Выбрать главу

Wie zuvor zog er ein eng bedrucktes Formular und ein Schmierpapier hervor. Dann murmelte er etwas Unverständliches vor sich hin, kritzelte etwas aufs Papier, hob den Kopf und blickte Hunt und Beth strahlend an. »Sehr schön. Wir können Ihnen ein umfassendes Zahnfürsorge-Arzt-Komplettpaket anbieten - wir nennen es Denta-Med -, und das zu einem Bruchteil der Beiträge, die selbst unser günstigster Konkurrent verlangt!«

»Das hört sich großartig an, aber selbst, wenn wir wechseln wollten, können wir es nicht«, gab Hunt zu bedenken. »Ich erhalte die Kranken- und Zahnfürsorgeversicherung durch meinen Arbeitgeber. Für meine Frau gilt das Gleiche. Und bei uns beiden ist ein Wechsel frühestens zum Herbst möglich. Wir kommen aus unseren Versicherungen nicht raus, bis ...«

»Warten Sie mal!«, sagte der Vertreter und klang ehrlich schockiert. »Sie haben Ihre Policen noch nicht einmal konsolidiert? In dem Augenblick, da Sie geheiratet haben, hätte der Ehepartner mit der besseren Versorgung den anderen Partner sofort als Familienangehörigen mitversichern lassen sollen, und der hätte dann sämtliche Leistungen seines Arbeitgebers auf einen nachträglichen Vergütungsplan umschreiben können.« Der Versicherungsvertreter durchwühlte seinen Aktenkoffer und zog ein Bündel Papiere und mehrere Stifte hervor. »Lassen Sie mich das kurz mit Ihnen durchgehen.«

»Es tut mir leid«, sagte Hunt. »Wir sind nicht interessiert.«

Beth legte ihm die Hand auf den Arm. »Es kann ja nicht schaden, es sich anzuhören.«

»Aber wir sind durch unsere Arbeitgeber versichert ...«

»Und das wird auch so bleiben«, unterbrach der Vertreter ihn. »Genau das will ich Ihnen ja zeigen. Für nur wenige Pennies mehr im Monat können Sie die bestmögliche Versicherung haben. Und Sie müssen auch nicht bis zum nächsten Wechseltermin warten. Das Ganze läuft folgendermaßen: Wir übernehmen ihrer beider bestehenden Versicherungspolicen und sammeln die Beiträge ein, die Sie und Ihre Arbeitgeber zahlen. Dann werden wir Ihnen jeden Monat eine bescheidene Rechnung für den Differenzbetrag schicken, und - voilà! - schon sind Sie im besten Programm, das für Geld zu haben ist. Die Deregulierung ermöglicht es uns, eine breitere Angebotspalette parat zu halten und auch kreative Methoden der Anwerbung einzusetzen. Für den Verbraucher ist das ein wahrer Segen. Männer und Frauen wie Sie, die bisher in starren Plänen eingezwängt waren, die sich im Schadensfall womöglich als unbefriedigend erwiesen hätten, können jetzt die beste Versicherungsabdeckung des Countys erhalten - so wie es seit fünfundzwanzig Jahren durch unabhängige Tester von Dienstleistungen und Waren dokumentiert wird.«

»Hören Sie«, sagte Hunt mit fester Stimme. »Wir suchen keine neue Versicherung. Sie können mit der energischen Verkaufstechnik aufhören.«

»Du hast ja auch keine silbernen Zähne«, merkte Beth an. Dann nickte sie dem Vertreter zu. »Fahren Sie fort.«

Aus seinem Aktenkoffer zog er zwei kleine Heftchen hervor und reichte jedem von ihnen eines. »Dies hier ist das Komplettpaket, von dem ich gesprochen habe. Wenn Sie bitte Seite eins aufschlagen wollen ...«

Es dauerte fast eine Stunde, sämtliche Leistungen der Denta-Med-Versicherung aufzuzählen, und als der Vertreter fertig war, musste Hunt zugeben, dass es tatsächlich nach einer sehr viel besseren Versicherungsleistung klang als das, was das County oder die Thompson Industries boten. Hinzu kam, dass sie wirklich Geld sparen würden - falls es stimmte, was der Vertreter erzählte. Auch wenn sie einen Teil der Beiträge aus eigener Tasche würden zahlen müssen, würde Beth am Ende des Monats deutlich mehr auf ihrem Gehaltsscheck vorfinden, weil sie bei Hunt mitversichert wäre und der Arbeitnehmerbeitrag zu den Versicherungsleistungen ihr nicht mehr abgezogen würde.

»Das gefällt mir«, sagte sie.

