»Willst du mich?«, flüsterte er. »Sassenach, wirst du mich nehmen – und das Risiko eingehen mit dem Mann, der ich bin, um des Mannes willen, den du einmal kanntest?«
Ich spürte eine große Welle der Erleichterung, vermischt mit Angst. Sie rann von der Hand auf meiner Schulter bis zu meinen Zehenspitzen, und meine Knie wurden weich.
»Es ist doch viel zu spät für diese Frage«, sagte ich und streckte die Hand nach seiner Wange aus, wo allmählich sein Bartansatz sichtbar wurde. Er war weich unter meinen Fingern wie steifer Plüsch. »Ich habe doch längst alles riskiert, was ich hatte. Aber wer auch immer du jetzt bist, Jamie Fraser – ja. Ja, ich will dich.«
Das Licht der Kerzenflamme schimmerte blau in seinen Augen, als er mir die Hände entgegenhielt, und ich überließ mich wortlos seiner Umarmung. Ich legte mein Gesicht an seine Brust und spürte ihn staunend in meinen Armen, groß, fassbar und warm. Real nach all den Jahren der Sehnsucht nach einem Geist, den ich nicht berühren konnte.
Kurz darauf löste er sich von mir, blickte auf mich herunter und berührte sanft meine Wange. Er lächelte schwach.
»Du hast wirklich Todesmut, aye? Aber das war schließlich schon immer so.«
Ich versuchte, ihn anzulächeln, aber mir zitterten die Lippen.
»Was ist mit dir? Woher weißt du, was für ein Mensch ich bin? Du weißt doch auch nicht, was ich in den letzten zwanzig Jahren gemacht habe. Ich könnte genauso gut eine ganz fürchterliche Person sein!«
Das Lächeln sprang von seinen Lippen auf seine Augen über, und Humor glitzerte darin auf. »Das kann schon sein. Aber weißt du, Sassenach – ich glaube, es interessiert mich nicht.«
Ich blieb noch eine Minute stehen und sah ihn an, dann stieß ich einen tiefen Seufzer aus, der die Naht meines Kleides weiter aufplatzen ließ.
»Ich auch nicht.«
Es schien absurd, in seiner Gegenwart schüchtern zu sein, doch ich war schüchtern. Die Abenteuer des Abends und seine Worte hatten die Kluft der Realität geöffnet – diese zwanzig ungeteilten Jahre, die zwischen uns klafften, und die unbekannte Zukunft jenseits davon. Nun waren wir an dem Punkt angelangt, an dem wir einander wieder kennenlernen und herausfinden würden, ob wir tatsächlich dieselben beiden Menschen waren, die einmal eins gewesen waren – und ob wir wieder eins werden konnten.
Ein Klopfen an der Tür löste die Anspannung. Es war ein kleines Dienstmädchen mit einem Essenstablett. Sie verneigte sich schüchtern vor mir, lächelte Jamie an, trug mit flinker, geschickter Hand das Essen auf – kalter Braten, heiße Brühe und warmes Haferbrot mit Butter – und machte Feuer, dann ging sie mit einem gemurmelten »Guten Abend« aus dem Zimmer.
Wir aßen langsam und redeten ganz bewusst nur von neutralen Dingen; ich erzählte ihm, wie ich es vom Craigh na Dun nach Inverness geschafft hatte, und brachte ihn mit Geschichten von Mr. Graham und dem kleinen Georgie zum Lachen. Er wiederum erzählte mir von Mr. Willoughby; wie er den kleinen Chinesen halb verhungert und stockbetrunken hinter einem Fässerstapel an den Docks von Burntisland gefunden hatte, einem der Seehäfen in der Nähe von Edinburgh.
Über uns selbst sagten wir nicht viel, doch im Lauf des Essens wurde ich mir seines Körpers immer bewusster – beobachtete seine schönen langen Hände, während er Wein einschenkte und Fleisch schnitt, sah die Bewegung seines kräftigen Oberkörpers unter dem Hemd und den eleganten Verlauf von Hals und Schulter, als er sich nach einer heruntergefallenen Serviette bückte. Ein- oder zweimal glaubte ich, seinen Blick genauso auf mir ruhen zu sehen – doch er wandte ihn jedes Mal hastig ab und verbarg seine Augen, so dass ich nicht sagen konnte, was er sah oder empfand.
Gegen Ende des Essens hatten wir beide vor allem einen Gedanken im Kopf. Es konnte ja kaum anders sein, wenn man bedachte, wo wir uns befanden. Ich erschauerte ebenso angsterfüllt wie erwartungsvoll.
Schließlich leerte er sein Weinglas, stellte es ab und sah mich direkt an.
