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Claire lachte hingerissen, und der Feuerschein tanzte in ihren Augen. »Hat es funktioniert?«

»Nun, es hätte besser funktioniert, wenn das Fenster offen gewesen wäre«, sagte Roger, »aber die Geister sind nicht hereingekommen, nein.«

Sie lachten gemeinsam, dann senkte sich erneut jenes verlegene Schweigen über sie, das sie schon den ganzen Abend immer wieder unterbrochen hatte, wenn plötzlich das Bewusstsein um die gewaltige Dimension ihres Vorhabens wie ein Abgrund unter dem Spannseil der Konversation aufklaffte. Das Licht glitzerte in Funken auf ihren Eheringen auf, Silber und Gold.

»Ich passe schon auf sie auf«, sagte Roger schließlich leise. »Das weißt du doch, oder?«

Claire nickte, ohne ihn anzusehen.

»Ich weiß«, sagte sie leise. Er konnte die Tränen sehen, die auf den Enden ihrer Wimpern bebten und den Feuerschein spiegelten. Sie kramte in der Tasche ihres Nachthemds und zog einen langen weißen Briefumschlag hervor.

»Du wirst mich jetzt für einen schrecklichen Feigling halten«, sagte sie, »und das bin ich auch. Aber ich … ich glaube ganz ehrlich nicht, dass ich das kann – mich von Brianna verabschieden, meine ich.« Sie hielt inne, um ihre Stimme wieder in den Griff zu bekommen, dann hielt sie ihm den Umschlag hin.

»Ich habe alles für sie aufgeschrieben – alles, was ich konnte. Würdest du …?«

Roger nahm den Umschlag. Er war warm von der Nähe zu ihrem Körper. Aus einem obskuren Gefühl heraus, dass er auf keinen Fall erkalten durfte, ehe er ihre Tochter erreichte, schob auch er sich den Umschlag in die Brusttasche. Er spürte das Knistern des Papiers, als sich der Umschlag krümmte.

»Ja«, sagte er mit belegter Stimme. »Dann gehst du also …«

»Früh«, sagte sie und holte tief Luft. »Vor Tagesanbruch. Ich habe einen Wagen bestellt.« Ihre Hände wanden sich auf ihrem Schoß ineinander. »Wenn ich –« Sie biss sich auf die Unterlippe, dann sah sie Roger flehend an. »Ich weiß es einfach nicht«, sagte sie. »Ich weiß nicht, ob ich es tun kann. Ich habe furchtbar große Angst. Angst zu gehen. Angst, es nicht zu tun. Einfach – Angst.«

»Die hätte ich auch.« Er hielt ihr die Hand hin, und sie griff danach. Er hielt sie lange fest und spürte den Puls in ihrem Handgelenk leicht und schnell unter seinen Fingern schlagen.

Einige Zeit später drückte sie ihm sanft die Hand und ließ los.

»Danke, Roger«, sagte sie. »Für alles.« Sie beugte sich zu ihm herüber und küsste ihn leicht auf die Lippen. Dann erhob sie sich und ging aus dem Zimmer, ein weißer Geist im Dunkel des Flurs, getragen vom Halloweenwind.

Roger blieb noch eine Weile allein sitzen und spürte ihre Berührung warm auf seiner Haut. Die Kürbislaterne war beinahe ausgebrannt. Der Duft des Kerzenwachses stieg kräftig in die ruhelose Luft, und die alten Götter blickten ein letztes Mal durch die Augen aus flackerndem Licht hinaus.

Kapitel 23

Craigh na Dun

Die Morgenluft war kalt und nebelig, und ich war froh, dass ich den Umhang hatte. Ich hatte vor zwanzig Jahren zum letzten Mal einen getragen, aber angesichts mancher Dinge, die die Leute heutzutage trugen, hatte der Schneider in Inverness, der ihn mir genäht hatte, nichts Seltsames an einem Wollumhang mit Kapuze gefunden.

Ich hielt den Blick auf den Weg gerichtet. Der Hügelkamm war nicht zu sehen gewesen, weil er im Nebel lag, als mich der Wagen unten auf der Straße absetzte.

»Hier?«, hatte der Fahrer gefragt und einen skeptischen Blick aus dem Fenster auf die verlassene Gegend geworfen. »Sicher, Ma’am?«

»Ja«, hatte ich halb erstickt vor Angst gesagt. »Genau hier.«

»Aye?« Der große Geldschein, den ich ihm in die Hand drückte, änderte nichts an seiner Skepsis. »Möchten Sie, dass ich warte, Ma’am? Oder dass ich Sie später wieder abholen komme?«

Ich war in großer Versuchung, ja zu sagen. Was geschah schließlich, wenn ich die Nerven verlor? Im Moment schien ich sie nur bemerkenswert vage im Griff zu haben.

