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»Was?« Geary sah ihn verdutzt an. »Wie können Sie mich so etwas überhaupt nur fragen? Ich sagte bereits, dass ich Desjani nicht so behandeln würde.«

Duellos verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln. »Entschuldigen Sie. Ihre Äußerung zu Captain Desjani hatte ich bereits akzeptiert. Ich bezog mich auf das Angebot, das Captain Badaya Ihnen vor Kurzem unterbreitet hat.«

»Oh.« Gearys Wut ebbte gleich wieder ab, und er schüttelte den Kopf. »Nein. Ich habe es nicht angenommen, und das wird auch nicht passieren. Das habe ich ihm deutlich gesagt. Wie viele Leute in der Flotte wissen davon?«

»Vermutlich jeder befehlshabende Offizier in dieser Flotte.« Duellos sah Geary forschend an. »Ich bin froh, dass Sie das so kategorisch ablehnen. Ich ärgere mich auch manchmal über unsere politische Führung, aber ich nehme meinen Eid gegenüber der Allianz ernst. Ich könnte Sie bei so etwas nicht unterstützen, sondern würde mich gegen Sie stellen.«

Geary nickte nur, er vertraute Duellos, dass er ganz sicher seiner Regierung treu bleiben würde. »Hat Badaya recht? Würde der größte Teil der Flotte einen solchen Schritt unterstützen? Ich hoffe auf ein Nein.«

»Das kann ich Ihnen leider nicht geben. Höchstwahrscheinlich würden zwei Drittel der Flotte Sie als Diktator akzeptieren, wenn vielleicht auch nicht jeder aus den gleichen Gründen.« Duellos sah einen Moment zur Seite. »Und natürlich würden einige Captains, die sich in dem Fall gegen Sie aussprechen, von ihrer Crew abgesetzt, um jemanden nachrücken zu lassen, den Sie bestimmen.«

Mit beiden Händen rieb Geary über seine Stirn, während er nachzudenken versuchte. »Ich wage es gar nicht, Colonel Carabali zu fragen. Sie wird noch glauben, ich will sie aushorchen und ihren Standpunkt in Erfahrung bringen.«

»Die Marines?« Duellos zog die Augenbrauen zusammen. »Die wären eine unberechenbare Größe. Ihnen gegenüber wären sie auf jeden Fall loyal, allerdings hat auch ihre Loyalität gegenüber der Allianz einen legendären Ruf.« Er zuckte mit den Schultern. »Es würde aber nichts ändern. Wenn die Besatzungen sich hinter Sie stellen, gibt es nicht genug Marines, um etwas dagegen zu unternehmen.«

»Ich kann es gar nicht fassen, dass ich überhaupt über so etwas rede.« Geary schüttelte den Kopf, ging langsam im Konferenzraum auf und ab, dann kehrte er zu Duellos zurück. Er musste sich selbst gegenüber und nach außen ein klares Zeichen setzen. »Ich werde Badayas Angebot nicht annehmen.«

Duellos lächelte. »Gut. Ich hatte es auch nicht erwartet, aber wenn so viel auf dem Spiel steht, fühlt es sich gut an, die Antwort direkt von Ihnen zu hören. Ich würde mich nicht gegen Sie stellen wollen.«

»Dann können wir uns ja die Hand reichen«, erwiderte Geary und lächelte ebenfalls. »Ich glaube, wir werden immer auf der gleichen Seite sein.«

»Tanya Desjani würde Ihnen folgen. Sie wäre zwar innerlich zerrissen, aber sie würde loyal zu Ihnen stehen.«

»Warum erzählen Sie mir das?«

»Weil ich nicht glaube, dass Sie sie jemals darum bitten würden, gegen ihren Eid zu verstoßen, und unter jeglichen anderen Umständen würde sie das auch nicht tun… Es sei denn, Sie sind derjenige, der sie dazu auffordert.«

»Danke.« Er war sich noch immer nicht im Klaren, wieso Duellos ihn das wissen lassen wollte, aber für den Augenblick ließ Geary es auf sich beruhen. »Und wie denken Sie jetzt über Lakota? Immer noch besorgt?«

»Sie nicht? Es ist riskant. Doch es ist egal, wohin wir von hier aus weiterreisen, es ist alles riskant. Ich denke, wir können dieses Risiko eingehen. Wir können noch so gründlich abwägen und planen, irgendwann wird unsere Glückssträhne ein Ende haben, und diese Flotte wird in große Schwierigkeiten geraten. Aber dann können wir auch wie Krieger sterben, die nach den Sternen gegriffen haben, nicht wie Mäuse, die sich in einem Loch verkrochen haben.«

»Selbst wenn uns bei Lakota ein großes Syndik-Aufgebot erwartet, heißt das nicht, dass diese Flotte sterben wird.«

