»Lieber Gott«, sagte er immer noch leise. »Niemals könnte ich dich ansehen, Sassenach, ohne dich zu berühren, dich nicht in meiner Nähe haben, ohne dich zu begehren.« Dann hob er den Kopf und drückte mir einen Kuss auf das Herz, ehe seine Hand über die sanfte Wölbung meines Bauches fuhr und die kleinen Spuren nachzeichnete, die Briannas Geburt dort hinterlassen hatte.
»Es … stört dich wirklich nicht?«, sagte ich zögernd und strich mir selbst mit den Fingern über den Bauch.
Er lächelte halb reumütig zu mir auf. Einen Moment zögerte er, dann zog er seinen Hemdsaum hoch.
»Dich denn?«, fragte er.
Die Narbe verlief von der Mitte seines Oberschenkels fast bis in seine Leistenbeuge, mehr als zwanzig Zentimeter knotiges, weißliches Gewebe. Ich schnappte unwillkürlich nach Luft und sank neben ihm auf die Knie.
Ich legte meine Wange an seinen Oberschenkel und hielt sein Bein fest, als würde ich ihn jetzt am Leben halten – da ich es damals nicht gekonnt hatte. Unter meinen Fingern konnte ich sein Blut langsam und kräftig durch die Oberschenkelarterie pulsieren spüren – keine drei Zentimeter von der gefährlichen Kerbe dieser knotigen Narbe entfernt.
»Es macht dir keine Angst und widert dich nicht an, Sassenach?«, fragte er und legte mir die Hand auf das Haar. Ich hob den Kopf und blickte zu ihm auf.
»Natürlich nicht!«
»Aye, nun denn.« Er streckte die Hand nach meinem Bauch aus, ohne den Blick von meinen Augen abzuwenden. »Und wenn du die Narben deiner eigenen Kämpfe trägst, Sassenach«, sagte er leise, »so kümmern sie mich auch nicht.«
Dann hob er mich neben sich auf das Bett und beugte sich über mich, um mich zu küssen. Ich wand mich aus meinen Schuhen und zog die Beine an, spürte seine Wärme durch sein Hemd. Meine Hände fanden den Knopf an seinem Hals und versuchten, ihn zu öffnen.
»Ich will dich sehen.«
»Oh, da gibt es nicht viel zu sehen, Sassenach«, sagte er mit einem unsicheren Lachen. »Aber das gehört dir – wenn du es willst.«
Er zog sich das Hemd über den Kopf und warf es auf den Boden, dann lehnte er sich rückwärts auf die Handflächen, so dass ich seinen Körper sehen konnte.
Ich wusste nicht genau, was ich erwartet hatte. Tatsächlich jedoch raubte mir der Anblick seines nackten Körpers den Atem. Natürlich war er nach wie vor hochgewachsen und wunderschön proportioniert, und seine langen Knochen waren mit glatten Muskeln überzogen, elegant und kraftvoll. Er leuchtete im Kerzenschein, als käme das Licht aus seinem Inneren.
Er hatte sich verändert, keine Frage, doch die Veränderung war subtil, als hätte man ihn in einem Brennofen mit einer festen Glasur überzogen. Er sah aus, als hätten sich Muskeln und Haut kaum merklich zusammengezogen, sich dichter an die Knochen gedrängt, so dass er gefestigter war; er war nie schlaksig gewesen, doch jetzt war auch die letzte Spur jungenhafter Lockerheit verschwunden.
Seine Haut war zu einem blassen Goldton nachgedunkelt, an Gesicht und Hals zu Bronze gebrannt, um sich dann über seinen Körper hinweg zu reinem Weiß aufzuhellen, das in der Mulde seiner Oberschenkel blau geädert war. Sein Schamhaar war ein wilder kastanienbrauner Busch, und es war nicht zu übersehen, dass er nicht gelogen hatte; er wollte mich in der Tat, und zwar sehr.
Ich sah ihm in die Augen, und sein Mund zuckte plötzlich.
»Ich habe dir einst gesagt, dass ich aufrichtig zu dir sein würde, Sassenach.«
Ich lachte, während mir gleichzeitig die Tränen in den Augen brannten – ein solcher Wirrwarr von Gefühlen stieg in mir auf.
»Ich dir auch.« Zögernd streckte ich die Hand nach ihm aus, und er ergriff sie. Die Kraft und Wärme seines Händedrucks kam überraschend, und ich fuhr sacht zusammen. Dann griff ich fester zu, und er erhob sich und wandte sich mir zu.