»Nein«, sagte ich und schluckte. »Nein, das wird nicht nötig sein.« Wenn ich es nicht fertigbrachte, würde ich einfach zurück nach Inverness laufen müssen, das war alles. Oder vielleicht würden ja Roger und Brianna kommen; das würde vermutlich schlimmer sein, schmählich wieder eingesammelt zu werden. Oder würde es eine Erleichterung sein?

Unter meinen Füßen rollten Granitsteinchen davon, und im Vorübergehen trat ich einen Erdklumpen los, der als kleine Lawine niederging. Es konnte doch nicht sein, dass ich das hier wirklich tat, dachte ich. Das Gewicht des Geldes in meiner doppelt gefütterten Tasche schwang gegen meinen Oberschenkel, und die spürbare Gewissheit von Gold und Silber machte mir die Realität bewusst. Ich tat es wirklich.

Ich konnte es nicht. Die Erinnerung an Brianna fiel über mich her – friedlich schlafend in ihrem Bett, so wie ich sie spät in der Nacht gesehen hatte. Das Grauen, das ich nie vergessen hatte, streckte seine Tentakel vom Gipfel des Hügels nach mir aus, als ich die Nähe der Steine zu spüren begann. Kreischen, Chaos, das Gefühl, in Stücke gerissen zu werden. Ich konnte es nicht.

Ich konnte es nicht, doch ich stieg weiter bergauf. Meine Handflächen schwitzten, und meine Füße bewegten sich, als hätte ich sie nicht länger unter Kontrolle.

Es dämmerte, als ich den Gipfel des Hügels erreichte. Der Nebel lag unter mir, und die Steine standen deutlich und dunkel vor dem kristallklaren Himmel. Bei ihrem Anblick wurden mir die Hände feucht, doch ich ging weiter und betrat den Kreis.

Sie standen einander zugewandt im Gras vor dem gespaltenen Stein. Brianna hörte meine Schritte und fuhr zu mir herum.

Ich starrte sie an, sprachlos vor Erstaunen. Sie trug ein Jessica-Gutenburg-Kleid, das meinem sehr ähnlich war, nur dass das ihre knallgrün war und auf der Brust mit Glitzersteinchen aus Plastik bestickt war.

»Das ist ja eine grauenhafte Farbe für dich«, sagte ich.

»Es war das Einzige, das sie in meiner Größe hatten«, antwortete sie unbeeindruckt.

»Was in Gottes Namen machst du hier?«, wollte ich wissen, als ich wieder einigermaßen zusammenhängend denken konnte.

»Wir wollten dabei sein, wenn du gehst«, sagte sie, und der Hauch eines Lächelns huschte über ihre Lippen. Ich blickte Roger an. Er zuckte sacht mit den Schultern und lächelte mich seinerseits schief an.

»Oh. Ja. Aha«, sagte ich. Der Stein stand hinter Brianna, doppelt so hoch wie ein Mensch. Ich konnte durch den Spalt hindurchblicken und die schwache Morgensonne im Gras außerhalb des Kreises sehen.

»Du gehst«, sagte sie entschlossen, »sonst tue ich es.«

»Du! Hast du den Verstand verloren?«

»Nein.« Sie warf einen Blick auf den gespaltenen Stein und schluckte. Möglich, dass es das grüne Kleid war, das ihr Gesicht kalkweiß aussehen ließ. »Ich kann es auch – durch die Steine gehen, meine ich. Ich weiß, dass ich es kann. Als Geillis Duncan gegangen ist, habe ich sie gehört. Roger auch.« Sie sah ihn an, als suchte sie Bestätigung, dann heftete sie den Blick fest auf mich.

»Ich weiß nicht, ob ich Jamie Fraser finden könnte oder nicht; vielleicht kannst nur du es. Aber wenn du es nicht versuchst, tue ich es.«

Mein Mund öffnete sich, aber mir fehlten die Worte.

»Begreifst du es denn nicht, Mama? Er muss es wissen – muss wissen, dass er es geschafft hat, dass ihm das, was er für uns tun wollte, auch gelungen ist.« Ihre Lippen zitterten, und sie presste sie fest zusammen.

»Wir sind es ihm schuldig, Mama«, sagte sie leise. »Jemand muss ihn finden und es ihm sagen.« Ihre Hand berührte flüchtig mein Gesicht. »Ihm sagen, dass ich geboren worden bin.«

»Oh, Brianna«, sagte ich, und meine Stimme war so erstickt, dass ich kaum sprechen konnte. »Oh, Brianna!«

Sie hielt meine Hände fest zwischen den ihren und drückte zu.

»Er hat dich mir gegeben«, sagte sie so leise, dass ich sie kaum hören konnte. »Jetzt muss ich dich zurückgeben, Mama.«