die Gegenwart zurück. »Worüber denn?«

»Mein Sabbatjahr.« Sein Urlaubsjahr würde in einem Monat beginnen. Er hatte vor, eine Reihe von kürzeren Reisen durch den Nordosten der Vereinigten Staaten zu unternehmen, um Material für sein Buch zu sammeln, dann für sechs Monate nach England zu gehen und die letzten drei Monate des Sabbatjahrs in Boston mit Schreiben zu verbringen.

»Ich habe mir überlegt, dass ich sofort nach England gehe«, sagte er bedächtig.

»Warum nicht? Das Wetter wird zwar furchtbar sein, aber wenn du ohnehin die meiste Zeit in Bibliotheken zubringen wirst …«

»Ich möchte Brianna mitnehmen.«

Ich erstarrte, und die Kälte des Zimmers ballte sich in meinem Magen zu einem kleinen Klumpen aus Argwohn zusammen.

»Sie kann doch jetzt nicht gehen; sie ist im letzten Semester vor dem Abschluss. Du kannst doch wohl warten, bis wir im Sommer zu dir kommen? Ich habe einen langen Urlaub beantragt, und vielleicht …«

»Ich gehe sofort. Für immer. Ohne dich.«

Ich rückte von ihm fort, setzte mich und schaltete das Licht an. Frank blinzelte im Liegen zu mir auf, und sein dunkles Haar war zerzaust. Es war an den Schläfen ergraut, was ihm ein distinguiertes Aussehen verlieh und eine geradezu alarmierende Wirkung auf die empfänglicheren Seelen unter seinen Studentinnen auszuüben schien. Ich fühlte mich erstaunlich gefasst.

»Warum denn jetzt auf einmal? Deine jüngste Errungenschaft fängt wohl an, dich unter Druck zu setzen, wie?«

Das Erschrecken, das in seinen Augen aufblitzte, war so ausgeprägt, dass es schon wieder komisch war. Ich lachte, jedoch hörbar ohne Humor.

»Du hast tatsächlich gedacht, ich weiß nichts davon? Gott, Frank! Was für ein … ahnungsloser Mensch du doch bist!«

Er setzte sich mit verkniffener Miene im Bett auf.

»Ich war der Ansicht, ich wäre höchst diskret vorgegangen.«

»Das kann sogar tatsächlich sein«, sagte ich sardonisch. »Ich habe in den letzten zehn Jahren sechs gezählt – falls es in Wirklichkeit ein Dutzend oder mehr waren, dann warst du der Inbegriff der Diskretion.«

Sein Gesicht gab selten große Gefühle preis, doch die weißen Stellen an seinen Mundwinkeln verrieten mir, dass er sehr wütend war.

»Diese muss ja etwas ganz Besonderes sein«, sagte ich. Ich verschränkte die Arme und lehnte mich gespielt lässig an das Kopfende. »Aber trotzdem – warum die Eile, jetzt nach England zu ziehen, und warum mit Brianna?«

»Sie kann für den Rest der Schulzeit in ein Internat gehen«, sagte er knapp. »Eine neue Erfahrung für sie.«

»Ich glaube nicht, dass sie auf diese Erfahrung scharf ist«, sagte ich. »Sie wird nicht von ihren Freunden fortwollen, erst recht nicht so kurz vor dem Abschluss. Und sie will ganz bestimmt nicht in ein englisches Internat!« Ich erschauerte bei dem Gedanken. Als Kind wäre ich selbst um ein Haar in einer solchen Schule gelandet; der Geruch der Krankenhaus-Cafeteria erinnerte mich manchmal daran, einschließlich der Wogen angsterfüllter Hilflosigkeit, die ich empfunden hatte, als Onkel Lamb das Internat mit mir besucht hatte.

