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Er stand mit dem Rücken zu mir, als er sein Hemd hineinsteckte und die Hose schloss, doch ich konnte an der Anspannung in seinen Schultern sehen, wie befangen er war. Eine ganz ähnliche Anspannung empfand ich auch selbst im Nacken. Nachdem wir jetzt beide einen Moment Zeit gehabt hatten, um uns vom ersten Schreck des Wiedersehens zu erholen, waren wir vor Schüchternheit wie gelähmt. Ich sah, wie er sich aufrichtete, dann drehte er sich zu mir um. Das hysterische Gelächter und die Tränen waren verebbt, doch sein Gesicht war deutlich von so viel plötzlicher Emotion gezeichnet, und ich wusste, dass das meine nicht anders aussah.

»Es ist wirklich schön, dich zu sehen, Claire«, sagte er leise. »Ich hatte nicht gedacht … nun ja.« Er zuckte sacht mit den Achseln, als wollte er das enge Hemd auf seinen Schultern zurechtrücken. Er schluckte, dann sah er mir direkt in die Augen.

»Das Kind?«, sagte er. Alles, was er fühlte, stand ihm ins Gesicht geschrieben; drängende Hoffnung, verzweifelte Angst und die Mühe, beides im Zaum zu halten.

Ich lächelte ihn an und streckte meine Hand aus. »Komm her.«

Ich hatte lange und sorgfältig darüber nachgedacht, was ich mitbringen könnte, falls mir die Reise durch die Steine gelang. Da ich bereits einmal mit Hexerei in Verbindung gebracht worden war, war ich sehr vorsichtig gewesen. Doch eines musste ich einfach mitnehmen, ganz gleich, was es für Folgen hatte, wenn es jemand sah.

Ich zog ihn neben mir zum Sitzen auf das Bett hinunter und holte das rechteckige Päckchen aus der Tasche, das ich in Boston so liebevoll gepackt hatte. Ich wickelte es aus seiner wasserdichten Umhüllung und drückte Jamie den Inhalt in die Hände.

»Da«, sagte ich.

Er nahm sie mir ab, vorsichtig wie ein Mensch, der es mit einer unbekannten und möglicherweise gefährlichen Substanz zu tun hat. Einen Moment hielten seine großen Hände die Fotos fest umrahmt. Briannas rundes Neugeborenengesicht lugte selbstvergessen zwischen seinen Fingern hervor, die Fäustchen auf ihrer Decke zusammengerollt, die schrägen Augen geschlossen, erschöpft von der neuen Erfahrung des Daseins, den kleinen Mund im Schlaf leicht geöffnet.

Ich hob den Kopf und sah ihm ins Gesicht; er sah aus, als hätte ihn der Schlag getroffen. Er hielt sich die Bilder an die Brust, reglos, mit großen, starren Augen, als hätte ihm der Bolzen einer Armbrust das Herz durchbohrt – was man ja durchaus sagen konnte.

»Mit Grüßen von deiner Tochter«, sagte ich. Ich drehte sein leeres Gesicht zu mir hin und küsste ihn sanft auf den Mund. Das löste die Trance; er blinzelte, und sein Gesicht erwachte wieder zum Leben.

»Meine … sie …« Seine Stimme war heiser vor Erregung. »Tochter. Meine Tochter. Sie … weiß es?«

»Ja. Schau dir den Rest an.« Ich zog ihm das erste Bild aus den Fingern und legte den Schnappschuss frei, auf dem sich Brianna urkomisch mit der Glasur ihres ersten Geburtstagskuchens bekleckert hatte, ein vierzähniges kleines Monstergrinsen des Triumphs im Gesicht, während sie ihr neues Plüschkaninchen über dem Kopf schwenkte.

Jamie stieß einen kleinen, unartikulierten Laut aus, und seine Finger lockerten sich. Ich nahm ihm den kleinen Stapel Fotos ab und reichte sie ihm einzeln zurück.

Brianna mit zwei, ein Zwerg im Schneeanzug, die Wangen rund und rot wie Äpfel, während ihr die Haarsträhnchen aus der Kapuze entwischten.

Brianna mit vier, das Haar eine glatte, glänzende Glocke; den einen Knöchel auf das andere Knie gestützt, saß sie lächelnd für den Fotografen Modell, adrett und selbstsicher im weißen Trägerrock.

Mit fünf als stolze Besitzerin ihrer ersten Pausenbrotdose an der Bushaltestelle zum Kindergarten.

»Ich durfte nicht mit; sie wollte unbedingt allein gehen. Sie ist sehr t-tapfer und hat vor nichts Angst …« Mit einem Kloß im Hals erklärte ich ihm die Bilder, machte ihn auf Veränderungen aufmerksam, während ihm ein Foto nach dem anderen aus der Hand fiel und zu Boden glitt, als er nach dem nächsten griff.

