»Tu, was ich sage, Mädchen, oder du wirst es bereuen!«
Darioleta, die vor Schmerz und Schreck aufgeschrien hatte, beeilte sich zu gehorchen. Ihre Hände zitterten, und Gandalod begann zur Befriedigung der mitleidlosen Zuschauer zu weinen.
»Jetzt gib ihm zu essen«, sagte Bonneterre noch einmal, und obwohl Gandalod immer wieder den Kopf wegdrehte, schaffte sie es schließlich, ein Stück Brot in seinen Mund zu stecken. Er spuckte es aus, und ein zweiter, womöglich noch härterer Schlag traf Darioletas Rücken. Nun schossen auch ihr die Tränen in die Augen, und Gandalod aß irgendwann, aß und trank aus den Händen des unglücklichen Mädchens, und Bonneterre wusste bereits, dass er gewonnen hatte, noch ehe er ihr die Kleider vom Leib schnitt.
Zwei Stunden später war Desmond Bonneterres Reputation als Niggerbreaker vollständig wiederhergestellt. Sie wussten jetzt, dass Moses eine Frau war, wussten, wie sie ihre Nigger gestohlen und wohin sie sie geführt hatte, wussten auch, dass sie auf ein Schiff warteten. Ein ortskundiger Nigger oder Cajun, der sie nach Barataria führen konnte, würde sich rasch finden lassen. Das einzige Problem waren die Beschwerden der Nachbarn und der übrigen Hotelgäste, die sich durch die entsetzlichen Schreie in ihrer Nachtruhe gestört fühlten.
»Selbstverständlich können Sie mit Ihren Niggern tun, was Sie wollen, Gentlemen«, sagte der erregte Hauswirt nach einem angewiderten Blick auf das nackte, blutende Mädchen. »Nur nicht um diese Zeit, bitte sehr!«
Aber eine rasch durchgeführte Kollekte, die eine Summe von beinahe vierzig Dollar ergab, brachte auch diesen vehementen Protest zum Verstummen.
85.
Die Überquerung des Waitetuna, eines kleinen, aber reißenden Flusses mit steilen Uferböschungen, war eine erste Herausforderung, doch glich der weitere Aufstieg der Forest Ranger in die westlichen Ausläufer der Hakarimata Range eher einem Sonntagsausflug. Der Pfad führte durch einen lichten Bergwald, die Luft war angenehm warm und erfüllt vom Blütenduft einer Orchideenart, die sich überall an die Bäume klammerte. Schon am Nachmittag hatten sie Te kapa ama hanga, eine große Freifläche auf der Passhöhe, erreicht, und von Tempsky gab mithilfe eines Spiegels dem weit unten in der Whaingaroa-Bucht ankernden Schiff das vereinbarte Signal zur Abfahrt. Es war der 19. März 1868, er war nun auf dem Weg, und McDonnell würde in wenigen Tagen wissen, dass er von jetzt an in drei bis vier Wochen nach Norden, den Wanganui River hinauf, blicken musste, um die Verstärkung seiner Armee heranmarschieren zu sehen.
Ostwärts, die Wasserscheide hinab, war ihr Weg nun einer der besten und gangbarsten Fußpfade Neuseelands, führte Hügelkamm nach Hügelkamm über offenes Farnland. Vor ihnen lag das Tiefland des mittleren Waikato-Beckens, so fruchtbar und grün, dass von Tempsky es nur mit den weiten Ebenen Ungarns vergleichen konnte, die er als Junge gesehen hatte. Sie gingen noch ein, zwei Meilen weiter, und die Männer waren so gut gelaunt, dass sie sangen. Der Weg über Land, auf den ihr Anführer sie so gründlich vorbereitet und vor dem sie sich gegenseitig ob seiner Wildheit und Gefahren gewarnt hatten, schien ja eher eine Vergnügungsreise zu werden.
Am frühen Abend schlugen sie ein zwangloses Lager auf, das fast einem Picknick glich, denn das Wetter war gut, und von Tempsky verzichtete darauf, die Zelte aufbauen zu lassen. Der überall wachsende Farn bildete, ausgerissen und in einer bestimmten, leicht zu erlernenden Weise zusammengelegt, eine Matratze, die weit angenehmer war als die harten Schiffsplanken und sogar den Vergleich mit europäischen Hotelbetten nicht zu scheuen brauchte. Die Sandfliegen verschwanden mit der hereinbrechenden Dunkelheit spurlos, Moskitos gab es Mitte März überhaupt nicht mehr, in der Asche rasch entzündeter Lagerfeuer garten die »Damper«, flache Weizenkuchen, die man süß oder gesalzen essen konnte – das Leben im Feld war herrlich!
