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Als sie sich dem Hafenviertel näherten, verfestigten sich die Vermutungen, die der Detektiv bereits seit einigen Minuten über das Ziel des Riesen angestellt hatte. Sie würden versuchen, per Schiff zu entkommen! Er wusste nicht, wie sie aus dem Haus kommen wollten, zweifelte aber nicht daran, dass sie es schaffen würden, wie sie bisher alles geschafft hatten. Allerdings war ihnen Gabriel Beale bisher auch noch nie so dicht auf den Fersen gewesen.

Er sah auf eine Entfernung von vielleicht dreißig Metern, wie Mr. Phineas an Bord eines der am Pier befestigten Schiffe ging, mimte sofort einen Betrunkenen und entzifferte den Namen Deep South, als er daran vorbeiwankte. Seine Gedanken rasten. Wie ließ sich diese Flucht noch verhindern? Ein Vorteil war, dass Spratts Boardinghouse nicht allzu weit entfernt war und er binnen zwanzig Minuten vier, fünf, sechs Männer hier haben konnte, um die Zugänge zum Schiff zu überwachen. Ein Vorteil war auch, dass der Riese das Schiff offenbar ganz allein fahrtklar machen musste, was zweifellos einige Stunden dauern würde.

Vielleicht war es ja möglich, ihn zu überwältigen und an seiner Stelle auf die Flüchtenden zu warten. Aber das, sagte sich Beale sofort, würde wohl kaum ohne Kampf und darum auch nicht geräuschlos vonstattengehen; außerdem gab es womöglich ein Losungswort, schickte Moses vielleicht einen Beobachter vor und wäre gewarnt. Nein, die Bewachung des Schiffs und ein Überfall auf die Flüchtenden bei ihrer Annäherung schienen ihm das Sicherste. Aber was, wenn dieser Überfall fehlschlug?

Es war letztlich wohl nur seine von dem bloßen Gedanken an ein neuerliches Entkommen seiner Beute gekränkte Eitelkeit, die den höhnischen Satz in seiner Erinnerung wachrief, wo er ihn von nun an ständig wiederholte: »Brandstiftung?! Warum nicht gleich eine Bombe?«

Er hatte einmal einen Versicherungsbetrug auf dem Ohio untersucht und wusste, dass bei der Explosion eines Dampfschiffs jedermann nahezu blindlings von einem Kesselschaden ausging. Er wusste auch, dass schon eine relativ kleine Menge Pulver an der richtigen Stelle genügte, um eine tödliche Kettenreaktion auszulösen. Als Zünder hatten die Betrüger damals eine oder mehrere Patronen in einem angebohrten Stück Kohle verwendet. Bei einem anderen, dem berühmten Unfall der Effie Afton hatte das Ganze wohl ähnlich funktioniert. Man sprach nicht mehr viel darüber.

148.

Was bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht schiefgegangen war, schlug fehl, nachdem von Tempsky gefallen war. McDonnell, mit dem Zentrum übel zusammengeschlagen, befahl den Rückzug und schickte Hunter auf den rechten Flügel, um Fühlung mit den Rangern herzustellen und eine schlagkräftige Nachhut zu bilden, die die Maori beschäftigen sollte, bis alle auf dem Pungarehu-Pfad waren. Eine kluge Maßnahme, die allerdings nicht umgesetzt werden konnte, weil Hunter nur wenige Minuten später erschossen wurde und auch die Ranger inzwischen drei von vier Offizieren verloren hatten.

Zweimal waren sie vorgeprescht, um von Tempskys Leiche zu bergen, und zweimal hatten die Maori dabei nur noch mehr Männer getötet. Also blieben sie in Deckung und wurden abgeschnitten, als »Fighting Mac« zurückging. Dass irgendetwas mit von Tempskys Truppe nicht stimmte, merkte McDonnell irgendwann daran, dass niemand den Feind daran hinderte, ihn zu verfolgen. Auf diese Weise zu seiner eigenen Nachhut geworden, zeigte er noch einmal seine ganze militärische und moralische Klasse; hielt die nachrückenden Maori auf Distanz, dirigierte den Rückzug, organisierte den Transport der vielen Verwundeten und war praktisch überall gleichzeitig. Ein Dutzend Kugeln durchlöcherten seine Uniform, trafen ihn selbst aber wie durch ein Wunder nicht. Er schien gefeit zu sein an diesem grausamen Tag, und als die Männer, die die Verwundeten trugen, laut darüber nachzudenken begannen, ob sie es überhaupt schaffen konnten, sowohl sich selbst als auch ihre verletzten Kameraden zu retten, stieg McDonnell mitten auf einer Lichtung auf einen hohen Baumstumpf. Sehr ruhig, ein Bein vorgestellt und die Hände in die Hüften gestützt, das Gesicht dem Wald zugewandt, aus dem die Verfolger unablässig feuerten, erklärte er, dass er diesen Punkt nicht verlassen würde, ehe nicht alle Verwundeten an ihm vorüber wären. Als Letzter von allen überquerte er den Waingongoro und erreichte gegen zehn Uhr abends Camp Waihi. Takiora half dabei, die abgekämpften Männer zu versorgen, fragte aber jeden, der nicht zu müde oder durchgedreht zum Reden war, nach von Tempsky und seinen Rangern.