»O Gott!«, sagte er bei dem Bild, das Brianna mit zehn zeigte – sie saß auf dem Küchenfußboden und hatte die Arme um Smoky gelegt, den großen Neufundländer. Es war ein Farbfoto; ihr Haar ein leuchtender Schimmer vor dem glänzenden schwarzen Hundefell.

Seine Hände zitterten so sehr, dass er die Bilder nicht mehr halten konnte; die letzten musste ich ihm zeigen – Brianna als Erwachsene, wie sie lachend eine Schnur mit Fischen präsentierte, die sie gefangen hatte, wie sie nachdenklich an einem Fenster stand, wie sie rothaarig und zerzaust auf dem Griff der Axt lehnte, mit der sie Brennholz gespalten hatte. Die Bilder zeigten ihr Gesicht in allen Stimmungen, die ich hatte einfangen können, stets dieses Gesicht mit der langen Nase und dem breiten Mund, diesen hohen, breiten, flachen Wikingerwangenknochen und den schrägen Augen – eine feiner gemeißelte Version ihres Vaters, des Mannes, der neben mir auf dem Bett saß und wortlos den Mund bewegte, während ihm lautlos die Tränen über die Wangen rannen.

Er breitete eine Hand gerade so über die Fotos, dass seine zitternden Finger die glänzenden Oberflächen nicht berührten, dann wandte er sich um und beugte sich zu mir herüber, langsam, mit der unwahrscheinlichen Anmut eines fallenden Baumriesen. Er vergrub das Gesicht an meiner Schulter und verlor in aller Stille jede Fassung.

Ich hielt ihn an meiner Brust, die Arme fest um seine breiten, bebenden Schultern geschlossen, und auch mir liefen die Tränen aus den Augen und landeten als kleine dunkle Flecken in den roten Wellen seines Haars. Ich presste meine Wange auf seinen Scheitel und murmelte ihm zusammenhanglose Kleinigkeiten zu, als wäre er Brianna. Ich fühlte mich an eine Operation erinnert – selbst wenn der Schaden erfolgreich repariert werden kann, ist die Heilung immer noch schmerzhaft.

»Ihr Name?« Schließlich hob er das Gesicht und wischte sich mit dem Handrücken über die Nase. Noch einmal griff er nach den Bildern, sanft, als könnten sie sich bei seiner Berührung auflösen. »Wie hast du sie genannt?«

»Brianna«, sagte ich stolz.

»Brianna?«, sagte er mit einem stirnrunzelnden Blick auf die Bilder. »Was für ein grauenhafter Name für ein kleines Mädchen!«

Ich fuhr zurück, als hätte er mich geohrfeigt. »Er ist nicht grauenhaft!«, fuhr ich ihn an. »Es ist ein wunderschöner Name, und außerdem hast du mir gesagt, ich soll sie so nennen! Was meinst du damit, grauenvoll?«

»Ich habe dir gesagt, du sollst sie so nennen?« Er kniff die Augen zusammen.

»Aber ja doch! Als wir … als wir … als ich dich das letzte Mal gesehen habe.« Ich presste die Lippen fest aufeinander, um nicht erneut loszuweinen. Im nächsten Moment hatte ich mich so weit im Griff, dass ich hinzufügen konnte: »Du hast mir gesagt, ich soll das Baby nach deinem Vater nennen. Er hieß doch Brian, oder?«

»Aye, so hieß er.« Ein Lächeln schien mit den anderen Gefühlen in seinem Gesicht um die Vorherrschaft zu ringen. »Aye«, sagte er. »Aye, du hast recht. Es ist nur … nun ja, ich dachte einfach, es würde ein Junge.«

»Und jetzt bedauerst du, dass sie keiner ist?« Ich funkelte ihn an und begann, die verstreuten Fotos einzusammeln. Seine Hände auf meinen Armen geboten mir Einhalt.

»Nein«, sagte er. »Nein, das bedauere ich nicht. Natürlich nicht!« Sein Mund zuckte sacht. »Aber ich kann nicht leugnen, dass sie mich in meinen Grundfesten erschüttert, Sassenach. Genau wie du.«

Einen Moment saß ich still und sah ihn an. Ich hatte mich monatelang auf diesen Augenblick vorbereiten können, und dennoch hatte ich weiche Knie, und mein Magen hatte sich zu einem Knoten zusammengeballt. Für ihn war mein Auftauchen völlig unerwartet gekommen; kein Wunder, wenn ihn der Schock ein wenig ins Wanken brachte.

»Das kann ich mir vorstellen. Tut es dir leid, dass ich gekommen bin?«, fragte ich. Ich schluckte. »Möchtest … möchtest du, dass ich gehe?«