Hunt seufzte. »Ja. Klingt gut.«

»Ausgezeichnet. Ich habe zufälligerweise die Anträge gerade dabei. Wenn Sie also hier unterzeichnen und paraphieren würden, dann können wir das Ganze ins Rollen bringen.«

Den Stift schon in der Hand, stockte Hunt. »Und wenn wir es uns anders überlegen? Wenn wir wieder aussteigen wollen?«

»Hm«, sagte der Vertreter. »Nun, in dem Falle würden Sie bis zur üblichen Wechselfrist warten müssen, die Ihre Arbeitgeber vorgesehen haben.«

»Das heißt, wir spielen hier alles oder nichts.«

»Nein, überhaupt nicht. Die Zufriedenheit unserer Kunden ...«

»Und die hervorragende Bewertung Ihrer Versicherung durch Verbraucherorganisationen. Ich weiß, ich weiß.« Hunt schaute Beth an, sah die Entschlossenheit in ihrem Blick, atmete tief durch und unterschrieb den Antrag. Was machte es schon? Er war ja sowieso kaum krank. Wahrscheinlich würde er die Versicherung vor der Wechselfrist gar nicht in Anspruch nehmen müssen. Beth würde das Versuchskaninchen spielen - und sie war ja auch diejenige, die es ausprobieren wollte.

Beide unterschrieben und datierten ihre vier Seiten; dann tauschten sie die Unterlagen und kümmerten sich um die jeweils andere Ausfertigung.

Der Vertreter nahm ihnen die Formulare ab, legte sie in seinen Aktenkoffer und schloss ihn; dann stellte er die Tasche neben das Sofa. »Ich danke Ihnen. Hier ist meine Karte. Wie schon gesagt - falls ich irgendetwas für Sie tun kann, oder wenn Sie Fragen haben, scheuen Sie sich nicht, mich anzurufen.«

Es war die gleiche Karte, die er ihnen schon einmal gegeben hatte: QUALITY INSURANCE. Die Telefonnummer. Kein Name.

»Wenn wir anrufen«, stellte Hunt die Frage, »mit wem sollen wir uns dann verbinden lassen?«

»Mit mir natürlich.«

»Und wie heißen Sie?«

Er lächelte. »Machen Sie sich keine Sorgen. Ich bin immer derjenige, der ans Telefon geht.« Er erhob sich, schüttelte ihnen beiden die Hand ...

nicht ganz so ledrig

... und ging zur Tür.

»Haben Sie nicht etwas vergessen?« Beth deutete auf den Aktenkoffer.

Er lächelte reumütig. »Manchmal glaube ich, ich könnte sogar meinen Kopf vergessen, wenn der nicht festgeschraubt wäre. Letzte Woche habe ich den Antrag auf eine Risikolebensversicherung vergessen und musste wieder in mein Büro zurück, um ihn zu holen.«

»Geistesabwesenheit ist bei einem Versicherungsvertreter immer ein gutes Zeichen«, sagte Hunt. »Das ist sehr Vertrauen erweckend.«

Der Vertreter warf Hunt einen giftigen Blick zu, der überhaupt nicht zu seinem freundlichen, enthusiastischen Auftreten passte, das er stets an den Tag legte. Für einen Moment war Hunt irritiert. Auch Beth schien erstaunt. Doch der feindselige Gesichtsausdruck des Mannes war so schnell verschwunden, wie er gekommen war. Sofort hatte der Vertreter wieder die altbekannte fröhliche Miene aufgesetzt. Hunt musste an ein Ungeheuer denken, das sich eine Menschenmaske über die wahre, entsetzliche Fratze zog.

Wenigstens einen Augenblick, überlegte er, haben wir ihn ohne Maske gesehen.

»Ich hoffe, Sie haben Freude an Ihren neue Policen«, sagte der Vertreter und griff nach seinem Aktenkoffer. »Schauen Sie alles durch, beschäftigen Sie sich ganz nach Belieben damit, und lassen Sie mich wissen, wenn ich sonst noch etwas für Sie tun kann.«

Er drehte sich um, verharrt dann aber noch einmal. »Habe ich erwähnt, dass wir jetzt auch Arbeitsplatzversicherungen anbieten?«

Keiner von ihnen antwortete.

»Das ist nicht wie eine Arbeitslosenversicherung - sie garantiert Ihnen kein Einkommen, wenn Sie vorübergehend ohne Job sind. Sie garantiert vielmehr, dass Sie gar nicht erst arbeitslos werden, dass Ihre Stelle sicher bleibt, dass Sie nicht etwa beispielsweise ihren Arbeitsplatz im Zuge von Einsparungsmaßnahmen oder Privatisierungsmaßnahmen verlieren.« Er lächelte Hunt an. »Oder dass Sie wegen Fremdfaktoren den Spaß an Ihrer Arbeit verlieren.« Er lächelte Beth an. »Dank dieser Versicherungsleistung wird Ihnen eine feste Stellung an einem Arbeitsplatz garantiert, den sie auch mögen. Und was will man mehr?«