»Wer hat Manu-Rau getötet?«, fragte Gowers den Jungen, nachdem er ihn gefesselt und im Licht eines einzelnen Streichholzes davon überzeugt hatte, dass er kein Geist war.

»Ich«, antwortete Tutange Waionui stolz und versuchte dabei, sein Herz zu beruhigen, denn dieser Pakeha würde nun sicher Rache nehmen wollen, und der Gedanke an die Folter und die Verstümmelungen, die ihm bevorstanden, erschreckte den Fünfzehnjährigen mehr, als er zeigen wollte.

Der Mann, der ihn überwältigt hatte, sagte jedoch nur: »Erzähl mir davon.« Dass der Junge trotz seiner unschönen Lage als Gefangener darauf beharrte, den größten und berühmtesten Krieger der Pakeha getötet zu haben, verschaffte ihm nicht nur Gowers’ Respekt, sondern überzeugte den Investigator auch davon, dass er die Wahrheit sagte.

Von den Einzelheiten der Schlacht, den Positionen der einzelnen Abteilungen wusste Tutange nicht viel, aber klar war, dass die Patea Field Force bei Te Ngutu o te Manu eine vernichtende Niederlage erlitten hatte und zersplittert worden war. McDonnell schleppte sich mit den traurigen Resten nach Süden, aber von Tempskys Männer waren offenbar auf dem Schlachtfeld geblieben.

»Habt ihr Gefangene gemacht?«, fragte Gowers, dem es nun nur noch um einen bestimmten Mann ging.

»Zwei oder drei, die ihre Gewehre weggeworfen hatten, wurden ins Dorf gebracht«, sagte Tutange verächtlich. »Sie waren keine Kugel wert.«

»Und die anderen?«

»Sind noch dort und werden ewig dort bleiben!«

Das stimmte nicht ganz. John Roberts und James Livingstone, die letzten lebenden Offiziere der Forest Ranger, beide noch junge Burschen, keine fünfundzwanzig Jahre alt, hatten die Reste der geschlagenen Truppe gesammelt und sich langsam, vom gnadenlosen Feuer der Maori verfolgt, von ihrem verlorenen Posten in den dichten Wald im Nordosten geschleppt. Nur der Umstand, dass Titokowaru die Hauptmacht seiner Leute zur Verfolgung McDonnells nach Süden beorderte, rettete sie.

Nun waren grausame Entscheidungen zu treffen, denn sie hatten mehr Verwundete, als sie transportieren konnten. Harry Hastings, versprengtes Mitglied der Wellington Volunteers, wurde auf eigenen Wunsch schwer verletzt zurückgelassen, und Livingstone zerschlug seinen Karabiner an einem Baum, damit er den Maori nicht in die Hände fiel. Corporal William Russell, mit zerschmetterter Hüfte an einen Baum gelehnt, bat seine Kameraden, ihn zu erschießen, aber niemand wollte es tun. Sie gaben ihm seinen Revolver und hörten kurze Zeit später einen einzelnen Schuss, gefolgt von wütendem Gewehrfeuer. Offenbar hatte er einen der Verfolger niedergestreckt und war den Tod eines Soldaten gestorben.

Nur ein einziger der Zurückgelassenen überlebte; G. H. Dore, ein ehemaliger Seemann, der anscheinend an einer Form des Downsyndroms litt, war mit einer Schulterwunde, die tief in den Knochen hinabreichte, zurückgeblieben. Als die Maori ihn erreichten, stellte er sich tot, und nachdem sie ihm Hosen, Stiefel, seinen Revolver und all seine Habe weggenommen hatten, ließen sie ihn liegen.