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Ich hatte großen Hunger; ich hatte nichts mehr gegessen, seit wir kurz nach Tagesanbruch in einer Poststation in Dundaff hastig ein Frühstück aus Porridge und etwas Hammelbraten zu uns genommen hatten. Ein letztes Sandwich hatte ich noch in meiner Tasche, doch ich hatte lieber darauf verzichtet, es in der Kutsche unter den neugierigen Blicken meiner Mitreisenden zu essen.

Ich zog es hervor und wickelte es vorsichtig aus. Erdnussbutter und Marmelade auf Weißbrot; es hatte sehr gelitten, die Marmelade sickerte in dunkelroten Flecken durch das schlaffe Brot, und das Ganze war zu einem flachen Brocken zusammengequetscht. Es war köstlich.

Ich aß es sorgfältig und genoss den satten, fettigen Geschmack der Erdnussbutter. Wie oft hatte ich morgens Brote mit Erdnussbutter bestrichen, wenn ich Brianna ihre Pausenbrote für die Schule machte? Entschlossen unterdrückte ich diesen Gedanken und lenkte mich damit ab, dass ich die Passanten betrachtete. Sie sahen etwas anders aus als ihr modernes Äquivalent; Männer wie Frauen waren kleiner, und die Spuren schlechter Ernährung waren deutlich zu sehen. Dennoch hatten sie etwas ungemein Vertrautes an sich, und nach den ausdruckslosen, nasalen Tönen Bostons nun dieses weich rollende Stimmengewirr auf der Straße zu hören, erfüllte mich mit dem überwältigenden Gefühl, zu Hause zu sein.

Ich schluckte den letzten, köstlichen, süßen Bissen meines alten Lebens herunter und zerknüllte die Verpackung in der Hand. Ich sah mich um, doch niemand blickte in meine Richtung. Ich öffnete die Hand und ließ das Stückchen Frischhaltefolie unauffällig auf den Boden fallen. Zusammengeballt rollte es ein paar Zentimeter über das Pflaster und entknitterte sich dabei, als wäre es lebendig. Dann wurde es vom Wind ergriffen, und das kleine Stückchen Folie hob plötzlich ab und huschte über die Steine davon wie ein Blatt.

Der Luftzug vorüberrollender Räder saugte es unter einen Karren; es blinkte noch einmal auf, weil sich das Licht darin spiegelte, dann war es unbemerkt verschwunden. Ich fragte mich, ob meine eigene anachronistische Anwesenheit wohl genauso wenig Schaden anrichten würde.

»Hör auf, es hinauszuzögern, Beauchamp«, sagte ich zu mir selbst. »Zeit zum Weitergehen.« Ich holte tief Luft und stand auf.

»Verzeihung«, sagte ich und zog einem vorübergehenden Bäckerjungen am Ärmel. »Ich bin auf der Suche nach einem Drucker – einem Mr. Malcolm. Alexander Malcolm.« Eine Mischung aus Angst und Aufregung gurgelte mir durch den Bauch. Was, wenn es in Edinburgh keine Druckerei gab, die Alexander Malcolm gehörte?

Doch es gab sie; der Junge verzog nachdenklich das Gesicht, dann glättete es sich wieder.

»Oh, aye, Ma’am – nur dort entlang und dann links. Carfax Close.« Und nachdem er die Brote unter seinem Arm kopfnickend zurechtgerückt hatte, setzte er seinen Weg auf der belebten Straße fort.

Carfax Close. Ich schob mich zurück in die Menge und drängte mich dicht an den Häuserwänden entlang, um den Küchenabfällen auszuweichen, die hin und wieder aus den Fenstern hoch über mir auf die Straße klatschten. Edinburgh hatte mehrere tausend Einwohner, deren gesamte Abwässer die Regenrinnen der gepflasterten Straßen hinunterliefen, die dank der Schwerkraft und des häufigen Regens bewohnbar blieben.

Auf der anderen Seite der Royal Mile gähnte der finstere Zugang zur Carfax Close vor mir auf. Ich blieb wie angewurzelt stehen, und der Anblick ließ mein Herz so heftig schlagen, dass man es aus einem Meter Entfernung hätte hören können, wenn man denn darauf geachtet hätte.

Im Moment regnete es zwar nicht, doch der nächste Schauer drohte schon, und mein Haar ringelte sich in der feuchten Luft. Ich schob es mir aus der Stirn und ordnete es, so gut es mir ohne einen Spiegel möglich war. Dann fiel mir ein großes Glasfenster ins Auge, und ich hastete darauf zu.