Getrübt wurden Freude und Nachtruhe lediglich durch die Ratten, die – ein Mysterium dieses Landes – nachts einfach überall waren: in den dichtesten Wäldern ebenso wie im offenen Hügelland, in den Dörfern wie an den einsamsten Stränden. Der Proviant war geschützt, da man ihn vorsorglich an Stangen aufgehängt hatte, aber selbst die Männer, die daran gewöhnt waren, dass die vorwitzigen Nager auf ihren Körpern herumspazierten, während sie schliefen, wurden durch die Flüche und Geräusche wach gehalten, die diejenigen von sich gaben, die das Gewimmel einfach nicht ertragen konnten. Einzelne wurden sogar gebissen.
Entsprechend ernüchtert und übernächtigt gingen sie am nächsten Morgen weiter und erreichten den Waipa River und Whatawhata, die erste Maorisiedlung auf ihrem Weg, erst am Nachmittag. Das natürliche Misstrauen der Maori gegen zweihundert bewaffnete Pakeha, die in ihr ureigenstes Gebiet eindrangen, suchte von Tempsky durch Freundschaftsbezeigungen und sehr gute Preise für die Tauschwaren zu beschwichtigen; ließ aber nicht unerwähnt, dass sein Name Manu-Rau sei, unterwegs, um einige aufsässige Rebellen im Süden zu bekriegen.
Er ließ dem großen König Tawhiao, der zehn Meilen flussabwärts in Ngaruawaiha residierte, seine freundlichsten Grüße übermitteln, dann aber das Lager flussaufwärts aufschlagen, was ein zumindest psychologischer Affront war, da es bedeutete, dass die Maori am nächsten Morgen das von den Fäkalien der Weißen verunreinigte Wasser trinken würden. Das Ganze war genau die höfliche Mischung aus Diplomatie und Provokation, Freundlichkeit und Frechheit, die er auf seinem gesamten Weg beibehalten wollte.
Die meisten der jungen Australier, und unter ihnen auch Gowers, sahen in Whatawhata zum ersten Mal die echte Wahine oder Maorifrau, denn die Damen, die ihnen ihre Schlafsäcke genäht hatten, waren christianisiert und europäisch bekleidet gewesen. Am seltsamsten an den üppigen dunklen Schönheiten, die ihnen jetzt begegneten, waren die rosigen kleinen Schweinchen, die von manchen der Frauen wie Schoßhündchen gehalten und gehätschelt wurden, die sie streichelten und bisweilen sogar an ihren zu ebendiesem Zweck entblößten Brüsten lecken ließen. Um zu verhindern, dass seine sexuell ausgehungerten Männer sich an die Stelle der Schweinchen setzten, ließ von Tempsky an diesem Abend eine doppelte Reihe von Wachtposten aufstellen – eine äußere, die das Lager gegen die Maori, und eine innere, die die Maori und insbesondere ihre Frauen vor den aufgereizten jungen Pakeha schützen sollte.
Am nächsten Morgen zogen sie zeitig weiter, den Waipa hinauf, einen trägen, braunen Fluss von Torfwasser, der trotz oder wegen seiner geringen Strömungsgeschwindigkeit eine Tiefe von acht bis zwölf Fuß aufwies und sehr fischreich war. Der Proviantsorgen damit fürs Erste enthoben, folgten sie seinem Lauf zwei Tage lang flussaufwärts, wobei sie meist auf der westlichen der beiden breiten Terrassen marschierten, die das Wasser in die umliegende Hügellandschaft gewaschen hatte. Sie bemerkten jetzt auch, dass sie rund um die Uhr beobachtet wurden, und als er sicher war, dass König Tawhiao durch seine Läuferketten pausenlos über ihr Tun und Lassen unterrichtet wurde, stellte von Tempsky zwischen Puke Houa und dem Einlass des Mangahoe zum ersten Mal seine Staffelei auf.
Der Pirongia bot von hier aus einen wahrhaft grandiosen Anblick, und man wurde in der Tat nicht müde, ihn zu betrachten, da seine vielen Gipfel von jedem Standpunkt aus neue Formen anzunehmen schienen. Von Tempsky war allerdings kein reiner Landschaftsmaler, und deshalb ließ er seine Männer durch den Vordergrund marschieren, was dazu führte, dass sie ihn in einem weiten, ununterbrochenen Zug umkreisten. Bei einigen inzwischen recht fußmüden Soldaten führte das zwar zu Unmut und einigen bissigen Bemerkungen, aber die Verwirrung, die die Meldung »Manu-Rau malt die Berge, und seine Männer marschieren um ihn herum« bei den Maori auslösen würde, war etwas Unmut und ein paar Witze wert.