Выбрать главу

Geary wandte den Blick von der Darstellung der Minen ab und hielt Ausschau nach feindlichen Kriegsschiffen. Vor dem Sprungpunkt war nichts zu entdecken, und auch in der unmittelbaren Umgebung wurde nichts angezeigt. Er wollte seinen Augen kaum trauen, da er nirgends ein feindliches Schiff ausmachen konnte, bis der Bildschirm schließlich beim Hypernet-Portal angekommen war.

Dort hielt sich die erwartete Syndik-Flotte auf und flog gemächlich am Portal vorbei, als befinde sie sich auf einem routinemäßigen Patrouillenflug. »Die Syndik-Flotte Alpha besteht aus sechs Schlachtschiffen, neun schweren Kreuzern, dreizehn leichten Kreuzern und zwanzig Jägern«, meldete der Wachhabende der Gefechtssysteme in dem gleichen Moment, als die Displays diese Informationen ebenfalls anzeigten.

»Jetzt haben wir sie«, freute sich Desjani. »Mit dieser Streitmacht können wir es mühelos aufnehmen.« Sie drehte sich zu Geary um und grinste wie jemand, der soeben entdeckt hatte, dass der Gegenseite ein gravierender Fehler unterlaufen war und der Sieg so gut wie sicher schien.

Geary versuchte, die Ruhe zu bewahren, und suchte das Display gründlich nach weiteren Syndik-Kriegsschiffen im Lakota-System ab. Doch von ein paar Syndik-Jägern in der Nähe der bewohnten Welt abgesehen, die von der gegenwärtigen Position der Flotte fünf Stunden entfernt war, schien sich kein weiteres gegnerisches Schiff im System zu befinden.

»Das ist mehr als genug Feuerkraft für die Syndiks, um das Portal zu zerstören, bevor wir es erreichen können«, merkte Rione an.

»Ja«, stimmte Geary ihr zu. Doch eine solche potenzielle Gelegenheit sollte man nicht ungenutzt lassen. Man durfte sie gar nicht ungenutzt lassen. Desjani war ganz sicher nicht die Einzige in der Flotte, die davon überzeugt wurde, dass die Syndiks in diesem System eine leichte Beute darstellten. »Wenn wir geradewegs auf das Portal zusteuern, dann bleiben die Syndiks einfach dort und zerstören es, bevor wir eintreffen. Wir müssen sie von ihrer Position weglocken und dann zum Portal gelangen, ehe sie dorthin zurückkehren können.«

»Wenn wir sie vernichten…«, begann Desjani.

»Ich weiß. Aber unsere oberste Priorität ist es, das Portal zu erreichen, solange es noch intakt ist.«

Desjani nickte widerwillig.

»Wie wollen Sie sie weglocken?«, fragte Rione.

»Was würden Sie vorschlagen?«, gab er zurück.

Sie überlegte einen Moment lang. »Dass wir ihnen etwas bieten. Ein Ziel, dem sie nicht widerstehen können.«

»Ganz genau«, stimmte Desjani ihr zu. »Wir müssen sie glauben machen, dass wir am Portal nicht interessiert sind, und ihnen ein Ziel präsentieren, das sie einfach ins Visier nehmen müssen.«

Bedauerlicherweise gab es innerhalb der Flotte nur ein Ziel, das diese Wirkung erzielen würde. »Formation Echo Five Five. Die Hilfsschiffe und die beschädigten Kriegsschiffe.« Sie waren wie kranke, schwache Tiere, die der Herde hinterherliefen. Aber er wollte keines dieser Schiffe verlieren. Die Hilfsschiffe spielten eine entscheidende Rolle für das Überleben der Flotte, und die beschädigten Kriegsschiffe besaßen zum einen immer noch eine gewisse Kampfkraft, zum anderen waren sie der Beweis für Gearys Aussage, dass er kein Schiff und keine Crew aufgeben und zurücklassen würde. Diese Schiffe nun als Köder zu benutzen, würde dem Gedanken zweifellos abträglich sein.

Wieder betrachtete er das Gesamtbild, das sich ihm bot. Nach den spärlich bevölkerten Systemen, die die Allianz-Flotte zuletzt aufgesucht hatte, wirkte das Lakota-System vergleichsweise wohlhabend. Der vorrangig bewohnte Planet, der sich momentan neun Lichtstunden jenseits des Sterns befand, ließ alle Anzeichen für eine wachsende, dynamische Welt erkennen. Größere Kolonien waren auf mehreren anderen Planeten auszumachen, und etliche Einrichtungen kreisten in festgelegtem Orbit um die diversen Himmelskörper. Dazwischen wimmelte es von zivilem Raumschiffverkehr, Handelsschiffe durchquerten das System, verließen es oder trafen von anderen Sternen kommend hier ein. Große Erzfrachter transportierten Rohstoffe von den Minen auf den Asteroiden und den unbewohnbaren Planeten. Antiorbital-Verteidigungsanlagen kreisten um ein paar Einrichtungen, doch denen schenkte Geary wenig Beachtung. Sie und die militärischen Stationen im Orbit um die bewohnte Welt saßen für eine Langstreckenbombardierung durch seine Flotte auf dem Präsentierteller.