Das Glas war zwar mit Kondenswasser beschlagen, doch es zeigte mir ein schwaches Spiegelbild, in dem mir mein Gesicht errötet und mit großen Augen, jedoch ansonsten präsentabel entgegenblickte. Mein Haar hatte allerdings die Gelegenheit ergriffen, sich wild in alle Richtungen zu kräuseln und sich den Haarnadeln zu entwinden, um Medusas Locken nachzueifern. Ungeduldig riss ich die Nadeln heraus und begann, mir die Locken hochzustecken.

Im Inneren des Geschäfts stand eine Frau, die sich auf die Theke stützte. Sie hatte drei kleine Kinder dabei, und ich beobachtete mit halbem Auge, wie sie sich von ihrem Einkauf abwandte, um sie ungeduldig zur Ordnung zu rufen und mit ihrer Handtasche nach dem mittleren auszuholen, einem Jungen, der mit den frischen Anisstengeln herumspielte, die in einem Gefäß mit Wasser auf dem Boden standen.

Es war eine Apotheke; ich hob den Kopf und sah über der Tür den Namen »Haugh«, den ich entzückt wiedererkannte. Während meines kurzen Aufenthalts in Edinburgh hatte ich hier Kräuter gekauft. Die Schaufensterdekoration war in der Zwischenzeit durch ein großes Glas mit gefärbtem Wasser ergänzt worden, in dem etwas vage Humanoides schwamm. Ein Schweinefötus vermutlich oder vielleicht ein neugeborener Pavian; es hatte stiere, flachgedrückte Gesichtszüge, die sich gruselig gegen die gerundete Wand des Glases pressten.

»Auf jeden Fall sehe ich besser aus als du!«, murmelte ich und schob eine widerspenstige Nadel an ihren Platz.

Allerdings, so dachte ich, sah ich auch besser aus als die Frau im Laden. Sie war jetzt fertig und steckte gerade ihren Einkauf in die Tasche. Dabei zog sie das schmale Gesicht in Falten. Sie hatte das teigige Aussehen einer Städterin, und tiefe Falten zogen sich von ihrer Nase zum Mund und quer über ihre Stirn.

»Der Teufel soll dich holen, du kleiner Nichtsnutz«, sagte sie gereizt zu dem kleinen Jungen, als sie alle zusammen aus dem Laden geklappert kamen. »Habe ich dir nicht immer wieder gesagt, du sollst die Pfoten bei dir behalten?«

»Verzeihung«, unterbrach ich sie und trat von plötzlicher, unwiderstehlicher Neugier getrieben auf sie zu.

»Aye?« Von ihren Mutterpflichten abgelenkt, sah sie mich ausdruckslos an. Aus der Nähe sah sie noch abgehärmter aus. Ihre Mundwinkel hingen herunter, und ihre Lippen zogen sich einwärts – zweifellos fehlten ihr mehrere Zähne.

»Ich konnte nicht umhin, Eure Kinder zu bestaunen«, sagte ich mit aller gespielten Bewunderung, die ich so spontan aufbringen konnte. Ich strahlte sie freundlich an. »Was für eine hübsche Kleine! Sagt mir, wie alt sind sie?«

Ihr klappte der Mund auf, und ich sah mich in meiner Annahme bezüglich der abwesenden Zähne bestätigt. Sie blinzelte mich an, dann sagte sie: »Oh! Nun, das ist sehr freundlich von Euch, Ma’am. Äh … Maisri hier ist zehn«, sagte sie und zeigte kopfnickend auf ihre Älteste, die sich gerade die Nase am Ärmel abwischte. »Joey ist acht – nimm den Finger aus der Nase, du Schmutzfink!«, zischte sie, dann drehte sie sich um und tätschelte ihrer Jüngsten stolz den Kopf. »Und die kleine Polly ist im Mai sechs geworden.«

»Tatsächlich!« Ich blickte die Frau mit gespieltem Erstaunen an. »Ihr seht doch kaum alt genug aus, um schon so große Kinder zu haben. Ihr müsst sehr jung geheiratet haben.«

Sie brüstete sich ein wenig und grinste.

»Och, nein! So jung nun auch wieder nicht, ich war schon neunzehn, als Maisri geboren wurde.«

»Erstaunlich«, sagte ich, und ich meinte es ernst. Ich grub in meiner Tasche und schenkte jedem der Kinder einen Penny, den sie mit schüchternem Kopfnicken annahmen. »Ich wünsche Euch einen guten Tag – und gratuliere Euch zu Eurer wunderbaren Familie«, sagte ich zu der Frau, winkte und ging lächelnd weiter.

Neunzehn, als die Älteste geboren wurde, und Maisri war jetzt zehn. Sie war neunundzwanzig. Und ich sah – dank guter Ernährung, Hygiene und Zahnheilkunde und weil ich nicht von mehreren Schwangerschaften und harter körperlicher Arbeit zerrieben worden war – um einiges jünger aus als sie. Ich holte tief Luft, schob mein Haar zurück und marschierte in den Schatten der Carfax Close.