»Hoffentlich nicht. Aber selbst wenn doch, haben Sie uns geholfen, nach dem Desaster im Syndik-Heimatsystem das Gleichgewicht der Kräfte wieder auszugleichen. Wenn wir genügend Syndiks mit in den Untergang reißen, wird die Allianz immer noch eine Chance haben.« Duellos salutierte. »Wir sehen uns in Lakota.«

* * *

»Wir bekommen Gesellschaft, Sir.«

Desjanis Stimme riss ihn in seinem Quartier aus dem Schlaf, und er klatschte seine Hand auf das Komm-Panel, um die eingehende Nachricht anzunehmen. »Wie viele?«

»Acht große Syndik-Schiffe sind durch den Sprungpunkt von Dansik nach Ixion gekommen. Vier Schlachtschiffe, vier Schlachtkreuzer, begleitet von sechs Schweren Kreuzern und der üblichen Mischung aus Leichten Kreuzern und Jägern. Sie sind ungefähr zwei Lichtstunden an Steuerbord von uns entfernt. Vor zwei Stunden waren sie mit 0,1 Licht unterwegs.«

»Inzwischen werden sie Kurs auf uns genommen haben.«

»Ja, Sir. Es passiert in diesem Moment. Sie drehen bei, aber ich glaube nicht, dass sie versuchen werden, auf Abfangkurs zu gehen. Wir sind vier Stunden und zehn Minuten vom Sprungpunkt nach Lakota entfernt.«

»Nein, ganz sicher kein Abfangkurs«, stimmte er ihr zu. Bei 0,1 Licht benötigten sie für eine Strecke von zwei Lichtstunden zwanzig Stunden. Da sich die Syndiks zudem noch in einem Winkel näherten, würde die zurückzulegende Strecke sogar noch etwas länger ausfallen. »Die verfolgen uns zum Sprungpunkt und fliegen uns einfach hinterher.« Der Feind war gesichtet worden, aber sie konnten schlichtweg nichts dagegen unternehmen. Kehrtzumachen und die Syndiks abzufangen, wäre ein sinnloses Unterfangen, da diese Flotte einfach jeder Konfrontation aus dem Weg gehen und auf weitere Verstärkung warten konnte. »Danke für die Information. Bleiben Sie auf Kurs zum Sprungpunkt nach Lakota.«

»Jawohl, Sir«, erwiderte Desjani.

Er legte sich wieder hin und wurde prompt von Schuldgefühlen heimgesucht. Desjani saß auf der Brücke, behielt die Situation im Auge und beobachtete den Feind, während er in seinem Quartier im Bett lag. Natürlich hätte er sich auf der Brücke in keiner Weise nützlich machen können, dennoch kam es ihm verkehrt vor, dass er nicht dort war.

Riones Hand schob sich über seine Brust. »Werden die uns nach Lakota folgen?«, murmelte sie ihm ins Ohr.

»Ja. Tut mir leid, dass du aufgewacht bist.«

»Nicht so schlimm. Du wirst jetzt sicher Probleme haben, wieder einzuschlafen.« Ihre Hand wanderte weiter nach unten. »Es wäre doch unsinnig, wenn wir beide einfach nur wach im Bett liegen, nicht wahr?«

Dass ihnen Syndik-Schiffe in dieses System gefolgt waren, schien Rione gar nicht zu stören. Oder sie versuchte, ihn von seinen Sorgen abzulenken. Oder sie war insgeheim darüber beunruhigt, was sie womöglich bei Lakota erwartete, dass sie keine Gelegenheit verpassen wollte, Zeit mit ihm zu verbringen.

Nach einigen Augenblicken hörte er auf zu grübeln, welche Motive sie für ihr Handeln haben mochte.

* * *

Geary saß auf der Brücke der Dauntless und musterte das Display, das seine Flotte darstellte. Er hatte seine Schiffe eine alte, als Echo Five bekannte Formation einnehmen lassen, die aus fünf Unterformationen in der Form von Münzen bestand. Jede dieser Scheiben wies ein wenig Tiefe auf und war vertikal nach vorn ausgerichtet. Angeführt wurde die Flotte von Echo Five One, die sich aus Überresten von Captain Cresidas Fünfter Schlachtkreuzerdivision und der dezimierten Siebten Schlachtkreuzerdivision zusammensetzte. Zwei Schlachtkreuzerdivisionen, die aus gerade mal fünf Schiffen bestanden. Das war deprimierend, und er dachte lieber gar nicht erst darüber nach. Dank der Schweren und Leichten Kreuzer sowie der Zerstörer, die dieser Einheit zugeteilt worden waren, besaß die Vorhut zumindest eine passable Kampfstärke.