Wenn sie bloß bleiben könnten, um einen Teil der Fracht von diesen Erzfrachtern auf ihre Hilfsschiffe umzuladen!

Die Steuersysteme hatten keine Probleme damit, die Manöver auszuführen, die Geary von ihnen sehen wollte. »Zweites und Siebtes Zerstörergeschwader, Sie lösen sich von der Formation und fangen die Syndik-Erzfrachter ab, die sich in der Nähe des Gasriesen 1,2 Lichtstunden von Ihrer Steuerbordseite entfernt aufhalten. Nehmen Sie die Frachter in Gewahrsam und eskortieren Sie sie zur Flotte, damit wir ihre Fracht auf die Hilfsschiffe umladen können.«

Er hielt inne und überlegte, ob das für den Augenblick alle notwendigen Befehle waren, dann beschloss er, seine Probleme in diesem System auf ein Minimum zu reduzieren. Geary teilte den Gefechtssystemen der Dauntless mit, was zerstört werden sollte, indem er die Ziele markierte und die entsprechenden Waffensysteme benannte. Nachdem die Systeme für den Bruchteil einer Sekunde über die Anforderungen nachgedacht hatten, präsentierten sie ihm ihren Vorschlag, wie das am besten zu erledigen war. Geary sah sich den Plan in Ruhe an, dann leitete er ihn an die Reprisal weiter. »Achtes Schlachtschiffgeschwader, führen Sie das kinetische Bombardement der Militäreinrichtungen der Syndiks durch, wie es im angehängten Plan vorgeschlagen wird.«

Während Geary sich bereits den nächsten Berechnungen widmete, spien die vier Kriegsschiffe die massiven Metallprojektile aus, die auf dem Weg zu ihrem Ziel noch deutlich an Energie zulegen würden. Durch die Geschwindigkeit, mit der sie schließlich auf ihr jeweiliges Ziel trafen, würden nicht nur die Projektile und ihre Ziele, sondern auch die Umgebung verdampft werden. Schiffe konnten solchen Geschossen mühelos ausweichen, da nur eine winzige Kurskorrektur erforderlich war, um sich aus ihrer Flugbahn zu begeben, während sie noch etliche Millionen Kilometer entfernt waren. Aber Einrichtungen und Anlagen auf Objekten in einem festen Orbit waren in ihren Bewegungen berechenbar, was sie zu leichten Zielen machte, seit die Menschheit ihre Waffen auch im All einsetzte.

»Alle Einheiten«, befahl Geary. »Drehen Sie bei Zeit eins sechs um sieben zwei Grad nach Steuerbord und null drei Grad nach unten.« Dieser Befehl hatte zur Folge, dass jedes Schiff sich auf seinem Platz in der Formation drehte, die dadurch in ihrem Aufbau unverändert blieb, dafür aber in eine andere Richtung unterwegs war, sodass nun wieder die Breitseite der Münzen nach vorn wies.

Desjani brauchte nur einen Moment, um den Befehl zu analysieren. »Damit steuern wir genau auf die Mitte zwischen den Sprungpunkten nach Branwyn und T'negu zu.«

»Die Syndiks sollen erst mal eine Weile darüber grübeln, was wir vorhaben.« Geary erhob sich von seinem Platz. »Bereit für eine weitere Flottenkonferenz?«

»Wenn Sie sich den anderen stellen können, dann kann ich es auch«, erwiderte sie.

Desjani folgte Geary von der Brücke, doch als er an Rione vorbeiging, stand die abrupt auf und stellte sich zwischen die beiden. »Sie wollen bei der Konferenz persönlich anwesend sein?«, fragte er überrascht, da sie ihn aus seinen Gedanken geholt hatte.

»Vielleicht«, antwortete Rione mit einem frostigen Unterton. »Ich würde gern im Voraus wissen, was Sie sagen werden, außer das soll ein Geheimnis bleiben.«

»Meinetwegen.«

Sie ging neben ihm her in Richtung Konferenzraum. Desjani folgte den beiden schweigend.

»Ich werde ihnen sagen, dass ich beabsichtige, die Syndiks vom Hypernet-Portal wegzulocken. Unser momentaner Kurs lässt sie im Unklaren, welches Ziel wir tatsächlich ansteuern, und sie werden glauben, dass wir dieses System nur durchqueren und so schnell wie möglich wieder verlassen wollen.«