»Ein bisschen Disziplin hat noch nie jemandem geschadet«, sagte Frank. Er hatte sich zwar wieder im Griff, doch seine Miene war immer noch angespannt. »Hätte dir vielleicht auch gutgetan.« Er tat das Thema mit einer Handbewegung ab. »Aber egal. Jedenfalls habe ich beschlossen, dauerhaft nach England zurückzukehren. Man hat mir in Cambridge eine gute Stellung angeboten, und ich habe vor, sie anzunehmen. Du wirst natürlich das Krankenhaus nicht verlassen. Aber ich habe nicht vor, meine Tochter zurückzulassen.«

»Deine Tochter?« Im ersten Moment war ich sprachlos. Er hatte sich also bereits eine neue Stelle besorgt und eine neue Geliebte dazu. Er plante das schon seit einer ganzen Weile. Ein völlig neues Leben – aber nicht mit Brianna!

»Meine Tochter«, sagte er ruhig. »Du kannst sie natürlich besuchen kommen, wann immer du möchtest …«

»Du … verdammter … Mistkerl!«, sagte ich.

»Sei doch vernünftig, Claire.« Er sah mich herablassend an und behandelte mich mit jener Engelsgeduld, die normalerweise den Studenten vorbehalten war, die ihn wegen ihrer schlechten Noten anbettelten. »Du bist doch so gut wie nie zu Hause. Wenn ich fort bin, ist niemand mehr da, der sich anständig um Brianna kümmert.«

»Das klingt ja, als wäre sie acht, nicht beinahe achtzehn! Sie ist fast erwachsen, zum Kuckuck.«

»Ein Grund mehr, warum man auf sie aufpassen muss«, fuhr er mich an. »Wenn du gesehen hättest, was ich schon an der Universität erlebt habe – der Alkohol, die Drogen, der …«

»Genau das sehe ich«, zischte ich. »Aus nächster Nähe in der Notaufnahme. Brianna wird wohl kaum …«

»Oh doch! Mädchen in ihrem Alter sind völlig unvernünftig – sie wird mit dem ersten Kerl durchbrennen, der …«

»Sei doch kein Idiot! Brianna ist sehr vernünftig. Außerdem experimentieren junge Menschen nun einmal, so lernen sie schließlich. Du kannst sie doch nicht ihr Leben lang in Watte packen.«

»Lieber in Watte gepackt als mit einem Schwarzen im Bett!«, kam es schlagartig zurück. Auf seinen Wangen erschienen rote Flecken. »Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, wie? Aber das kommt nicht in Frage, verdammt, nicht, wenn ich dabei mitzureden habe!«

Ich fuhr aus dem Bett und funkelte im Stehen auf ihn hinunter.

»Du«, sagte ich, »hast nicht die geringste verdammte Kleinigkeit mitzureden, weder in Bezug auf Brianna noch auf sonst etwas!« Ich zitterte vor Wut und musste die Fäuste fest an meine Oberschenkel pressen, um nicht auf ihn einzuschlagen. »Du besitzt die unfassbare Frechheit, mir zu sagen, dass du mich verlassen wirst, um mit der jüngsten einer ganzen Abfolge von Geliebten zusammenzuleben, und dann anzudeuten, dass ich eine Affäre mit Joe Abernathy habe? Das ist es doch, was du meinst, oder?«

Er besaß den Anstand, den Blick ein wenig zu senken.

»Alle glauben, dass es so ist«, murmelte er. »Du verbringst schließlich deine ganze Zeit mit dem Mann. Und was Brianna angeht, ist es dasselbe. Sie in Situationen mitzuschleppen, die für sie gefährlich sind, und … und zu dieser Art von Menschen …«

»Ich vermute, damit meinst du Schwarze?«

»So ist es«, sagte er und blickte wütend zu mir auf. »Es ist schlimm genug, dass wir die Abernathys ständig bei unseren Einladungen dabeihaben, obwohl er ja zumindest gebildet ist. Aber dieser fette Kerl, dem ich bei ihm zu Hause begegnet bin, mit den Tätowierungen und dem Lehm in den Haaren? Dieser widerliche Taugenichts mit der Schleimstimme? Und Abernathy junior treibt sich Tag und Nacht in Briannas Nähe herum und nimmt sie zu Demonstrationen mit und zu Orgien in zwielichtigen Kaschemmen …«