Wir standen still und zögerten verlegen. Wir waren uns beide des anderen intensiv bewusst – wie konnte es auch anders sein? Das Zimmer war klein, und die beengte Atmosphäre war von Anspannung erfüllt wie von statischer Elektrizität, so heftig, dass man es beinahe sehen konnte. Ich empfand dumpfes Grauen, wie man es auf dem Gipfel einer Achterbahn erlebt.
»Hast du genauso viel Angst wie ich?«, hörte ich mich schließlich heiser sagen.
Er betrachtete mich sorgfältig und zog eine Augenbraue hoch.
»Ich glaube nicht, dass das möglich ist«, sagte er. »Du hast ja überall Gänsehaut. Ist das Angst, Sassenach, oder ist dir nur kalt?«
»Beides«, sagte ich, und er lachte.
»Dann hinein mit dir.« Er ließ meine Hand los und bückte sich, um die Bettdecke zurückzuschlagen.
Das Zittern ließ auch dann nicht nach, als er neben mir unter die Decke glitt, obwohl er so glühte, dass es ein körperlicher Schock war.
»Gott, du frierst jedenfalls nicht!«, entfuhr es mir. Ich drehte mich ihm zu, und seine Wärme zog sich schimmernd vom Kopf bis zu den Füßen über meine Haut. Ich konnte meine Brustwarzen fest und hart an seiner Haut spüren, und die Unmittelbarkeit seiner nackten Haut an der meinen traf mich wie ein Schlag.
Er lachte ein wenig unsicher. »Nein, das tue ich nicht. Also muss ich wohl Angst haben, aye?« Seine Arme umfingen mich sanft, und ich berührte seine Brust und spürte, wie er unter meinen Fingerspitzen Gänsehaut bekam.
»Als wir damals Angst voreinander hatten«, flüsterte ich, »in unserer Hochzeitsnacht – hast du meine Hände gehalten. Du hast gesagt, es würde einfacher sein, wenn wir uns berühren.«
Er stieß einen kleinen Laut aus, als meine Fingerspitze seine Brustwarze berührte.
»Aye, so war es«, sagte er, und es klang atemlos. »Gott, berühre mich noch einmal so.« Seine Hände zogen mich plötzlich fester an ihn.
»Berühre mich«, sagte er noch einmal leise, »und lass mich dich berühren, Sassenach.« Seine Hand umfasste mich, streichelte mich, berührte mich, und meine Brust lag angespannt und schwer in seiner Handfläche. Ich zitterte immer noch, doch jetzt ging es ihm genauso.
»Als wir geheiratet haben«, flüsterte er, und sein Atem strömte warm über meine Wange, »und ich dich gesehen habe, so hübsch in deinem weißen Kleid – konnte ich an nichts anderes denken als an den Moment, wenn wir allein sein würden und ich deine Schnüre öffnen und dich nackt neben mir im Bett haben könnte.«
»Willst du mich immer noch?«, flüsterte ich und küsste die sonnenverbrannte Haut in der Mulde über seinem Schlüsselbein. Seine Haut schmeckte schwach nach Salz, und sein Haar roch beißend nach Holzrauch und Mann.
Er antwortete nicht, sondern bewegte sich abrupt, so dass ich ihn steif und hart an meinem Bauch spüren konnte.
Es war genauso viel Angst wie Verlangen, was mich eng an ihn presste. Ich wollte ihn, kein Zweifel, so sehr, dass meine Brüste schmerzten und ich ein Ziehen in meinem Bauch verspürte bis hinunter zu der schlüpfrigen Stelle zwischen meinen Beinen, die sich unter dem ungewohnten Ansturm der Erregung für ihn öffneten. Doch genauso stark wie die Lust war der unbändige Wunsch, dass er mich überwältigte, meine Zweifel in Hemmungslosigkeit erstickte, mich so entschlossen und so schnell nahm, dass ich mich selbst vergaß.
Ich konnte den Drang, genau das zu tun, als Zittern in den Händen spüren, die mein Gesäß umfassten, im unwillkürlichen Zucken seiner Hüften, das abrupt endete, als er sich selbst beherrschte.
Tu’s, dachte ich, von qualvoller Anspannung erfüllt. Um Gottes willen, tu’s, und sei nicht sanft!
Ich konnte es nicht sagen. Ich sah das Sehnen in seinem Gesicht, doch er konnte es genauso wenig sagen; es war zu früh und zu spät für solche Worte zwischen uns.
Doch wir kannten noch eine andere Sprache, und mein Körper hatte sie nicht vergessen. Ich presste meine Hüften gegen ihn, fasste die seinen, und sein Gesäß verkrampfte sich unter meinen Händen. Ich drehte das Gesicht nach oben und verlangte im selben Moment nach seinem Kuss, als auch er sich abrupt über mich beugte, um mich zu küssen.