»Kommst du …« Er hielt inne, und die Röte in seinem Gesicht nahm zu, doch er sah mir in die Augen, schluckte und fuhr fort: »Kommst du also mit mir ins Bett? Ich meine«, sprach er hastig weiter, »es ist kalt, und wir sind beide durchnässt, und …«
»Und es gibt keine Stühle«, beendete ich den Satz für ihn. »Also schön.« Ich zog meine Hand aus der seinen und drehte mich dem Bett zu. Dabei empfand ich eine seltsame Mischung aus Erregung und Zögern, die mir den Atem nahm.
Rasch zog er sich Kniehose und Strümpfe aus, dann sah er mich an.
»Entschuldige, Sassenach; ich hätte daran denken sollen, dass du Hilfe bei deinen Schnüren brauchst.«
Es kam also nicht häufig vor, dass er Frauen entkleidete, dachte ich unwillkürlich, und meine Lippen verzogen sich bei diesem Gedanken zu einem Lächeln.
»Oh, es sind keine Schnüre«, murmelte ich, »aber wenn du mir da im Rücken behilflich wärst …« Ich legte meinen Umhang beiseite, drehte ihm den Rücken zu und hob mein Haar an, um den Nacken des Kleides freizulegen.
Es folgte verwundertes Schweigen. Dann spürte ich, wie ein Finger langsam über die Furche meines Rückgrats glitt.
»Was ist das?«, fragte er und klang verblüfft.
»Es nennt sich Reißverschluss«, sagte ich und lächelte, obwohl er mich nicht sehen konnte. »Siehst du den kleinen Griff ganz oben? Fass dort an und zieh ihn gerade nach unten.«
Die Zähnchen des Reißverschlusses trennten sich mit einem gedämpften Surren, und Jessica Gutenburgs Überreste waren frei. Ich zog die Arme aus den Ärmeln heraus, ließ mir das schwere Kleid um die Füße fallen und wandte mich zu Jamie um, ehe mir der Mut versagte.
Er fuhr zurück, verblüfft über diese plötzliche Entpuppung. Dann blinzelte er und starrte mich an.
In Schuhen und rosenfarbenen Seidenstrümpfen mit Strumpfbändern stand ich vor ihm. Ich verspürte ein überwältigendes Bedürfnis, das Kleid wieder an mich zu reißen, doch ich blieb standhaft. Ich richtete mich auf, hob das Kinn und wartete.
Er sagte kein Wort. Seine Augen glänzten im Kerzenschein auf, als er kaum merklich den Kopf bewegte, doch er beherrschte nach wie vor diesen Kniff, all seine Gedanken hinter einer undurchdringlichen Maske zu verbergen.
»Könntest du etwas sagen, verdammt?«, forderte ich schließlich mit etwas wackeliger Stimme.
Sein Mund öffnete sich, doch es kamen keine Worte heraus. Langsam schüttelte er den Kopf hin und her.
»Himmel«, flüsterte er schließlich. »Claire … du bist die schönste Frau, die ich je gesehen habe.«
»Du«, sagte ich voller Überzeugung, »kannst wohl nicht mehr richtig sehen. Vermutlich Glaukom; für grauen Star bist du zu jung.«
Er lachte etwas zögernd, und dann sah ich, dass er tatsächlich nicht richtig sehen konnte – er lächelte zwar, doch in seinen Augen glänzte die Feuchtigkeit. Er blinzelte krampfhaft und streckte die Hand aus.
»Ich«, sagte er mit derselben Überzeugung, »habe Augen wie ein Falke, wie eh und je. Komm her zu mir.«
Etwas zögerlich nahm ich seine Hand und ließ den unzureichenden Schutz der Kleiderreste hinter mir. Er zog mich sanft an sich und setzte sich auf das Bett, so dass ich zwischen seinen Knien stand. Dann küsste er mich sanft auf jede Brust und legte den Kopf dazwischen, so dass mir sein Atem warm über die nackte Haut strich.
»Deine Brust ist wie Elfenbein«, sagte er leise, aber in jenem breiten Highlandschottisch, das er immer sprach, wenn er sehr bewegt war. Seine Hand hob sich, um meine Brust zu umfassen, und seine sonnengebräunten Finger wirkten beinahe dunkel auf dem bleichen Schimmer meiner Haut.
»Sie nur zu sehen, so voll und rund – Himmel, ich könnte den Kopf für immer hier anlehnen. Aber dich zu berühren, Sassenach … mit deiner Haut wie weißer Samt und den schönen langen Rundungen deines Körpers …« Er hielt inne, und ich konnte die Bewegung seiner Halsmuskeln sehen, als er schluckte, während seine Hand langsam über die Kurve von Taille und Hüfte fuhr, die Sanduhr von Gesäß und Oberschenkel.